Frage von Tobululu, 10

Kosten der mittel-langfristig staatlich gedeckten Hermes Exportfinanzierung

Hallo zusammen,

ich bin neu im Forum und würde mich freuen wenn mir jemand bezüglich meiner Frage weiterhelfen könnte.

Im Rahmen von Basel III wird argumentiert, dass sich das Angebot von Banken an mittel-langfristig staatlich gedeckten Hermes Exportfinanzierung verteurern oder gar verringern könnte. Diesbezüglich interessiert würde ich gerne wissen, wie sich der Preis dieser Exportfinanzierungsform für ein Unternehmen zusammensetzt und ob es darauf Einfluss nehmen kann. Ferner würde mich interessieren, ob es irgendwelche Alternativen für ein Unternehmen zu dieser Form der Exportfinanzierung gibt.

Im Voraus vielen Dank für die Antworten

Antwort
von LittleArrow, 9

So richtet wird keine Frage gestellt, sondern eine Diskussion erwartet. Ehe ich etwas genauer auf das Thema eingehen kann, habe ich eine Klärungsfrage hierzu:

wie sich der Preis dieser Exportfinanzierungsform für ein Unternehmen zusammensetzt

Welches Unternehmen meinst Du hier und warum genau dieses und nicht ein anderes involviertes?

Kommentar von Tobululu ,

Vielen Dank für die bisherigen Beiträge. Aufgrund der Einführung der Leverage Ratio von Basel III wird an vielen Stellen argumentiert, dass Banken ihre margenarme und volumenstarke Positionen abbauen oder verteuern könnten, zu der auch die Hermes gedeckte Exportfinanzierung für ein Unternehmen gehört.

Diesebezüglich würde ich gerne wissen, aus welchen Komponenten sich der Preis der Bank für diese Dienstleistung an ein nachfragendes Unternehmen zusammensetzt.

Kommentar von LittleArrow ,

Dein Beitrag hilft mir zur Konkretisierung nicht wirklich weiter, weil der Inhalt des nachfragenden Unternehmens nicht klar ist. Unternehmen können diverse handelnde Wirtschaftssubjekte sein, z. B. Importeure, Exporteure, Kreditgeber und Kreditnehmer, Banken, Privatpersonen und Gruppierungen dieser Subjekte. Diese Differenzierung macht die Beantwortung nahezu unmöglich. Ich versuche daher eine eher allgemeine Beantwortung Deiner Fragestellung nach der Prämienhöhe des Exportkreditversicherers und der Bankmarge.

Wenn Du mehr über das staatlich geförderte Exportkreditwesen lesen möchtest, dann mußt Du Dich mit der Gebührenstruktur des jeweiligen Exportkreditversicherers (z. B. Hermes als Mandatar der BRD) auseinandersetzen. Diese wird bestimmt vom Risiko und der Laufzeit. Früher gab es auf der Risikoseite die einfache Festlegung durch Privat-, Bank- und Staatsrisiken. Dieses Modell wurde vor ca. 20 Jahren weiterentwickelt durch eine Länderdifferenzierung (7 Kategorien) des betroffenen Risikos (z. B. Sitz des Kreditnehmers und/oder Garanten) und der Höhe des gedeckten Risikos bzw. Höhe des nicht gedeckten Selbstbehaltes des Versicherungsnehmers. Eine weitere ECA-Prämiendifferenzierung berücksichtigt neben der Selbstbehalthöhe auch die Dauer bis zur Entschädigung durch den Kreditversicherer, welche sich je nach Ursache des Schadensrisikos unterscheiden mag (z. B. 3 oder 6 Monate). Ähnlich mag sich auch die Margenkalkulation der Exportkreditfinanzierers unterscheiden.

Aus der Sicht der finanzierenden Bank, die durch einen Kreditversicherer eine Ausfalldeckung erhalten hat, ist natürlich die Bonität des Kreditversicheres (ECA export credit agency) auch von Bedeutung. Hier kommt die Bewertung der zur deckenden ECA gehörigen, im Zeitablauf schwankenden Länderbonität in Frage, insb. wenn man mal auf die Bewertungsschwankungen zwischen Deutschland (Hermes), Italien (SACE) und Spanien (CESCE) achtet. Wenn es also zu einer solchen Bewertungsschwankung kommt, dann ist aufgrund der Basel III-Bestimmungen auch eine Neubewertung der ECA-Kreditbonität nötig (ohne dass sich möglicherweise das Schuldnerrisiko beim gewährten Exportkredit geändert hat!). Der Verkauf derart ECA-versicherter Exportkredit an andere Banken, die anders kalkulieren, ist aufgrund der Basel-Bestimmungen also nicht so einfach.

