Frage von Risu84, 254

Krankgeschrieben - Anspruch auf finanzielle Unterstützung?

Hallo,

folgende Situation liegt vor. Meine Mutter hatte 2006 einen Schlaganfall und ist seit dem fortlaufend krankgeschrieben. Sie bekam Krankengeld bzw. im Anschluss ALG I. Nach dem Auslaufen des ALG I wollte sie ALG II beantragen, aber mein Vater verdiente damals zuviel, sodass sie seither keine Einnahmen hatte. Weiterhin hatte sie einen Antrag auf Rente gestellt, der aber mehrmals abgelehnt wurde.

Nun ist auch mein Vater schwer erkrankt und in Zukunft nicht mehr arbeitsfähig. Auch bei ihm läuft das Krankengeld in Kürze aus, sodass er danach ALG I bezieht.

Das errechnete ALG I wird hinten und vorne nicht ausreichen. Meine Mutter ist drauf und dran sich wieder gesund schreiben zu lassen, obwohl sie schwer krank ist, um eventuell doch einen Job zu finden. Ihr wurde aber in mehreren Befunden attestiert, dass sie unter anderem nicht lange sitzen und nicht lange stehen soll. Welcher Arbeitgeber spielt bei so was schon mit? Zudem sind beide über 50, dass es wohl kaum Möglichkeiten gibt, da etwas zu finden.

Nun zu meinen Fragen: Auch wenn mein Vater ALG I bekommt, könnte meine Mutter ALG II beantragen, auch wenn sie seit 7 Jahren krankgeschrieben ist? Ist es notwendig, dass meine Mutter sich gesundschreiben lässt?

An welche Ämter kann man sich noch wenden, um Unterstützung zu erhalten? (Wohngeld ist beantragt).

Antwort
von cyracus, 106

Wenn Gutachter meinen - und sich die Ämter darauf stützen -, Deine Mutter könne täglich 3 Std. arbeiten, dann hat sie Anspruch auf Hartz IV.

Ich verstehe Dich aber auch so, dass Deine Mutter krankgeschrieben ist, denn Du schreibst ja, sie überlege sich, sich gesundschreiben zu lassen.

Gesundschreiben gibt es ja nicht wirklich. Es gibt krankschreiben, und wenn das krankschreiben nicht verlängert wird, gilt man als "gesund".

Dass jemand eine Arbeit ausführen können soll ohne langes sitzen und viel stehen, damit ist Deine Mutter nicht allein. Auch in Kombination, dass sie älter ist - solche "Kunden" (wie es vollmundig heißt) haben die Jobcenter viele. Und viele "Kunden" hat das Jobcenter, die nicht vermittelbar sind, weil Arbeitgeber sie nicht einstellen.

Wenn Deine Eltern mit Wohngeld genauso hinkommen, wie mit ALG I (Vater) und ALG II (Mutter), dann ist das Wohngeld doch eine gute Lösung.

Kommen die beiden nicht damit hin, und wenn also Deine Mutter grundsätzlich in der Lage ist, 3 Std. täglich zu arbeiten, dann kann sie sich doch beim Jobcenter melden. - Bekommt sie keine Arbeit, ändert sich im Grunde nichts, "nur" dass sie wenigstens den Hartz IV-Satz zusammen haben. Bekommt sie doch eine Arbeit (was ich mir nicht vorstellen kann), dann ist die Arbeit möglicherweise sogar eine Bereicherung in ihrem Leben.

Wegen dieses Hin und Her, angeblich arbeitsfähig sein und doch krankgeschrieben, telefoniere doch mal mit einer guten behördenunabhängigen (!!!) Beratungsstelle wie dieser Hamburger

Arbeitslosen Telefonhilfe

0800 111 0 444 - wenn Du in Hamburg / Umgebung wohnst oder

040 22 75 74 73 - wenn Du in einem anderen Bundesland wohnst.

Dort ist man zum Thema Arbeitslosigkeit (ALG I + ALG II / Hartz IV) sehr erfahren, und möglicherweise bekommst Du für Deine Eltern dort noch wertvolle Infos.

Deinen Eltern alles Gute - und Dir auch.

