Frage von Fragfreund,

Ist es erfolgversprechend gegen Riester "Drückertruppen" rechtlich vorzugehen ?

Ich möchte , um einer mißverständlichen Auslegung meines Beitrages (die hier an der Tagesordnung sind) vorzubeugen, betonen, dass sich mein Beitrag nicht gegen all die seriösen Versicherungsleute richtet.

Mit Entsetzen und Abscheu habe ich den Titelbericht "Sparen für später:Was übrigbleibt" im neusten "Spiegel" (Nr. 19) gelesen.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2013-19.html

Vor allem die Ausführungen über die Riester Angebote haben mich wütend und sprachlos gemacht. Demnach gibt es Riester-Fonds bei denen bis zu 40% des Rentenkapitals für Gebühren anfallen. In einer anderen fondsgebundenen Rentenversicherung waren es sogar 75% der Beiträge. Nach Ausführungen des Spiegels würden an einem Fond die Versicherungsleute, die Anlageverwalter, mindestens ein Verkäufer und bei Strukturbetriebeb sogar noch dessen Vorgesetzte verdienen. Derartige , als "Drückerkolonnen"verschrienen Truppen,mit denen nach den Ausführungen fast alle großen Versicherer zusammenarbeiten würden, dürften in Deutschland Produkte mit staatlichem Riester- oder Rürup-Stempel verkaufen. "Riestern ist oft nicht besser, als das Geld in den Sparstrumpf zu stecken" lautet das Fazit (Spiegel 47/2011). Der Versicherte müsse schon das Greisenalter erreichen, damit das eingesetzte Geld akzeptable Rendite abwerfe.

Wie gesagt, 13 Seiten Horror, dessen Lektüre sicherlich nicht nur dem verantwortungsvollen Altersvorsorgeversicherungsberater (oder wie immer man sich fantasievoll nennen mag) besser zu Gesicht stehen würde, als das Studium der hauseignen Glanzprospekte.

Bei anderen Altersvorsogemodellen führte der Spiegel monatliche Aufwendungen von bis zu 2353 Euro an, um eine Zusatzrente von 1000 Euro zu erhalten (bei einer Rendite von 0 % und einer Inflation von 2,5%).

**Meine Frage also: Hat Ihrer/Eurer Meinung nach ein strafrechtliches (nicht zivilrechtliches-das ist mir klar, dass das geht) Vorgehen Aussicht auf Erfolg, gegen Unternehmen/Einzelpersonen die Verträge verkaufen, wohlwissend, dass am Ende ggf. nur um die 50% des eingezahlten Kapitals übrig bliebt, was inflationsbereinigt vielleicht nur noch 25% an Kaufkraft entspricht ? Und welche Delikte kämen evtl. zum Tragen ?."

Auch andere Gedanken,Korrekturen und Richtigstellungen zu dem Artikel ,soweit vorliegend, ansonsten zu der grundsätzlichen Problematik sind natürlich willkommen.

Gruß fragfreund

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Privatier59,

Und welche Delikte kämen evtl. zum Tragen ?

Wer das weißeste Weiß anpreist und es wird nicht weißer als bei einem X-beliebigen anderen Waschpülverchen kommt deshalb nicht ins Gefängnis. Warum sollte da für Finanzprodukte was anderes gelten? Man muß da ja doch deutlich unterscheiden zwischen den großen bunten Überschriften und den kleingedruckten Vertragsbedingungen. Entscheidend sind die Letztgenannten. Wenn ein Großteil der Bevölkerung die nicht durchliest, dann ist das deren Problem. Strafrechtlich sehe ich da nicht die geringste Handhabe. Und im übrigen darf ich Dich in Deiner Empörung mal bremsen: Was bitteschön ist denn mit der gesetzlichen Rentenversicherung? Wie sieht es denn da mit der Rendite aus? Sperrt man dann eventuell Politiker aller Parteien auf Lebenszeit in den Bau nur weil sie die Gesetze dafür verbockt haben? Das wäre gewiß eine charmante Idee, denn da könnten die wenigstens keinen weiteren Unfug anstellen, trotzdem erscheint sie mir wegen grundsätzlicher und grundgesetzlicher Bedenken leider nicht durchführbar.

Kommentar von Fragfreund ,

Sperrt man dann eventuell Politiker aller Parteien auf Lebenszeit in den Bau nur weil sie die Gesetze dafür verbockt haben? Das wäre gewiß eine charmante Idee, denn da könnten die wenigstens keinen weiteren Unfug anstellen, trotzdem erscheint sie mir wegen grundsätzlicher und grundgesetzlicher Bedenken leider nicht durchführbar.

Das kostet ja noch mehr Geld. Weil man dann die Stellen mit neuen Köpfen besetzen muß und die alten in den Gefängnissen durchfüttern muß..

Entscheidend sind die Letztgenannten. Wenn ein Großteil der Bevölkerung die nicht durchliest, dann ist das deren Problem. Strafrechtlich sehe ich da nicht die geringste Handhabe.

Leider ist es so und ich kann nur meine Beobachtungen kommunizieren, dass gerade Arbeitnehmer in prekären Arbeitsverhältnissen sich den Riester Quatsch anschwatzen lassen. Weil es eben an Bildung fehlt und weil man eben gerade dort das Gespenst der extrem niedrigen Rente besonders gut anbringen kann. Der Akademiker oder Topverdiener findet andere "Altersicherungen" (sofern überhaupt notwendig).

Es gibt in der Tat viele, die sich hoch verschuldet haben, einen sehr schlecht bezahlten Job haben und dennoch einen relativ hohen Riester Beitrag leisten. Ich möchte den Begriff "Prekariat" ungern verwenden. Diese Leute haben erst einmal ein primäres Problem. Was in 30 Jahren ist kann nur jemand mit der Glaskugel beantworten. Vielleicht hat das Volk bis dahin die "Bastille" erstürmt.

Und das (mit den schlecht Verdienenden)ist meiner Meinung nach das "kriminelle" an der ganzen Sache. Das ist dann in der Tat so eine Sache mit dem Durchlesen. Die Alternative wäre für diese Menschen, überhaupt keine Riesterverträge mehr zu unterschreiben. Einem einfachen Menschen zu "befehlen" , etwas zu verstehen, kann auch nicht Sinn der Sache sein. Wenn ich also jemandem etwas andrehe, bei dem ich sehe, dass er das ganze nicht versteht, handele ich kriminell und dies ist meiner Meinung nach zu ahnden.

Antwort
von alfalfa,

Natürlich ist das Pflichtlektüre. Investigativer Journalismus immer. Besonders wenn er gut recherchiert ist. Das bedarf doch keiner weiteren Kommentierung, oder?

Antwort
von Niklaus,

Ohne den Artikel zu kennen, kann das doch niemand seriös beantworten.

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