Frage von platy111, 155

Ist es noch ein Vorteil Privatpatient zu sein oder sind die Leistungen/Wartezeiten nun vergleichbar?

Bisher war es ja doch nobel, privat krankenversichert zu sein, kürzere Wartezeiten, besseres medizinisches Angebot. Ist das immer noch so- oder hat sich hier mittlerweile etwas getan. Bekommen die Ärzte noch erheblich mehr Geld für die Behandlung von privat versicherten oder gleicht sich das nun schon ein bißchen mehr an und die gesetzlich Versicherten haben annähernd den gleichen Standard? Man hört ja so oft, privat versicherte würden gern wieder zurück zur GKV. Warum ist das so?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Privatier59, 148

Mein Lieblingsthema! Als Privatpatient komme ich mir zunehmend vor wie jemand der in der Bahnhofsgegend von dunklen Elementen abgezogen und seiner Habe beraubt wird. Nur dass die dunklen Elemente denen der Privatpatient zum Opfer fällt einen weißen Kittel anhaben und in der Lotterie den Dr.med gewonnen haben. Früher -vor Jahrzehnten- gab es oft für Privatpatienten gesonderte Wartezimmer und bevorzugte Behandlung bei der Terminvergabe. Das ist mir schon lange nicht mehr untergekommen. Was ich aber erlebe, ist, dass sämtliche Diagnosegeäte der Praxis an mir erprobt werden. Da kommen schnell etliche hundert Euro nur für die Diagnose zusammen. Ich habe staunen dürfen darüber, dass dies dann zuweilen in absurdem Verhältnis zum Behandlungsaufwand gestanden hat.

Mancher meint: Halb so schlimm, die Kasse zahlt ja. Wer so was sagt, ist einfach ahnungslos. Die Kasse zahlt nur medizinisch notwendige Behandlungen und ich habe schon erleben dürfen, dass mir Ärzte Dinge anzudrehen versuchten, die nicht erstattungsfähig waren. In Zweifelsfällen frage ich lieber vorher meine Versicherung.

Auch muß ich jedes Jahr scharf rechnen: Nehme ich in einem Kalendejahr keine Versicherungsleistungen in Anspruch, dann bekomme ich 3 Monatsbeiträge erstattet. Nur bei Behandlungskosten jenseits dieses Betrags lohnt sich für mich die Regulierung über die Versicherung. Ach ja, 10% der Kosten zahle ich ohnehin als Eigenanteil.

Ich will nicht in die GKV zurück, würde aber jedem der sich privat versichern will anraten, sich das sehr gut zu überlegen.

Kommentar von alfalfa ,

D.H. Sehe ich genau so. PKV kann sehr sinnvoll sein, wenn man genau seinen Vertrag kennt, Ärzten klare Ansagen machen kann, man Kontakte hat und die Altersvorsorge gesichert ist. Motive wie PKV als Sparschwein oder schnellere Terminfindung führen definitiv in die Irre.

Kommentar von jannisw ,

Du hast ganz offensichtlich die falschen Ärzte....

Antwort
von Meandor, 120

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass die Wartezeiten genau so lange sind. Ich hab eine Uni-Stadt mit einem Haufen Fachärzte vor der Tür und keiner davon hat zwei Wartezimmer.

Die einzige Erfahrung die ich bisher gemacht habe, als Privatversicherter bekommt Du leichter und früher einen Termin, bei welchem Du dann trotzdem erst im Wartezimmer sitzt.

Das medizinische Angebot ist für beide gleich, nur die anderen müssen mehr selbst bezahlen und die anderen weniger. Wer jetzt welcher ist, ändert sich je nach Leistung.

Nehmen wir an, ich bin ein gesunder Mensch. Mein KV ist halb PKV, halb Beihilfe. Ich zahl von dem Geld, dass mir auf das Konto überwiesen wurde einen Betrag an die PKV. Ich war im Jahr zwei Mal beim Arzt, dass waren Arztkosten von 150 Euro. Die zahl ich selbst, denn die Behilfe erstattet erst wenn ihr Anteil mehr als 75 Euro ist. Und bei der PKV bekomm ich eine Rückerstattung von 2-3 Monatsbeiträgen, wenn ich nix einreiche.

Der GKVler muss nichts von seinem Konto wegüberweisen. Er geht 2x zum Arzt und muss auch nichts bezahlen.

Bei welchem von Beiden wirkt es besser?

