Frage von kapitalist, 35

Kann man auch Medikamente bei der Steuer ansetzen, ohne ärztl. Verordnung?

Kann man diese Belege aus der Apotheke auch mit zur Steuer geben, habe bei der Apotheke ein Kundenkonto und es ist eindeutig ersichtlich, daß ich diese Arzneien gekauft habe. Genügt das als Beweis und für Steuerermässigung? Oder muß das ärztl. Rezept vorliegen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von blackleather, 25

§ 64 Abs. 1 Satz 1 EStDV:

"Den Nachweis der Zwangsläufigkeit von Aufwendungen im Krankheitsfall hat der Steuerpflichtige zu erbringen:

1. durch eine Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel"

Kommentar von blackleather ,

Und hier noch eine Pressemeldung des FG Rheinland-Pfalz mit schönen Grüßen von der Datenbank Lexinform (DATEV-Dokument 0440613):

"Mit inzwischen rechtskräftigem Urteil vom 8. Juli 2013 (Az.: 5 K 2157/12) hat das Finanzgericht (FG) Rheinland-Pfalz entschieden, dass Medikamente für die Hausapotheke (wie z.B. Schmerzmittel oder Erkältungspräparate) ohne ärztliche Verordnung nicht als sog. "außergewöhnliche Belastungen" steuerlich geltend gemacht werden können."

Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Steuern, 25

Damit Medikamente oder Behandlungen als außergewöhnliche Belastungen anerkannt werden, ist die medizinische Notwendigkeit nachzuweisen. Dies erfolgt durch eine ärztliche Verordnung. Dies ist das übliche ärztliche Rezept bzw. ein Privatrezept. Werden also die Kosten für ein Medikament nicht von der Krankenkasse erstattet, sollte man den Arzt um Ausstellung eines Privatrezepts bitten, damit die medizinische Notwendigkeit belegt ist.

Die Tatsache, daß Du irgendwelche Medikamente gekauft hast, belegt in keiner Weise deren medizinische Notwendigkeit oder auch nur, daß sie überhaupt für Dich selbst verwendet wurden.

Es kann natürlich sein, daß wenn man für 2.000 EUR medizinisch notwendige Medikamente nachweisen kann, das Schnupfenmittel für 5 EUR auch so durchgeht. Verlassen sollte man sich darauf nicht.

Antwort
von MaierC, 19

Es muss eine ärztliche Verordnung vorliegen. Es handelt sich hierbei um außergewöhnliche Belastung und die müssen zwangsläufig sein. Wenn man sich nicht genau sicher ist, ob die Aufwendungen abziehbar sind, einfach mit angeben und abwarten.

Antwort
von EnnoBecker, 10

Die bisher gegebenen Antworten sind alle richtig.

Trotzdem würde ich die Dinger mit angeben. In solchen Sachen bin ich frech.

Kommentar von Mikkey ,

Ich habe auch schon einmal eine Brille für Arbeit am Computer anerkannt bekommen - ohne Verordnung.

Die außergewöhnlichen Belastungen sind ja auch selten so hoch, dass es daraus eine Erstattung gibt.

Kommentar von EnnoBecker ,

Ja.

Entweder wird es durchgewunken - oder es reicht schlichtweg nicht, um über den Satz der zumutbaren Eigenbelastung zu kommen.

Bei der Arbeitsbrille könnte man sogar noch über WK nachdenken.

Kommentar von Meandor ,

Dieses Mal gibt es keinen DH. Ich bin enttäuscht. Wegen Leuten wie Dir zwingen Sie Leute wie mich diesen Schei* zu kontrollieren, obwohl das sowas von unwirtschaftlich ist.

Kommentar von EnnoBecker ,

Wegen Leuten wie Dir zwingen Sie Leute wie mich diesen Schei* zu kontrollieren, obwohl das sowas von unwirtschaftlich ist.

Klar.

Arbeiten im Büro ist ja auch nicht jedermanns Sache.

Kommentar von Meandor ,

Hey, das war jetzt ein Tiefschlag. Jetzt weiß ich, wo meine Bauchschmerzen herkommen.

Wenigstens bin ich jetzt die Einsprüche wegen zumutbarer Belastung los. Lang lebe die Vorläufigkeit. Dafür muss ich doch wohl auch Enno Becker danken, oder kam das erst 1977 dazu?

Wer zieht mit nicht medizinisch notwendigen Aufwendungen bis vor den BFH und erwartet das er Recht bekommt. Bevor dieser Mensch dort revisioniert hat, hat die medizinische Notwendigkeit nur am Rande interessiert. Man prüft grob die steuerliche Auswirkung und kam zu dem Entschluss dass die weitere Prüfung unwirtschaftlich ist, da Beleganforderung und -kontrolle mehr Zeit verbraucht als sinnvoll ist. Dann geht der Depp vor den BFH und schafft es damit, dass Steuergerechtigkeit wieder vor Wirtschaftlichkeit geht und Einspruchsverfahren wegen Apothekenrechnungen mit einer steuerlichen Auswirkung von 5 Euro geführt werden müssen.

Kommentar von EnnoBecker ,

Dafür muss ich doch wohl auch Enno Becker danken, oder kam das erst 1977 dazu?

In den für mich jederzeit erreichbaren Teilen dieses Landes sogar erst 1990.

Und der große und wahrhaftige EB war da schon 37 (50) Jahre unter der Erde. Obwohl er Wessi war, war er ... gut.

Dann geht der Depp vor den BFH und schafft es damit, dass Steuergerechtigkeit wieder vor Wirtschaftlichkeit geht und Einspruchsverfahren wegen Apothekenrechnungen mit einer steuerlichen Auswirkung von 5 Euro geführt werden müssen.

Es geht auch um Rechtssicherheit. Ohne solche Leute würden andere Leute, so wie ich einer bin, nämlich machen können, was sie wolllen und sich dumm und dusselig verdienen. Dank dieser Zeitgenossen aber muss ich mich für mein Brot bewegen.

Antwort
von spargeld, 17

leider nein-ohne Ärztliche Verordnung wird die Rechnung der Apotheke nix bringen. Nachzulesen : http://www.gesundheitshilfe.de/index.php?mode=17,15,1,0,0

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