Frage von Majele, 89

Lohnt sich eine fondsgebundene Rentenversicherung?

Was haltet ihr von einer fondsgebundenen Rentenversicherung in die man über 20 Jahre 100 Euro monatlich einzahlt? Ist dies eine sichere und sinnvolle Option der Altersvorsorge?

Antwort
von detlef32, 79

Eine fondsgebundene Rentenversicherung ist vergleichbar mit einem Investmentsparplan.

Es gibt als Angebote in diesem Bereich im Wesentlichen vier verschiedene Modelle:

  1. Als fondsgebundene Rentenversicherung
  2. Als Rentenversicherung gebunden an einen Index von der Allianz (Indexselect)
  3. Als normaler Fondssparplan
  4. Als Stop & Go Professional als Fondssparplan

Jeder hat seine eigenen Vor- und Nachteile.

Als Vorteil haben alle, dass sie mit welchem Teil auch immer in Aktien investieren und das war in der Vergangenheit für einen längeren Zeitraum (ab mindesten 10 Jahren) immer eine gute Strategie.

Die Varianten 1,2 und 4 haben den Nachteil, dass alle Kosten bereits in den ersten Jahren (5 Jahren) anfallen Wenn man also einen Sparplan Stop&Go oder eine Rentenversicherung über mtl. 100 Euro, 20 Jahre abschliesst fallen für 24.000 Euro Kosten an. Also ca. 1.200 Euro. Die Belastung ist enorm und damit der Zinseszins geringer als bei 3. Auch wird ein Verlust vorprogrammiert falls man den Sparvorgang nicht durchhält.

Bei der Variante 3 und 4 fallen jährliche (Abgeltungs-)steuern an die den Ertrag belasten. Bei der Rentenversicherung fallen Kosten erst nach Ablauf an und damit ist der Zinseszinseffekt besser als bei reinen Fondssparplänen.

Bei der Variante 2 ist kein Verlust (bis auf die Abschlusskosten) möglich. Jedes Jahr wird der Verlauf des Eurostoxx gecheckt. Ist ein Verlust aufgetreten bleibt es bei dem Kontostand des Vorjahres, ist ein Gewinn zu verzeichnen bekommt der Kunde zwar nicht 100% des Gewinnes aber einen großen Teil des Gewinnes des Eurostoxx. Auch besteht jedes Jahr ein Wahlrecht ob der Kunde im Eurostoxx inverstiert sein möchte oder ob er lieber einen sicheren Zins im Deckungsstock haben will.

Bei der Variante 4 wird nach einem festgelegtem Schema umgeschichtet. Gehen die Kurse nach unten dann wird das Geld aus Aktien herausgenommen und in festverzinsliche Fonds angelegt. Geht es nach oben dann geht es raus aus den Rentenpapieren und rein in die Aktien. Das soll die Rendite erhöhen und schlechte Zeiten minimieren. Dieser Wechsel der Fonds ist kostenlos. Schliesslich sind die Gebühren bereits am Anfang komplett bezahlt worden.

Bei 1 kann der Kunde jederzeit einen Wechsel der Fonds (auch des bereits eingezahlten Geldes) kostenlos vornehmen. Die Fondspalette ist meist limitiert.

Auch bei 3 kann der Kunde einen Wechsel der Fonds vornehmen. Da allerdings die Gebühren nicht im voraus anfallen werden beim Wechsel weitere Kosten entstehen.

Meine persönliche Meinung:

Es gibt für jedes der Produkte ein gutes Argument dafür oder dagegen. Ich halte persönlich für den Normalo allerdings die Varianten 1 und 4 für gefährlich. Der Vermittler hat bei diesen Produkten sein Geld schon verdient. Er bekommt also für eine Beratung (schichte mal um) nichts und hat damit auch keine Zeit dafür schliesslich muss er auch seine Familie ernähren. Und damit sitzt entweder der Kunde im Zweifelsfall auf falschen Fonds oder der nächste Vermittler beschwatzt ihn um diesen "Schatz" zu heben und gegen neue, teure Provison umzuschichten.

