Frage von stratege, 13

Kommt in einigen Jahren die Bürgerversicherung -oder kann die Krankenkasse Billionenlöcher stopfen?

Aktuell ist wieder zu lesen daß die GKVs die Billionenlöcher kaum stopfen können, um das System der Gesundheitsversorgung auch später noch zu finanzieren. Die Gesellschaft wird immer älter, hierfür fehlen die Rücklagen. Ist das noch zu schaffen oder werden doch künftig Beamte wie Reiche in einem einheiltichen Krankenversicherungssystem landen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gandalf94305, 10

Die Vorurteile sprechen aus Deinen Worten. Beamte und Reiche sind mitnichten die einzigen PKV-Kunden.

Die Frage ist doch eher, ob das heutige Umlagensystem der GKV überhaupt so tragfähig ist. Man sollte IMHO eher stärker auf ein PKV-Modell setzen, das auch genau die Rücklagen bildet, die für die einzelnen Verträge erforderlich sind. Über steuerliche Begünstigungen oder beispielsweise eine Erhöhung des Kindesgeldes könnte man den Schritt von der Familienversicherung zu einer Individualversicherung ermöglichen.

Es ist ja nicht so, daß Menschen in der PKV weniger krank sind oder weniger Kosten als GKV-Patienten verursachen. Es ist nur von der Konstruktion des Modells über Einkommensanteile ein genereller Designfehler in der GKV eingebaut, der dazu führt, daß hohe Arbeitslosigkeit zu klammen Kassen führt und steigende Kinderzahlen die Kosten treiben.

Antwort
von Primus, 9

Findest Du in folgendem Bericht etwas von Billionenlöchern?

Die Lage bei den einzelnen Krankenkassen ist weiterhin unterschiedlich, letztlich profitieren aber alle von den günstigen Rahmenbedingungen. Die Kassenarten mit den meisten Versicherten wiesen die höchsten Überschüsse aus: So erzielten die AOKen Überschüsse von insgesamt rund 449 Millionen Euro, die Ersatzkassen 134 Millionen Euro. Bei den kleineren Kassenarten erzielten die Betriebskrankenkassen Überschüsse von 103 Millionen Euro, die Innungskrankenkassen 91 Millionen Euro und die Knappschaft-Bahn-See 72 Millionen Euro.

„Die positive Finanzentwicklung der letzten Jahre setzt sich erfreulicherweise auch zu Beginn dieses Jahres fort“, erklärte Daniel Bahr (FDP). Er will sich weiter für eine solide Finanzausstattung der Krankenkassen einsetzen. Gleichwohl belegt die aktuelle Entwicklung seiner Meinung nach, dass „neben der Abschaffung der Praxisgebühr auch gezielte Finanzhilfen für die Krankenhäuser, Verbesserungen beim Apotheken-Notdienst sowie die geplanten Leistungsausweitungen im Bereich der Prävention und betrieblichen Gesundheitsförderung finanziell vertretbar sind“. Die finanzielle Stabilität der gesetzlichen Krankenversicherung werde dadurch nicht gefährdet.

Antwort
von Rentenfrau, 7

Hallo stratege, also momentan ist es so, daß die gesetzlichen Krankenversicherungen Milliareden Überschüsse haben, daher wurde auch die Praxisgebühr mit Anfang des Jahres 2013 abgeschafft. Der Beitragssatz zum Gesundheitsfonds ist gleich geblieben, die Beschäftigungsquote ist sehr hoch, daher werden die gesetzlichen Krankenkassen weiter gut Geld einnehmen. Sollte das Geld aber nicht mehr für die Versicherten reichen, dann wird der Beitragssatz steigen. Ob es nur eine Einheitsversicherung mal geben wird, ist -meines Erachtens- eine politische Frage. Ich persönlich glaube nicht, daß die private Krankenversicherung abgeschafft wird, es würde schwierig, bestehende Krankenversicherungsverträge zu unterbrechen, außerdem ist zu bedenken, wenn bisher privatversicherte Kunden in die GKV überführt werden, kommt es nicht nur zu mehr Einnahmen, sondern natürlich auch zu Ausgaben.

Antwort
von Sobeyda, 6

In der Frage sehe ich einen Widerspruch.

Mal unterstellt, es stimmt, dass die GKV Billionenlöcher zu stopfen hat, weil sie keine Rücklagen gebildet hat. Welchen Sinn macht es dann, gerade das System aufzulösen, das ebendiese Rücklagen seit Jahrzehnten bildet: die PKV?

Und nur zur Sicherheit: die Rückstellungen, die die PKV gebildet hat, sind Eigentum der dort Versicherten. Sollte es zu einer Auflösung der PKV kommen, muss dieses Geld an die Versicherten ausgezahlt werden. Das, was einigen vorschwebt, nämlich diese Rückstellungen der PKV in eine Bürgerversicherung zu überführen um Löcher der GKV zu stopfen, kommt einer Enteignung gleich und wird von jedem Gericht kassiert werden.

