Frage von goldgraber,

Kann man mit Immoblien aus Zwangsversteigerungen auch gute Objekt kaufen?

Oder sind diese in der Regel kaum gepflegt worden und anfälliger für Sanierungen? Habt Ihr gute Erfahrungen mit einem Haus aus Zwangsversteigerungen gemacht oder eher böse Überraschungen erlebt?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Franzl0503,

goldgraber: Ich war jahrelang als Gläubigervertreter überregional unterwegs, habe mir vor den Zwangsversteigerungsterminen die Objekte angeschaut, teilweise auch mit den säumigen Darlehensnehmern in ihren Wohnungen gesprochen und mit Maklern, beteiligten Bank- und Bausparvertretern und Rechtspflegern diskutiert. Vor meinem ersten Immobilienkauf jagte ich selbst nach Schnäppchen, allerdings erfolglos.

Der Unterhaltungszustand der Objekte war größtenteils eher mangelhaft, wie du selbst schreibst ungepflegt. Ich erinnere mich, einmal bin ich gar nicht erst auf meinem Auto ausgestiegen, ein kurzer Blick auf Vorgarten, Haustür und Außenputz reichte aus. Die Gründe der Vernachlässigung liegen größtenteils auf der Hand: wem das Wasser bis zum Halse steht und die Zwangsversteigerung droht, investiert nicht mehr.

Filets waren selbstverständlich auch dabei. Der große Sitzungsaal war überfüllt mit Interessenten (und neugierigen Nachbarn), vornehmlich jedoch Maklern. Teilweise lagen die Steigpreise über den Verkehrswerten - zur Freude der anfangs skeptischen Gläubigervertreter von Schornsteinhypotheken.

Antwort
von Rat2010,

Du wirst überrascht sein aber. Die Objekte kommen aus finanziellen Gründen in die Zwangsversteigerung! Im häufigsten Fall ist irgendwas passiert, wegen dem sich der Eigentümer die Raten nicht mehr leisten kann. Das kann im Objekt oder in der Person des Eigentümers liegen. Wenn es (für den Ersteigerer erst mal positiv) im Eingeümer leigt, kann es bis zu Zwangsversteigerung schnell oder langsam gegangen sein. Wenn langsam, hat der Eigentümer sein Geld natürlich eher für die Rate als für Instandhaltung des Objektes eingesetzt. Wenn schnell lage es hoffentlich nicht am Objekt, dass es so schnell gegangen ist.

Im besten Fall ist die Zwangsverstiegerung das Ergebnis einer Scheidung, bei der keine der beiden Parteien das Haus halten kann oder will. Dann kann das ahaus auch in gutem Zustand sein.

Meine Erfahrung ist, dass dann eher selten ein Schnäppchen zu machen ist.

Üblicherweise sind jedenfalls hier in München, wahrscheinlcih aber überall eine Menge Profis bei einer Versteigerung, die ein Schnäppchen zumindest für jemanden, der kein Handwerksmeister ist, sehr unwahrscheinlich machen.

Antwort
von konocon,

Gestern erst habe ich wiedermal ein Wohnung ersteigert. Und das ist bei weitem nicht meiner erste. Fast immer hatte ich Glück und habe super-günstig sehr schöne Wohnungen erworben. Einmal war eine Messie-Wohnung dabe, aber nach der Räumung war auch das ein schönes Objekt. Also es gibt definitv auch gute Objekte!!! Das dumme ist halt nur, daß Du die Katze im Sack kaufst, denn meistens ist eine Besichtigung nicht möglich und selbst der Gutachter hat das Objekt oft nicht von innen gesehen. Also ein wenig Lottospielen ist immer dabei, leider nur mit sehr hohem Einsatz.

Antwort
von hildefeuer,

Auch wenn die Objekte äußerlich gut aussehen kann man böse Überraschungen erleben. Beispiel ein früherer Nachbar von mir: Objekt selbst gebaut und bewohnt ca. 5 jahre lang. Junges Ehepaar hat es ersteigert. Als der insolvente Unternehmer über Nacht ausgezogen ist, hat er sämtliche Bepflanzungen im Garten, Steckdosen, Schalter, Gastherme, Wasserhähne mitgenommen und ca. 10m3 Sperrmüll hinterlassen. Die Frau hat dann bei der Übernahme weinend im Auto gesessen. Der neue Eigentümer hat sich dann mit den Gläubigern geeinigt, die haben alles bis auf Gartenbepflanzung auf Ihre Kosten herrichten lassen musste dazu allerdings erheblichen Druck ausüben. Der Insolvente Unternehmer ist verschwunden vermutlich nach Ungarn.

Antwort
von SBerater,

klar kann man hier einen guten Kauf machen, aber: man hat nicht die Möglichkeit, das Objekt vorher zu sehen. Man ist auf die Aussensicht des Objektes und Gutachten angewiesen. Und man tummelt sich mit Personen, die meist Erfahrung haben mit Versteigerungen. Die guten Objekte gehen weg.

Damit solltest du dich der Gefahren bewusst sein. Du solltest den Markt vor Ort wie auch das Verfahren einer Versteigerung gut kennen, sonst sind die Risiken nicht ohne.

Antwort
von Privatier59,

Da kann ich Dir von einem haarsträubenden Fall berichten, den ich zum Glück nur aus der Sicht des Rechtsberaters kenne: Jemand ersteigert ein Haus das von außen einen gepflegten Eindruck macht. Das Wertgutachten zeigt keine gravierenden Mängel. Leider hatte der Gutachter Hausschwammbefall übersehen. Das Haus ist Abrißobjekt. Der Schaden für den Ersteigerer hatte eine sechsstellige Höhe. Und wer haftet dafür? Niemand! Nicht der Eigentümer, nicht der Gläubiger, nicht die Justiz und noch nicht einmal der nachlässige Gutachter. Das kann passieren. Wer sich nicht 100%-ig auf dem Gebiet auskennt, soll besser die Finger von Zwangsversteigerungen lassen.

Antwort
von althaus,

Es kann Schnäppchen geben. Ein Freund von mir kannte die Immobilie und wohnte auch seit seiner Kindheit dort in der Nähe, daher war er auch interessert und optimistisch eingestellt. Tatsächlich hat er dann auch den Zuschlag bekommen und das viel günstiger als von einem Makler. Ich denke das dies die Ausnahme ist, denn in der regel hat man nur eingeschränkten Einblick auf das zu versteigernde Objekt. Oft darf man das Objekt erst gar nicht besichtigen (von Innen), da es der Eigentümer nicht zuläßt.

Antwort
von Lunte,

hallochen! Ich kenne eine schöne Seite http://immobilien.hausbau-hilfe.info/ Da habe ich auch einige Informationen gefunden.

Antwort
von DrHaus,

Der kurze Tipp vom Immoexperten (Werbung durch Support gelöscht):

Ja! Aber die Fallstricke lauern eben auch überall. Besonders was die vorherige Einschätzung des zu ersteigernden Objektes angeht. Mit guter Recherche und sorgfältigem Check aller Eckdaten lässt sich ein Objekt ersteigern, das eventuell aufgrund von Vermieterinsolvenz durch Mietausfall in die Zwangsversteigerung gerät.

Mittlerweile haben sich Immoexperten auf diesen Bereich konzentriert und 'coachen' Interessenten, die ein Objekt ersteigern möchten. Das lohnt sich, denn ich selbst helfe Interessenten und habe schon die unglaublichsten Geschichten gehört, wenn ein Interessent blindlinks losläuft und sich denkt: "So, jetzt kauf' ich mir mal (so ganz nebenbei) ne Immobilie..."

Beste Grüße!

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community