Frage von AppEntwickler, 53

Kleinunternehmer Software-Entwiklungskosten in der EÜR berücksichtigen

Hallo! Ich habe mich 2013 als App-Entwickler nebenberuflich selbstständig gemacht. 2014 habe ich durch Lizenz-Verkäufe der entstandenen App, erste Einnahmen gemacht. (z.B. 10.000 €) Wie kann ich meine zeitlichen Aufwände (im Jahr 2014 ca. 800 Stunden) in der EÜR steuerlich geltend machen? Welchen Kostensatz je Stunde darf ich ansetzen? Wie detailliert muss ich die Aufwände und entstandenen Produkterweiterungen belegen?

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Antwort
von gandalf94305, 41

Hier gibt es ein generelles Missverständnis.

Steuerlich relevante Kosten sind tatsächliche Ausgaben:

  • Anschaffung von Hardware wie z.B. PCs, Server, Handys, Scanner, Router ("Arbeitsmittel")

  • Anschaffung von Software wie z.B. Betriebssysteme, Office-Pakete, PDF-Bearbeitungssoftware, Photoshop, Compiler, lizenzierte Software/Fonts/Bilder

  • Fachliteratur

  • In Anspruch genommene Dienstleistungen wie Internetzugang, E-Mail-Konten, Cloud-Storage für Backups, externe Graphiker, externe Tester, ...

  • Nebenkosten des Arbeitszimmers, z.B. anteilig Wasser, Strom, Energie, Schornsteinfeger, Rundfunkbeitrag, Müllgebühren, ...

  • Reisekosten wie z.B. gefahrene km, Hotelkosten, Flugkosten, Parkgebühren, Taxifahrten, Mietwagen, ...

Alles gilt natürlich nur insoweit, wie dies im Zusammenhang mit Deiner selbständigen Tätigkeit steht. Nennen wir das mal Grundkosten.

Wenn Du das für eine konkrete App-Entwicklung planst, dann wirst Du weiterhin Deine eigenen Aufwände berücksichtigen müssen, die z.B. mit einem Stundensatz von 60-80 EUR angesetzt werden. Aus dieser ganzen Rechnung bekommst Du eine Schätzung für die Kosten Deiner App heraus.

Angenommen, die Grundkosten liegen bei 5.000 EUR und Du hast selbst 200 Stunden (25 PT) Arbeit investiert, d.h. bei 60 EUR wären das 17.000 EUR in Summe. Nun verkaufst Du die App für 3,99 EUR, wovon bei Dir allerdings (Marge des Shops geht ab) nur 3,49 EUR ankommen. Also mußt Du ca. 5.000 App-Lizenzen verkaufen, damit sich das Spiel lohnt. Dann hast Du einen Stundensatz für Dich erreicht, der eine sinnvolle Existenz ermöglicht.

Das Finanzamt interessiert sich allerdings nur für die 3,49 EUR mal 5.000 Lizenzen = 17.450 EUR Einnahmen minus 5.000 EUR, also 12.450 EUR. Diese erscheinen in Deiner EÜR und sind zu versteuern. Gehen davon 35% Steuern insgesamt ab, liegst Du bei 8.092,50 EUR Nettogewinn. Für die 200 Stunden Aufwand hast Du also ca. 40 EUR netto als Stundensatz erreicht.

Wenn es Produkterweiterungen gibt, dann rechnest Du das entsprechend weiter fort... mit dem Ziel, daß Deine Kalkulation die erforderlichen Stückzahlen und Wirtschaftlichkeit der Entwicklung beurteilen läßt.

Noch ein Hinweis: wenn Deine Freundin bei Dir als Testerin arbeitet, dann kann sie bis zu 8.354 EUR steuerfrei erhalten (wenn sie ansonsten keine anderen Einkünfte hat) - eigentlich noch etwas mehr, da es ja noch ein paar weitere Freibeträge gibt. Du kannst diese Ausgaben jedoch als Kosten ansetzen und damit ergebnismindernd verwenden.