Abgesehen davon, wird eine Bürgerversicherung nach meiner Meinung keines der derzeit in der GKV bestehende Problem lösen. Was nicht automatisch heisst, dass die PKV das bessere System ist - nur liegen hier die Probleme teilweise anders.

Kommentar von alfalfa ,

D.H. Und wer meint, dass die Rückstellungen auch als Barreserven real vorhanden sind, der irrt hier gewaltig. Es ist nichts weiter als eine Bilanz Position. Einfach mal über schnöde Buchungssätze versuchen die Rückstellungen aufzulösen. Das würde nämlich buchhalterisch zu einer Steuerpflichtigen Gewinnerhöhung führen! Einfach mal zuende denken...

Kommentar von Sobeyda ,

Die versicherungstechnischen Rückstellungen haben den Charakter von Fremdkapital, die Rüchzahlung wäre dann so etwas wie die Tilgung eines Kredits. Ist auf sowas Steuer zu zahlen? (Daher auch der Begriff "Rückstellungen", Rücklagen sind bilanzielle Eigenkapital.)

Und es ist ja heute schon so, dass die bilanziellen Rückstellungen aufgelöst werden, wenn die versicherte Person so alt ist, das der Beitrag alleine nicht mehr ausreicht. Zieht das eine Steuerpflicht nach sich?

Sollten jedoch alle Rückstellungen der PKV ausgezahlt werden, weil diese ausgelöst wird, müssten die Aktiva, wie Immobilen, Staatsanleihen etc. vertickt werden. Werden dadurch stille Reserven gehoben, unterliegen die wohl der Steuerpflicht - und der Rest geht wiederum an die Versicherten.

Kommentar von alfalfa ,

Zum Thema Rückstellungen und Auswirkungen auf den Jahresabschluss. Die Auflösung von Rückstellungen wirken sich Gewinnerhöhend aus. Und daraus resultiert dann die Steuerpflicht. Der Unterschied Rückstellungen und Rücklagen ist mir schon klar.

http://www.steuerberaten.de/tag/rueckstellung/

Und korrekt. Das wäre die logische Konsequenz, die Aktiva zu versilbern. Das PKV Unternehmen wäre schlagartig insolvent, Nebengeräusche am Kapitalmarkt wären auch zu erwarten.

Die Rückstellungen gehören auch nicht dem Individuum, sondern dem Kollektiv. Personen im Rentenalter müssten dann theoretisch sogar Rückstellungen zurückzahlen.

Und Rückstellungen in der PKV wirken gleich vierfach:

  1. Als Direktgutschrift auf den monatlichen Zahlbetrag
  2. Als Limitierungsmittel im Kollektiv
  3. Indviduell als gesetzliche Rückstellung ab Erreichung der Rente
  4. Kollektiv als Limitierung im Rentenalter und darüber

Reichen die Rückstellungen nicht aus, dann gibt es eben eine BAP. Und was eher unbekannt ist, auch die PKV hat einen Demografiefaktor. Heißt in Praxis, dass die BAP für jüngere Personen um so heftiger ausfällt. Technisch erfolgt das durch Allokierung der Überzinsen.

Kommentar von alfalfa ,

Und Last not least müssten KalV, VAG, HGB, BGB und VVG geändert werden. Denn aktuell ist es so, dass bis auf Rückstellungen in Höhe des Basistarifs, alle anderen Rückstellungen an das Kollektiv vererbt werden. Also: die letzten, die in der PKV bleiben dürfen sich über massive Beitragssenkungen freuen.

Antwort
von qtbasket, 5

Gesundheitsökononomie in Deutschland !!!

Mit Verlaub - du informierst dich aus den falschen Quellen: das mit den Billionenlöchern ist pure Ideologie, von wem auch immer.

Da ich mich zurzeit intensiv mit der Frage befasse, wie das Gesundheitssystem 2025 in Deutschland aussehen wird, kann ich dir zumindest zur Beruhigung sagen, die Zukunft hat längst angefangen, auch wenn es so richtig keiner mitbekommt.

MVZ und integrierte Versorgung wird in gut 10 Jahren der Standard vieler GKV Versicherter und auch auch vieler PKV Versicherter werden - nur so werden die Tarife überhaupt bezahlbar sein. Wer die absolute freie Arztwahl will, wird sie wohl aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Wer also Beamter ist, und nur das "angeblich Beste" haben will, wird dafür keinen bezahlbaren Tarif finden, und auch seine Beihilfe wird ihm dazu nicht viel bringen.

Also von Billionenlöchern und der Bürgerversicherung ist nichts zu sehen. Vor der Bundestagswahl nicht, und nach dem 22. September 2013 auch nicht.