Kommentar von Tobululu ,

Vielen Dank für die ausführliche Erläuterung.

Hieraus ergeben sich für mich weitere Fragen. Inwieweit spielt die Bonität eines Schuldners (in diesem Fall einem ausländischen Importeur) eine Rolle für die Bank (bei der Preiskonditionierung), sofern sie ihm im Rahmen eines Außenhandelsgeschäftes mit einem deutschen Exporteur einem Bestellerkredit mit Hermesdeckung gewährt? (bzw. die Bonität des deutschen Exporteurs)

Außerdem interessiert mich, ob es eine Alternative zur langfristigen Hermes gedeckten Exportfinanzierungen für ein deutsches Exportunternehmen gibt, die den gleichen Schutz wie selbiges bietet?

Im Voraus vielen Dank für ihre Information

Kommentar von LittleArrow ,

Wenn die Bonität des Kreditschuldners (und Importeurs) sowie das Grundgeschäft und die Bonität des deutschen Exporteurs für Hermes akzeptabel sind, dann wird eine versierte deutsche Bank (einige Geschäftsbanken, Landesbanken, KfW und AKA) die Finanzierung über 85 % des Auftragswertes des deutschen Exporteurs idR gerne finanzieren, sofern der Deckungsselbstbehalt bei max. 5 % liegt. Für die Übernahme des 5 %igen Selbstbehaltes kann es bei der Konditionenfestsetzung bei weniger guter (Käufer-/Käuferland-)Bonität zu einer Erhöhung der Kreditzinsmarge und/oder zu Berechnung einer Risikoprämie kommen. Die Konditionen des Bestellerkredites können übrigens dann teurer werden, wenn von der deutschen Bank neben der gedeckten Finanzierung auch noch eine ungedeckte Finanzierung über z. B. 15+ % gewährt wird.

Die Bonität des deutschen Exporteurs spielt für die Gewährung der Hermesdeckung und des Kredites durchaus auch eine Rolle, denn weder Hermes noch die Bank möchten Kredite begleiten, die teilweise oder ganz von z. B. einer vertraglichen Schlechterfüllung oder wirtschaftlichen Schieflage des Exporteurs betroffen sein können.

Hinsichtlich der letzten Frage ist zunächst klarzustellen, dass eine langfristige Hermes-gedeckte Exportfinanzierung nicht automatisch eine tatsächliche Deckung für das Exportgeschäft erfordert. Aber zumindest müßte das Exportgeschäft grundsätzlich bei Hermes deckungsfähig sein. Im Regelfall werden sowohl das Exportgeschäft als auch der Finanzkredit in einer jeweils eigenständigen Deckungsurkunde versichert. Somit lautet die Antwort: Der Käufer könnte sich als Alternative zum Hermes-gedeckten Finanzkredit selber um eine langfristige Finanzierung bei den Banken seines Heimatlandes oder eines anderen Landes bemühen. Eine solche ungedeckte Finanzierung würde auf normalen Kreditsicherheiten (z. B. Pfandrechten) oder rein auf der guten Käuferbonität ("negative pledge") basieren. Der deutsche Exporteur hätte für die Ausfuhrforderungen aus seinem Exportgeschäft möglicherweise dennoch eine Hermes-Ausfuhrdeckung und/oder möglicherweise ein Bankakkreditiv (mit/ohne Bestätigung einer deutschen Bank), das mit oder ohne Remboursklausel zum geschlossenen (ungedeckten) Kreditvertrag abgewickelt wird. Aber diese ungedeckte Kreditvariante kommt überwiegend ohne Mitwirkung des deutschen Exporteurs zustande. Denkbar wäre beim Bargeschäft des Exporteurs auch eine Mischung von hermesungedeckter Ausfuhrforderung für die z. B. 75 % Zahlung pro-rata Lieferung aus einem bestätigten Akkreditiv und eine gedeckte Ausfuhrforderung für die letzten 10 % bei Abnahme.

Schließlich möchte ich noch erwähnen, dass nicht nur deutsche Banken, sondern auch Drittlandsbanken (oder gar Käuferlandbanken) sich den an das Exportgeschäft gekoppelten Finanzkredit bei Hermes decken lassen können. Allerdings ist für den deutschen Exporteur gründlich abzuwägen, inwieweit sein Schutzbedürfnis durch diese zusätzlichen, nicht versicherbaren Auslandsrisiken verletzt werden kann. Schließlich geht es bei solch grenzüberschreitenden Exportgeschäften mit häufig mehrjähriger Abwicklungszeit um eine gründliche Analyse der denkbar möglichen Störungen. Bei hoher Absehbarkeit solcher Störungen würden Käufer wie Verkäufer, Kreditgeber wie -nehmer und -versicherer auf das Geschäft verzichten. Die Erfahrung zeigt, dass trotz gutem anfänglichen und anhaltendem Willen der Vertragsparteien auch wirtschaftliche und/oder politische Kräfte ("beyond control of the contractual parties") die Geschäftsabwicklung gefährden oder gar zunichte machen können. Anfängliche Freude muß dann leider langfristigem Frust weichen. Genau dafür sind die Deckungsmodelle der diversen ECAs vorgesehen.