Diejenigen die ich kenne, die in die GKV zurückwollen, denen geht es meist um den Aufwand mit der PV. Rechnungen selber zahlen, das Geld auslegen bis die Erstattung da ist. Rechnungen sammeln und prüfen ob sich ein Antrag überhaupt lohnt und und und...

Antwort
von andreas99, 92

es gibt sicher noch Unterschiede, drum wird doch gerade über die Bürgerversicherung diskutiert. Das viele wieder in die GKV wollen liegt sicher am monatlichen Beitrag...

Antwort
von Meandor, 100

Okay, ich war heute mittag beim Arzt und hab mich mit diesem Unterhalten.

Ein Hausarzt bekommt (in BaWü) von der GKV knapp 44 Euro je Patient UND Quartal, egal wie viele Termine oder Behandlungen. Bei einem Patienten mit Hausarztvertrag sind es 80 Euro, wenn der Patient nicht kommt und 120 Euro, wenn der Patient kommt. Betreut der Hausarzt mehr als 1.400 Patienten bekommt er für die Überzähligen nur noch den halben Quartalssatz.

Kommt ein Privatpatient zu seinem Hausarzt kann er Arzt eine Privatrechnung schreiben. Die besteht aus Terminvereinbarung, Beratung (auch telefonisch), Untersuchung Organsystem. Bei einem günstigen Hebesatz sind das ca. 37 pro Untersuchungstermin. Die Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bringt weitere 7 Euro.

Jetzt ist doch klar, warum manche Ärzte um ihre Privatpatient werben.

Antwort
von gandalf94305, 76

Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, daß Wartezeiten oder überhaupt die Bereitschaft von Fachärzten, neue Patienten anzunehmen, für privat Versicherte deutlich besser sind. Manche Praxen haben sogar zwei Bereiche: den überfüllten Normalbereich und eine Privatpraxis, in der man zuverlässig und rasch Termine bekommt.

In Bezug auf Leistungen sehe ich die PKV auch als Vorteil, denn viele der optionalen Impfungen, Brille, Room-In bei kleinen Kindern im Krankenaus und noch andere Punkte werden von der GKV nicht abgedeckt. Gerade mit kleinen Kindern ist aus meiner Sicht die GKV nachteilig.

Im Alter wird z.B. das Thema Zahlersatz immer relevanter. Auch hier haben die GKV nur geringe Leistungen bzw. hohe Eigenanteile für die Versicherten.

Diejenigen Versicherten, die in jungen Jahren glauben, daß die PKV dauerhaft nur ein Drittel oder die Hälfte des vergleichbaren GKV-Satzes kosten wird, müssen natürlich später ihre Naivität teuer bezahlen, da Rücklagen für die steigenden Beiträge fehlen. Wenn man das jedoch sinnvoll plant, dann ist die PKV aus meiner Sicht durchaus wert zu behalten.

Ich halte daher auch Regelungen, die zwangsweise privat Versicherte aus der PKV in die GKV drängen, wenn sie aus der Selbständigkeit in Angestelltenverhältnisse wechseln, für komplett unsinnig. Es sollte da eine Option geben, aber keinen Zwang.

Kommentar von EnnoBecker ,

Im Alter wird z.B. das Thema Zahlersatz immer relevanter.

Also Zahlersatz hätte ich jetzt schon gern.

Kommentar von gandalf94305 ,

Da war der Wunsch Vater des Gedankens... oder die Finger schneller als der Hauptprozessor :-)

Antwort
von Rentenfrau, 93

Hallo platy111, kann Dir hier meine Erfahrungen mitteilen, es gibt Vor- und auch Nachteile: als Privatversicherter bekommst Du bei Fachärzten (z. B. Augenarzt) oft schneller Termine, die GKV-Versicherten warten hier teilweise monatelang auf einen Behandlungstermin. Die Ärzte können bei Privatversicherten höhere Kosten abrechnen, weil die PKV diese übernimmt (ist aber eher zum Nachteil der Versicherten, das macht wohl auch die Beiträge teurer). Privatversicherte haben oft das Ein-Bett-Zimmer, die Chefarztbehandlung und den Heilpraktiker mit dabei, die GKV-Versicherten weniger. Nachteile sehe ich auch: bei der PKV gibt es KEINE kostenlose Familienmitversicherung, wenn man Frau (die z. B. nach der Babypause länger nicht arbeitet) und Kinder hat, kann das relativ teuer werden. Die PKV übernimmt bei Kuren nur die med. Kosten, auf den Übernachtungs- und Essenkosten bleibt man sitzen, daher wird eine Reha ziemlich teuer. Und ältere PKV-Versicherte würden manchmal gerne in die GKV zurückwechseln, wenn bei ihnen mit den Jahren die Beiträge angestiegen sind, aber ab 55 J ist generell keine Rückkehr möglich. Die PKV-Versicherten zahlen oft in jungen Jahren bei der PKV viel niedrigere Beiträge, versäumen es aber in diesen Jahren Geld für die späteren Jahre zurückzulegen.

