Frage von schoenma, 570

Lohnbesteuerung und Sozialversicherung bei amerikanischem Arbeitgeber in D

Ich spreche derzeit mit einem amerikanischen Arbeitgeber (AG) für eine in Deutschland zu besetzende Vertriebsposition und muss mir jetzt Gedanken über die Lohnbesteuerung sowie Sozialversicherung machen, da der AG mir einfach nur das Gehalt bezahlen will, die Themen Lohnsteuer und Sozialversicherung aber auf mich abwälzt.

Ist das so überhaupt möglich bzw. zulässig oder macht sich der AG damit irgendwie strafbar? Oder stehe ich hier in der Pflicht für die Leistung der Abgaben und Versicherung?

So wie ich es verstanden habe, wird es eine Art Arbeitsvertrag geben, in dem grundlegende Dinge wie Urlaub und Kündigungsfrist vereinbart werden. D.h. doch aber auch, dass ich dann offiziell als Angestellter gelte, der die "Deutschlandniederlassung" (mein Home Office) betreut bzw. die rechtliche Vertretung in D darstellt und dementsprechend nach geltendem deutschen Recht auch unsere Steuergesetze gelten?!

Auf der anderen Seite steht das Thema selbständiges Arbeiten in der Diskussion, d.h. ich melde ein eigenes Gewerbe an und arbeite für den AG als selbständiger Auftragnehmer - hier wäre ich ja dann in der Pflicht für die ordnungsgemäße Anmeldung sowie Steuer- & Sozialabgaben. Hier sehe ich dann aber das Problem der Scheinselbständigkeit, da ich ja keine anderen Auftraggeber habe...

Wer hat hier eigene Erfahrungen bzw. kann mir zu den Steuerfragen Auskunft geben?

Antwort vom Anwalt erhalten
Anzeige

Schneller und günstiger Rat zum Arbeitsrecht. Kompetent, von geprüften Rechtsanwälten.

Experten fragen

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von freelance, 547

das geht, aber ich würde mich nicht selbst darum kümmern, sondern das Thema an einen Steuerberater geben. Diese Kosten wird jemand tragen müssen und das sollte der AG sein.

Der StB macht dann die Lohnbuchhaltung für dich, meldet die Daten an die nötigen Stellen wie Sozialversicherungen und Finanzamt und lässt die abführen, wenn so gewünscht.

Mir fällt die Berufsgenossenschaft noch ein. Die wird noch anfallen (geringen Kosten, aber nötig).

Wenn der AG sich um gar nichts kümmert, dann sollte dir bekannt sein, dass in dem Falle die Anteile des Arbeitgebers anfallen bei den Sozialversicherungen. Das können gut 20% sein (je nach Verdienst).

Problem der Scheinselbständigkeit

Das sehe ich nicht, denn du schreibst ja von

Lohnbesteuerung sowie Sozialversicherung

Und Lohn heisst Festanstellung. Und bei Festanstellungen gibt es keine Scheinselbständigkeit.

Kommentar von schoenma ,

Ich bin heute noch darauf aufmerksam geworden, dass es ja auch die Variante des Handelsvertreters gibt, hier fällt dann die Problematik der Scheinselbständigkeit von vornherein weg. Dazu sagt Wikipedia:

"...wird der Selbständige als sogenannter „arbeitnehmerähnlicher Selbständiger“ eingestuft. Eine „Scheinselbstständigkeit“ scheidet bei Handelsvertretern per Gesetz aus."

Kommentar von freelance ,

mit dem Handelsvertreter machst du jedoch ein ganz anderes Fass auf.

Ob in deinem Falle überhaupt ein HV in Frage kommt, weiss ich nicht. Aber ich sehe bei der ganzen Frage das Thema Scheinselbständigkeit nicht, denn du sprichst von Lohnbesteuerung. Das ist eine Festanstellung. Das ist keine Selbstständigkeit. Damit kann es auch keine Scheinselbständigkeit geben.

Antwort
von wfwbinder, 456

Du mußt das Gehalt hoch genug vereinbaren, weil Du die AG Beiträge selbst tragen mußt.Also statt 3.000,- Brutto müßten es schon 3.750,- sein, bei der KV und auch bei der Berufsgenossenschaft anmelden.

Das Finanzamt setzt dann Vorauszahlungen fest. Eigentlich müßte auch noch ein Zuschlag für Dich drin sein, für die Rennerei und die Papiere, die Du auszufüllen hast.

Antwort
von fragecaster, 410

Ich bin seit mehreren Jahren in einer vergleichbaren Situation. Ich habe mir vom Betriebsstätten-Dienst der Arbeitsagentur eine Betriebsnummer zuweisen lassen, mit der ich bei der örtlichen Krankenkasse (z.B. AOK) meine Sozialversicherungsbeiträge abführe. Beitragsnachweise und Sozialversicherungsmeldungen lassen sich unkompliziert mit der kostenlosen Software "sv.net" (einfach mal googlen) erstellen und übermitteln.

Bei der Berechnung der SV-Beiträge wird dich die Krankenkasse sicherlich unterstützen, es gibt im Netz aber auch genügend Rechner und Serviceseiten zu dem Thema. Dort findest du auch Details, welche Gehaltsbestandteile (z.B. Sonderzahlungen) wie zu berücksichtigen sind und welche Umlagen (U1, U2, INSO) zu entrichten sind.

Desweiteren ist noch die gesetzliche Unfallversicherung für die entsprechende Branche fällig, wende dich dazu direkt an den Unfallversicherungsträger.

