Frage von ailebnis, 324

Kein Bafög wegen zu hohem Elterneinkommen - was soll ich nur machen

Hallo ihr Lieben!

ich bin derzeit echt verzweifelt. Aber kurz zu meiner Situation: Ich bin 22 Jahre alt, wohne in einer WG und mache gerade auf dem zweiten Bildungsweg Abi nach (schreibe im März Abi), weil ich Psychologie studieren möchte. Zuvor habe ich eine Ausbildung gemacht und ein Jahr in dem Beruf gearbeitet. Leider musste ich feststellen, dass der Job auf Dauer nichts für mich ist (extrem schlechter Verdienst, kaum Aufstiegschancen und zusätzlich auch noch körperliche Probleme durch 10 Std. Arbeit am Computer). Ich habe gemerkt, dass ich einfach etwas menschennäheres machen möchte. Mein Notenschnitt liegt im 1er Bereich aber eine Sache macht mir seit zwei Wochen ziemliche Kopfschmerzen: wie soll ich das Studium finanzieren? Bafög werde ich keines bekommen, da allein meine Mutter schon über das Maximaleinkommen kommt und verheiratet ist (mit einem anderen Mann, der auch sehr gut verdient). Mein Vater ist selbstständig. Meine Mutter hat mir schon klar gemacht, dass sie mir keinen Unterhalt zahlen kann, da angeblich ein Großteil ihres Einkommens für das Haus draufgeht (...und den Wohnwagenstellplatz im Schwarzwald, die jährlichen Urlaube, recht teure Klamotten,...) aber das intressiert das bafögamt natürlich herzlich wenig.

Ich habe hin- und hergerechnet wie ich das hinbekommen kann, wenn ich einer Nebentätigkeit nachgehe (arbeite derzeit auch auf 400- Euro-Basis und das ist während der Schule schon ziemlich stressig) aber das reicht hinten und vorne nicht! Bei einem 20 Std. / 800-Euro-Job bleiben ja gerade mal 550-600 übrig. Ich möchte keinen mittelmäßigen Bachelor / Master machen, weil ich 50% der Zeit mit arbeiten verbringen muss und ein 400-Euro-Job reicht ohne Bafög natürlich nicht.

Was soll ich nur machen? Kann der Staat tatsächlich verlangen, dass ich meine eigenen Eltern auf Unterhalt verklage?! Unter Chancengleichheit verstehe ich etwas anderes, insbesondere wenn ich einige meiner Freunde sehe, die den vollen Satz erhalten, weil die Mutti nur Hausfrau ist und sich ein lockeres Leben machen ohne auch nur eine Stunde in der Woche arbeiten zu müssen. Da könnte man ja schon fast auf die Idee kommen, sich zu wünschen in eine "schlechter" gestellte Familie geboren worden zu sein.

Wie handhabt ihr das? Bin derzeit total daneben desswegen und kann mich kaum auf die Schule konzentrieren.. es schwebt wie eine dunkle Wolke über mir.

Antwort
von Kitty7394,

Wenn die kein Bafög zahlen wollen, siehts schlecht für dich aus. Wirst wohl doch mehr arbeiten müssen :( Und dir vielleicht ein günstiges WG Zimmer suchen müssen. Was aber eventuell noch eine Möglichkeit, ist sich ein Darlehen von Bafög zu holen. Da zahlt man halt das ganze (statt nur der Hälfte wie bei Bafög) zurück aber ohne Zinsen. Würde mich mal darüber informieren. Eine Freundin von mir macht das, weil sie auch eine Absage vom Bafög Amt bekommen hat.

Antwort
von Check88,

Ja, das kann der Staat verlangen.. da du keinen Anspruch auf Bafög hast, müssten deine Eltern in der Lage sein, dich zu finanzieren... ansonsten gibt es auch noch günstige Studienkredite.. oder du versuchst an ein Stipendium zu kommen. Da gibt es viele Unternehmen, Pateien oder andere Stiftungen, teilweise auch Kirchlich, die solche Stipendien für ehrenamtliches Engagement vergeben. Oder für besondere schulische Leistungen.

