Frage von langermatze,

Kapitalertragssteuer und Solidaritätszuschlag zurückfordern bei Wegzug in die Schweiz

Hallo,

ich wohne seit April 2010 studienbedingt in der Schweiz und unterliege dort der Quellenbesteuerung (Aufenthaltsbewilligung B, Doktorand). Bei meinem Wegzug von Deutschland in die Schweiz hatte ich mich in Deutschland abgemeldet, musste mich aber wenige Monate später (Juli 2010) wieder anmelden, da ich für den Abschluss einer Auslandskrankenversicherung und mein Konto bei der Bank of Scotland einen Wohnsitz in Deutschland nachweisen musste bzw. ein Verlegen des Wohnsitzes in die Schweiz nicht möglich war.

In Deutschland besitze ich noch mehrere Giro-/Tagesgeld-/Bausparkonten bei verschiedenen Banken. Bisher lagen die Zinseinkünfte jedoch immer unter dem Freibetrag. Nachdem in 2012 aber ein Festgeldkonto bei der Bank of Scotland ausgezahlt wurde, wurden mir für 2012 Kapitalertragssteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer auf die Zinsen abgezogen. Jetzt bin ich das erste mal gezwungen mich mit der steuerrechtlichen Situation in meinem Fall zu beschäftigen.

Nachdem mein Lebensmittelpunkt in der Schweiz liegt und ich nur noch aus den oben genannten Gründen bei meinen Eltern daheim gemeldet bin, die ich für insgesamt ca. 2 Wochen pro Jahr besuche, bin ich in Deutschland nach meinem Verständnis nicht mehr steuerpflichtig, sondern in der Schweiz. Meine Frage ist nun: kann ich die in Deutschland bezahlten Abgaben auf meine Zinseinkünfte irgendwie zurückfordern und wenn ja wie? Meine deutschen Vermögenswerte und Zinseinkünfte muss ich ja alle zusammen mit den Schweizer Einkünften auf der Steuererklärung angeben (Wertschriften- und Guthabenverzeichnis) und dort werden sie dann auch versteuert. Ich lese zwar überall, dass hier offenbar das Deutsch-Schweizer-Doppelbesteuerungsabkommen zum Tragen kommt, aber mir ist nicht klar was das dann genau besagt und wie ich die (meiner Meinung nach) fälschlicherweise abgezogenen Abgaben in Deutschland zurückfordern kann?

Nachdem ich noch länger in der Schweiz wohnen werde, würde mich auch interessieren ob man die Abführung der Kapitalertrags-/Kirchensteuer/Soli in Deutschland verhindern kann (direkt bei den Banken?), auch wenn ich weiterhin bei meinen Eltern gemeldet bin. Oder muss ich hierfür wirklich komplett abgemeldet sein und den Banken entsprechend meine Schweizer Adresse mitteilen?

Ich würde mich sehr freuen wenn mir hier jemand weiterhelfen und die ein oder andere Frage beantworten könnte. Herzlichen Dank!

Beste Grüße aus der Schweiz, Matthias

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo langermatze,

Schau mal bitte hier:
Steuern Zinsen

Antwort
von EnnoBecker,

ob man die Abführung der Kapitalertrags-/Kirchensteuer/Soli in Deutschland verhindern kann (direkt bei den Banken?)

Also den ganzen Text habe ich nicht gelesen, das ist mir zuviel Gelaber drumrum.

Was wichtig ist: Hast du auch noch einen Wohnsitz in Deutschland?

Falls die Antwort NEIN lautet:

Geh zu deinem Finanzamt in der Schweiz und lass dir eine Ansässigkeitsbescheinigung ausstellen. In so vielen Ausführungen, wie du Banken in Deutschland hast.

Die legst du der Bank in Deutschland vor. Dann werden keine Kapitalertragsteuern auf Zinsen mehr abgezogen.

Warum ist das so?
Weil du in Deutschland beschränkt steuerpflichtig bist und nur deine inländischen Einkünfte hier besteuert werden. Zinsen gehören aber nicht zu den inländischen Einkünften. Das steht nicht im DBA, sondern im § 49 EStG.