Ich halte Stop&Go grundsätzlich für ok aber durch die Provisionserhebung am Anfang gepaart mit jährlicher Versteuerung für zu teuer und der Normalo kann auch nicht die richtigen Regeln für Rein & Raus definieren. Und da der Berater mit der Provision weg ist ist er allein gelassen.

Die Variante 2 ist für den Normalo der nichts von der Börse versteht die sicherste Variante. Er kann nichts verlieren ist aber in Hochphasen dabei. Allerdings ist die Bindung an den Eurostoxx halt fix und er sollte einen Vertrag mit Abschlußprovision nur abschliessen wenn er sicher ist den auch durchhalten zu können.

Die Variante 3 ist für Leute die evtl. auch das Geld zwischendurch für was anderes wie z.B. Eigenheim oder andere Altersvorsorge verwenden wollen. Bei diesem Vertrag kann man beim Berater (meist ja dann eine Bank) auch auf ein offenes Ohr treffen. Schliesslich bekommt der Berater (oder die Bank) laufende Provision und ist an der Weiterführung und einer Beratung über den Fonds interessiert.

Andere Antworten haben sich mit Riester und anderen geförderten Produkten beschäftigt und natürlich ist erst einmal zu prüfen ob nicht der Staat auch ein Teil zum Aufbau der Alteresvorsorge beitragen kann. Allerdings sind (bis auf Stop&Gp) alle Modelle auch als Riester erhältlich und bringen sol zusätzliche Zulagen und Steuervorteile.

Antwort
von Niklaus, 60

Das kann ein gute Vorsorge sein, es besteht aber auch die Möglichkeit, dass es die falsche Vorsorge ist.

Eine eigene Altersvorsorge ist unbedingt erforderlich. So früh wie möglich damit anfangen. Denn Vermögen=Zeit x Geld. Mit dem richtigen Zeithorizont wirkt der Zinseszins am effektivsten.
Aufgrund des seit 1.1.2005 in Kraft gesetzten Alterseinkünftegesetzes, sollte eine Altersvorsorgeberatung alle drei Schichten umfassen. Schicht 1 Basisversorgung: gesetzliche Rentenversicherung und Basisrente (Rürup-Rente) Schicht 2 Zusatzversorgung: betriebliche Altersvorsorge und Riester-Rente Schicht 3 Kapitalanlagen: Private Rentenversicherungen, Investmentfonds, besonders Aktienfondssparpläne Die steuerliche Belastung und die Krankenversicherungsbeiträge in den drei Schichten sind während der Ein- und Auszahlungsphase unterschiedlich. Deshalb Achtung: Weder die optimale Schicht noch die Art der Altersvorsorge kann man pauschal festlegen. Jede der Versorgungsarten hat unterschiedlich hohe Aufwendungen um die gleiche Nettorente zu erzielen. Deshalb ist es wichtig, dass vor Abschluss jeglicher Altersvorsorge ein unabhängiger, qualitativer und quantitativer Schichtenvergleich durchgeführt wird. Wie du siehst ist das Ganze nicht so einfach. Weshalb man das hier auch nicht umfassend beantworten kann. Denn es ist nicht nur wichtig die richtige Altersvorsorge sondern auch den richtigen Mix zwischen Rendite, steuerlicher Förderung und zukünftiger steuerlicher Belastung sowie eventuellen Krankenversicherungsbeiträgen zu finden.

Antwort
von Candlejack, 57

Von so einer Vorsorge halte ich viel, ich habe selbst so eine. Allerdings muss die auch zu Plänen und Vorstellungen des Kunden passen. Tut sie aber meist ;-)

Eine sichere Option KANN es sein, da solche Konzepte heute auch Sicherheitsnetze haben. Aktien und Fonds haben ja per se eine gewisse Unsicherheit, bei 20 Jahren allerdings zu vernachlässigen.

Ich meine, eine sehr gute Option der Altersvorsorge, da es in Struktur, Kosten, Steuern und Langlebigkeit kaum eine bessere Vorsorgeform gibt.

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