Frage von darijas, 633

Kann man Eigentumswohnung behalten wenn man Hartz 4 bekommen will?

Meine Freundin ist schon lange krankgeschrieben, wird demnächst vermutlich Hartz 4 beantragen müssen. Sie hat den Eltern eine Wohnung gekauft, weil diese Hartz 4 empfangen- sie zahlen kleine Miete hierfür. Aber das reicht nicht mal um die Schulden ganz zu decken, die monatlich abgebucht werden. Wie sieht es nun aus, wenn sie selber Hartz 4 beantragen möchte- muß sie die Wohnung dann zuerst verkaufen? Denn sonst hat sie vermutlich ja selber keinen Anspruch mehr,oder? Das wäre natürlich ungut, weil ja die Eltern drin wohnen. Gibts eine andere Lösung, dem allen gerecht zu werden?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Privatier59, 633

Eigentumswohnungen angemessener Größe sind Schonvermögen:

http://www.sozialhilfe24.de/hartz-iv-4-alg-ii-2/vermoegen.html

Allerdings gilt das für eigengenutzte ETW`s. Wenn vermietet wird, sieht die Sache anders aus. Da muß verwertet werden, es sei denn, der Wert sei so gering, dass er sich im Rahmen des allgemeinen Altersvorsorgefreibetrags hält.

Hier jedoch ergibt sich ja ohnehin ein faktischer Zwang zum Verkauf, denn die laufenden Raten werden ja keinesfalls übernommen.

Antwort
von HartzEngel, 516

Nur eine selbstbewohnte Eigentumswohnung fällt unter das Schonvermögen nach SGB II, wenn sie die Wohnung vermietet (auch wenn es an die Eltern ist) wird das Jobcenter verlangen, daß sie die Wohnung verkauft, somit wäre sie wohl auch nicht mehr finanziell hilfebedürftig. Ganz wichtig ist auch, wenn sie lange krank war, wird das Jobcenter eh prüfen, ob sie überhaupt erwerbsfähig ist (nach langer Krankschreibung ist das sehr zweifelhaft), denn wenn sie es nicht erwerbsfähig ist, hat sie keinen Anspruch auf Alg II, wobei ich ihr raten würde, falls sie vor der Krankschreibung gearbeitet hat, daß sie erst mal versucht Alg I zu bekommen (das sind 60 % vom letzten Netto) und hier würde ihr Vermögen keine Rolle spielen, sie muß aber auch bei der Arbeitsagentur erwerbsfähig sein. Evtl. sollte sie auch an einen Rentenantrag wegen Erwerbsminderung denken.

Antwort
von VirtualSelf, 440

Da sie die Wohnung nicht selbst bewohnt, ist sie nicht besonders privilegiert bzw. geschützt. Das heißt, das Jobcenter wird in die Verwertungsprüfung einsteigen.
Die Verwertung darf gefordert werden, wenn der Wert der Wohnung den individuellen Vermögensfreibetrag übersteigt UND die Verwertung möglich ist UND die Verwertung zumutbar ist.

Verwertung kann über mehrere Weg erfolgen, z.B. über Vermietung, Verkauf oder Beleihung ....

Es gib übrigens keinen Grund, die Eltern billig wohnen zu lassen, denn natürlich haben sie als Alg2-Empfänger auch Anspruch auf eine ortsübliche angemessene (volle) Miete. Von daher ist das bisherige Modell mit einer kleinen Miete auf den ersten Blick nicht plausibel.

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