Frage von Catty1,

Kleinunternehmer überschreitet Umsatzgrenze

Was muss man als Kleinunternehmer tun wenn man in 2012 die Umsatzgrenze überschritten hat, dies aber wohl einmalig war? Muss ich das Finanzamt sofort informieren oder ab 2013 anders abrechnen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von blackleather,

Du musst ab 2013 unaufgefordert anders abrechnen, weil du wegen der Überschreitung im Jahr 2012 im Jahr 2013 kein Kleinunternehmer mehr bist.

Kommentar von EnnoBecker ,

Einzig richtige Antwort.

Ratschläge, nach denen man beim FA anrufen soll oder es informieren, sind völliger Quark. Kein Mensch informiert einen Polizisten oder ruft die Polizei an, wenn die Ampel rot wird und man deshalb zum Stehenbleiben gezwungen ist. Jeder bleibt einfach so stehen und wartet auf Grün.

Aber Fachfrage an den Kollegen BL:
Welches ist denn für den Jung-Regelunternehmer der zutreffende Voranmeldungszeitraum?

Kommentar von blackleather ,

Da gibt's doch schon mal für die Frage ein DH! von mir.

Die Antwort erschließt sich nicht auf den ersten Blick aus dem Gesetz (sonst würdest du ja auch nicht fragen); also müssen wir mal versuchen, sie abzuleiten:

Nach § 18 Abs. 2 Satz 1 UStG hätten wir erst mal grundsätzlich das Quartal. Über § 18 Abs. 2 Satz 4 UStG müssen wir nicht nachdenken, denn einen Fall von Neuaufnahme haben wir ja nicht.

Dann kommen die Sätze 2 und 3 daher und sagen: "... wenn die Steuer ..." mehr als 7.500 € bzw. nicht mehr als 1.000 €... Und da fragt man sich erst mal: Welche Steuer ist mit "die Steuer" gemeint? Umsatzsteuer, ist klar. Und bei kontinuierlicher Regelbesteuerung meint dieser Begriff die USt.-Zahllast (d.h. die Summe der voranzumeldenden Beträge) des Vorjahres. Dumm, dass es beim Kleinunternehmer keine Voranmeldungen gab.

Und warum gab es keine? Weil die USt (siehe § 19 Abs. 1 UStG) von ihm nicht erhoben wurde.

Aha - sie wurde nur nicht erhoben! Aber sie war doch wohl da - sonst müsste man sich über Erhebung oder Nichterhebung ja keine Gedanken machen. Sie war da, man hat nur nichts von ihr gemerkt, weil sie in keiner Rechnung auftauchte. Aber nicht umsonst formuliert ja § 19 Abs. 1 Satz 1 UStG "der in Satz 2 bezeichnete Umsatz zuzüglich der darauf entfallenden Steuer" und schnitzt aus dieser Formulierung die Grenzpfähle für die magische Kleinunternehmergrenze. Wenn die volkstümlichen 17.500 EUR also der Umsatz zuzüglich der Steuer sind, dann rechnen wir demzufolge: Bruttoentgelte geteilt durch 119 mal 19 und erhalten "die Steuer".

Im Falle unseres Fragestellers, der vielleicht 19.040 EUR Bruttoentgelte hatte, wären darin 3.040 EUR Umsatzsteuer enthalten - die freilich für das Jahr 2012 nicht zu erheben sind. Und weil 3.040 EUR mehr als 1.000 EUR, aber weniger als 7.500 EUR sind, würde er für 2013 bei vierteljährlichen Voranmeldungen landen.

Eine Zusatzfrage schließt sich allerdings an. Was ist mit dem Abzug von Vorsteuer? Bei einem Regelbesteuerer bemisst sich "die Steuer" i. S. d. § 18 Abs. 2 UStG ja nach der kumulierten USt. minus der kumulierten Vorsteuer. Und beim Kleinunternehmer? Die Antwort finden wir in § 19 Abs. 1 Satz 4 UStG: "...finden die Vorschriften über ... den Vorsteuerabzug (§ 15) keine Anwendung." M.a.W.: Bei einem Kleinunternehmer gibt es schlicht und einfach keine Vorsteuer. Kleinunternehmer und Vorsteuer, das passt ebenso wenig zusammen wie Ossi und Banane. Folglich gibt es in meinem Beispiel von den 3.040 EUR nichts abzuziehen und wir bleiben beim Kalendervierteljahr als Voranmeldungszeitraum.

Kommentar von gammoncrack ,

Ein DH von mir. Weil das absolut beeindruckend geschrieben ist - verstanden habe ich natürlich nichts mehr :-))

Kommentar von Meandor ,

Wow, die Ausführungen muss ich mir merken. In dem Semester wird der Kleinunternehmer besprochen... Da kann ich vielleicht punkten :-)

Kommentar von EnnoBecker ,

verstanden habe ich natürlich nichts mehr

Warum nicht? War doch schlüssig.

Es wird lediglich berechnet, wieviel Steuern im vergangenen Jahr entstanden sind. Die KU-Regelung ist keine Steuerbefreiung, sondern die entstandene Umsatzsteuer wird nicht erhoben. Also hat man aus dem Gesamtumsatz die Umsatzsteuer herauszurechnen.

Da eine Vorsteuer nicht abgezogen werden kann, haben wir mit der Umsatzsteuer, welche entstanden, aber nicht erhoben wurde, bereits eine Zahl, die sich in eine der Schubladen "jährlich", "vierteljährlich" oder "monatlich" einsortieren lässt.

Kommentar von EnnoBecker ,

Also ich habe lange darüber nachgedacht und auch Literatur gewälzt. Die Literatur führte nicht weiter und deine Ausführungen sind nicht von der Hand zu weisen.

Einverstanden, ich bin deiner Ansicht, dass das Quartal der VA-Zeitraum ist.

Ich bin gespannt, wie das Finanzamt das löst.

Antwort
von elster81,

Ruf auf jeden Fall beim FA an! Ich denke aber, es läuft so, dass du die Erklärung abgibst, die feststellen dass du die Grenze überschritten hast und du dann im nächsten Geschäftsjahr nicht mehr die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen kannst.

Kommentar von EnnoBecker ,

Sachma, welches sind eigentlich deine Kompetenzgebiete? Warum antwortest du nicht einfach zu deinen Themen?

Kommentar von gammoncrack ,

Vermutlich Vogelkunde!

Kommentar von Primus ,

der war gut :-)))

Antwort
von SBerater,

wenn du die Grenze überschritten hast, dann bist du kein KU mehr. Stell die Rechnungstellung um und nimm Kontakt mit dem FA auf wg. der anstehenden Umsatzsteuer-VA. Frage nach der Frequenz der Abgabe. Kann sein, dass einmal im Quartal reicht.

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