Frage von Brigi123, 64

Ist es nicht ungerecht, dass nur die KV- und Pflegeversicherungsbeiträge vom Gewinn abgezogen werden (ESt), und nicht die RV - bei Selbständigen?

Weshalb werden nicht auch die Rentenvorsorgebeträge vom Gewinn abgezogen? Es ist wohl eine Änderung seit 2009 (?), vorher wurde KV nur bis zu einer Grenze berücksichtigt, nun unbegrenzt.- dafür bleiben dann aber die RV-beiträge unberücksichtigt.

Aber z.B. beim BAFöG (Berechnung des Elterneinkommens) werden von meinem Gewinn ca. 35% “Sozialabgaben“ abgezogen, und das ist ja auch gerechtfertigt.

Meine Frage an die bekannten Fachleute: Gibt es Klagen diesbezüglich, müßten nicht sowohl KV, Pfl. als auch RV-beiträge vom Gewinn abgesetzt werden zur Ermittlung des zu versteuernden Einkommens bei der Einkommenssteuer? Wenn ja, gibt es Aussicht auf Erfolg?

Mein ESt-Bescheid scheint ja insofern vorläufig zu sein. Ich bin freiberuflich tätig ohne Umsatzsteuer und habe keinen Steuerberater. 

Vielen Dank schon mal.

Antwort
von wfwbinder, 37

Kann es sein, dass Du über die, leider komplizierte Berechnung, nur unvollständig informiert bist?

In der Gewinnberechnung werden diese Ausgaben überhaupt nciht berücksichtigt.

Es sind Vorsorgeaufwendungen (§ 10 EStG Sonderausgaben) wobei sowohl Krankenversicherungsbeiträge wie auch Beiträge für eine eigene Altersvorsorge abzugsfähig sind.

Allerdings in begrenzter und nicht unbegrenzter höhe.

Antwort
von Brigi123, 30

Hallo WfbBinder, Danke für die Antwort. Es geht mir nicht um die Gewinnermittlung, sondern um den Vorsorgeaufwand. Ich rege mich auf über die Begrenzung der anerkannten Vorsorgeaufwendungen (die ich übrigens nicht in der Gewinnermittlung abziehen wollte). Das FA hat aufgrund der z.Zt. geltenden Regelungen sicher richtig gehandelt. Also meine KV, Pfl, Zusatzvers. betrugen 6.702,- Euro. Damit war die Grenze überschritten und die Altersvorsorge von 1.800,- € wurde nicht auch noch vom Gewinn abgezogen zur Ermittlung des zu versteuernden Einkommens. Rechtlich ist das wohl korrekt z.Zt, aber ich empfinde als nicht richtig und fragte deshalb, ob wohl schonmal jemand dagegen geklagt hat bzw. ob Verfahren anhängig sind. In meinem Einkommenssteuerbescheid steht: "Die Festsetzung der Einkommenssteuer ist gem. § 165 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 ao vorläufig hinsichtlich - der Nichtabziehbarkeit von Beiträgen zur Rentenversicherung als vorweggenommene Werbungskosten bei den Einkünften im Sinne des § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchstabe a EStG" Viele Grüße, Birgit

Kommentar von Brigi123 ,

jetzt hab doch selbst leider die Absätze vergessen in der Aufregung...Sorry

Kommentar von Gaenseliesel ,

Hi,  du hast anscheinend dazu bereits einen "Vorläufigkeitsvermerk" - also warte der Dinge, bis darüber höchstrichterlich entschieden wurde. 

Ein Einspruch ist nur notwendig, wenn dazu keine Vorläufigkeit im Bescheid vermerkt wäre. 

Kommentar von wfwbinder ,

OK, dann ist es keine steuerliche Frage, sondern eine steuerpolitisch, rechtssystematische Frage.

Keine Frage, da hast Du recht. Auch isch fände es besser, wenn die Regelung einfacher wäre in der Form:

Für Vorsorgeauswendungen kann jeder Stpfl. Summe X (z.B. 10.000,-, oder 12.000,-) als Sonde ausgaben abziehen. Soweit Arbeitgeberbeiträge zu solchen Ausgaben gezahlt wurden, sind diese von dem Betrag zu kürzen. 

Damit wäre eine Steuergerechtigkeit für die Leute hergestellt, die die gesamten Beiträge allein leisten müssen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten