Frage von masquerade, 348

Kleinunternehmergrenze überschritten - USt. nur nachzahlen oder auch erhalten?

Ich habe im letzten Jahr die Kleinunternehmergrenze von 17500,00€ überschritten und werde dieses Jahr auch über 50000,00€ kommen. Seit Anfang des Jahres habe ich jedoch noch gedacht, dass ich Kleinunternehmer bin, da noch nicht alle Zahlen vom Vorjahr vorlagen.

Wie läuft das nun ab? Was muss ich beachten? Ich habe dieses Jahr bereits sehr viele Käufe getätigt (EUSt. und USt.) und anfallende Steuern bereits entrichtet. Mein Umsatz wird ja nun pauschal mit 19% belastet werden, die ich dann nachzahle, aber bekomme ich auch die Vorsteuer meiner Käufe zurück oder ist dies nicht mehr möglich?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von EnnoBecker, 327

http://www.finanzfrage.net/tipp/kleinunternehmer

Schau dir mal Textziffer 2 an: "Um zu prüfen, ob ich KU bin, stelle ich mir am Anfang(!) eines jeden Jahres drei Fragen:"

Jetzt ist der Juni vorbei. Wieso wusstest du am Anfang des Jahres nicht, wieviel Umsatz du im Vorjahr hattest? Gerade als KU muss man da doch ständig informiert sein, damit man nicht in diese Falle tappt.

Lass, mich raten: Der Steuerberater wäre "zu teuer" gewesen, was? Hier wäre er aber nicht so teuer wie "kein Steuerberater" gewesen.

So, genug geschimpft. Gestaltungsberatung ist eben immer besser als Rettungsberatung, vor allem, wenn keine Rettung mehr möglich ist, so wie in deinem Fall.

Mein Umsatz wird ja nun pauschal mit 19% belastet werden

Nein. Mit 15,94%, denn die Umsatzsteuer steckt in deinem Umsatz ja schon mit drin. Und "pauschal" kann man auch nicht sagen, es werden halt die Umsätze besteuert. Wir reden hier von mindestens 4.000 Euro, die dir verlorengehen (soviel hätte der Steuerberater nicht genommen).

bekomme ich auch die Vorsteuer meiner Käufe zurück

Ja. Wenn schon denn schon. Du kannst die Vorsteuer abziehen, wenn die üblichen Voraussetzungen vorliegen. Das mildert die 4.000 Euro zum Glück etwas.

Noch ein Rat:
Solltest du vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmer zu deinen Kunden zählen, kannst du versuchen, die Rechnungen zu korrigieren. Dem Unternehmer macht es nichts aus und du könntest einiges an Geld retten.

Kommentar von masquerade ,

Tausend Dank für deine Antwort Enno.

Das mit den 15,94% ist wirklich erfreulich. Da ich auch schon fleißig einkaufen war dieses Jahr, stört es nun noch weniger, da ich all diese Einkäufe ja als Vorsteuer geltend machen kann.

Du hast natürlich vollkommen Recht, ich hätte mir am Anfang des Jahres obige Frage stellen müssen. Habs auf die lange Bank gelegt und den Arbeitsaufwand völlig unterschätzt.

Ich werde mir deine Ratschläge für 2013 zu Herzen nehmen. Herzlichen Dank nochmal!

Antwort
von obelix, 254

hm... wenn man KU ist, dann sollte man Ende des Jahres, spätestens mit dem Schreiben der 1. Rechnung Excel anwerfen, seine Ordner aufschlagen, mit den Kontoauszügen den Boden auslegen und sich einer Frage widmen: mit oder ohne USt???

da noch nicht alle Zahlen vom Vorjahr vorlagen

du weisst selbst, dass das nicht zieht, denn wer ausser dir sollte das wissen?


Ok. Das ganze ist nun in den Brunnen gefallen. Auf den Rechnungen ist keine USt ausgewiesen.

Die Rechnungsbeträge sind also inkl. USt. und die gilt es abzuführen. Du kannst im Gegenzug die Vorsteuer ziehen.

Was würde ich nun tun:

  • mit den Rechnungsempfängern reden, ob du die Rechnungen noch ändern kannst und die USt draufsetzen
  • die USt-Voranmeldungen machen - bzw. mit dem FA die Frequenz abstimmen (jährlich, Quartal, monatsweise)
  • zum Steuerberater gehen

Und nun bitte EnnoBecker hA auf's Auge drücken - daher die 2. Antwort!

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