Frage von ruhrpott,

Ist es normal, daß Krankentagegeldversicherung kündigt, wenn man sie in Anspruch genommen hat?

Mein Nachbar hatte Bandscheibenvorfall u. nahm auch Leistungen aus der Krankentagegeldversicherung in Anspruch. Nachdem er nun wieder arbeiten geht, bekam er die Kündigung der Versicherung zugestellt. Ist das so üblich?Bekommt er dann überhaupt bei einer anderen Versicherung Versicherungsschutz?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gammoncrack,

Das kann der Versicherer (§ 206 VVG) machen, wenn der Vertrag noch keine 3 Jahre besteht.

Allerdings verzichten auch einige Versicherer auf diese Einschränkung.

Antwort
von alphabet,

Hallo, bei einer neuen Versicherung stellt er einen Neuantrag und muss seinen gesundheitlichen Zustand angeben. Die Versicherung wird dann wegen des Bandscheibenvorfalls entweder die Versicherung ganz ablehnen oder Krankheiten des Rückens komplett aus der Leistungsberechtigung heraus nehmen. Gruß alphabet

Kommentar von alfalfa ,

...oder mit Risikozuschlag annehmen..

Antwort
von RHWWW,

Hallo,

handelt es sich um eine Krankentagegeldversicherung, für die der Arbeitgeber einen Zuschuss nach § 257 SGB V zahlt?

Gruß

RHW

Kommentar von alfalfa ,

Guter Hinweis, denn es kann ja nur der Beitrag, dem GKV Äquivalent überschießend nach § 206 VVG gekündigt werden. Gilt nicht bei Verletzung bzw Kündigung nach § 19 VVG. Und jetzt der Hit....Real erlebt...Selbst wenn man sich bei Kündigung auf § 206 VVG beruft, erntet man einen Spruch, das man dem System PKV zugeschlüsselt sei und Kündigungen auf Basis § 14 MB KT 2009 korrekt sei. Sogar bis auf einen Beitrag von Null. Grade bei KT die nach § 257 SGB V unterliegen. Da war ich auch baff, nach dem Urteilsspruch. Das ist noch lange nicht sauber...

Kommentar von RHWWW ,

Hallo alfalfa,

kann man das Urteil evtl. irgendwo nachlesen? Oder welches Gericht war es?

Vielen Dank.

Gruß

RHW

Kommentar von alfalfa ,

SG Speyer, 6.3.2009, S 13 KR 149/08 zur Frage Kündigung nach § 19 VVG und Rückkehr zum Vorversicher GKV verneinend. Auf dem Urteil aufbauend aktueller Fall Hardes gegen Central, LG Göttingen, AZ 205/2011 in erstem Gütetermin im Frststellungsverfahren verneinend, da in System PKV KT ein separater Vertrag ist und den versicherungsfremden Leistungen Tagegeld in GKV nicht gleichzustellen sei. Zwischenfazit: § 206 VVG ist inhaltsleer. Doch der Drops ist noch nicht gelutscht. Wird wohl ein Grundsatz Ding werden.

Kommentar von RHWWW ,

Vielen Dank!!!

Ging es um einen Selbständigen oder einen Arbeitnehmer?

Kommentar von alfalfa ,

Arbeitnehmer !

Antwort
von alfalfa,

Nun, neben dem § 206 VVG greift als Lex specialis die Musterbedingungen KT 2009, die allen KT zugrundeliegt. Hier bitte § 14 beachten!

http://www.pkv.de/recht/musterbedingungen/krankentagegeldversicherung_mb_kt_2009...

Bei dem Abschluss einer KT Versicherung sollte man darauf achten, dass der Versicherer auf das Recht nach § 14 MB KT verzichtet, damit es nicht zu einer solchen Situation kommt.

Antwort
von Larkolas,

Naja, wer relativ kurz nach Abschluss der Versicherung diese schon in Anspruch nimmt, ist ein Verlustgeschäft für die Versicherung und sie will ihn dann natürlich loswerden.

Eine neue Versicherung wird ziemlich unmöglich, weil diese immer nachfragen ob einem die letzte Versicherung gekündigt hat...

Kommentar von gammoncrack ,
Naja, wer relativ kurz nach Abschluss der Versicherung diese schon in Anspruch nimmt, ist ein Verlustgeschäft für die Versicherung und sie will ihn dann natürlich loswerden.

Das ist mir zu einfach!

Jetzt gehe ich mal in mein Fachgebiet. Erst einmal zur Statistik:

Ein Kfz-Haftpflichtschaden verursacht für den Versicherer durchschnittlich einen Aufwand von ca. 3.500.- Euro (incl. Personenschäden).

Der Durchschnittsbeitrag, der gezahlt wird, beträgt ca. 220.- Euro.

Nach Deiner Darstellung müsste man nun jeden Kunden kündigen, der innerhalb der ersten 15 Jahre einen Schaden verursacht, oder zumindest die, bei denen der Schaden im ersten Jahr > 200.- ist (Kosten einmal außen vorgelassen), im 2. Jahr > 400.- Euro, usw.

Das macht natürlich keine Versicherung. Der Versicherer weiß, dass die statistische Wahrscheinlichkeit eines KH-Schadens bei ca. 6,8% liegt, also geht er davon aus, dass der Betreffende die nächsten 14 Jahre schadenfrei bleibt. Bei dem einem sind es eben nur 10 Jahre, dafür bei dem anderen eben 20 Jahre, im Mittel kommt das eben hin.

Bei dem Fall des Fragestellers sieht es natürlich etwas anders aus. Hier hat der Versicherer durch den Schaden selbst dafür einen Anhaltspunkt bekommen, dass hier auch in Zukunft in erhöhtem Umfang Leistungen zu erbringen sind. Das hat er dann eben "ausgenutzt". Ob das fair ist, lasse ich einmal dahin gestellt. Der faire Versicherer hat diese Möglichkeit bedingungsgemäß schon ausgeschlossen.

Kommentar von Kollek ,

... naja, vielleicht sollte den Schaden der Haftpflichtversicherer der Kfz-Versicherung regulieren und dann zum 01.01. des Folgejahres einefach den Vertrag zurückstufen!!

Zu den sicher klugen Informationen fehlen hier, wie auch sonst fast immer, noch ein paar Informationen zum konkreteren Vorgnag von "mein Nachbar". Dafür gibt es aber, auch wie immer, ganz viele "kluge Informationen" nach dem Blick in die Glaskugel.

Antwort
von mig112,

Einen neuen Vertrag bekommt er natürlich nur mit immensen Schwierigkeiten/Mehrkosten/Zuschlägen oder gar Ausschlüssen - aber das war dir doch klar...!?

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