Der ausländische Arbeitgeber muss sich gemäß deutschem Recht an den Sozialversicherungsbeiträgen zu beteiligen, die Umlagen U1, U2, INSO und die gesetzliche Rentenversicherung sind komplett vom Arbeitgeber zu tragen. Diese Beiträge kannst du im Namen deines Arbeitgebers an die entsprechenden Stellen abführen, die Arbeitgeber-Beiträge sollte er dir aber zusätzlich zu deinem Bruttogehalt überweisen.

Die steuerliche Seite ist dagegen einfach: Die Einkommensteuer veranlagst du einfach mit der jährlichen Einkommensteuererklärung. Das Finanzamt wird für Folgejahre eine vierteljährliche Vorauszahlung festsetzen, du kannst aber auch schon vorher eine Vorauszahlungsvereinbarung mit dem Finanzamt treffen.

Kommentar von schoenma ,

Okay, das klingt nach einem regulären Angestelltenverhältnis, wobei jedoch Du als Arbeitnehmer (AN) die Pflichten des Arbeitgebers (AG) zur Abführung der Sozialversicherungsbeiträge (SVB) und Einkommenssteuer (ESt) erfüllst, richtig? Hast Du dann auch einen normalen Arbeitsvertrag nach deutschem Arbeitsrecht?

In meinem Fall läuft es jetzt so, dass der amerikanische AG sich von einem deutschen Steuerberater (Stb) eine deutsche Steuernummer geben lässt, mich in USA als dt. Vertriebsrepräsentant (sog. Rep Office) nach deutschem Arbeitsrecht anstellt und die fälligen SVB und ESt wie es sich gehört über den dt. Stb abführt.

Da ich als selbständiger Handelsvertreter durch die alleinige Tätigkeit für nur einen AG sowie den Bezug eines zusätzl. Festgehaltsanteils in die Scheinselbständigkeit gefallen wäre, hätte es hier neben dem fragwürdigen Aufwand für die Firmengründung - der AG plant ohnehin in absehbarer Zeit abhängig vom Erfolg die Gründung einer dt. GmbH - auch rechtliche Probleme gegeben.

Kommentar von fragecaster ,

Mein Arbeitsvertrag ist direkt mit meinem in Singapur ansässigen Arbeitgeber geschlossen und bindet meinen AG an die deutschen Sozialversicherungsgesetze - also so gesehen ist er nach deutschem Recht geschlossen.

Was die Abführung der SV-Beiträge angeht, mache ich sozusagen meine eigene Lohnabrechnung, nur dass ich die Lohnsteuer eben nicht wie ein Arbeitgeber monatlich mit der Lohnabrechnung abführe, sondern "privat" über eine Vorauszahlungsvereinbarung mit dem Finanzamt.

Den Umweg über einen deutschen Steuerberater (mit guten englischen Sprachkenntnissen) haben wir bei Anstellungsbeginn gar nicht in Betracht gezogen, wäre aber auch eine Möglichkeit gewesen. Der Einfachheit halber mache ich das bereits von Beginn an selbst :-)

In Deutschland haben wir übrigens ebenfalls nur eine Repräsentanz (Rep Office) zur Betreuung unser lokalen Kunden, bei Expansion ist die Gründung einer deutschen Niederlassung ebenfalls nicht ausgeschlossen.

So gesehen sitzen wir also in einem ähnlichen Boot :-)

Kommentar von fragecaster ,

Korrektur meines Schreibfehlers im vierten Absatz:

Der ausländische Arbeitgeber muss sich gemäß deutschem Recht an den Sozialversicherungsbeiträgen zu beteiligen, die Umlagen U1, U2, INSO und die gesetzliche Unfallversicherung (nicht Rentenversicherung) sind komplett vom Arbeitgeber zu tragen. Diese Beiträge kannst du im Namen deines Arbeitgebers an die entsprechenden Stellen abführen, die Arbeitgeber-Beiträge sollte er dir aber zusätzlich zu deinem Bruttogehalt überweisen.

Antwort
von Zitterbacke, 317

Das Bundeszentralamt für Steuern schreibt dazu :

"Ein ausländischer Arbeitgeber (ohne Wohnsitz, gewöhnlichen Aufenthalt, Geschäftsleitung, Sitz, Betriebsstätte oder ständigen Vertreter in Deutschland) ist nicht verpflichtet, die Lohnsteuer für in Deutschland tätige Arbeitnehmer einzubehalten uns abzuführen. In diesem Fall hat der Arbeitnehmer Einkommensteuervorauszahlungen an sein zuständiges Finanzamt zu entrichten."

http://www.steuerliches-info-center.de/DE/SteuerrechtFuerInvestoren/Allgemeine_I...

Bei den Sozialabgaben sollte es ähnlich sein.

Ein Steuerberater gibt dir Auskunft.

Gruß Z... .

Kommentar von EnnoBecker ,
ohne Wohnsitz, gewöhnlichen Aufenthalt, Geschäftsleitung, Sitz, Betriebsstätte oder ständigen Vertreter in Deutschland

tja...

für eine in Deutschland zu besetzende Vertriebsposition
Kommentar von schoenma ,

Ich habe in einem anderen Beispiel gelesen, dass man als Angestellter des ausländischen AG als ständiger Vertreter bzw. Betriebsstätte (Home Office) angesehen werden kann, d.h. nämlich dann nach meinem Verständnis, dass sehr wohl der AG für die Abgaben verantwortlich wäre...

Antwort
von vulkanismus, 280

Es ist möglich, zulässig und nicht strafbar. Vergleichbare Fälle gibt es zu Abertausenden.

Genaue Auskünfte erteilen Steuerberater/innen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community