Antwort
von maumanela, 324

Ich kann deine Lage schon verstehen, finde aber (sorry wenns blöd klingen mag) deine Einstellung schon etwas kritisch. Du bist nicht die Einzige, der es so geht. Und die wenigsten Studis könne wirklich ihre Eltern verklagen (was ich für höchst unmoralisch halte, ehrlich gesagt).

Wie wir alle doch wunderbar über die Runden kommen, auch wenn man dann eben auf das süße Nichtstun verzichten muss: Arbeiten. Such dir einen 800 Euro Job und verdiene dein eigenes Geld. Das fühlt sich gut an und du musst niemandem auf der Tasche liegen.

Und falls es gar nicht geht: Der zinslose Studikredit ist auch auch eine Option.

Antwort
von GoldBird,

Wenn dein Notenschitt so gut ist kannst du es doch auch mal mit einem Stipendium versuchen. Es gibt alle möglichen Stiftungen die Stiependien zur Begabtenförderung anbieten. Stiftung des Deutschen Volkes, Konrad Adenauer, Seidel, usw usw. Schau dich auf dem Feld mal um. Ich hoffe du findest was.

Antwort
von Sobeyda,

An der Fernuni Hagen kann man Psychologie studieren. Das ist eine Universität, wo man nicht hingeht, sondern die Unterlagen zugeschickt bekommt und nur 1x im Semester zur Klausur in Wohnortnähe aufschlagen muss. Außerdem gibt es Präsenzveranstaltungen, die aber in der Regel freiwillig sind. Ich habe da neben dem Job BWL studiert, deswegen weiss ich dass das geht. Dauer natürlich länger als an einer Präsenzuni, aber da Du so wie es aussieht, sowieso viel nebenbei arbeiten musst, ist das vielleicht nicht so schlimm.

Der Vorteil ist, dass man die Unterlagen dann durcharbeiten kann, wenn man Zeit hat. Man braucht zwar auch etwas Disziplin, aber er klappt.

Antwort
von ellaluise,

Du hast ja schon einiges als Antwort bekommen. Ich möchte auch noch etwas als Anstoß dazu geben.

  1. Kindergeld sollte noch möglich sein, während des Studiums, aber auf die "schädliche Beschäftigung" achten.
  2. Studienkredit, als Teil der Finanzierung, neben einem Nebenjob. Bei den Krediten aber genau informieren und vergleichen (Konditionen)
  3. Vielleicht gibt doch ein Elternteil, Großelternteil noch einen Zuschuss? Nicht nach dem Motto: Ich brauche ab jetzt 670€ jeden Monat von dir sondern um einen "Zuschuss" bitten.

Viel Glück

Antwort
von luxerstyle,

Hallo, wir hatten in der Familie die gleiche Situation. Wenn du 2 Jahre versicherungspflichtig gearbeitet hast und du jetzt zum Gymnasium gehst, hast du Anspruch auf elternunabhängiges BAföG. Das ist die Förderung des 2. Bildungsweges. Geh zu BAfög Amt und lass dich informieren. Der einzige UNterschied zu unserem Sohn ist, dass er noch keine abgeschlossene Brufsausbilgung hatte. Viele Glück

Kommentar von imager761 ,

Der einzige UNterschied zu unserem Sohn ist, dass er noch keine abgeschlossene Brufsausbilgung hatte.

Und hiermit der entscheidende :-)

Antwort
von SBerater,

der Staat muss nicht alles regeln. Und er muss auch nicht alles zahlen. Letztendlich zahlt es die Allgemeinheit.

Wer nach den Regeln des BaföGs wohlhabende Eltern hat, der kann Unterstützung von denen erwarten. Wenn es deiner Mutter lieber ist, ihre (egoistisch getriebenen) Ausgaben Vorrang zu geben, dann ist das so. Dein Vater könnte auch zahlen.

Zahlen deine Eltern nicht, so wirst du das Gespräch mit ihnen suchen müssen und sie ggf. verklagen.

Ich selbst musste ohne BaföG durch die Mühle des Studiums mit wenig Geld. Und mein Studium hat länger gedauert, weil auch meine Eltern ihre eigene Sicht der Dinge hatten und die Unterstützung gegeben war, aber nur wenig Geld floss. Ich hatte meist einen Job, um über die Runden zu kommen. Der Preis war mir lieber als meinen Vater zu verklagen, damit er das zahlt, was er müsste.

