Frage von neuStudi, 7

Koalitionsvertrag - Solide Finanzen. Risiken von Bankgläubigern

im Koalitionsvertrag heisst es:

Bei der Sanierung und Abwicklung von Banken setzen wir uns für die strikte Einhaltung einer klaren Haftungskaskade und für eine konsequente Beteiligung von Bankgläubigern (Bail-In) ein. Künftig müssen vorrangig Eigentümer und Bankgläubiger, nicht Steuerzahler herangezogen werden. Sparer mit einer Einlage bis zu 100.000 Euro werden geschützt.

Sind nicht auch Sparer Bankgläubiger? Heisst das dann, dass jeder, der mehr als 100 tEuro bei einer Bank haben sollte, diese Bank dann Probleme bekommen sollte, dass dieser dann nur bis zu 100 tEuro sicher ist?

Verstehe ich die Zeilen korrekt? Das wäre dann das Modell Zypern, wenn die Umsetzung denn so kommt?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wfwbinder, 7

Kleinsparer mit bis zu 100.000,- sind gesetzlich geschützt.

Die wohlhabederen können sich auf den Einlagensicherungfonds verlassen.

Was für mich wichtig ist und was mir in der Vergangenheit gefehlt hat, die Eigentümer der Banken, also die AKtionäre werden danach in Zukunft mithaften.

Das Modell zypern hatte schon seine Berechtigung.

Das Geschäftsmodell zypern brachte Anlegern bis zu 4 % zinsen steuerfrei.

Vergleich:

Deutschland 100.000,- Einlage 1,5 % Zinsen in 4 Jahren 6.000,- Euro minus Abgeltungssteuer bleiben da weniger als 4.500,- Euro fpür den Anleger.

Zypern 100.000,- Euro bringen in 4 Jahren 16.000,- Steuerfrei. Wenn man nun dem zypiroten 10.000,- Euro wegnimmt steht er sich nur noch 1.500,- Euro besser als der deutsche Sparer. Ach tut er mir leid.

Kommentar von neuStudi ,

die Argumentation kann ich nachvollziehen.

In Zypern steuerfrei für die Zyprioten? Oder für wen steuerfrei?

Kommentar von wfwbinder ,

nach meinem Kenntnisstand für alle.

Kommentar von gandalf94305 ,

Alle, die dazu nicht in ihrem Heimatstaat besteuert werden :-)

Antwort
von Finanzschlumpf, 5

Man hat in Deutschland, sicher auch durch den Fehltritt von Frau Merkel ("die Spareinlagen sind sicher" ), völlig falschen Vorstellungen von Haftung und Nichthaftung geglaubt.

So langsam kommt etwas mehr Bewegung rein in die richtige Richtung, allerdings wie die Frage zeigt, sind die Sparer immer noch in Wolkenkukuksheim.

Zu glauben, eine Bank könne total pleite gehen ( also alle Aktiva weg ) und das ganze könne von statten gehen, ohne dass die Pasiva ( Einleger ) mit betroffen ist, versteht einfach zu wenig von Bilanz und ist sehr naiv.

Ein Bail-in ist die ökonomisch völlig unumgängliche Variantge bei besonders schweren Fällen.

Ein Verlust der Gläubiger im Konkurs- bzw. Insolvenzfall ist in der Industrie doch schon längst die Regel. Warum sollte das bei einer Bank anders sein, und wenn ja, wie sollte eine solche, abweichende Regelung rechtich und ökonomisch umgesetzt werden ??

Und, weil es in einer Antwort stand : Mehr Eigenkapital löst kein einziges Problem, da auch bei mehr Kapital immer Kapital fehlt wenn Verluste entstehen, Bankeigenkapital nicht zur Verfügung steht, und die höheren Erfordernisse dadurch durch eine Bilanzschrumpfung ( = Supertolle Rezession durch Kreditsperre ) erreicht werden.

Kommentar von neuStudi ,

Mehr Eigenkapital löst kein einziges Problem

diese Aussage sollte man in der gesamten Welt der Kapitalgesellschaften vertreten. Egal wie gross eine Firma ist, das Mindestkapital muss ausreichen. Auch wenn die Bilanzsumme einige 100 Mio sein sollte.... 25 k Eigenkapital müssen reichen.

Diese Aussage halte ich für doch eher "kühn".

Antwort
von gandalf94305, 6

Das ist nicht das Modell Zypern. Es gab vorher schon Bankpleiten und Fälle, in denen die Einlagensicherung griff. Das ist das Modell Einlagensicherung.

