Frage von GriechenWein,

Kann Griechenland vorm Staatsbankrott gerettet werden, wenn das Volk Reformen verweigert?

Wie ist Eure Meinung, kann Griechenland vor dem Staatsbankrott bewahrt werden, wenn das griechische Volk die geplanten Reformen verweigert? Da kommt wirklich viel Schlimmes auf die Leute zu: Lohnkürzungen, Rentenkürzungen, Kündigungen - das ist sicher schwer.

Hilfreichste Antwort von gandalf94305,
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Griechenland (und auch die griechischen Bürger) hat eine ganze Weile sehr gut auf Pump gelebt und zu Lasten der restlichen EU, die massiv Subventionen - nicht nur im Agrarbereich - in Griechenland eingebracht hat. Eine nachhaltige Wirtschaft hatte Griechenland in gleichen Sinne wie Spanien, Italien oder weiter nördlich liegende Länder eigentlich noch nie.

Es sollten daher im Rahmen der Konsolidierung des Haushalts und des Schuldenstands Griechenlands zwei Dinge passieren:

  • Viele der Vorteile, die im Rahmen dieses Geldüberflusses gewährt wurden, werden nun wieder abgebaut. Schaut man sich die Steigerungen von Gehältern oder Renten in Griechenland über die letzten 10 Jahre an, so ist dies unangemessen für die reale wirtschaftliche Lage Griechenlands. Es wird also Einschnitte geben, die eigentlich schon längst hätten erfolgen müssen. Das trifft jeden einzelnen, der natürlich seine Vorteile nicht aufgeben will.

  • Parallel dazu müssen Privatisierungen, eine Verschlankung des Staatsapparats, das Eintreiben von tatsächlich fälligen Steuerforderungen und Maßnahmen gegen die Verschwendung von Mitteln eingeleitet werden. Das trifft vor allem die Wohlhabenden und Inhaber irgendwelcher, von der Regierung vergebener Posten. Dort tut sich logischerweise auch nichts.

Es gibt Schätzungen, wonach alleine die Privatisierungen, Entlassungen überflüssiger Staatsbeamter, Anpassungen der Gehälter von Staatsbediensteten und Angestellen von Staatsbetrieben an realistische Werte, sowie die Eintreibung fälliger Steuerforderungen bereits über 120 Mrd EUR einbringen könnten. Das ist fast das Volumen der Tranche des Rettungspakets, die gerade verhandelt wird.

Wirklich reich geworden sind die Griechen natürlich durch den EU-Geldsegen nicht, sondern nur einzelne Personen aus Industrie und Politik, die sich jetzt zum Teil das Ganze Chaos aus der Ferne aus der Schweiz oder anderen Ländern anschauen und zu feige sind, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Daher trifft es leider diejenigen, die jetzt noch übrig und greifbar sind, verstärkt.

Würde jedoch nun ein Programm zur Wirtschaftsförderung aufgelegt, das wirklich eine nachhaltig arbeitende Wirtschaft über die nächsten Jahrzehnte aufbauen kann, dann wären die aktuellen Entlassungen auch wieder ein Potential, durch neues Unternehmertum in die Zukunft Griechenlands zu investieren und nicht nur über die gerade verlorene Vergangenheit zu jammern, die man vielleicht nie so hätte haben sollen und dürfen.

Man hört in den Medien nur etwas von den Sparprogrammen. Ich hoffe, daß die Regierung in Griechenland nicht den Blick nach vorne verliert, denn sonst ist ein Austritt Griechenlands aus dem Euro unabwendbar. Woher sollten denn auch sonst die Tilgungen der deutlich kleineren Restschulden kommen?

Kommentar von GriechenWein,

Danke für die lange Antwort.

Antwort von Tritur,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Nur der Staatsbankrott mit gleichzeitigen Ausstieg aus dem Euro ist die Rettung für Griechenland. Die Griechen wären schön blöd, wenn sie diesen Weg nicht gingen. Die ganze Finanzwelt, alle anderen Euro-Staaten und die Zentralbankenn haben sich doch intern schon darauf vorbereitet. Der totale Verlust aller Forderungen gegen Griechenland und ein niedriger Drachmenkurs wären eine derart hohe "Anschubfinanzierung", dass dieses Land ziemlich schnell wieder auf die Beine käme.

Die Frage sollte lauten: Ist der Euro noch zu retten, wenn Griechenland bankrott geht? Hier lautet die Antwort: Ja, aber nur, wenn nicht noch ein größeres Land wie Italien oder Spanien sich auf diese Art und Weise seinen Verpflichtungen entzieht.

Antwort von robinek,
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Alles redet nur über Griechenland! Keiner redet "kaum" über Deutschland selbst. Wir sind mit über 2 Billionen selbst verschuldet und die Schulden werden niemehr auf normale Art und Weise abgebaut. Wir sind alle froh wenn die jährliche Vershuldung nicht mehr so hoch wie im Vorjahr ist, das ist doch Augenwischerei! DieStaaten Spanien, Italien, Portugal usw. ergänzen doch das ganze Dilemma. Weiterhin werden neue Staaten in die EU aufgenommen die sich selbst jetzt schon nicht über Wasser halten können und auf Finanzspritzen hoffen. Jeder einzelne Staat hat mit seinem eigenen aufgebauschten Staatapparat zu kämpfen und beherrscht ihn nicht, wer hat zusätzlich den noch viel grösseren aufgeblasenen EU Apparat kostenmässig noch im Griff?

Antwort von Andrea44,
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Ich habe gestern die Bilder im Fernesehen verfolgt, die Griechen sind wirklich aufgebracht, ob der Reformen, die ihnen zugemutet werden: man spricht von Massenentlassungen im öffentlichen Dienst, Kürzung des Mindestlohnes, sonstige Lohnkürzungen, Kürzungen der Renten - das sind alles erhebliche Einschnitte. Ich kann daher verstehen, daß die Leute so heftig reagieren. Aber auf der anderen Seite, ist der griechische Staat fast pleite, und wenn nicht heftige Einschnitte im Staatshaushalt erfolgen, wird der Staat nicht zu retten sein. Wenn die von der Rest-EU geforderten Reformen nicht durchgezogen werden, wird kein weiteres Geld nach Griechenland fließen - dann wäre der Bankrott nicht mehr aufzuhalten. Ich wünsche den Griechen alles Gute und viel Kraft.

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