Frage von tommytom, 115

Kleinunternehmerregelung nur bei einem von mehreren Gewerbe?

Hallo!

Für meinen speziellen Fall habe ich leider keine Antwort im Netz finden können und hoffe, dass mir hier jemand helfen kann.

Ich habe mich im Jahr 2006 beim FA als Freiberufler (Dolmetscher) angemeldet. Damals verzichtete ich auf die Kleinunternehmerregelung und habe auf allen Rechnungen Mwst. ausgewiesen und als Umsatzsteuer für das entsprechende Jahr abgeführt (Regelbesteuerung). Eine Anmeldung beim Gewerbeamt erfolgte nicht (falls das von Bedeutung sein sollte).

Im Januar 2015 habe ich ein neues Gewerbe beim Finanzamt und Gewerbeamt angemeldet (anderes Tätigkeitsfeld: Online-Warenhandel). Bei diesem Gewerbe habe ich auf dem Fragebogen des Finanzamtes (Fragebogen zur Steuerlichen Erfassung) angekreuzt, dass ich die Kleinunternehmerregelung nach§19 Ustg in Anspruch nehmen möchte. Anschließend habe ich die neue Steuernummer erhalten.

Im Jahr 2015 habe ich fortan für die Dolemtsch-Tätigkeiten Rechnungen unter meiner alten Steuernummer mit ausgewiesener Mwst. ausgeschrieben, also wie gewohnt. Für den Online-Handel habe ich unter der neuen Steuernummer Rechnungen geschrieben und habe keine Mwst ausgewiesen.

So wollte ich das eigentlich weiterführen. Nun bin ich aber etwas irritiert, weil ich auf Behauptungen gestoßen bin, dass das so nicht geht. Ein Einzelunternehmer müsse entweder für alle seine Gewerbe Umst. abführen oder auf keinen (wenn Kleinunternehmerregelung). Eine getrennte Handhabung sei nicht möglich.

meine Fragen: 1.) Stimmt das? 2.) Falls ja, muss ich nun auf allen Rechnungen aus meinen beiden Gewerben Mwst. ausweisen und Ust an das FA abführen oder umgekehrt (keine Mwst/Ust für beide Gewerbe)? Info: Ich habe noch nie in meinem ganzen Leben in einem Jahr einen höheren Umsatz als 17.500€ gehabt.

3.) Stimmt das, das wenn ich für den Online-Handel weiterhin die Kleinunternehmerregelung nutzen möchte, der Umsatz aus beiden Gewerben aus dem vergangenen Jahr zusammen addiert nicht 17.500€ überschreiten darf? Oder wird hierfür nur der Umsatz aus dem Online-Handel betrachtet?

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo tommytom,

Schau mal bitte hier:
Steuern Steuererklärung

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von blackleather, 67

1.) Stimmt das?

Ja. Das folgt aus § 2 Abs. 1 Satz 2 UStG: "Das Unternehmen umfasst die gesamte gewerbliche oder berufliche Tätigkeit des Unternehmers." https://dejure.org/gesetze/UStG/2.html

2.) Falls ja, muss ich nun auf allen Rechnungen aus
meinen beiden Gewerben Mwst. ausweisen und Ust an das FA abführen oder
umgekehrt (keine Mwst/Ust für beide Gewerbe)?

Ja.

Entweder, oder. Such es dir aus. Solltest du dich für die Kleinunternehmerregelung entscheiden, hättest du entweder deine bisher mit MWSt ausgestellten Rechnungen zu berichtigen oder die ausgewiesene MWSt an das FA abzuführen, weil du sie unberechtigterweise ausgewiesen hast (§ 14c Abs. 2 UStG; https://dejure.org/gesetze/UStG/14c.html).


3.) Stimmt das, das wenn ich für den Online-Handel weiterhin die
Kleinunternehmerregelung nutzen möchte, der Umsatz aus beiden Gewerben aus dem vergangenen Jahr zusammen addiert nicht 17.500€ überschreiten darf?

Wenn du die Frage so formulierst, muss man sie mit Nein beantworten. Wäre sie anders formuliert, hätte man mit Ja antworten können.

Oder wird hierfür nur der Umsatz aus dem Online-Handel betrachtet?

Das lässt sich allerdings eindeutig mit Nein beantworten; siehe oben die Antwort auf deine erste Frage.