Antwort
von SBerater, 71
  • Kosten: warum sollte sich da was geändert haben? Die Kostenverteilung und die Abrechnungsmodelle haben sich nicht geändert.
  • Wartezeiten: hier kommt es auf den Arzt oder die Klinik selbst an. Ich habe es bisher nur einmal in meinem Leben explizit mitbekommen, dass Privatpatienten bevorzugt behandelt wurden und einen separaten Eingang bekommen haben. Die meisten Ärzte sind hier neutral
  • Wechsel in die GKV: das liegt an den Beiträgen. Viele sind in der Privaten und haben in ihrem Leben eine Situation, in der sie sich die Beiträge nicht mehr leisten können. Zusätzlich kommt im Alter dazu, dass die Beiträge sehr, sehr hoch sind. Und diese werden nicht angepasst, auch wenn man weniger verdienen sollte. Das ist ein logischer Aspekt.

Wenn es um die Leistung geht: hier sehe ich wenig Unterschied in dem Sinne: die Grundversorgung ist gleich. Geht es um Leistungen darüberhinaus, dann decken die GKVen diese oft nicht ab, die PKVen schon. Oder man ist in der GKV und hat eine Zusatzversicherung oder zahlt selbst zu, dann ist das Ergebnis das gleiche.

Hinter der GKV steckt der Staat. Und die regeln die Leistungen. Die Versicherungen können hier wenig machen.


Man sollte bei alldem nicht vergessen, dass viele Ärzte sich als Unternehmer sehen, die ihren Umsatz optimieren wollen. Daher drehen sie einem oft Leistungen an, die man nicht braucht.

Kommentar von alfalfa ,

D.H. Doch die Kosten haben sich geändert:

  • Höhere GOÄ/GOZ
  • Medizinischer Fortschritt
  • mehr Personen als Nichtzahler
  • vesenkter aktuarischer Unternehmenszinz

Fazit: Beitragssteigerung.

Antwort
von gammoncrack, 61

Aufgrund der unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten, von denen eben einige von den gesetzlichen Versicherungen nicht übernommen werden, ist es sicherlich von Vorteil, privat versichert zu sein. Natürlich gibt es auch weitere Vorteile, voin denen sich manche durch Zusatzversicherungen fast ausgleichen lassen. Allerdings ist die geringere Wartezeit beim Arzt nicht zusätzlich zu "erkaufen". Ein Riesenvorteil.

Das privat Versicherte gerne wieder in die gesetzliche Versicherungzurück wollen, ist bei den Beitragssteigerungen, die sich ja sehr stark im Alter auswirken, durchaus nachvollziehbar. Ich kann da nämlich ein Lief von singen.

Kommentar von NasiGoreng ,

Aufgrund der unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten, von denen eben einige von den gesetzlichen Versicherungen nicht übernommen werden, ist es sicherlich von Vorteil, privat versichert zu sein.

Es ist immer von Vorteil reich zu sein und - vor allem - das auch lebenslänglich zu bleiben.

Dann stören die hohen Kosten der PKV wenig; schon gar nicht, wenn man dazu noch ein wenig dumm ist und sich nicht daran stört, dass der Medizinbetrieb, für vergleichbare Leistungen, bei den privat Versicherten die zwei bis dreifachen Kosten in Rechnung stellt.

Kommentar von alfalfa ,

Schon mal Ersatzteile für eine Coronar Erkrankung bestellt? Dann genau weißt Du was PKV bringt.

Kommentar von gammoncrack ,

Das leicht minderbemittelte Reiskörnchen weiß überhaupt nicht, was das ist.