Antwort
von Underfrange, 4

Die Frage ist in soweit berechtigt als dass manche Parteien dem Bürger zu verstehen gibt die Probleme mit einer solchen Bürgerversicherung lösen zu können. Die Wahrheit ist, dass die Politiker das Gesundheitssystem nicht verstehen....noch nie verstanden haben....oder sie haben es verstanden und werden geschmiert.

Die Stütze unseres Gesundheitssystems sind die Privatpatienten die wesentlich mehr Beitrag bezahlen und wesentlich an der Forschung und Entwicklung in der Medizin teilhaben.

Wenn die Politik (ausgewählte Parteien) behauptet unser aktuelles System sei nicht effektiv und ungerecht dann wird eine Bürgerversicherung das Problem nicht lösen können sondern vielmehr echte neue Probleme aufwerfen. Dann haben wir eine Einheitskasse und eine Einheitsbehandlung. Weniger Geld für die Krankenhäuser und weniger Geld für die Forschung.... Eine Lösung wäre höchstens den Einstieg in die private Krankenversicherung zu erleichtern, die Menschen zu befreien und das viele Geld welches die Kassen erhalten zielgerichteter auszugeben. Die meisten Ausgaben unserer Kassen sind nicht heilend, nicht gesundheitsfördernd sondern bewirken oft das Gegenteil. Aber unsere Krankheitspolitik ist nicht einfach, wird sie doch von der Lobby der Pharmaindustrie gesteuert. Wer will denn dass plötzlich kaum mehr Medikamente verordnet werden? Wer will denn gesunde Bürger haben? Die Pharmalobbyisten würden sich doch ins eigene Fleisch schneiden, würden sie gesundmachende Medikamente auf den Markt bringen.... Ich sprenge gerade das Ausmaß der Beantwortung. Aber daran ist schon zu erkennen, dass die Frage nicht einfach zu beantworten ist. Hoffentlich kommt diese irrsinnige Idee der "Einheitskasse" und die dumme Idee der "Kopfpauschale" nie und die Bürger sind wachsam. Das hängt unter anderem vom Ausgang der Bundestagswahlen im September ab. Alles Gute ....

Antwort
von alfalfa, 5

In der Tat, unser soziales Sicherungssystem ist die Herausforderung der Zukunft. Warum?

  • Steigende Kosten des medizinischen Fortschritts
  • Die Gesellschaft wird - ärmer - älter - weniger
  • Die Relation einzahlende Personen zu entnehmenden Personen wird immer ungünstiger
  • Andauernde Niedrigzinsphase

Die Achillesferse der GKV sind die ersten drei Punkte, bei der PKV sind es alle vier Punkte.

Ein Einheitssystem löst keines der obigen Punkte! Um diese Punkte nachhaltig zu lösen wären folgende Maßnahmen angebracht:

  • Priorisierung und Schwerpunkt auf Prophylaxe (Skandinavische Länder)
  • Rationierung (UK)
  • Grundversorgung durch GKV und ergänzende Absicherung PKV (Schweiz)
  • Aufhebung der Sektorengrenzen und Anstellung der Ärzte bei der GKV (Israel)
  • Besseres Versorgungsmanagement (Deutschland)
  • Beitragserhebung als Kopfpauschale
  • Qualitative Immigrations Politik

Alle anderen Vorschläge vertagen das Problem oder sind schlicht und einfach populistische Oberflächenbehandlung. Wenn schon Maßnahmen, dann bitte die Ursachen beheben und keine kosmetische Oberflächenbehandlung. Denn das verschärft die Situation nur.

Antwort
von billy, 4

Weiss nicht in welcher Revolver - Presse Sie so einen Schmarn gelesen haben ? Aus seriösen Quellen hört man eher das Gegenteil statt Billionenlöcher erwirtschaften die GKV ´s Milliardenüberschüsse.

Kommentar von wasgeht ,

ich hab das auch bei den Wirtschaftsnachrichten gelesen und halte diese Zeitung für interessant, also Revolverpresse ist es sicher nicht, lies hier nach: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/08/11/krankenkassen-mit-billione...

Kommentar von billy ,

dann hast Du wohl nicht zu Ende gelesen und Dich auch bisher noch nicht mit dem Thema beschäftigt. In der von Dir zitierten Quelle werden Äpfel mit Birnen verglichen d.h. in Deutschland existieren zwei unterschiedliche Systeme der Krankenversicherung die PKV und die GKV. Hier nur zwei wesentliche Unterschiede der beiden Systeme: Die PKV haben schon immer aus den Beiträgen ihrer Versicherten Rückstellungen gebildet um steigende Kosten in der Zukunft decken zu können, den GKV war es bisher politisch gewollt nicht erlaubt Rückstellungen zu bilden. Ein zweiter ganz wesentlicher Unterschied ist die kostenlose Mitversicherung von Kinder und Ehepartner ohne eigenes Einkommen in der Familienversicherung der GKV (auch politisch gewollt) den gibt es in der PKV nicht.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community