Frage von Juergster, 43

Lebensmittelpunkt bei Arbeitsvertrag im Ausland

Hallo, ich habe im kompletten Jahr 2012 im Ausland (EU) gearbeitet, hatte im ausländischen Unternehmen einen Arbeitsvertrag, Habe dort in Miete gelebt. Jedoch ist meine Ehefrau, die ich Ende 2011 geheiratet habe, in meine bis dato leerstehende Wohnung in Deutschland gezogen. Nun geht mein Finanzamt davon aus, dass mein Lebensmittelpunkt in Deutschland sich befand und somit Steuern für meine 24 Tage Aufenthalt in Deutschland zu bezahlen sind. Offensichtlich steht und fällt diese Einschätzung mit meinem Lebensmittelpunkt. Was kann ich tun? P.S. ich habe mein gesamtes Einkommen im Ausland bereits versteuert

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo Juergster,

Schau mal bitte hier:
Steuererklärung Finanzamt

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Finanzamt, 31

Lebensmittelpunkt ist dort, wo die Familie ist.

unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist jeder der einen Wohnsitz, oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat.

Wenn Deine Frau die Wohnung bewohnt hat, die Du selbst hattest (wenn auch leerstehend), dann spricht einiges dafür, dass Du einen Wohnsitz im Inland hattest.

Somit als hier unbeschränkt einkommensteuerpflichtig.

Das bedeutet aber nicht zwingend, dass Du nun viel steuern zu zahlen hast. Wenn Du das Land genannt hättest, wäre es einfach das entsprechende DBA zu sichten.

Es ist gut möglich, dass mit dem Steuerabzug in dem Land der Tätigkeit alles erledigt ist.

Aber Du hast keine Angaben gemacht, ob Deine Frau Einkünfte hatte, oder ob Du noch über andere Einkünfte verfügst und auch nicht über das Land. Also kann es keine vollständige Antwort geben.

Kommentar von blackleather ,

Wenn Deine Frau die Wohnung bewohnt hat, die Du selbst hattest (wenn auch leerstehend), dann spricht einiges dafür, dass Du einen Wohnsitz im Inland hattest.

So, was denn? Ich finde, es spricht höchstens etwas dafür, dass die Ehefrau einen Wohnsitz im Inland hatte.

Für eine Wohnung des Stpfl. im Inland spricht meines Erachtens dagegen weniger als je zuvor; denn früher hatte er eine richtige Wohnung mit richtigen Möbeln drin. Seit er aber ins Ausland gezogen ist, stand die Wohnung leer. Und in einer leeren Wohnung lebt es sich höchst unkomfortabel. Wer will in so was schon seinen Wohnsitz haben?

Kommentar von wfwbinder ,

Und seine Frau saß auf Jaffakisten?

DEr Sachverhalt ist unvollständig. WArum heiratet er Ende 2011 und seine Frau kommt nicht zu ihm, bleibt nicht dort, wo sie ist, sondern zieht die bestehende Wohnung?

Also ist diese Wohnung doch wohl der Mittelpunkt des Ehelebens.

Ausserdem ist die Aussage unlogisch, dass man von ihm Steuern für 24 Tage haben will.

Wenn man nur eine Steuerklärung haben will, ist das alleine noch kein Problem.

Kommentar von Juergster ,

Hallo wfwbinder,

zu der unlogischen Aussage noch Daten: Gehalt wurde voll in Ungarn versteuert. Aus beruflichen Gründen (Weiterbildung, Kundentermine) war ich 24 Tage in Deutschland anwesend. Nicht automatisch bei meiner Frau. Die Steuererklärung meiner Frau mußte mit meinen Daten aus dem Ausland ergänzt werden. Daraufhin verlangt nun das FA eine relativ hohe Nachzahlung auf Basisvon rund 10% meines Bruttovermögens (volle Progression) mit der Begründung mein Lebensmittelpunkt wäre in D gewesen. Wie gesagt, de facto würde ich für 10% meines Bruttogehalts (volle Progression) die Steuern 2x bezahlen (1x bereits gezahlt in HU, jetzt nochmals in D) mit o.g. Begründung.

