Frage von Hotbird,

Kleinunternehmen wird größer - was muss ich tun?

Ich habe neben der Schule ein Kleinunternehmen am Laufen und mich mit der Frage von Krankenkassenbeiträgen, Sozialversicherungen usw. bisher nicht groß befasst. Grund dafür war mein geringer Gewinn von max. 50 - 70€ im Monat - wenn überhaupt. Man sagte mir damals bei meiner KK, dass unter 375€ sowieso keine Mehrbeträge zu Stande kommen würden.

Jetzt habe ich aber vermutlich den Durchbruch gemacht, und ich werde wahrscheinlich die Summe deutlich übersteigen. Kann mir jemand sagen, was ich jetzt alles beachten muss? Ich weise bereits jetzt schon Mehrwertsteuer aus, mich interessieren eher solche Sachen wie Rentenbeiträge, Sozialversicherung oder Kirchensteuer. Wie muss ich das machen, oder wo kann ich mich am besten erkundigen? Muss ich auch Einkommensteuern bezehlen, oder wie ist das ganze geregelt? Ich habe noch keine Ahnung... :-(

Danke im Voraus!

Antwort
von Kevin1905,

Einkommensteuer fällt an wenn das zu versteuernde Einkommen pro Jahr 8.130,- € übersteigt. Wenn also die Einkommen aus Gewerbebetrieb deine einzige Einnahmequelle sind, so ist hier der Gewinn abzgl. der Sonderausgaben (Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag) als zvE zu sehen.

Umsatzsteuerpflichtig bist du bei einem Umsatz von mehr als 17.500,- € pro Jahr.

Gewerbesteuerpflichtig als Einzelunternehmer ab einem Gewerbeertrag von 24.500,- € pro Jahr.

Solltest du regelmäßig monatlich mehr als 385,- € Gewinn machen, musst du dich freiwillig gesetzlich oder privat krankenversichern. Was für dich sinnvoller ist, hängt von der aktuellen Situation und der Lebensplanung ab, daher solltest du dich dringend mal von einem unabhängigen Versicherungsmakler beraten lassen.

Ein Steuerberater wäre in dem Fall wohl auch eine sinnvolle Investition, zumindest die ersten Jahre.

Kommentar von Hotbird ,

Auch dir vielen Dank für die Informationen. Das mit der KK ist mir jetzt klar geworden. Umsatzsteuerpflichtig bin ich jetzt schon (freiwillig).

Du hast gesagt, wenn es die einzige Einnahmequelle ist.. Ich habe jedoch drei Stück. Mini-Job (noch ein paar Monate) und ab September duales Studium. Muss ich die Beträge, die ich dort Verdiene zu den 8.130€ dazu zählen, oder ist der 450€ - Minijob trotzdem steuerfrei? Was muss ich tun, um am Ende alles korrekt abzuführen? Kommen bei einem Jahresgesamteinkommen von etwa 10.000€ viele Steuern zum Nachzahlen auf mich zu?

Kommentar von Finanzwirt ,

Einnahmen aus einem sog. Mini-Job gehören nicht in die Steuererklärung und daher nicht zum zu versteuerndem Einkommen. Wenn Du ca. 6xx EURO netto im Monat als Arbeitnehmer bekommst, müsstes Du ja auch gesetzlich krankenversichert sein, also nicht mehr familienversichert. Ich meine, auch auf den Gewinn aus der gewerblichen Selbständigkeit erhebt die Krankenkasse dann ihren Beitrag. Zur Steuer: Alle Einnahmen abzüglich Werbungskosten oder Betriebsausgaben führen zum Gesamtbetrag der Einkünfte. Davon werden Sonderausgaben und event. aussergew. Bel. abgezogen, erst dann sieht man wo man landet. = über 8.130 EURO beginnt die Steuer. Mit einer Zahl kann man die Steuerpflicht nicht feststellen, man muß sich schon mit der Systematik der Einkommensteuerberechnung befassen, die Grundzüge habe ich gerade aufgeführt. Das war also nicht alles. Gerade wenn jemand Einnahmen erzielt, die nicht solche aus nichtselbständiger Arbeit sind und die Einkünfte betragen nicht mehr als 410 EURO, fallen diese unter den Tisch. Danach gibt es noch einen Härteausgleich, s § 46 EStG. Begriffsbeispiele: Was sind Einkünfte im Gegensatz zu Einnahmen ?= Einkünfte (Gewinn) sind Einnahmen minus Werbungskosten oder Betriebsausgaben. Betriebsausgaben und Werbungskosten sind also begriffsgleich. Sie müssen mit den erzielten Einnahmen im Zusammenhang stehen. Von Betriebsausgaben spricht man bei den sog. Gewinneinkünften ( das sind die ersten drei von sieben)= Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, aus Gewerbebetrieb und aus selbständiger Tätigkeit. Die verbleibenden 4 Einkunftsarten sind die sog. Überschusseinkünfte (Arbeitslohn, V u. V., Kapitaleinnahmen, sonstige Einkünfte/Renten) hier sind die Ausgaben Werbungskosten