Und zu guter Letzt: es ist nicht verboten, mal mit einem Steuerberater zu sprechen :-)

Antwort
von Mikkey, 36

Gar nicht.

Steuerlich relevante Aufwendungen sind entweder als Geld oder als Sachen eingebracht.

Wenn Du Deine Entwicklung in Form von Nutzungsrechten in Dein Unternehmen einbringst, müsstest Du Dir dafür etwas zahlen, was Du dann wieder versteuern müsstest = unsinnig.

Die Arbeit des Unternehmers selbst ist steuerlich irrelevant.

Die Dokumentation ist "nur" für die Wertigkeit des Produkts wichtig.

Antwort
von EnnoBecker, 25

Die Idee finde ich lustig, die aufgewendete Arbeitszeit mit einem bestimmten betrag ansetzen zu wollen.

Auf den ersten Blick interessant, aber auf den zweiten nicht mehr, denn:

Du hast 800 Stunden gearbeitet und dafür 10.000,00 Euro bekommen. Rechnen wir mal die Stunde mit 12,50 Euro und tun wir mal so, als können man diese 12,50 Euro pro Stunde steuermindernd eintragen. Dann ergibt sich für dich:

10.000,00 - (800x12,50) = Null und du müsstest nichts versteuern. Prima, oder?

Aber, die Geschichte hat ja auch noch eine zweite Seite:

Der Abnehmer hat für die App 10.000,00 Euro bezahlt, aber dafür 800 Stunden Arbeit gespart. Wenn du geleistet Arbeitsstunden absetzen willst, muss der Abnehmer natürlich die gesparten Stunden versteuern. Setzen wir auch dort 12,50 Euro pro Stunde an, so ergibt sich für ihn ein steuermindernder Aufwand von

10.000,00 - (800x12,50) = Null Aufwand.

Und nun denken wir uns noch, dass der Abnehmer Privatkunde ist und den Aufwand gar nicht absetzen kann. Dann ergäbe sich:

0,00 - (800x12,50) = 10.000,00 zu versteuern. Er hat also 10.000 Euro ausgegeben und soll nun nochmal 10.000 Euro versteuern?

Siehst du, genau das ist der Grund dafür, warum du noch niemals gesparte Stunden versteuern musstest, wenn du etwas einkaufst. Beispielsweise Brötchen.

Kommentar von Mikkey ,
Beispielsweise Brötchen

Wäre vielleicht mal 'ne Maßnahme, Massenprodukte zugunsten althergebrachter Handarbeit einzudämmen ;-). Da darf aber keiner schummeln und behaupten, er könne ein Brötchen in einer Viertelstunde herstellen.

Kommentar von Zitterbacke ,
er könne ein Brötchen in einer Viertelstunde herstellen.

Deine Brötchen sind mir zu teuer !! ;-)))

Auch der "Handwerker" schafft das in 13 Minuten !

Kommentar von EnnoBecker ,

Genau das ist das Problem:

Der Bäcker, aber auch der Softwareentickler kalkuliert seine Arbeitszeit mit in den Verkaufspreis ein (hier eben 12,50 pro Stunde und damit ist wahrscheinlich die App zu billig).

Wenn die Zeit dann nochmals ein Faktor wird, würde man die aufgewendete Arbeitszeit ja zweimal bezahlen (wenn man der Kunde ist) oder eben zweimal berücksichtigen (wenn man der Bäcker ist).

Kommentar von Mikkey ,
wahrscheinlich die App zu billig

...oder zu teuer? Ein Problem bei App-Bäckern: Wenn die App 50% mehr kostet, wird sie vielleicht nur halb so oft gekauft. Wenn sie nur die Hälfte kosten würde, würden vielleicht dreimal so viele Laute kaufen.

Kommentar von EnnoBecker ,

Ah ja.

Der Vergleich mit dem Bäcker ist vielleict etwas unglücklich, weil der ein Brötchen nur einmal verkaufen kann. Der kann solche Überlegungen nicht anstellen.

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