Frage von tulpe77, 3

Lebensversicherer in Not wegen des Zinsniveaus?

werden Lebensversicherungen nicht noch unattraktiver, wenn die Leitzinsen weiter sinken? Ist nicht zu erwarten, dass LVen noch unattraktiver werden?

Wie hat sich eigentlich das Segment bzw. die Zahl der Abschlüsse bei LVen verändert seit Beginn der Finanzkrise?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gandalf94305, 1

Versicherer werden mit Solvency II zu kämpfen haben, denn langfristige Zusagen über Lebensversicherungen auf 30 Jahre und mehr erfordern entsprechende Absicherungen seitens der Versicherer. Hier liegt das wesentliche Neurisiko.

Die Markzinsen sind recht unerheblich, da es immer im Bereich der Immobilien oder auch Unternehmensbeteiligungen/Aktien gute Optionen gibt. Man muß also nicht nur in Anleihen anlegen

Wenn die Zinsen für Leitzinsen weiter sinken, werden auch Spreads für Anleihen niedrig bleiben, d.h. 10-jährige Staatsanleihen bleiben bei kleinen Kupons. Das bedeutet, die Umlaufrendite 10-jähriger Staatsanleihen sinkt weiter, d.h. der Höchstrechnungszins wird weiter zu senken sein.

Das spielt jedoch den Versicherern in die Tasche, da sie damit ihre Risiken reduzieren können. Renditen um 3% sind weiterhin gut und mit geringen Risiken zu erreichen.

Die Abschlußzahlen für Neuversicherungen fallen seit 2012, wobei 2011 aufgrund der Senkung des Höchstrechnungszinses nochmal ein Rekordjahr für Abschlüsse war.

Kommentar von tulpe77 ,

wobei 2011 aufgrund der Senkung des Höchstrechnungszinses nochmal ein Rekordjahr für Abschlüsse war

... was ich für sehr erstaunlich erachte ....

Die Antwort bringt mir einen anderen Blick auf die Sachlage. Vielen Dank dafür.

Kommentar von betroffen ,

Das ist nicht erstaunlich. 2011 waren die Abschlüsse hoch, weil da schon bekannt war, dass 2012 nochmal der Zins gesenkt werden soll.

Antwort
von Kevin1905, 1
werden Lebensversicherungen nicht noch unattraktiver, wenn die Leitzinsen weiter sinken? Ist nicht zu erwarten, dass LVen noch unattraktiver werden?

Meinst du die

  • (Lebens)versicherungsunternehmen
  • die Lebensversicherung als Kalkulationsgrundlage für Vorsorgeverträge
  • die klassiche Kapitallebensversicherung

Meine Meinung zu den drei Punkten als Antwort auf deine Fragen:

  • nein, Versicherungen sind durchaus in der Lage Überschüsse zu erwirtschaften. Allerdings machen Altverträge mit höherem Rechnungszins (nicht Leitzins) schon eine spürbare Last aus. Die Marktgrößen (Allianz, ERGO, Generali, Debeka, etc.) werden dies aber aushalten. Der Trend geht ohnehin weg von klassischen hin zu kapitalmarktorientierten Anlagen, auch wenn es strenge Regeln bezüglich der Mündelsicherheit von Anlagen von Versicherern gibt.
  • Sämtliche Produkte aus dem Bereich Leben werden auf diese Weise kalkuliert. Ich greife erneut den Trend hin zu fondgebundenen Anlagen auf. Auch sind Versicherer durchaus nicht von gestern und entwickeln ihr Produktportfolio weiter um eben auf aktuelle Wirtschafts- und Finanzsituationen flexibler reagieren zu können.
  • Ist schon lange out. Stichtag war hier eigentlich der 31.12.2004.
Antwort
von mrz14,

lustiger wird es für die Lebensversicherer sicher nicht. In der Presse wird regelmässig von deren Situation berichtet, die so gut nicht sein soll. Das Produkt LV wird für mich noch unattraktiver - das ist sie jedoch für mich schon seit Jahren.

Wie sich das Anlagevolumen verändert hat, weiss ich nicht.

Antwort
von Sobeyda,

Abgesehen von einigen Ausnahmefällen, die es geben mag, geht es den Lebensversicherungen nicht sooo schlecht. Klar macht ihnen das Zinsniveau zu schaffen, aber kurz vor der Pleite steht nach meiner Wahrnehmung kein Unternehmen.

Klassische kapitalgebundene Lebensversicherungen sind in der Tat derzeit nicht sonderlich attraktiv und werden daher kaum noch abgeschlossen. Der Trend geht einerseits zu Rentenversicherungen, bei denen zwar auch der Zins eine Rolle spielt, aber die Intention des Abschlussen ein anderer ist und das Ganze ist (unter bestimmten Umständen) staatlich gefördert.

Anderseits hat sich das Geschäft in den vergangenen Jahren stark in Richtung der risikoartigen Versicherungen verschoben, also Risikolebensversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung oder Pflegerentenversicherung. Da liegt m. E. auch die Zukunft.

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