Frage von wfwbinder, 154

Krankheitskosten als Werbungskosten?

Eine Frage aus unserer Kanzlei an die Profis. Mein Kanzlei Kollege hat bei einem Mandanten (Vater eines anderen Kanzleimitglieds) die Krankheitskosten als Werbungskosten eingetragen. Der Mann ist Rentner und mein Kollege geht davon aus, das Kosten zur Erwerbung, ERhaltung und Sicherung der Einnahmen (Rente) alles ist, was einen am Leben erhält, denn ohne am Leben zu sein, keine Rente.

Zugegeben eine völlig neue Rechtsauffassung. Ist auch vom Finanzamt abgelehnt worden und wir brüten nun gerade über Argumenten für die Einspruchsbegründung.

Antwort
von blackleather, 114

So ganz neu ist dieser Gedanke nicht, denn immerhin gibt es dazu bereits einschlägige Rechtsprechung.

Die sieht Krankheitskosten als Werbungskosten allerdings nur bei typischen Berufskrankheiten oder dann, wenn die Krankheit durch die Einkünfteerzielung unmittelbar verursacht ist.

Bei einem Rentner wäre ich unter diesen Gesichtspunkten äußerst skeptisch. Handelt es sich um die Folgen einer Berufskrankheit, haben die Kosten nichts mit der Einkunftsart "sonstige Einkünfte" zu tun, sondern sind bestenfalls nachträgliche WK zu den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit (und als solche wohl steuerlich weitgehend nutzlos). Dass sie unmittelbare Folge des Rentenbezugs sind, ist schwer vorstellbar, denn welche Rente macht krank?

Euch müsste schon wirklich eine völlig neue, äußerst kreative Begründung einfallen, damit neue Argumente durch die Instanzen getragen werden können.

Völlig logisch sind die WK-Grundsätze übrigens nicht immer. Ich beispielsweise frage mich regelmäßig, wieso Steuerberatungskosten, auch wenn sie im Zusammenhang mit Einkünften angefallen sind, Werbungskosten sein sollen (Wie tragen sie zu deren Erhaltung, Sicherung oder Erwerbung bei? Dienen sie nicht vielmehr nur deren Ermittlung und Deklaration?).

Kommentar von wfwbinder ,

Danke, mir ist auch nur § 12 eingefallen, trotzdem fand ich die Idee des Kollegen irgendwie charmant.

Antwort
von RHWWW, 64

Hallo,

wenn gegen den Steuerbescheid Widerspruch eingelegt wird, würde ich auf jeden Fall auch alle Lebensmittel und Getränke eines Jahres bei der Krankenkasse als Kosten der Krankheitsverhütung einreichen. Fahrrad und Schuhe (zu Fuß gehen) würde ich als Präventionskosten geltend machen. Die Erfolgsaussichten werden bestimmt ähnlich groß wie beim Finanzamt sein. Sozialgerichte haben nicht immer kreative Fälle! :-) 

Kommentar von Gaenseliesel ,

lach...du bist wohl nebenbei bei den Vorbereitungen zum Herrentag, wie ?

" Steuerbescheid - Widerspruch " sowie in dem Zusammenhang, (auch mir fälschlich unterlaufen) der Begriff " Sozialgerichte " !!! ;-)

:-( .........Enno wird uns rügen oder wir bekommen mildernde Umstände zugebilligt - abwarten ! :-)

Kommentar von RHWWW ,

Wenn es um die Krankenkassen geht, wären es ja auch die Sozialgerichte.

..... und die Regelung dürfte dann natürlich auch für Frauen gelten.

Und die jüngere Generation könnte dann auch alle Handy-Kosten geltend machen: das ist ja genauso lebenswichtig (bei Verlust steigt die Selbstmordrate rapide!). :-)

Antwort
von Gaenseliesel, 57

mein Kollege geht davon aus, das Kosten zur Erwerbung, ERhaltung und Sicherung der Einnahmen (Rente) alles ist, was einen am Leben erhält, denn ohne am Leben zu sein, keine Rente.

.............da sag noch einer, Steuerberater sind humorlos  ;-))

ich wünsche euch für den Einspruch, Kreativität beim finden von Argumenten. Ansonsten, weiter reichen an's Sozialgericht - vielleicht bedarf die Sache nur einen Stein des Anstoßes ;-)))))) 

Kommentar von Gaenseliesel ,

das Sozialgericht wird den Irrläufer dann hoffentlich an das Finanzgericht weiterleiten. ;-))

Antwort
von EnnoWarMal, 68

Würde ich unter Hinweis auf § 12 Nr. 1 EStG auch ablehnen. Eben § 12 enthält ja auch die Escape-Klausel als Verweis auf § 10 (Versicherungsbeiträge) und § 33 (konkrete Krankheitskosten).

Damit wird m.E. klar zum Ausdruck gebracht, wo Krankheitskosten hingehören.

Kommentar von wfwbinder ,

Danke, mir ist auch nur § 12 eingefallen, trotzdem fand ich die Idee des Kollegen irgendwie charmant.

Kommentar von EnnoWarMal ,

Vor rund 20 Jahren hatte mal einer die Idee, die Kosten für seine Kinder als Werbungskosten für keine Ahnung welche Einkunftsart ansetzen zu wollen.

Hintergrund: Die Kinder werden deshalb unter Aufbietung der Eigenmittel großgezogen, damit sie später mal Einkünfte erzielen und diese versteuern.

Ganz rund war die Argumentation nie, denn dann müssten es ja Werbungskosten der Kinder sein, und da scheitert es schon wieder am Aufwand.

Kommentar von blackleather ,

Ganz rund war die Argumentation nie, denn dann müssten es ja
Werbungskosten der Kinder sein, und da scheitert es schon wieder am Aufwand.

Man müsste für die Kinder irgendeinen Analogieschluss finden, ähnlich § 11d EStDV...     Und dann noch die Überlegungen aushebeln, die z.B. die Vererblichkeit von Verlustvorträgen verneinen...

Nur so als Gedankenanstoß für den Herrentag...     ;-))

Antwort
von Hauseltr, 47

Grundsätzlich gilt: Krankheitskosten werden zum Zweck der Heilung oder Linderung einer Krankheit aufgewendet. Alles, was darunter fällt, können Sie in Zeile 67 des Mantelbogens in der Einkommensteuererklärung 2015 als außergewöhnliche Belastung ansetzen.

Die Summe muss aber den Eigenanteil von ca 6 -8 % übersteigen!

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