Frage von adrian1980, 192

Können die Banken immernoch Immobilienkredite weiterverkaufen?

Hallo erstmal,

das war ja damals ein großes Thema während der Finanzkrise 2008/2009. Kreditnehmer hatten ihr Darlehen fast vollständig getilgt und plötzlich verkauft die Bank die Grundschuld bzw. Forderung an einen Investor und dieser will sofort die ganze Summe+Zinsen eintreiben.

Ist das heute auch noch so möglich oder hat der Gesetzgeber hier jetzt gehandelt und ein entsprechendes Gesetz zum Schutz der Kreditnehmer verabschiedet?

Grüße

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Interhyp, Business Partner, 138

Hallo Adrian 1980,

der Verkauf von Forderungen und Krediten ist ein gewöhnlicher Vorgang unter Banken zur Refinanzierung.

Vor einigen Jahren gingen Berichte über Forderungsverkäufe durch die Medien. Kreditinstitute hatten Kredite von Kunden verkauft, die in Zahlungsverzug geraten waren. Die Käufer der Immobilienkredite, häufig Investoren, die in großem Umfang solche Kredite aufgekauft hatten, drängten zum Teil zur Zwangsvollstreckung und zur Versteigerung der Immobilie. Um die Kreditnehmer davor zu schützen, hat der Gesetzgeber das Risikobegrenzungsgesetz auf den Weg gebracht, das bereits im August 2008 in Kraft getreten ist. Der Verkauf eines Kredits mit den Forderungen, die dazu gehören, ist zwar seitdem noch grundsätzlich möglich. Baufinanzierungskunden sind aber besser vor Kreditverkäufen beziehungsweise Forderungsverkäufen geschützt.

Banken sind nun verpflichtet, im Kreditvertrag darüber aufzuklären, falls ein Kreditverkauf möglich sein soll. Wenn es zum Verkauf kommt, muss die Bank den Kunden informieren. Wenn der Käufer des Kredits eine Zwangsvollstreckung unberechtigterweise betreibt, muss er Schadensersatz leisten. Mit dem Risikobegrenzungsgesetz gilt zudem, dass Immobiliendarlehen aufgrund eines Zahlungsverzugs nur dann gekündigt werden dürfen, wenn der Darlehensnehmer zweimal hintereinander mit den Ratenzahlungen im Verzug ist - und wenn der Rückstand mindestens 2,5 Prozent der Kreditsumme beträgt. Dies gilt für Verträge, die nach Inkrafttreten des Gesetzes geschlossen oder übertragen wurden.

Zudem hat der BGH im Jahr 2010 entschieden, dass der Käufer eines Kredites nicht mehr die sofortige Zwangsvollstreckung betreiben bedarf (AZ: XI ZR 200/09). Es muss geprüft werden, ob der Käufer des Kredits alle Rechte und Pflichten aus dem ursprünglichen Darlehensvertrag übernommen hat. Dies gilt auch für Verträge, die vor Inkrafttreten des Risikobegrenzungsgesetzes geschlossen wurden.

Durch diese Regelungen sind Berichte über Kreditverkäufe viel seltener geworden. Und wenn Du Deine Raten regelmäßig zahlst, musst Du Dir keine Sorgen um einen Kreditverkauf machen. Wenn Dir das Thema aber wichtig ist, solltest Du Dich vor Abschluss eines Vertrags genau informieren, welche Regelungen die Kreditinstitute Deiner Wahl in den Verträgen getroffen haben. Bei einem bestehenden Kredit kannst Du Dich im Vertrag darüber informieren, ob und welche Regelungen getroffen wurden.

Manche Kreditinstitute verzichten ausdrücklich darauf, Kredite zu verkaufen. Andere Institute bieten diese Möglichkeit, im Hinblick auf das 2008 geschaffene Risikobegrenzungsgesetz, gar nicht an.

Ein kleiner Teil der Banken lässt sich für die Streichung des Passus aus dem Darlehensvertrag einen Aufpreis zahlen.

Ich hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen.

Viele Grüße

Christina
Interhyp AG

Kommentar von Finanzschlumpf ,

Aber auch in der "neuen" Regelung, betrifft es doch nur Kreditnehmer, die noch Schulden haben, oder ?

Es ist und war auch doch noch nie so wie der Fragant meinte, dass ohne Schuldverhältnis erfolgreich vollstreckt wurde oder irre ich da ?

Antwort
von wfwbinder, 118

Das ist noch möglich, aber für Grundschulden, die nach dem 19. 08. 2008 abgetreten wurden erheblich erschwert.

Derjenige, der aus so einer Grundschuld vollstrecken will, muss nachweisen, dass er in den Sicherungsvertrag wirksam eingetreten ist. Dieses muss der Notar, der eine vollstreckbare Ausfertigung erstellen soll überprüfen.

Über diese Prüfung hinaus hat der Notar nunmehr nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 30. März 2010 (XI ZR 200/09) in den Altfällen zusätzlich zu prüfen, ob der Erwerber der Grundschuld in den Sicherungsvertrag eingetreten ist. Geschieht dies nicht formgerecht, muss der Notar die Vollstreckbarerklärung ablehnen.

Antwort
von Primus, 113

Ja, das ist immer noch möglich. Gestern las ich folgenden Bericht darüber:

http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=91435&bernr=21

Kommentar von LittleArrow ,

Zwar gestern gelesen, aber vor Jahren (2008!!!) geschrieben.

Kommentar von Primus ,

Nein! Der Link wird unter Google folgendermaßen angezeigt:

Montag 04.04.2016 12:23 Uhr ... Der Verkauf von Immobilienkrediten bleibt für Bank- und Sparkassenkunden ein heißes Thema. ... Doch nach wie vor können Banken nicht nur notleidende Immobilienkredite an Dritte wie die ... der Ratingagentur Fitch auch bei anhaltender Niedrigzinsphase noch bis 2034 bedienen.

Kommentar von LittleArrow ,

Doch!

Ich weiß nicht, was Dein Google anzeigt. Mein Bildschirm zeigt etwas anderes:-( Der erste Teil Deines Zitats stammt definitv aus aus dem ökoTest Ratgeber vom 06. Oktober 2008.

Der letzte Teil


der Ratingagentur Fitch auch bei anhaltender Niedrigzinsphase noch bis 2034 bedienen.

bezieht sich nicht auf Banken, sondern auf Lebensversicherungen und steht in den ökotest-News vom 24. März 2016:

" + + + 24. März 2016 + + +

Die deutschen Lebensversicherer können ihre Garantien nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch auch bei anhaltender Niedrigzinsphase noch bis 2034 bedienen. Das gilt zumindest für jene 23 Versicherer ..."

Von Deinem ursprünglichen Link ist bezogen auf die Fragestellung von adrian1980 die Seite 8 interessant, wo die neue Rechtslage seit 2008 zusammengefasst wird:

http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=91435&bernr=21&seite=08

Adrians Frage ist demzufolge zu verneinen (siehe auch die Antwort von Interhyp).




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