Kommentar von wfwbinder ,

Jetzt kommt natürlich noch die Frage, wie wurde das Einkommen DEiner FRau behandelt? hat sie Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit? Nachwelcher Tabelle/Steuerklasse wurde der Lohnsteuerabzug vorgenommen?

Wenn Deine Frau den Vorteil des Splittingtarifs möchte (Lohnsteuerabzug nach St.Kl. III, dann erklärt sich, dass man Deine Einkünfte haben will.

Wenn Dein Lebensmittelpunkt in H war und Du keinen Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht stellst, um die Zusammenveranlagung zu bekommen, stören ggf. die 24 Tage nicht, aber dann wird Deine Ehefrau eben einzeln veranlagt. Durchrechnen, was günstiger ist.

Kommentar von Juergster ,

Hallo wfwbinder, erstmal vielen Dank für Deine Hilfe! Meine Frau hat Einkommen aus nichtselbständiger Arbeit. Steuerklasse 4&6 (2 Jobs, jeweils rund 50% des Gesamt-Brutto Gehaltes). Daher nach meinem Verständnis unkritisch. Ehegattensplitting läuft erst seit 2014, da ich zurück in D bin, jedoch Stkl 3 für mich und 5&6 für meine Frau (wegen Einkommensunterschied).

Bzgl. Zusammenveranlagung: wir haben bereits in 2011 zusammen veranlagt (durch Steuerberater). Wir haben quasi das Vorgehen 2011 auf 2012 übertragen.

Ist eine Einzelveranlagung meiner Frau für 2012 noch möglich obwohl wir den Bescheid 2012 bereits erhalten haben, aber Einspruch erheben werden?

Ein anderer, vielleicht wichtiger Punkt: Ich habe die genannten 24 Tage Dienstreise nicht näher dem Finanzamt spezifiziert. Nur als Nicht-Anwesend-Tage in HU. Wenn diese nun nicht nach Deutschland gegangen sind, kann dann D überhaupt diese als Arbeitstage in Deutschland zählen? Beispiel Reise von Ungarn nach Italien, Slowenien, Rumänien?

Kommentar von blackleather ,

Also ist diese Wohnung doch wohl der Mittelpunkt des Ehelebens.

Schon. Aber deswegen muss sie doch nicht der Wohnsitz des Ehemannes sein.

Wohnsitz des Steuerpflichtigen und Lebensmittelpunkt des Ehegatten bzw. Ort der ehelichen Einstandsgemeinschaft (falls man so etwas überhaupt lokalisieren kann) sind schließlich verschiedene Dinge. Vorstellbar sind ja - wenngleich mit einiger Mühe - sogar Fälle, wo jemand an seinem eigenen Lebensmittelpunkt noch nicht einmal eine Wohnung innehat.

Kommentar von Juergster ,

Hallo, vielen Dank für die Antworten. Leider habe ich nicht genug Angaben zu der Situation gemacht, die ich hier nachreichen möchte: -Das Land war Ungarn, Distanz zur deutschen Wohnung rund 1200km -Mein Vertrag im Ausland begann bereits 2010, endete Mitte 2013 -Der Arbeitsvertrag berücksichtigte keine (!) doppelte Haushaltsführung, da unverheiratet -Meine Frau konnte aufgrund beruflicher Situation nicht nachkommen (Kündigung mit über 50 Jahren, keine Arbeitsstelle in Ungarn (Sprache), bei Rückkehr kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt mit MItte 50) -Natürlich hatte meine Frau eigene Möbel, die sie beim Einzug mitbrachte -Meine Frau hatte Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit -Deshalb wurden auch meine Daten vom Finanzamt eingefordert -ich hatte keine inländischen Einkünfte (außer 900€ Prämie für ein Patent)

Ein wenig Ironie: warum könnte eigentlich meine Frau nicht Ihren Lebensmittelpunkt in Ungarn haben?

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