Frage von Hape83,

Ist eine Zuzahlung zur arbeitgeberfinanzierte betriebl. Pensionskasse aus eigener Tasche sinnvoll?

Liebe Gemeinde,

mein Arbeitgeber bietet mir eine arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersversorgung (Pensionskase). Nun habe ich von Kollegen gehört, dass diese zusätzlich, aus eigener Tasche, den Betrag vom Arbeitgeber aufstocken um dadurch ein geringeren Bruttolohn und damit geringere Abzüge zu haben. Nach Rücksprache mit meinem Versicherungsmakler, der mir davon abgeraten hat, bin ich nun verwirrt. Er sagt nämlich, wenn ich jetzt dazuzahle werde ich es später, wenn ich das Geld aus der Versicherung erhalte, zu einem höheren Prozentsatz versteuern müssen, als wenn ich mir parallel eine eigene private (ohne Arbeitgeberzuzahlung) Altersvorsorge anschaffe.

Jetzt wollte ich von euch wissen, wie ihr das handhabt. Habt ihr auch eine arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersversorgung? Stockt ihr diese auch aus eigener Tasche auf? Sollte ich das auch machen? Was empfiehlt ihr mir?

LG Hape

Antwort
von Kevin1905,
  • Bei einer arbeitgeberfinanzierten PK besteht für gewöhnlich nicht von Anfang an Unfervallbarkeit sondern meist erst nach 5 Jahren. Ist dies der Fall und du scheidest z.B. nach 4 Jahren aus dem Unternehmen aus beträgt dein Anspruch auf Betriebsrente 0,- €. Arbeitnehmerbeiträge, da es sich um umgewandelten Barlohn handelt (Entgeltumwandlung), wären sofort unverfallbar.
  • Die bAV ist im Rentenbezug zu 100% steuerpflichtiges Einkommen, außerdem müssen Beiträge zur Krankenversicherung der Rentner (Ausnahme: private Krankenversicherung besteht im Alter) bezahlt werden.
  • Eine private nicht geförderte Altersvorsorge wäre der dritten Schicht zuzurechnen. Es gibt zwar keine steuerliche Begünstigung in der Beitragsphase, dafür wird im Alter aber auch nur der Ertragsanteil besteuert, nicht die komplette Rente/Kapitalabfindung (vgl.: Halbeinkünfteverfahren, § 22 EStG).

Was letztendlich für dich finanziell gesehen sinnvoller ist, kann dir der Makler durchrechnen, also würde ich ihn bitten dir beide Varianten mal hochzurechnen und aufzuzeigen. Danach kannst auch unter den von mir genannten Gesichtspunkten besser eine Entscheidung treffen. =)

Kommentar von GAFIB ,

DH - sehr gut!

Antwort
von mbb84,

Meiner Erfahrung nach lohnt sich die sogenannte Entgeldumwandlung schon. Immerhin zahlst du somit einen Teil deines Bruttolohns in eine Altersvorsorge ein.

Antwort
von billy,

Das muss wirklich jeder für sich entscheiden, wie bei fast jeder Überlegung gibt es "zwei Seiten der Medaille" die man sorgfältig analysieren sollte. Sicher die arbeitgeberfinanzierte und eventuell durch Entgeltbestandteile aufgestockte Altersvorsorge bietet in der Ansparphase folgende Vorteile: Bruttosparen - keine Steuern und Sozialbeiträge und dadurch verringerte Steuer- und Sozialabgaben vom laufenden Entgelt. Aber Steuern und Sozialabgaben müssen später in der Auszahlungsphase geleistet werden, zusätzlich wird durch das verringerte Einkommen in der Erwerbsphase weniger Rentenbeitrag eingezahlt und die spätere Rente damit gemindert. Das Argument des Versicherungsmaklers trifft nur zu wenn die Betriebsrente am Ende des Erwerbslebens in einer Summe ausgezahlt wird. Dies ist aber in den meisten Fällen nicht der Fall weil die Arbeitgeberrenten wie es der Name schon sagt verrentet werden d.h. monatliche Auszahlung.

Antwort
von LittleArrow,

Da dürfte dieser Link für Dich interessant sein:

http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2012/1213/rente.php5

Mit Deiner Gehaltsumwandlung spart der Arbeitgeber Gehaltsnebenkosten; von der Ersparnis gibt er Dir nichts ab!

Die Vorteile einer Gehaltsumwandlung in eine Direktversicherung wurden meinem Bruder später von der Bundesregierung/Gesetzgebung im Nachhinein teilweise gestohlen. Plötzlich musste er Kranken-/Pflegekassenbeiträge auf vorher nie KV/PV-pflichtige Gehaltsbestandteile zahlen.

Kommentar von LittleArrow ,

Ergänzung: "..... Gehaltsbestandteile zahlen, da er oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze verdiente."