Antwort
von Rentenfrau,

Bei der Krankenversicherung und Pflegeversicherung nehme ich an, daß Du mit Deinen Eltern in der kostenlosen Familienmitversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) bist, hier gibt es den Grenzbetrag von 375 Euro, wenn Du darüber liegst, klappt die kostenlose Mitversicherung nicht mehr und Du mußt Dich selber (freiwillig) versichern. Rentenversicherung fällt normal bei Unternehmern nicht an, es sei denn Du wärst als Handwerker, Lehrer, Hebamme, Masseur tätig (siehe Versicherungspflicht SGB VI). Wenn Du so im Jahr über 8000 Euro verdienen würdest, beginnt meines Wissens (bin aber kein Steuerprofi) die Steuerpflicht (Kirchensteuer auch), da kann es sein, daß Du nun Steuern zahlen mußt. Sollten Deine Einnahmen über 17500 Euro im Jahr liegen, wärst Du kein Kleinunternehmer mehr und müßtest Umsatzsteuer ausweisen (§ 19 UStG).

Kommentar von Hotbird ,

Danke, das war schon mal ein guter Haufen an Informationen! Umsatzsteuerpflichtig bin ich sowieso, da ich auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet habe. Deine Annahme mit der KV und PV war richtig, was die Sache mit der Versicherung angeht habe ich es jetzt verstanden, vielen Dank :-) Ich werde mich wohl bei meiner KK darüber erkundigen müssen.

Ich beginne im nächsten Oktober an zu studieren. Dort werde ich aber ebenfalls Geld von einem Arbeitnehmer bekommen (duales Studium). Was auf meinem Konto landet ist monatlich Netto etwa 6xx€. Muss ich diese dann zu der 8000er Grenze dazuzählen, oder ist es bereits abgezogen, da ich Brutto eigentlich 8xx€ bekommen würde?

In der Steuererklärung für 2013: Wenn ich einfach den Gewinn aus meiner Selbstständigkeit, meinem jetzigen Mini-Job, und meines dualen Studiums (brutto) eintrage, und über der 8.xyz € Grenze bin, bekomme ich also vom FA ein Bescheid darüber, dass ich noch einen Batzen an Geld nachzahlen darf, habe ich das richtig verstanden?

Kommentar von Finanzwirt ,

Kein Kommentar, aber eine Zusatzfrage für die Rentenfrau. Die Ehefrau ist freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert, dem Ehemann wurde das Krankengeld gestrichen weil er unentgeltlich an einer Eingliederungsmassnahme teilnimmt. Ich wurde gefragt ob er nun familienversichert ist (bei seiner Frau) ? Nach dem neuesten Gesetz muss schließlich jeder krankenversichert sein.

Antwort
von SBerater,

du bist Einzelunternehmer?

Wenn es sich bei dir um keine Scheinselbständigkeit handelt, dann ist die Rentenversicherung wie auch die Arbeitslosenversicherung nicht relevant bei dir. Bei dir geht es um die Krankenversicherung und die Pflegeversicherung. Wenn du mehr als 375 Euro pro Monat hast, dann kannst du dich nicht mehr über die Familienversicherung mitversichern, sondern muss dich selbst bei der KV versichern.

Steuern? Das ist eine ganz andere Thematik. Wenn du ein zu versteuerndes Einkommen über 8.004 Euro hast, fallen Steuern an (ggf. Gewerbesteuer, Einkommensteuer, Kirchensteuer).

Kommentar von Kevin1905 ,

*385,- € seit 01.01.13 =)

Kommentar von Hotbird ,

Einzelunternehmer - Richtig. Keine Scheinselbstständigkeit - Richtig. Das mit der KV ist mir jetzt hier klar geworden, vielen Dank für die Informationen :-) Ich muss mich also bei meiner KK melden und mich selber versichern lassen.

Jetzt aber das Thema Steuern. Zur Gewerbesteuer wird es vermutlich nicht kommen. Was ich aber nicht so recht verstehe ist die Sache mit der Einkommensteuer und Kirchensteuer. Bei den Umrechnungen von Brutto Netto habe ich auch etwas von Sozialabgaben gelesen. Woher weiß ich, wie viel ich von denen abgeben muss, wenn ich am Ende des Jahres aus meiner Selbstständigkeit z. B 10.000€ erwirtschaftet habe?

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