An dem System habe ich mich nicht gerieben. Wieso auch? Muss die Allgemeinheit alles zahlen? Zu meiner Zeit gab es keinen Studentenkredit. Den würde ich an deiner Stelle nehmen bzw. versuchen, einen zu bekommen, wenn dir das lieber ist als zu arbeiten.

Antwort
von Steeler,

Soweit die Eltern den lt. BAföG-Bescheid angerechneten Unterhaltsbetrag nicht zahlen, kannst Du Dir grundsätzlich mit einem Vorausleistungsantrag nach § 36 BAföG behelfen und so zum fehlenden Unterhalt kommen, zumindest zu einem Teil. Das Amt setzt sich dann mit Deinen Eltern auseinander.

Besteht insoweit keine Unterhaltspflicht nach dem BGB (könnte ja durchaus sein, behaupten hier ja einige), haben sie allerdings außer vllt nervigem Schriftverkehr nichts zu befürchten. Das liefe dann insoweit auf eine quasi elternunabhängige Förderung hinaus.

Mit dem Vorausleistungsantrag solltest Du aber nicht zu lange warten, sonst geht Dir evtl. was verloren. Rückwirkend wird oft nicht gezahlt.

Wegen des Unterhaltsanspruchs wäre daher vllt auch rechtskundiger Rat hilfreich (das Unterhaltsrecht ist nicht meine Domäne).


Die Antworten hier gehen bislang an diese reellen Möglichkeit vorbei bzw. setzen fälschlich Förderungs- und Unterhaltsrecht gleich; das macht's auch verwirrend.

Antwort
von Niklaus,

Die Eltern haben dir eine Ausbildung bezahlt. Was willst du mehr. Es liegt an dir wie du weiterkommst. Wen du das wirklich willst, geht das auch. Es gibt immer Wege. Du musst dein Leben schon selbst in die Hand nehmen.

Kommentar von klPrinz ,

Meiner Meinung nach ist Deine - Niklaus- Antwort auf die oben gestellte Frage die zielführendeste. Sie hilft nicht nur dem Fragesteller hier im Forum weiter, sondern allen anderen, die sich mit ähnlichen Gedanken rumschlagen. Der Fragesteller hat ja eine Ausbildung. Warum kann er z.B. nicht in seinem Beruf 2 bis 3 Jahre arbeiten und das Geld für das Studium wenigstens zum Teil ansparen ?!. Ich kenne eine ganze Reihe von Leuten, die es so oder so ähnlich gemacht haben. Übrigens auch solche, die es garnicht nötig gehabt hätten, weil sie das Studium von den Eltern finanziert bekommen hätten. Sie haben trotzdem 2 bis 3 Jahre gearbeitet und für das Studium angesprat um die Eltern nicht zu belasten (manche haben sich z.B. für 2 bis 4 Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet, andere haben sonstige Jobs gemacht. Nur als Beispiel, bitte nicht falsch verstehen).

Im übrigen, wer garantiert dafür, dass der Job nach dem Studium nicht langweilig, öde und womöglich auch noch schlecht bezahlt ist ?!. Was dann ?!. Wieder den Eltern auf der Tasche liegen ?.

Mann muss auch den Leuten deutlich sagen, dass nicht alles was man macht Spaß machen muss !. Es reicht, wenn dass was man macht notwendig ist. Ich glaube nicht dass es einer Reinigungskraft (immer) Spaß macht den Dreck andere Leute weg zu machen. Es reicht die Notwendigeit es zu tun, etweder, weil der Dreck eine Gefährdung darstellt oder weil die Reinigungskraft ihren Unterhalt sichern muss. Arbeiten ist aber auf jeden Fall notwendig um für sich selbst die Verantwortung zu tragen. Es Arbeiten sollten auch alle, die arbeiten können. (Es muss ja auch nicht immer gegen Bezahlung sein).

Antwort
von imager761,

Was soll ich nur machen?

Das kann ich auch nicht beantworten, aber eins ganz sicher: Unterhaltsklage scheidet definitiv aus, denn mit deiner Zweitausbildung schulden dir deine Eltern überhaupt keinen Unterhalt mehr :-)

Sie dürfen vielmehr endlich ihr Leben mal so führen, wie sie es für richtig halten, sogar mit Wohnwagenstellplatz im Schwarzwald, die jährlichen Urlaube, recht teure Klamotten.

Deinen Lebenstraum musst du dir nunmehr selbst erfüllen :-)

G imager761

Kommentar von EnnoBecker ,

Und wie erklärst du die Ablehnung des BaföG?

Kommentar von imager761 ,

Aus ebengleichem Grund: Ohne nach seiner Ausbildung mindestens drei Jahre gearbeitet zu haben, besteht gem. § 11(3) Nr. 4 BAföG) kein Anrecht auf elternunabhängiges Bafög :-O

Selbst der Antrag auf Vorausleistung würde scheitern, da ein zu enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang zwischen Ausbildung, Fachabi und Studium besteht.

Und da der Berufswechselwunsch auch keine Weiterbildung darstellt noch sich - vielmehr ja aus Lustlosigkeit oder mangelder Verdienstmöglichkeit - eine Notwendigkeit einer Neuorientierung (Dauerarbeitslosigkeit) ergibt, müssen die Eltern auch nicht akzeptieren, dafür weiterhin aufzukommen :-(

G imager761

Kommentar von Steeler ,

Selbst der Antrag auf Vorausleistung würde scheitern, da ein zu enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang zwischen Ausbildung, Fachabi und Studium besteht.

Daran würde ein Vorausleistungsantrag nach § 36 BAföG sicherlich nicht scheitern. Wie kommst Du darauf? Wesentliche Voraussetzung nur ist der ausbleibende Unterhalt.

Kommentar von imager761 ,

Falsch: Es greift Nichtvorausleistung gem. § 36 (3) BaFöG, da die Eltern dem Kind bereits durch ihre Unterhaltsleistungen eine angemessene Berufsausbildung ermöglicht haben, wäre grundsätzlich ihre gesetzliche Verpflichtung zur Erbringung von weiterem Unterhalt erfüllt - so der BGH.

Kommentar von EnnoBecker ,

wäre grundsätzlich ihre gesetzliche Verpflichtung zur Erbringung von weiterem Unterhalt erfüllt

Wie kann es da sein, dass "Bafög wegen zu hohem Elterneinkommen" nicht gewährt wird?

Kommentar von Steeler ,

Ein BAföG-Bescheid enthält keine - gar verbindliche - Festlegung zu einem Unterhaltsanspruch nach dem BGB. Wie auch?

Kommentar von Steeler ,

§ 36 Abs. 3 BAföG ist nur relevant bei einem reellen Sachleistungsangebot der Eltern - wovon hier keine Rede sein kann, zumal die Mutter überhaupt nicht leistungsbereit ist.

Mal ganz davon ab, dass das BAföG unter die "Hoheit" des Bundesverwaltungsgerichts und nicht ernstlich des BGH fällt.

Noch mal: Ob ein Unterhaltsanspruch nach dem BGB besteht oder nicht, ist nicht Voraussetzung für einen Vorausleistungsanspruch nach § 36 BAföG. Das ist auch nicht Sinn und Zweck dieser Leistungsvariante. Das Bundesverfassungsgericht hat 1998 sogar ausdrücklich entschieden, dass das Vorausleistungsverfahren auch allen Auszubildenden offen stehen muss, die bereits über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen.

Antwort
von nero070,

Hallo,

Kann der Staat tatsächlich verlangen, dass ich meine eigenen Eltern auf Unterhalt verklage?!

Kann er natürlich nicht, solltest Du aber tunlichst unterlassen. Da würdest Du unterliegen. Da Du bereits eine Ausbildung absolviert hast, sind Deine Eltern nicht mehr zum Unterhalt verpflichtet.

Du hast Dich hier selber in eine schlechte Lage manövriert.

Ich kann Dir nur raten, dass Du weiter in Deinem erlernten Beruf abreitest, bis Du incl. Ausbildung 5 Jahre in diesem Beruf tätig warst. Dann hast Du die Vorraussetzungen für elternunabhäniges BAföG erfüllt.

Wenn das nicht geht, dann hilft nur, das Studium eigenstänig zu finanzieren.