Warum sollte bei einer Insolvenz eines privatwirtschaftlichen Unternehmens der Staat einspringen? Warum erwartet das überhatpt im Falle von Banken irgendjemand? Sparer werden mit ihren Einlagen bis 100 kEUR geschützt - dafür stehen die Einlagensicherungen gerade. Bei VR-Banken und Sparkassen sind die Einlagensicherungen sogar für deutlich höhere Beträge gut und außerdem sind viele Inhaberschuldverschreibungen (Zertifikate) dieser Banken und Sparkassen ebenso abgesichert.

Sparer sind Bankgläubiger und müssen damit rechnen, Spareinlagen über 100 kEUR zu verlieren, wenn ihre Bank pleite geht. Das ist auch gut so.

Es ist doch erst mal völliger Unsinn, Einlagen über 100 kEUR über eine längere Zeit als Sparguthaben bei einer Bank zu haben. Wertpapierdepots sind Sondervermögen und vor einer Insolvenz der Bank geschützt. Selbst der dümmste Deka-Fonds ist Sondervermögen.

Unternehmen, die große Summen verschieben müssen, tun dies im allgemeinen über entsprechende Geschäftsbanken, die eine höhere Robustheit besitzen, so daß dieses Risiko minimiert wird.

Also stellt diese Aussage eigentlich nichts Neues dar. Wenn ein Energieversorger bankrott geht, sind Vorauszahlungen an diesen dahin. Wenn ein Versandhandel oder eine Kaufhauskette oder Drogeriemarktkette pleite geht, sind ebenso die üblichen Maßnahmen einer Insolvenz einzuleiten. Die Tatsache, daß Banken ebenso insolvent werden können, blendet man gerne aus und läßt lieber die Gier nach erhöhten Minizinsen im Vordergrund stehen. Wie war das noch mit der Kaupthing Bank?

Lies doch mal dies: http://de.wikipedia.org/wiki/Herstatt-Bank

Kommentar von neuStudi ,

meine Frage war wenig wertend. Ich habe mich nicht über den Sinn oder Unsinn bzgl. Bankenrettungen durch Staatsgelder geäussert.

Danke für die gute, ausführliche Antwort.

Kommentar von gandalf94305 ,

Es gibt nicht viele Optionen, wenn man Kaufkraft von Ersparnissen unter moderaten Risiken, die mit der Zeit abnehmen, erhalten will. Spareinlagen gehören nicht dazu.

Hat man aber eine ganze Menge Schwarzgeld, das regulär mit z.B. 30% zu versteuern wäre, untergebracht, dann kümmert es einen nicht, wenn hier ein 20% Risiko besteht, da das immer noch günstiger ist als die Versteuerung. Ei, was glaubst Du, wenn man die Sparer in Zypern nach Nationalität mit ihren Einlagen aufsummieren würde, welches Land da mit Abstand an der Spitze stehen würde? :-)

Antwort
von betroffen, 5

Selbstverständlich.

Jeder der ein Sparbuch, -brief, -vertrag oder auch nur ein Girokonto mit schwarzen Zahlen hat, ist Gläubiger der Bank. Das war schon immer so.

Nur war es nicht üblich, dass man von der Bank zu der man sein Geld brachte so was wie eine Schufaauskunft verlangt hat.

Das sollte man aber in Zukunft tun.

Außerdem rate ich dir, dich mal über diese ominösen 100.000,-€ Einlagen zu informierren, die angeblich geschützt sind. Das ist nur ein loses Versprechen, eine Willenserklärung. Da gibt es einiges zu lesen

Kommentar von neuStudi ,

na dann schauen wir mal, wann uns die Politik das ganz genau erklärt :) Vermutlich erst dann, wenn eine Bank umfällt.


Das mit den 100 tEuro hat mir schon mal jemand erklärt. Das sieht gut aus, aber die Sicherung ist deutlich schwächer als viele hoffen/ glauben.

Antwort
von qtbasket, 5

Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.

Hier geht es um eine Möglichkeit zur erneuten Bankpleite. Kleinanleger sind und bleiben geschützt, allerdings nicht die großen Anteilseigner. Im Regelfall funktionieren für Sparguthaben auch die Einlagensicherungsfonds.

Aktien, Fonds etc. sind Sondervermögen und überhaupt nicht betroffen...

Im Prinzip steckt dahinter die eigentlich völlig korrekte Annahme, dass die Banken ihr Eigenkapital erhöhen müssen....

Kommentar von neuStudi ,

es geht doch nicht um Aufregung. Es geht nur darum, dass ich das gelesen habe und wissen will, ob ich das richtig interpretiere/ verstehe.

Und ich habe weniger Sorge, denn ich bin froh, wenn ich einen 4-stelligen Betrag auf dem Konto habe :)

Antwort
von billy, 3

Genau das heisst es.

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