Kommentar von Chris891 ,

ganau das meinte ich auch mit "nicht übermäßig viel kohle scheffeln" ;) manche arbeitgeber zahlen einen zuschuss, sogar recht viele wie ich aus erfahrung sagen kann. und dieser beläuft sich oftmals auf die gesamten sozialversicherungsersparnisse des AG...

Antwort
von Chris891,

wenn du noch was für dein Alter machen willst/musst (das weißt du hoffentlich durch deinen Makler), empfielt es sich auf jeden Fall, Weihnachts -bzw. Urlaubsgeld oder einfach laufende Beiträge in die PK zu zahlen. Auch wenn man die Rente oder das Kapital später versteuern muss und sogar KV Beiträge dafür zahlen muss. Grade auch, weil der AG einen Zuschuss gibt ;) Vllt, gewährt er dir ja sogar einen weiteren Zuschuss, wenn du selber nochmal was vom Brutto umwandelst..(daran spart der AG ja wiederum Lohnnebenkosten)

Ein gut durchdachter PK Vertrag ist wichtig...und gut! Mach dir aber Gedanken zum Thema Zufriedenheit im Unternehmen..ich will damit sagen, dass es nicht absehbar ist, das du in der nächsten Zeit kündigst oder gekündigt wirst. Denn dann sinkt auch wieder die Chance auf einen höhren Zuschuss ;) Und man hat nachher bürokratischen Aufwand,wenn du den AG wechselst...

Wie meine Vorposten aber sagten, ist es immer die Frage, was du willst. Wenn ich die Wahl zwischen einer Betriebsrente und einer Privatrente hätte und beispielsweise 100 Euro für mein Alter sparen will, würde ich grundsätzlich immer die Betriebsrente nehmen. Denn die Förderung ist einfach unschlagbar und kein anderes Altersvorsorgeprodukt kann da mithalten... (ich gehe nunmal davon aus, das du ein ganz normaler, arbeitender Mensch bist, der nicht übermäßig viel kohle scheffelt)

Kommentar von Niklaus ,

Denn die Förderung ist einfach unschlagbar und kein anderes Altersvorsorgeprodukt kann da mithalten..

Schau dir mal meine Berechnungen an.

Antwort
von Niklaus,

Es ist auf alle Fälle schon mal gut, wenn der AG eine AG-finanzierte betriebliche Altersversorgung anbietet. Für die Beiträge die du hier auch noch abführen kannst, zahlst du keine Steuer und keine Sozialversicherungsbeiträge. Außerdem gilt für die Anwartschaft der Altersversorgung das was Kevin bereits geschrieben hat. Ob du nun deine Altersversorgung mit einer betrieblichen oder mit einer privat Altersvorsorge aufstockst, ist abhängig, von vielen anderen Punkten.

Deshalb sollte die wirklich wichtige Frage zur Altersvorsorge für dich lauten: „Welche Altersvorsorge ist für mich optimal“? Die Altersvorsorge ist seit 2005 in 3 Schichten aufgeteilt. Schicht 1 Basisversorgung: gesetzliche Rentenversicherung und Basisrente (Rürup-Rente). Schicht 2 Zusatzversorgung: betriebliche Altersvorsorge und Riester-Rente. Schicht 3 Kapitalanlagen: Private Renten- bzw. Kapitallebensversicherungen und Aktienfondssparpläne etc. Weder die optimale Schicht noch die Art der Altersvorsorge kann man pauschal festlegen. Jede Form der Altersversorgung hat unterschiedlich hohe Aufwendungen zum Ansparen einer gleichen Nettorente. Deshalb ist es wichtig, dass vor Abschluss jeglicher Altersvorsorge ein qualitativer und quantitativer Schichtenvergleich durchgeführt wird. Denn es ist ein großer Unterschied, ob man von der ausgezahlten Rente noch Steuern und ggf. Krankenversicherung zahlen muss oder nicht.

Beispiel:

Mann, ledig, 34 Jahre alt, Versorgungslücke ab dem 67. Lebensjahr 540 € monatlich (=erforderliche Nettorente)

Um die Versorgungslücke von 540 €/Monat netto abzudecken, werden folgende Bruttorenten je Schicht benötigt:

  • Basisrente: 779 €
  • Direktversicherung, Pensionsfonds, Pensionskasse: 1.050 €
  • Unterstützungskasse, Pensionszusage: 1.050 €
  • Riesterrente: 779 €
  • Private Leibrente: 568 €
  • Investmentfonds-Auszahlungsplan: 690 €

Der erforderliche Beitragsaufwand monatlich, um die Versorgungslücke abzudecken, beträgt:

  • Basisrente: 210 €
  • Direktversicherung, Pensionsfonds, Pensionskasse: 302 €
  • