Frage von armerteufel65,

Kann ich in Anlage KAP bei einem Kapitalertrag von 0 EUR die Ersatzbemessungsgrundlage korrigieren?

Ich hatte hier schon einmal wegen einer erfolgten Pauschalbesteuerung aufgrund eines Depotwechsels 2008 um Rat gefragt. Mein Bankberater hatte mich zu einem Depotübertrag überredet, ohne auf die "Tücken" hinzuweisen. Zu dieser Zeit wurden Anschaffungsdaten von Wertpapieren bei Depotübertrag der neuen Bank - noch nicht - mitgeteilt . So gingen meine Anschaffungsdaten (offiziell) verloren, obwohl ich die orignalen Kaufbelege vorlegen konnte. Eines dieser Papiere (eine festverzinsliche Bank Anleihe) war 2011 fällig geworden.

  • Anleihe 2004 erworben zum Kurs von = 3.060 EUR
  • Einlösung 2011 zum Nennwert / Kurs 100% = 3000 EUR (also 60 EUR Verlust)
  • angenommener Veräußerungserlös für Pauschalbesteuerung = 3000 EUR
  • Steuerbemessungsgrundlage aus Pauschalbesteuerung (30%) = 900 EUR (vor Verlustrechnung)
  • Steuerbemessungsgrundlage nach Verlustrechnung = 0,00 EUR
    (Bank hatte mir 900 EUR sonstige Verluste aus dem Vorjahr verrechnet)

Nun brauchte ich auf diesen 0-Betrag zwar keine Kapitalertragssteuer bezahlen, aber mein Verlusttopf bei der Bank wurde -fälschlicherweise- um 900 EUR geschmälert und ist nun im Prinzip leer. Anfang 2013 werden zwei weitere Papiere eingelöst, da passiert mir das wieder ... Nun hoffte ich auf die Möglichkeit der Korrektur 2012 mit Abgabe der Anlage KAP. Von der Abgabe einer Einkommenssteuerklärung bin ich seit 2010 befreit.

Allerdings komme ich mit dem Ausfüllen dieser Anlage gar nicht zurecht - auch mein Steuerprogramm gibt eine Fehlermeldung. Ich habe die Beträge aus der Jahressteuerbescheinigung der Bank wie angegeben übertragen:

  • Zeile 7 (Höhe der Kapitalerträge) = 0,00 EUR
  • Zeile 11 (Erstzbemessungsgrundlage) = 900,00 EUR / Meine Korrektur: -60 EUR
  • Zeile 49 (Kapitalertragssteuer) = 0,00 EUR
  • Zeile 50 (Solidaritätszuschlag) = 0,00 EUR

Laut Hinweisen KAP müsse jedoch Zeile 11 in Zeile 7 enthalten sein; ich kann doch aber nicht eigenmächtig die Angaben in der Jahressteuerbescheinigung der Bank ändern, oder? Ich verstehe, dass ich keine Steuer erstattet bekomme, da ja keine Kapitalertragssteuer abgezogen wurde. Aber wie rette ich die 900 EUR für eine Verlustrechnung im nächsten Jahr (wo ich sie brauche)? Oder verfällt dieser Betrag nun? Oder gibt es noch ein anderes Formular, mit dem ich eine "Verlust-Gutschrift" durch das Finanzamt erreichen kann?

Ich habe soviel recherchiert, aber für meinen speziellen Fall nicht wirklich Hilfreiches gefunden. Vielleicht kann mir jemand helfen?

Antwort
von gandalf94305,

Die Banken können Anschaffungsdaten 10 Jahre auf jeden Fall zurück verfolgen. Bestehe also darauf, daß Deine alte Bank die Daten an die neue Bank übermittelt.

Generell gibt es keine Berücksichtigung der vom Kunden/Steuerpflichtigen beigebrachten Belege - die steuerlich relevanten Daten müssen von der Bank bestätigt werden. Du kannst also höchstens mit der Abrechnung zur alten Bank gehen und auf einer korrekten Bescheinigung bestehen.

Ansonsten erfolgt die Pauschalbesteuerung, die generell ungünstig ist. Du kannst Beträge der Jahressteuerbescheinigung nicht einfach korrigieren - es sei denn, es handelt sich um Werte aus dem Bundesanzeiger, die von der Bank nicht berichtet wurden. Hier wäre es anhand des amtlichen Registers nachvollziehbar, daß Abweichungen zu korrigieren sind.

Kommentar von armerteufel65 ,

Das hatte ich bereits 2011 bei meiner "alten Bank" ohne Ergebnis versucht. Auch die Bitte um Hilfe, die ich an den Kundenanwalt der "neuen Bank" richtete (schließlich hatte mich mein Bankbetreuer falsch beraten), wurde abgeschmettert; man berief sich auf ein Rundschreiben des Bundesministeriums für Finanzen vom 22 12 2009. Hier zwei Auszüge aus dem an mich gerichteten Schreiben:

"... Werden die Daten von der abgebenden Stelle erst zeitlich nach einer bereits abgerechneten Veräußerung übertragen, ist diese Abrechnung von der übernehmenden auszahlenden Stelle nicht zu korrigieren. Entsprechend dieser Vorschrift musste bei der Rückzahlung Ihrer Anleihe die Ersatzbemessungs-grundlage in Höhe von 30% des Rückzahlungsbetrages für die Berechnung der Steuern herangezogen werden. Dieses darf von der Bank im Nachhinein nicht mehr geändert werden. Das stellt jedoch keine endgültige Besteuerung dar. Das Bundesministerium für Finanzen hat für einen solchen Fall die Möglichkeit geschaffen, im Rahmen der Veranlagung zur Einkommenssteuer den Steuereinbehalt anhand der Kauf- und Einlösungsabrechnungen zu überprüfen ...

... Nach Rücksprache mit der XXX Bank kann deren Zentrale die notwendigen Anschaffungsdaten für die beiden anderen Wertpapierpositionen aus dem gelöschten Depot nicht zur Verfügung stellen. Nach Systemumstellungen würde es einen unverhältnismäßig hohen Aufwand bedeuten, die entsprechenden Daten herauszufiltern. Deshalb werden wir bei einem zukünftigen Verkauf oder bei Einlösung ebenfalls auf die Ersatzbemessungsgrundlage zurückgreifen müssen. Auch hier ist die richtige Gewinnermittlung erst über die Einkommensteuerveranlagung möglich."

Das versuche ich nun in die Anlage KAP einzutragen, aber es geht nicht! Ich nehme an, es liegt daran, dass nach Verlustrechnung der Bank kein positiver Kapitalertrag übrig bleibt, von dem dann die fehlerhafte Bemessungsgrundlage abgezogen werden könnte.

Kommentar von gandalf94305 ,

Für die Anleihen, die in 2013 fällig sind, gab es noch keine Veräußerung. Daher kann die alte Bank durchaus nachmelden.

Für die Papiere, die bereits verkauft sind, benötigst Du eine Bescheinigung der alten Bank, daß die Kaufbelege korrekt sind. Diese werden mit der Einkommensteuererklärung eingereicht.

In der Anlage KAP ist das einzutragen, was sich aus der korrekten Berechnung ergibt. Die Position, die in der Erträgnisaufstellung der Bank als per Ersatzbemessungsgrundlage abgerechnet ausgewiesen ist, wird damit einfach ersetzt. Wichtig ist, daß hier ein von der alten Bank autorisierter Nachweis erbracht wird.

Kommentar von armerteufel65 ,

Danke für Deine Hinweise! Aber die alte Bank will oder kann angeblich an diese Daten aus dem gelöschten Depot nicht mehr heran. So werden weder die 2013 ausstehenden Papiere nachgemeldet noch wird mir die Korrektheit der Kaufbelege bestätigt. Ich war ja sogar mit den Originalbelegen dort und habe auch die Urkunde für den Depotübertrag vorgezeigt - es ist eindeutig daraus abzuleiten, dass sich an den Papieren nichts geändert hat. Aber immer nur der Verweis an das Finanzamt!

Aber wenn ich in KAP die Daten der Bank aus der Jahressteuerbescheinigung eintrage und meinen korrigierten Betrag dazu (wie oben beschrieben), dann streikt das Steuerprogramm - Fehlermeldung: Kapitalerträge können nicht geringer sein als die Ersatzbemessungsgrundlage, prüfen!

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