Frage von AchillesMD,

Kosten der Direktversicherung

Hallo zusammen,

für meine berufliche Altersvorsorge habe ich - mit meinem alten AG zusammen - einen Direktversicherungsvertrag abgeschlossen. Der AG zahlte Beiträge in das Klassik- (Zins i.H.v. 2,25 % p.a.) und ich in das IndexSelect-Produkt (gekoppelt an Euro-Stoxx) der Allianz.

Zwischenzeitlich hatte ich mein Index-Select-Produkt zum Tarif "Klassik" umstellen lassen. Das Produkt bleibt im Kern jedoch ein Index-Produkt, laut Versicherungsvermittler. Im nachfolgenden beschreibe ich jedoch noch das Index-Produkt, da dieses erst kürzlich umgestellt worden ist.

Demnächst fange ich bei einem neuen AG an und würde gerne einen Teil der Direktversicherung fortführen. Eine Fortführung der Direktversicherung kann jedoch nur erfolgen, wenn mein Teil der Versicherung in die klassische Direktversicherung (oder fondsbasierten Pensionskassenvertrag) umgewandelt wird. Hierfür müsste ich lediglich zustimmen. Laut meinem Maklerbüro würden keine zusätzl. Kosten entstehen und der Wert der Versicherung würde gleich bleiben.

Dies hat mich sehr stutzig gemacht, da dies doch auch bedeutet, dass ich mit meinen vergangenen Beiträgen die Vielzahl von Möglichkeiten mittels Beiträgen abdecken müsste, welche ich vielleicht gar nicht in Anspruch nehmen werde. Habe mich auch etwas umgehört: das Index-Produkt soll nicht unbedingt für seine geringen Kosten bekannt sein. So habe ich beispielsweise in einer jährlichen Information den aktuellen Policenwert übermittelt bekommen. Nach eingezahlten Beiträgen i.H.v. 200 EUR betrug der Policenwert unter Berücksichtigung von Kosten und Verzinsung lediglich rund 135 EUR?! Ein Jahr später erhielt ich die nächste jährliche Information: nach eingezahlten Beiträgen i.H.v. 1.400 EUR steht ein Policenwert von rund 950 EUR zur Verfügung?!

Mir ist bewusst, dass die Abschluss- und Vertriebskosten sowie Verwaltungskosten in den ersten 5 Jahren abgerechnet werden - aber, dass diese so hoch sein sollen, gibt mir zu denken.

In den Bedingungen sind ebenfalls viele Widersprüche. Einerseits garantiert man das Kapital, andererseits kann der Vertag 0 EUR Wert, wenn dieser die Grenze von 4.000 EUR nicht überschreitet.

Meine Fragen sind nun: a) Sind meine Interpretationen richtig, auch insb. der Policenwert abzgl. der Kosten und Zinsen? b) Wie kann mir mit Beiträgen innerhalb nach 44 Jahren ein Garantiekapital i.H.v. fast 53.000 EUR garantiert werden, wenn die Kosten bereits jetzt so hoch sind? c) Würden sich die Kosten bei einer Umwandlung in die klassische Direktversicherung (oder fondsbasierten Pensionskassenvertrag) zum Vorteil ändern oder bin ich - auch nach Umwandlung in irgendeiner Form - weiterhin an das Index-Produkt gebunden? d) Ist diese Direktversicherung überhaupt empfehlenswert / rentabel?

Kann nun eine neue klassische Direktversicherung oder fondsbasierten Pensionskassenvertrag abschließen. Überlege nun, ob ich meine Direktversicherung - umgewandelt - fortführe oder etwas neues abschließe.

Freue mich über jeden Beitrag!

Antwort
von Niklaus,

Deine Frage ist so komplex, dass sie hier ohne Kenntnis der Unterlagen und genauen Tarife nicht zu beantworten ist. Es ja auch gar nicht sicher, ob die DV überhaupt die richtige Altersvorsorge für dich ist.

Die wirklich wichtige Frage zur Altersvorsorge sollte lauten: „Welche Altersvorsorge ist für mich optimal“? Die Altersvorsorge ist seit 2005 in 3 Schichten aufgeteilt. Schicht 1 Basisversorgung: gesetzliche Rentenversicherung und Basisrente (Rürup-Rente). Schicht 2 Zusatzversorgung: betriebliche Altersvorsorge und Riester-Rente. Schicht 3 Kapitalanlagen: Private Renten- bzw. Kapitallebensversicherungen und Aktienfondssparpläne etc. Weder die optimale Schicht noch die Art der Altersvorsorge kann man pauschal festlegen. Jede Form der Altersversorgung hat unterschiedlich hohe Aufwendungen zum Ansparen einer gleichen Nettorente. Deshalb ist es wichtig, dass vor Abschluss jeglicher Altersvorsorge ein qualitativer und quantitativer Schichtenvergleich durchgeführt wird. Denn es ist ein großer Unterschied, ob man von der ausgezahlten Rente noch Steuern und ggf. Krankenversicherung zahlen muss oder nicht.

Hier ein Beispiel:

Mann, ledig, 34 Jahre alt, Versorgungslücke ab dem 67. Lebensjahr 540 € monatlich (=erforderliche Nettorente)

Um die Versorgungslücke von 540 €/Monat netto abzudecken, werden folgende Bruttorenten je Schicht benötigt:

  • Basisrente: 779 €
  • Direktversicherung, Pensionsfonds, Pensionskasse: 1.050 €
  • Unterstützungskasse, Pensionszusage: 1.050 €
  • Riesterrente: 779 €
  • Private Leibrente: 568 €
  • Investmentfonds-Auszahlungsplan: 690 €

Der erforderliche Beitragsaufwand monatlich, um die Versorgungslücke abzudecken, beträgt:

  • Basisrente: 210 €
  • Direktversicherung, Pensionsfonds, Pensionskasse: 302 €
  • Unterstützungskasse, Pensionszusage: 302 €
  • Riesterrente: 210 € (damit wird aber nicht die komplette Versorgungslücke gedeckt)
  • Private Leibrente: 110 €
  • Investmentfonds-Auszahlungsplan: 116 €

Die Differenz zwischen Bruttorente und Nettorente sind Steuern und Beiträge für die Krankenversicherung. Ausgehend von den unterschiedlichen Bruttorenten, ist die Höhe des monatlichen Aufwands natürlich auch unterschiedlich. Bei der Ermittlung des Nettoaufwandes müssen nämlich noch die unterschiedlichen staatlichen Förderungen und die unterschiedlichen Renditen der Vorsorgeformen eingerechnet werden.

Kommentar von AchillesMD ,

Vielen Dank für die sehr ausführliche Antwort und das tolle Beispiel.

Mir wird nun klar, dass ich das Thema anscheinend total falsch angegangen bin. Habe vor über einem Jahr bei meinem alten AG mittels eines Finanzberaters diese Direktversicherung abgeschlossen - in gutem Gewissen etwas für die Altersvorsorge zu tun. Dabei hätte eigentlich zuerst dieser sog. Schichtenvergleich durchgeführt werden müssen.

Dementsprechend fühle ich mich falsch beraten und würde zunächst diese Direktversicherung weiterhin beitragsfrei fortführen lassen, bis klar ist, welche Schicht die optimalste ist.

Siehst Du das auch so? Gehe ich nun zu einem FInanzberater / Steuerberater / Versicherungsmakler mit dem ich die Themen gründlich besprechen kann oder sollte ein anderer Ansatz gewählt werden? Gibt es unabhängige Institutionen? Was kostet eine solche Beratung? Selbstverständlich würde ich mich vorher etwas schlau machen.

Wünsche frohe Feiertage

Kommentar von Niklaus ,

Schichtenvergleiche machen leider noch nicht alle Berater und Versicherungsmakler. In de Regel benötigt man hierzu eine spezielle Software, die alle Punkte berücksichtigt.

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