Kommentar von ailebnis ,

Aber das Bafögamt ist der Meinung, dass sie für mich Unterhalt zahlen müssen! Sonst bekäme ich ja Bafög, da das Einkommen meiner Eltern unberücksichtigt bliebe. Außerdem hat ein Freund von mir, der in meiner Berufsschulklasse war nach Abschluss der Lehre ebenfalls ein Psychologiestudium angefangen hat (das nichts mit unsere Branche zu tun hat) und Bafög bekommt. Es gibt doch superviele Abiturienten, die nach dem Abi eine Lehre machen um Wartesemester zu sammeln.

Kommentar von nero070 ,

Das BAföG-Amt kann keinen Unterhaltsanspruch errechnen. Im Unterhaltsrecht nach Familienrecht BGB ist es so, dass die Eltern die Finanzierung einer ersten Ausbilung schuklden. Diese hast Du erfahren. Damit sind die Eltern von einer weiteren Unterhaltspflicht befreit. BAföG unfd Unterhaltsrecht haben nichts mit einenader zu tun.

Du kannst hier nur abwarten und später elternunabhöniges BAföG beantragen.

Goggel Dir mal den § 1610 (2) BGB

Kommentar von Steeler ,

Leider verschweigst Du, dass ein Vorausleistungsantrag nach § 36 BAföG eine reelle Alternative ist.

... bis Du incl. Ausbildung 5 Jahre in diesem Beruf tätig warst.

Nein, da bräuchte es insgesamt mind sechs Jahre (§ 11 Abs. 3 Nr. 4 BAföG). Zeiten der Ausbildung können keine Zeiten der Erwerbstätigkeit im Sinne von § 11 Abs. 3 Nr. 3 BAföG sein.

Kommentar von ailebnis ,

6 Jahre ohne die Ausbildung?? Da wäre ich ja 27/28 bis ich mit dem Studium beginnen könnte! In diesem Zeitraum lässt sich ja fast ein Master machen...

Kommentar von Steeler ,

6 Jahre ohne die Ausbildung??

Nein. Mind. sechs Jahre einschl. der Ausbildung (davon mind. drei Jahre Erwerbstätigkeit ohne Ausbildungszeiten, § 11 Abs. 3 Nr. 4 BAföG) oder nur fünf Jahre Erwerbstätigkeit ohne Ausbildungszeiten, § 11 Abs. 3 Nr. 3 BAföG).

Aber, wie bereits geschrieben, überleg' Dir mal die Möglichkeit eines Vorausleistungsantrages. Wenn - wie einige hier schreiben - Deine Eltern nach dem BGB nicht mehr unterhaltspflichtig sind, werden sie vom Amt nicht auf Unterhalt verklagt werden; das liefe dann auf eine quasi elternunabhängige Förderung hinaus.

Kommentar von TopJob ,

Das kann ich irgendwie nicht so ganz nachvollziehen. Ein Vorausleistungsantrag würde somit ja jedem BaföG-Beantragenden, die eine Ablehnung aufgrund der finanziellen Situation der Eltern erhalten haben zu einem elternunabhängigen BaföG führen, ohne dass die eigentlichen Regeln für dieses eingehalten werden.

Kommentar von Steeler ,

Wenn die Eltern konkret Unterhalt verweigern und auch nach dem BGB nicht zu Unterhalt verpflichtet sind, dann läuft es auf eine quasi elternunabhängige Förderung hinaus, richtig. Deshalb ja der Hinweis, sich im Hinblick auf die Unterhaltspflicht richtig kundig zu machen.


Das Vorausleistungsverfahren selbst hat mit einer elternunabhängigen Förderung erst mal nichts zu tun. Voraussetzung ist, dass Elterneinkommen angerechnet wird, diese den Anrechnungsbetrag aber nicht - oder nicht voll - zahlen (die formalen Voraussetzungen lasse ich mal außen vor). Ob zu Recht oder zu Unrecht, ist dann erst mal schnurz. Das Amt gleicht aus und holt sich das Fehlende ggf. von den Eltern wieder (§ 37 BAföG).


BAföG und Unterhaltsrecht sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Die Berechnungswege und -grundlagen sind unterschiedlich. Ein BAföG-Bescheid ist ein reiner Förderungsberechnungsbescheid, der die Eltern nicht zu einer - gar bestimmten - Unterhaltsleistung verpflichten kann. Letzteres geht immer noch nach dem BGB.