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Ach ja, diese Hinweise noch von mir:

Mit dem Amt nichts telefonisch klären (das kann man später nie beweisen). Alles schriftlich machen. Am besten Schreiben, Belege und Anträge persönlich abgeben. - Den Erhalt des Schreibens lässt man sich auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel und Unterschrift bestätigen. (Dies verlangt man mit ruhigem, freundlichem Ton und reicht das Schreiben rüber, „und hier brauche ich noch Stempel und Unterschrift“).

Wenn man nur etwas abgeben will, dann wie üblich ein Schreiben aufsetzen, in dem erklärt wird, was "als Anlage" überreicht wird. - Wiederum dieses Anschreiben auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel und Unterschrift bestätigen lassen.

Diese Bestätigungen sind Gold wert, sie sind mehr wert als ein Einschreibebeleg (mit dem ja nur der Eingang eines Umschlags bestätigt wird).

Mit einer solchen Bestätigung kann von Seiten der Behörde nicht behauptet werden, Schreiben und Belege seien nicht eingegangen. Und wenn doch, eine Fotokopie von deren Bestätigung vorlegen (das Original unbedingt wie eine Kostbarkeit hüten). - Werden so die Unterlagen / Belege abgegeben, wird erfahrungsgemäß allgemein die Sache sogar zügiger behandelt.

Siehe hierzu auch diese Information von gegen-hartz:

Wenn Hartz IV-Anträge verloren gehen

http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/wenn-hartz-iv-antraege-verlore...

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Im Gespräch mit den Mitarbeitern immer korrekt und konzentriert sein. Wenn die Mitarbeiter freundlich und zugewandt sind: Auch Infos „im Vertrauen“ landen in der Akte und können später gegen den „Kunden“ verwendet werden.

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Oft ist es ratsam, zum Amt als Zeugen eine Begleitung mitzunehmen. Diese muss nur zuhören und kann dabei Protokoll führen, oder hinterher macht man gemeinsam ein Erinnerungsprotokoll. Die Begleitung kann aber auch für Dich Erklärungen abgeben, dazu § 13, Absatz 4 SGB X (google mit 13 sgb 10):

  • (4) Ein Beteiligter kann zu Verhandlungen und Besprechungen mit einem Beistand erscheinen. Das von dem Beistand Vorgetragene gilt als von dem Beteiligten vorgebracht, soweit dieser nicht unverzüglich widerspricht.

Es gibt auch ehrenamtliche Behördenbegleiter. - Google jeweils mit Deinem Wohnort (oder dem nächstgrößeren, wenn Deiner klein ist) mit

Ämterlotsen

Behördenlotsen

Hartz IV Mitläufer

Hartz IV Gegenwind e.V.

Wir gehen mit org

Diese Ämterlotsen sind wertvolle Zeugen, und (die meisten? alle?) haben für diesen ehrenamtlichen Dienst eine kleine Ausbildung genossen, und bestenfalls kennen sie sich auch noch mit Gesetzen aus.

Ich vermute, wenn Deine Mutter zum Jobcenter gehen musst, wirst Du sie begleiten. Ohne Begleitung sollte sie nicht hingehen.

Antwort
von Juergen010, 89

Benutze mal diesen Rechner um die Daten deiner Eltern einzugeben.

http://www.sozialhilfe24.de/hartz-iv-4-alg-ii-2/alg2-rechner.html

Das zukünftige ALG1 deines Vaters muss dann unter "sonstige Einkünfte" eingegeben werden.

Auf diese Weise kannst Du feststellen, welchen Anspruch die Bedarfsgemeinschaft deiner Eltern denn hätte, sollte deine Mutter einen Antrag auf ALG2 stellen.

Zum 2. Teil Deiner Frage, ob es notwendig ist, dass sich deine Mutter gesundschreiben läßt? Definitiv nein! Wenn deine Mutter krank ist, ist sie krank. Punkt!

Im Übrigen ist es wichtig den Antrag zu stellen. Nur so kann deine Mutter sicherstellen, dass auch weiterhin ihre Krankenversicherung Bestand hat.

Kommentar von Risu84 ,

Vielen Danke für die Antwort. Okay..der Rechner spuckt was aus, aber das ist auch nicht die Welt. Aber zumindest sollten sie es probieren.

