Frage von pcden, 316

Kündigung der PKV wegen arglistiger Täuschung

Ich habe auf drängen meiner Bankberaten meine PKV kündigen lassen um über die Bank eine PKV abzuschließen. Im Vorfeld der Antragstellung habe ich meinen Beratern einen Ordner mit meinen bis Dato bestehenden PKVs incl. aller Rechnungen und Ärztlichen Diagnosen zur Prüfung überreicht. In den folgenden Vertragsverhandlungen ist es dann zu den berühmten Gesundheitsfragen gekommen die von meinen Beratern abgefragt wurden und ausgefüllt wurden auf meine Selbstauskunft und Erläuterung von Diagnosen ist nur banal eingegangen worden mit der Erklärung das seien ja keine schwerwiegende Erkrankungen und eine Arbeitsunfähigkeit hat auch nie bestanden und längere Behandlungen sind auch nie gewesen. Ich habe dann zum Ausdruck gebracht das ich auf Grund meiner Selbstständigkeit keine zeit dafür habe mich in die Thematik einzulesen und das ich Ihnen und Ihrer Fachkompetenz vertrauen muss. Was man mir mit den Worten beantwortet machen Sie sich keine Gedanken wir kümmern uns um alles.

Es ist dann durch einen Beinbruch zum Leistungsfall gekommen denn ich Ordungsgemäss gemeldet habe. Der Versicherer verlangte nun von mir alle Beläge und Diagnosen der letzten Jahre die ich zur Verfügung stellte. Es verging einige Tage in denen mittlerweile die Kostenübernahme für die Op kam. Kurz nach der Op kam dann die nichtig Erklärung des Vertrags wegen arglistiger Täuschung. Mit der Auflistung der zu beanstandenden Diagnosen. Auf die Frage wie kann sowas sein musste ich in Ratlose Augen bei der Bank schauen. Ein Anwalt der den Sachverhalt versucht zu bearbeiten hat der PKV geschildert das ich doch durch die Übergabe meiner unterlagen in kleinster Weise mit Arglist gehandelt habe. Eine folgende Befragung der Berater hat ergeben das sie keine Unterlagen von mir bekommen hätten und ich ja die Fragen gestellt bekommen haben und selber so geantwortet habe. Ich betone hier an der stelle nochmal das ich nie vorhatte jemanden zu täuschen ich habe den Beratern vertraut das Sie alle angaben richtig deuten und dann auch melden was wichtig ist und was nicht. Ich selber bin kerngesund und werde durch keine der gestellten Diagnosen in meinem Leben beeinträchtigt. Nehme auch keine Medikamente oder habe irgendwelche Therapien noch war ich je Arbeitsunfähig bis auf den Leistungsfall des Beinbruchs.

Was kann ich tuen um meine Unschuld zu beweisen bzw. einen Leistungsanspruch zu bekommen.

Vielen Dank im voraus

Antwort
von barmer, 282

Hallo,

wie schon alfalfa erläutert hat, geht das von Seiten der Versicherung wahrscheinlich in Ordnung.

Mit Aussicht auf Erfolg kann man höchstens den/die "Bankberater" in die Pflicht nehmen. Wie hat er/sie den Wechsel begründet ? Hat er auf die Nachteile und Risiken hingewiesen ? Im Antrag haben Sie wahrscheinlich bestätigt, dass ein Wechsel in aller Regel nachteilig ist. Wie lange waren Sie schon privat versichert ?

Gibt es Zeugen, dass er/sie alle Unterlagen hatte und selbst die Auswahl getroffen hat, welche Fragen beantwortet werden ?

Und ein Fachanwalt für Versicherungsrecht muss her.

Viel Glück

Barmer

Antwort
von gammoncrack, 218

So etwas passiert, wenn der "Berater" 6 Monatsbeiträge (oder mehr) an Provision bekommt. Dann hat er ein "berechtigtes Interesse", dass Deine Gesundheitsfragen einen neuen Vertrag nicht verhindern.

Was ich allerdings seltsam finde, ist, dass der Versicherer bei einem Beinbruch, der ja eher für einen Unfall spricht, plötzlich alle Belege und Diagnosen der Vergangenheit verlangt. Hier müsste schon aus der Hergangsdarstellunng, z. B., plötzlicher Schwindelanfall, etc. ein unmittelbarer Zusammenhang zur Notwendigkeit solcher Nachforschungen bestehen.

Du wirst vermutlich schlechte Karten haben. Aber schau Dir mal diesen Artikel an:

Bei offensichtlich unklaren oder unvollständigen Angaben des Antragstellers muss das Unternehmen sofort nachfragen, zum Beispiel beim Kunden oder bei dessen Arzt. Das hat der Bundesgerichtshof bereits 1994 klargestellt (Az. IV ZR 201/93).

http://www.test.de/Private-Krankenversicherung-Waren-Sie-jemals-krank-1032323-20...

Eine allgemeine Nachprüfungspflicht hat der Versicherer zwar nicht, er muss also nicht jede einzelne Aussage des Antragstellers auf Richtigkeit und Vollständigkeit abklopfen. Die Gesellschaft ist aber verpflichtet, vor der Annahme des Antrags eine ordentliche Risikoprüfung zu machen – nicht erst im Leistungsfall. Wenn das Unternehmen hier schlampt, unzulängliche Informationen übersieht oder falsch interpretiert, kann es später nicht den Kunden dafür verantwortlich machen.