Antwort
von alfalfa, 56

Mal anders aufgezogen. Am Beispiel ambulante Versorgung. Ärzte sind auch Unternehmer. Für GKV Versicherte werden sie nach EBM bezahlt, die Kontingente pro Krankheitsfall sind gedeckelt. Selbstzahler (PKV) werden nach GOÄ/GOZ abgerechnet. Der Unterschied EBM zu GOÄ beträgt zwischen Faktor 2,7 bis hin zu Faktor 20. D.h. Selbstzahler bringen einen deutlich höheren Umsatz, wobei der Preis auch über die GOÄ noch frei verhandelbar ist. Anders gesagt: 10% PKV Versicherte machen knapp 25% des Praxisumsatzes aus. Ich denke das allein erklärt schon, das es zum Teil nur noch Praxen gibt die Selbstzahler behandeln bzw. diese vorrangig Termine bekommen. Auch in den anderen Sparten stationär und dental ist das Absicherungsniveau (je nach Tarif) deutlich höher. Das Absicherungsniveau ist m.E. der einzige Grund eine PKV zu wählen (Bes

Kommentar von alfalfa ,

Besonderheit Beamte aussen vor gelassen. Da viele die PKV als Sparschwein verstehen wundert man sich über überproportionale Beitragsanpassungen im Alter. Da dann oft nicht die Altersvorsorge steht versucht man gerne in die GKV zurückzukommen.

Antwort
von Helge001, 50

Die Frage ist schon interessant. Folgende Sache durfte ich dieses Jahr bei einem Gefäßarzt und einem Zahnarzt erleben.

Der Gefäßarzt war der Meinung die Nr. 34 der GOÄ auf der Abrechnung anzusetzen.

Ich zitiere hier die GOÄ: „Erörterung (Dauer mindestens 20 Minuten) der Auswirkungen einer Krankheit auf die Lebensgestaltung in unmittelbarem Zusammenhang mit der Feststellung oder erheblichen Verschlimmerung einer nachhaltig lebensverändernden oder lebensbedrohenden Erkrankung – ggf. einschließlich Planung eines operativen Eingriffs und Abwägung seiner Konsequenzen und Risiken –, einschließlich Beratung – ggf. unter Einbeziehung von Bezugspersonen“.

Dafür hatte er 40 EUR angesetzt. Jedoch traf dies überhaupt nicht zu und er musste die Rechnung ändern. Für die Änderung eines Rezeptes, wofür ich nun gar nicht konnte, sollte ich auch noch bezahlen. Dies wurde von mir abgelehnt und letztendlich akzeptiert.

Mein Zahnarzt war der Meinung, die Zahnreinigung um fast 100% zu erhöhen. Das hieß, von ehemals 55 EUR wollte er nun von mir 105 EUR. Der Kassenpatient bezahlt für die selbe Leistung 42 EUR. Die Argumentation vom Zahnarzt, die Gebührenordnung wurde Januar 2012 geändert, ließ ich so nicht gelten. Wir einigten uns dann zukünftig auf 75 EUR pauschal.

So siehts mit der Abzocke von Privatpatienten aus. Das man teilweise geringere Wartezeiten hat, ist der einzige Vorteil. Dafür wird aber auch ordentlich zugelangt.

Kommentar von hildefeuer ,

mit 75€ ist die Zahnreinigung noch teuer. Man bekommt sowas ab 30€.

Kommentar von NasiGoreng ,

Wenn man sich die Zähne selber putzt ist es noch viel billiger.

Kommentar von Helge001 ,

Putzen alleine entfernt leider keinen Zahnstein.

Kommentar von Helge001 ,

hildefeuer, im Schnitt kostet die professionelle Zahnreinigung, nicht die einfache, 75 EUR.

Antwort
von Niklaus, 48

Das ist wohl so wie du es beschreibst. Aber Tatsache ist auch, das die Privatversicherten vielen Arztpraxen überhaupt das Überleben absichern. D.h. die Privatversicherten sichern die Arbeitsplätze.

Kommentar von NasiGoreng ,

die Privatversicherten sichern die Arbeitsplätze.

...bei den Vermögensverwaltern und den Finanzvertrieben.

Kommentar von Niklaus ,

Sorry aber das ist Quatsch. Ich habe dies von Ärzten direkt erfahren.

Kommentar von NasiGoreng ,

Schätze mal, in dieser Angelegenheit sind Ärzte Partei und vertreten die Argumente ihres Berufsstandes.

Kommentar von alfalfa ,

30 % des "Umsatzes" einer ambulanten Arztpraxis werden von 10% Selbstzahlern erwirtschaftet. Den Rest kann man mit nordhessischem Dreisatz errechnen.

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