Antwort
von HartzEngel, 104

Arbeitslosengeld I und Arbeitslosengeld II können NUR bezogen werden, wenn der Arbeitslose erwerbsfähig ist, und wenn Dein Vater aus dem Krankengeldbezug kommt, wird die Arbeitsagentur zuerst den ärztlichen Dienst einschalten um dies festzustellen, es wäre ja auch komisch, wenn er 1 1/2 Jahre Krankengeld bezieht und dann auf einmal gesund genug wäre Alg I zu bekommen, sollte er nicht arbeitsfähig sein, wird er kein Alg I bekommen und sollte dann schleunigst die Erwerbsminderungsrente beantragen. Sollte diese abgelehnt werden, bestünde Erwerbsfähigkeit und dann bekäme er Alg I. Bei Deiner Mutter ist es ähnlich, wenn sie Alg II beantragt und dort angibt nich arbeitsfähig zu sein, wird das Jobcenter auch prüfen, ob Erwerbsfähigkeit vorliegt, sie müßte mindestens 3 h am Tag arbeiten können (auch leichte Tätigkeiten). Wenn die Rente bei der Mutter kürzlich abgelehnt wurde (aus gesundheitlichen Gründen) ist dies ein Nachweis, daß Erwerbsfähigkeit besteht, Deine Mutter würde dann in diese zumutbaren Jobs (nicht lange sitzen...) vermittelt und sie müßte natürlich auch Bewerbungen schreiben, zuerst würde sie sicher zu einem Bewerbungskurs geschickt, da sie schon länger aus dem Arbeitsleben raus ist. Sollte die Mutter Alg II bekommen würde auch der Vater vom Jobcenter betreut, sein Geld käme (falls die Arbeitsagentur zahlt) aber von dort. Der Arbeitsmarkt ist momentan wirklich gut und ab und an finden auch Schwerbehinderte oder gesundheitlich angeschlagene Personen ihren Arbeitsplatz. Ich drücke Deinen Eltern die Daumen.

Antwort
von qtbasket, 65
  • Weiterhin hatte sie einen Antrag auf Rente gestellt, der aber mehrmals abgelehnt wurde.

Das ist der entscheidende Satz - wenn die Erwerbsminderungsrente nicht genehmigt wurde, muss sie dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, damit Hartz IV womöglich beantragt werden könnte ( das ALG 1 des Ehemannes wird angerechnet, Thema Bedarfsgemeinschaft)

  • Ihr wurde aber in mehreren Befunden attestiert, dass sie unter anderem nicht lange sitzen und nicht lange stehen soll.

Das passt mit obiger Aussage leider nicht zusammen - da ist einiges nicht schlüssig, oder ein Gutachter ist anderer Meinung.

  • Ist es notwendig, dass meine Mutter sich gesundschreiben lässt?

Das gibt es gar nicht - bei Hartz IV muss sie der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stehen. Sollte sie nicht vermittelbar sein und es besteht ein Anspruch auf Hartz IV, bekommt sie diese Transferleistung.

Kommentar von Risu84 ,

Das Rentenverfahren läuft auch schon mehrere Jahre und immer wieder wurden Gutachten eingeholt. In allen steht in etwa drin, dass sie arbeiten könnte 3-6 Stunden, aber diese Tätigkeit sollte weder im längeren Sitzen oder Stehen sein. Die Aussagen sind jedenfalls sehr wiederspruchlich. Und so eine Tätigkeit gibt es nicht oder der Arbeitgeber spielt nicht mit, wenn man sagt, man kann nicht mehr stehen/sitzen usw. Über die Jahre kamen noch andere Krankenheiten dazu, u.a. Bandscheibenvorfall, Sonnenallergie... Aber wie gesagt..trotz unzähligen Arztbefunden, sieht das Gericht (oder auch der medizinische Dienst) keinen Anspruch auf Rente.

Kommentar von VirtualSelf ,

muss sie dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, damit Hartz IV womöglich beantragt werden könnte

Was natütrlich vollkommen falsch ist, denn Verfügbarkeit ist explizit KEINE ANSPRUCHSVORAUSSETZUNG für Alg2 (einfach mal den § 7 SGB II durchforsten)

Kommentar von HartzEngel ,

aber sie muß erwerbsfähig sein, sonst ist sie vom Alg-II-Bezug ausgeschlossen.

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