Frage von Hilfesuchender,

Lohnsteuerklasse III nach Tod des Ehepartners?

Stimmt es, dass nach dem Tod des Ehepartners der überlebende Ehegatte im Sterbejahr zwar in die Lohnsteuerklasse III wechseln kann (vorher IV), sich das aber für das Folgejahr eigentlich nicht mehr lohnt? Ich habe gehört, dass man beim Lohnsteuerjahresausgleich für das Folgejahr dann eigentlich so behandelt wird, als wäre man nach Klasse I zu besteuern (also hohe Nachzahlung).

Antwort von EnnoBecker,
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Diese vielen Lohnsteuerklassenfragen hier im Forum zeigen einmal mehr, dass eine ziemliche Unklarheit darüber besteht, was Lohnsteuerklassen so machen und welche Bedeutung die haben.
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Die Lohnsteuerklasse bestimmt nur, welche Lohnsteuer als Einkommensteuervorauszahlung vom Arbeitslohn abgezogen wird. Und egal, ob sie gut, schlecht, richtig oder falsch ist: Bei der Einkommensteuer wird der materiell-rechtlich richtige Steuerbetrag festgestellt und die Lohnsteuer nach § 36 (2) EStG verrechnet. Im Ergebnis kommt es also zu einer Erstattung oder zu einer Nachzahlung von Steuern.
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So, nun zum Witwensplitting:
So nennt man die Regelung des § 32a (6) Nummer 1 EStG. Und die besagt, dass das Splittingverfahren (also quasi die Ehegattenveranlagung) auch anwendbar ist im Folgejahr des Jahres, in dem der Ehegatte verstorben ist.
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Da der verstorbene Ehegatte aber selber kein Einkommen mehr erwirtschaftet, ist in aller Regel im Folgejahr eine Erstattung zu erwarten.
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Aber Achtung:
Keine Regel ohne Ausnahmen: Hat der verstorbene Ehegatte andere Einkünfte als solche aus nichtselbständiger Arbeit gehabt, so kann es vorkommen, dass die Erbengemeinschaft nunmehr diese Einkünfte realisiert. In dem Fall werden diese Einkünfte in einer gesonderten und einheitlichen Feststellung festgestellt und auf die einzelnen Beteiligten verteilt. Hierzu muss eine Feststellungserklärung abgegeben werden.
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Eine Feststellungserklärung ist im Prinzip so etwas wie eine Einkommensteuererklärung, allerdings für die Fälle, in denen mehrere Personen an einer Einkunft beteiligt sind, hier also die Erbengemeinschaft. In Frage hierfür kommen Kapitaleinkünfte, Vermietungseinkünfte oder gewerbliche Einkünfte.
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FAZIT: Nein, es stimmt so nicht, weil die Frage falsch gestellt ist. Was du im Ergebnis aber wissen willst, nämlich "Muss ich mehr Steuern zahlen?" - trifft nicht zu, wenn nur Arbeitslohn bezogen wurde. Die Witwenrente wird zwar auch besteuert, dürfte aber durch das Witwensplitting kompensiert werden.

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