Du kannst deshalb auch nicht die KapSt irgendwo anrechnen lassen, wenn sie zu Unrecht erhoben wurde. Der Weg über die Ansässigkeitsbescheinigung ist der einzige Weg, dieses Geld zurückzubekommen.

Kommentar von langermatze ,

Vielen Dank fuer die Antwort! Mit dem vielen Gelaber drumrum wollte ich einfach nur versuchen meine Situation zu schildern. Bei den meisten Antworten, die ich zu dem Thema gelesen habe hiess es immer nur "Kommt darauf an ob du..."

Die Frage nach dem "Wohnsitz in Deutschland" kann ich nur mutmassend mit NEIN beantworten:

  • Polizeilich in Deutschland gemeldet: JA (bei Eltern, "pro forma")
  • Lebensmittelpunkt in Deutschland: NEIN (<14 Tage pro Jahr, restliche Zeit an festem gemeldeten Wohnsitz in der Schweiz)

Wenn das Entscheidungskriterium fuer "Wohnsitz in Deutschland" die Meldung beim Einwohntermeldeamt ist, dann habe ich einen Wohnsitz in Deutschland - wenn es um den Lebensmittelpunkt geht, dann nicht.

Wenn ich dich richtig verstehe, kann ich durch die Ansässigkeitsbescheinigung eine Besteuerung der Zinsen in Deutschland in Zukunft (!) verhindern und dann alles regulaer in der Schweiz versteuern, das ist schon mal sehr hilfreich! Die nachtraegliche Rueckforderung der zu Unrecht berechneten Steuern laeuft dann direkt ueber die Banken oder ueber die Finanz- oder sonstige Steueraemter in Deutschland?

Kommentar von EnnoBecker ,

Also besteht doch ein Wohnsitz in Deutschland und wir haben einen DBA-Fall.

Die Lösung ändert sich dadurch nicht, nur fußt sie nun nicht auf § 49 EStG, sondern auf Artikel 11 (1) DBA.

Antwort
von NasiGoreng,

In Deutschland besitze ich noch mehrere Giro-/Tagesgeld-/Bausparkonten bei verschiedenen Banken. Bisher lagen die Zinseinkünfte jedoch immer unter dem Freibetrag.

LOL - wegen der paar lumpigen Kröten machst Du so einen Aufstand.

Abgesehen davon bleibst Du bis auf weiteres in Deutschland steuerpflichtig, denn Dein Lebensmittelpunkt liegt, wenn Du immer noch bei Mama gemeldet bist und in der Schweiz nur Deine Ausbildung vertiefst, aus Sicht des deutschen Fiskus weiterhin in Deutschland.

Im übrigen sind in der Schweiz die Steuern auf Zinserträge wesentlich höher als in Deutschland.

Kommentar von EnnoBecker ,

paar lumpigen Kröten

Die heutige Jugend, tststs....

Ich bücke mich auch nach dem Cent, der auf der Straße liegt. Anscheinend liegt der deshalb dort, weil ihr Jugendlichen euch zu fein seid zum Bücken.

Kommentar von NasiGoreng ,

Ich bin schon zufrieden, da Du mir als Steuerexperte in der Sache nicht widersprochen hast.

Kommentar von langermatze ,

Nichts fuer ungut, aber mir war wirklich nicht bewusst, dass ich in meiner Frage irgendwo etwas ueber die Hoehe der Betraege, um die es hier geht, ausgesagt habe... Es soll ja auch Leute geben, die ihr Geld in langweiligen Spar-/Tagesgeldkonten mit laecherlichen Zinssaetzen anlegen und damit zufrieden sind.

Warum ich weiterhin in Deutschland steuerpflichtig sein soll, wird mir nicht ganz klar. Ich wohne und arbeite ja schliesslich in der Schweiz und bin nur noch wenige Tage im Jahr in Deutschland. Als Doktorand habe ich zwar auch Studentenstatus, bin aber regulaer als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni angestellt mit quellensteuerpflichtigem Einkommen, Sozialabgaben, etc.

Die Hoehe der Steuern auf Zinsertraege ist mir erstmal egal - ich moechte einfach nur meine Einkuenfte korrekt versteuern. Nur ist mir absolut nicht klar wie das hier funktionieren soll, deshalb meine Frage hier im Forum...

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