Außerdem findest Du in dem Artikel auch den Hinweis, dass die Versicherung die Kostenübernahme für den Beinbruch nur ablehnen kann, wenn ihr ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen falschen Gesundheitsfragen und dem Beinbruch gelingt.

Kommentar von alfalfa ,

Nun, da geht es um Antragstellung. Jede PKV kann bei berechtigten Verdacht auch nach abgeschlossenem Vertrag prüfen, ob eine vorvertragliche Anzeigenpflichtverletzung - vulgo Betrugsprüfung - vorliegt. Dazu hat sie 10 Jahre Zeit ab Policierungsdatum. Wenn nach § 19 VVG gekündigt wird, dann bleibt nur der Basistarif bei einem anderen Versicherer.

Kommentar von gammoncrack ,

Danke für die Ergänzung.

Antwort
von alfalfa, 167

Nun, ohne Akteneinsicht kann man nur spekulieren. Bei solchen Themen - vorvertragliche Anzeigenpflichtverletzung - gibt es einiges zu prüfen.

  • Sind die "Berater" der Informationspflicht nach § 6 VVG nachgekommen?
  • Waren die Berater Versicherungsvertreter?
  • Wurde Auge/Ohr Rechtsprechung geprüft?
  • Altes oder neues VVG?
  • Was steht in den Gesundheitsfragen bzw. im Antrag?
  • Waren auf den Formblättern die Hinweise nach § 204VVG, 19 VVG enthalten usw?
  • Welche Dokumente tragen ihre Unterschrift?
  • Haben Sie der Freigabe der Patientendaten schriftlich zugestimmt?
  • Gab es Zeugen?
  • Hätte die Gesellschaft den Vertrag ggfs mit Risikozuschlag etc. angenommen?

Hat das ihr Anwalt geprüft? Mit welchem Ergebnis?

Das sind nur einige Standardfragen, die ich als Versicherungsberater den beteiligten Personen stelle. Und natürlich auch eine dezidierte Stellungnahme der PKV warum die Kündigung (denn es gab grade in jüngster Zeit verbraucherfreundliche Rechtsprechung zum Thema VVG).

Ohne Hilfe eines Fachanwalts und/oder eines spezialisierten Versicherungsberaters kommen Sie aus der Nummer nicht heraus. Die meisten Anwälte sind mit den Details der VVA hemmungslos überfordert, da es schon ein sehr spezielles Gebiet ist.

PS: Um welche Geselkschaft handelt es sich denn? Gerne detaillierte Informationen per PN.

Antwort
von qtbasket, 143

Tja - in puncto PKV wirklich alles falsch gemacht !!!

Die Kündigung des Vertrages auch sich der neuen PKV dürfte wohl auch vor Gericht so durchkommen.

Die Fragen nach Vorerkrankungen im Antrag sind absolut ernst zu nehmen und diese Dritten zu überlassen ist mehr als leichtfertig.

Übrigens, du bist auch nicht "unschuldig" - dein Bankberater, der nur Provision ziehen wollte, ist dein Erfüllungsgehilfe, aber du trägst das volle Risiko.

Leider wirst du auf deinen Arztrechnungen sitzen bleiben und ein neuer Tarif in der PKV wird mit Sicherheit sehr teuer, wenn überhaupt. Ich denke, dir wird nur der teure Basistarif bleiben, den darauf hast du Anspruch.

Kommentar von alfalfa ,

D.H. By the Way, Bankberater dürfen keine PKV vermitteln! Da würde ich auch mal ansetzten. Das Spiel kenne ich und sorgt in jeder Bank für operative Hektik.

Antwort
von Underfrange, 135

Zum Ersten geht man mit Versicherungen nicht zu einer Bank. Viele Kunden, das weiß ich aus Erfahrung, werden aber von ihrer Bank erpresst und unter Druck gesetzt. Vielleicht kannst du anhand des Beratungsprotokolls nachweisen oder glaubhagft machen, dass der Banker einen Fehler gemacht hat. Wie lange ist das her? Wann begann der neue Vertrag? Lasse dich bitte fachkundig beraten. Gehe zu einem Versicherungsberater oder einem Versicherungsmakler mit deinen Verträgen.

Was die Provisionen angeht die hier angesprochen wurden. Seit Herrn Göcker sind diese Provisionen bestenfalls Darlehen..... aber das wissen Fachleute längst.

Antwort
von Patrizia425, 123

Tut mir leid zu hören, dass man Sie augenscheinlich "über den Tisch gezogen "hat.

Den wenn man bei einer PKV die Wahrheit sagt, kommt auch keine Kündigung wegen arglistiger Täuschung. Sie schildern es so, dass der "Berater" wohl nicht ehrlich gehandelt hat.

Um ihre Weste wieder rein zu waschen, kommen sie um einen Anwalt nicht mehr herum. Dennoch sollten sie den Ombudsmann der Versicherung anschreiben und um ein klärendes Gespräch bitten.

Oft können dort Unstimmigkeiten geklärt werden. Wenn es Protokolle oder gar noch andere Zeugen vom Beratungsgespräch geben sollte, wären die natürlich hier sehr hilfreich.

Ich kann nebenher noch die Seite Werbung durch Support gelöscht empfehlen. Sie kann gute Informationen geben , wenn man Probleme mit einer PKV hat.

Kommentar von ffsupport ,

Liebe Patrizia425,

Wir möchten dich bitten in Zukunft auf Werbung zu verzichten.

Gerne kannst du dies auch nochmals in unseren Richtlinien nachlesen: http://www.finanzfrage.net/policy

Freundliche Grüße,

Jürgen vom finanzfrage.net Supportteam.

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