Frage von arkona, 7

Je mehr Eigenkapital für die eigene Wohnung, desto günstiger die Finanzierung?

eine Bekannte sagte mir, wenn man mindestens 40% Eigenkapital einbringt, bei einem Immobiliendarlehen, dann bekommt man allerbeste Zinsen. Warum bekommt man günstigere Zinsen, wenn man weniger Geld für die eigene Wohnung aufnimmt? Die Banken könnten ja mit einem höheren Darlehen mehr verdienen, wenn das Einkommen entsprechend gut ist, ergibt sich doch auch kein Risiko. Kann also pauschal gesagt werden, JE MEHR Eigenkapital, DESTO GÜNSTIGERE Zinsen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von GAFIB, 7

..."Die Unterschiede zwischen einer Vollfinanzierung und einer Finanzierung mit Eigenkapital können beim Zinssatz durchaus 0,5 bis 1,5 Prozent betragen."... vgl. Link unten.

Aus Sicht der Bank ist die Bonität ein entscheidendes Kriterium, denn sie muss den Kredit rückfinanzieren.

Das Kreditausfall-Risiko für die Bank ist meist niedriger bei höherer EK-Quote verglichen mit "nur" gutem Einkommen, denn das kann auch wegfallen. Eine Zwangsversteigerung würde aber vermutlich immer leicht 60% der Finanzierungssumme an Verkaufserlös erbringen, so dass bei einer EK-Quote von 40% das Ausfallrisiko der Bank nahezu "Null" beträgt.

http://www.hypothekenzinsen.net/einflussfaktoren-hypothekenzinsen.htm

Antwort
von LittleArrow, 4

Deine Bekannte und Du erzählen leider nicht die (unausgesprochenen) Annahmen für eine solche Immobilie und das dazugehörige Darlehn und das "gute Einkommen", sondern es wird dann gleich pauschaliert!

Also her mit krassem Gegenbeispiel:

Kauf einer Studenten-Eigentumswohnung in Paderborn im Wert von € 70.000 (inkl. Nebenkosten von ca. € 7.000) mit Eigenkapital von € 35.000 plus € 35.000 Fremdkapital (also 58 % Fremdkapitalquote). Keine Spitzenkondition, da der mickrige Darlehnsbetrag mit sehr hohen bankinternen Fixkosten für die Beleihungsprüfung belastet wird. Hinzu kommt, dass die Wohnung an einem entfernteren Ort liegt, wo die Bank extra jemand für die Bewertung hinschicken muss.

Letztlich hat die Bank die Finanzierung jedoch abgelehnt, da das Einkommen bei dem verheirateten Ehepaar von einer bisher gut, aber alleinverdienenden Mutter (Dr.-Ing., 38 J.) erarbeitet wird, die bei einem Arbeitgeber der Automobilindustrie in Bochum tätig ist, der seine dortigen Standorte aufgeben will. Der Vater kümmert sich gelegentlich als freiberuflicher Redakteur um die Erziehung der beiden minderjährigen Kinder.

Antwort
von Frei123, 2

versetze dich in die Lage der Bank: was ist riskanter? Einen grossen oder einen kleinen Kreditbetrag vergeben?

Es geht hier um die Risiken, die die Bank eingeht. Sie mag mehr verdienen, wenn sie einen grösseren Kredit vergibt mit höheren Zinsen. Aber warum sollte sie dann noch die Konditionen verbessern? Das Risiko ist zu bezahlen und einzupreisen.

Liest man deine Frage, könnte man vermuten, dass jede Bank ihre Kunden mit Krediten vollstopfen müsste, denn dann verdient sie wirklich viel.

Die Bakannte hat nicht generell recht, weil Banken noch viele andere Kriterien haben bei der Kreditvergabe. Und nicht jeder hat die gleiche Bonität. Teils kann sehr hohes Eigenkapital auch zu keiner Kreditvergabe führen, weil der Kunde keine entsprechende Bonität hat, das Risiko zu hoch erscheint. Und auch hier verliert die Bank Geld.

Antwort
von qtbasket, 2

Was dir die Bekannte kommuniziert hat, nennt sich erste Hypothek: das ist wirtschaftlich gesehen für den Gläubiger eine Beleihung während ihrer gesamten Laufdauer mit einem rechnerisch geringerem Risiko. Dieser Situation wird erreicht, indem der Beleihungswert nur zu 60% angesetzt wird.

Alles weitere was du so postulierst, ist nicht zutreffend. Die Ermittlung des Risikos für eine Hypothek ist für den Sachbearbeiter ein ziemlicher Aufwand mit ziemlich genauen Vorgaben. Die Bonität des Gläubigers ist nur ein Teil davon, dazu gehören noch der Einheitswert nach der 1914 Methode, der umbaute Raum, die Lastenfreiheit im Grundbuch und eine erstrangige Absicherung.

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