Ich hoffe damit Deine Fragen mehr als vollumfänglich beantwortet zu haben.

Antwort
von gandalf94305, 5

Ein Unternehmen muß nicht über HERMES eine Exportfinanzierung durchführen, sondern kann dies auch ganz gewöhnlich über Banken als Export- oder Lieferantenkredite abwickeln... bis hin zur Reduzierung solcher Finanzierungen durch Letter-of-Credit Zahlungsmodalitäten, bei denen Zug um Zug Zahlungen und Güter ausgetauscht werden.

Zum Impact: bedenke, daß hier Kredite involviert sind und somit Risiken zu betrachten wären. Basel III reformiert vor allem die Betrachtung von Risiken und deren Auswirkungen auf Kredite. Damit hast Du den Zusammenhang, warum dieses Geschäft über HERMES mit der dort erforderlichen Bürokratie teurer und unattraktiver werden kann.

Kommentar von LittleArrow ,

Der Vorschlag einer langfristigen Exportfinanzierung (also mindestens über 10 Halbjahresraten und Euro 1 Mio) als Lieferantenkredit scheitert häufig an der fehlenden Liquidität und/oder der Risikoaversion des Lieferanten. Eine kongruente Refinanzierung des ungedeckten Lieferantenkredites ist teurer, da das Privatrisiko "Exporteur" durch die Basel-Vorschriften schlechter bewertet wird als das Staatsrisiko "Hermes". Zudem ist fraglich, ob der Exporteur überhaupt das Fabrikations- und Ausfuhrrisiko aus seinem Exportgeschäft über diese lange Laufzeit unversichert tragen will.

Üblicherweise sind Hermes-Deckungen für erfahrene Exporteure und Banken recht einfach und nicht teuer abzuwickeln. Erfahrene Importeure haben mit Hermes-gedeckten Finanzkrediten auch keine Probleme. Bei unerfahrenen Importeuren oder bei speziellen Projektfinanzierungen wird die gesamte Finanzierungmodellierung schon sehr viel zeitaufwändiger, komplexer und setzt auch einen wechselseitigen Lernprozeß voraus. Aber ich denke nicht, dass die beiden Sonderfälle meines letzten Satzes in der Fragestellung gemeint waren.

Akkreditive dienen sehr selten der langfristigen Exportfinanzierung. Allenfalls findet man Nach-Sicht-Akkreditive mit einem 360-tagigen Zahlungsziel nach Lieferung; aber das kann man kaum als langfristige Exportfinanzierung betrachten.

Nicht unerwähnt sollten Forfaitierungen bleiben, die für kleinere Auftragswerte eine längerfristige Exportfinanzierung idR auf Basis von Solawechseln mit Aval einer passenden Auslandsbank ermöglichen. Diese Abwicklung ist relativ einfach und der Exporteur kann durch non-recourse-Verkauf auch das Forderungsrisiko an den Forfaiteur übertragen. Da jedoch die Kosten des Bankavals vom Importeur zu tragen sind und die Forfaitierungskosten beim Exporteur liegen, ist die Kosten-Nutzen-Verteilung dieser Finanzierung recht asymetrisch und intransparent. Dennoch kommt eine derartige Finanzierung im Serienmaschinenbau eher vor als im Geschäft mit Einzelfertigungscharakter (Anlagenbau oder Sondermaschinenbau).

Antwort
von wfwbinder, 6

Basel II und Basel III sind ein Segen für Banker, denn damit haben sie eine tolle Entschuldigung für alles, was sie den Kunden an Kosten aufbrummen, oder an Krediten kürzen.

Ich will nicht bestreiten, dass höhere Anforderungen an Rating und Eigenkapital gestellt werden, aber einen Zusammenhang mit den Hermesbürgschaften sehe ich nciht.

Entweder mal erfüllt die Voraussetzungen, dann bekommt man die Bürgschaft und damit ist der Kredit der Hausbank gedeckt, oder man bekommt sie nicht.

Aber die Hausbank kann die Kreditanforderungen anziehen und damit verteuern.

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