Antwort
von EnnoBecker,

Kann der Staat tatsächlich verlangen, dass ich meine eigenen Eltern auf Unterhalt verklage?

Ja, das kann er und das tut er auch.

Und er nimmt dabei das Zerbrechen von familiären Strukturen in Kauf. Die Argumentation klingt logisch: Wer, wenn nicht die Eltern, soll denn sonst für den Bengel aufkommen? Die Gemeinschaft etwa?

Aber an dieser Haltung gibt es Kritik zu üben: Warum die Eltern und nicht die Nachbarn? Denn weder diese noch jene sind ja der Bengel selbst!

Und: Zu meiner Zeit (Anfang der 80er) hat sich noch jeder um sein eigenes Leben kümmern müssen, hüben wie drüben.

Lauter so Sachen.

Kritik am System hilft dir aber nicht weiter. Du bist mir aus zweierlei Gründen angenehm:

  1. Du versuchts dein Leben selbst in den Griff zu bekommen
  2. Du schreibst lesbar.

Beides ist heute nicht mehr selbstverständlich.

Nun bist du jünger als die meisten meiner Kinder, deshalb gehe ich davon aus, dass deine Eltern in meinem Alter sind. Sie haben in ihren Zeiten sich selbst durchgeschlagen und wollen nun endlich auch ihren Erfolg selbst genießen.

Aber Zeiten ändern sich, und heute können wir(!) uns nicht darauf ausruhen, dass wir(!) es ja schließlich auch geschafft haben. Wir(!) müssen heutzutage nicht nur für uns und unsere altgewordenen Eltern einstehen, sondern auch für unsere aufstrebenden Kinder.

Das alles ist bitter für mich, deine Eltern und viiiiiiiele andere in unserer Situation. Wir sind echt die Geber-Generation dieses Zeitalters und es platzt mir der Kragen bei sowas.

Aber die Dinge sind nun mal so wie sie sind:

Wenn du nicht willst, dass deine Familie zerbricht, wirst du deine Eltern wegen deines Unterhaltes bemühen müssen.

Aber zeig ihnen, dass du selbst dein Leben in die Hand nimmst. Und denke dran: Entweder bleibst du kinderlos oder du bist in 20....30 Jahren selbst auf "meiner" und deiner Eltern Seite.


Diese Gesellschaft verkommt. Sowas hat es zu meinen Zeiten nicht gegeben. Da war noch jeder SEINES Glückes Schmied. heute sucht man nur immer Leute, die sich einer Haftung nicht entziehen können.

Antwort
von NasiGoreng,

Ey Alter, Ärmel hochkrempeln!

Sprich mit Deinen Eltern. oder wenn die gleich zu machen, dann schreib ihnen einen Brief. Erkläre ihnen, dass Du wegen gesundheitlicher Probleme im erlernten Beruf einen gesetzlichen Anspruch darauf hast, dass sie Dir ein Zweitstudium finanzieren. Dabei sind beide Eltern jeweils anteilig entsprechend ihrem Einkommen für den Unterhalt zuständig.

Je nachdem wie weit die Wohnung der Eltern vom nächstmöglichen Studienort entfernt ist, kannst Du auch erklären, dass Du diese Finanzierung von einem Elternteil auch gerne als Naturalunterhalt in Form von Kost und Logis in der elterlichen Wohnung entgegennehmen würdest, und dass Du, wenn Deine Eltern Dir lieber Geld geben würden, ihnen das später, nach erfolgreichem Abschluss des Studiums, auch wieder zurückzahlen würdest.

Es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn Du Deine Eltern nicht überreden könntest. Und sollte sich ein Elternteil schließlich doch weigern, kündige die Einschaltung eines Anwalts ein. Da erschrickt jeder ängstliche Deutsche (das sind fast alle) und knickt auch schon ohne Klage ein.

Nochwas: Ungefähr jeder zweite Student der Psychologie wählt dieses Fach, weil er selbst glaubt einen an der Waffel zu haben. Gegebenenfalls ist dies eine Garantie für künftigen berufliche Mißerfolg. Alternativ bieten sich für solche Fälle die Berufe des Rettungssanitäters oder Kranken- bzw. Altenpflegers an. Da ist man den Menschen auch näher, als am Computer.

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