Kommentar von tommytom ,

Danke. Dann würde ich gerne für 2015 und 2016 die KUR in Anspruch nehmen. Für die 2 Rechnungen aus 2015, bei denen ich fälschlicherweise Mwst. ausgewiesen habe, werde ich die Ust. abführen. Muss ich dann bei der Steuererklärung irgendwie erwähnen, warum ich Ust. abführe obwohl ich die KUR in Anspruch genommen habe? Sprich, es wäre ja unplausibel, wenn ich Einnahmen im 5stelligen Bereich angebe aber nur ein paar hundert Euro Ust. abführen würde. Das FA müsste ja irgendwie in Kenntnis gesetzt werden, dass ich die Mwst. fälschlicherweise ausgewiesen habe und deswegen die Ust abführe und tatsächlich die KUR in Anspruch nehme.

Ferner gefragt, hätte ich die Verzichterklärung aus 2006 auch nach Ablauf der 5 Jahre widerrufen müssen? Oder wurde diese außer Kraft gesetzt durch die Inanspruchnahmeerklärung aus 2015 bei der zweiten Gewerbeanmeldung? Ob ich nun offiziell für 2015 regelbesteuert bin oder nicht, kann wahrscheinlich nur das FA selbst mir sagen, oder?

Kommentar von blackleather ,

Muss ich dann bei der Steuererklärung irgendwie erwähnen, warum ich Ust. abführe obwohl ich die KUR in Anspruch genommen habe?

Nein, das erkennt das Finanzamt ja schon daran, dass du den Betrag in Zeile 102 des Umsatzsteuererklärungs-Formulars einträgst.

Ferner gefragt, hätte ich die Verzichterklärung aus 2006 auch nach Ablauf der 5 Jahre widerrufen müssen?

Das hast du doch, indem du zur Kleinunternehmerregelung zurückgekehrt bist.

Oder wurde diese außer Kraft gesetzt durch die Inanspruchnahmeerklärung aus 2015 bei der zweiten Gewerbeanmeldung?

Wenn du willst, dann drücke es eben so aus.

Ob ich nun offiziell für 2015 regelbesteuert bin oder nicht, kann wahrscheinlich nur das FA selbst mir sagen, oder?

Vor allem kann dir das dein Steuerberater sagen. Frag ihn doch einfach, dafür hast du ihn ja schließlich.

Antwort
von wurzlsepp6682, 72

Umsatzsteuerlich gibt es nur einen Unternehmer ....

somit: für ALLE Firmen 17.500 € Umsatz pro Jahr ....

Kommentar von tommytom ,

Danke. d.h. also, alle Umsätze werden addiert und wenn die Summe 17.500€ überschreitet darf die Kleinunternehmerregelung im Folgejahr für diesen Unternehmer nicht in Anspruch genommen werden (für keines seiner Gewerbe).

Diese Grenze wurde bei mir noch nie überschritten. Allerdings habe ich bei der ersten Gewerbegründung im Jahr 2006 auf die KUR ausdrücklich verzichtet, bei der zweiten Gewerbegründung im Jahr 2015 sie in Anspruch genommen. Was gilt für mich somit für die Jahre 2015 und 2016 für die beiden Gewerbe hinsichtlich Mwst./Ust. ?

Kommentar von wurzlsepp6682 ,

da auf die Kleinunternehmerregel verzichtet wurde, gilt die Regelbesteuerung

Kommentar von tommytom ,

auch wenn das schon 10 Jahre her ist und ich bei der letzten Gewerbeanmeldung NICHT auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet habe sondern ausdrücklich angekreuzt habe, dass ich sie in Anspruch nehmen möchte?

Kommentar von blackleather ,

Nein. Der Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung ist nur für 5 Jahre bindend; nach deren Ablauf kann man sich neu entscheiden (§ 19 Abs. 2 Satz 2 UStG; https://dejure.org/gesetze/UStG/19.html).

Kommentar von tommytom ,

Okay, was bedeutet "entscheiden", muss ich dazu beim FA einen Antrag stellen? Oder kann ich das jederzeit einfach so für mich entscheiden (wenn es die Bedingungen erlauben) und einfach aufhören, die Mwst. auszuweisen und Ust. abzuführen?

Kommentar von EnnoWarMal ,

"muss ich dazu beim FA einen Antrag stellen?"

Du hast die Umsatzsteuer und speziell die KUR nicht verstanden. Wenn alle drei Merkmale zutreffen, bist du KU. Wenn nicht, dann nicht.

Und weil das von Gesetz wegen so ist, muss der Gesetzgeber dir die Möglichkeit lassen, selbst zu entscheiden, was du willst.

Also du entscheidest, ob du die Folgen der KUR tragen willst oder ob du sie abwählst. Das Finanzamt hat dir zu folgen.

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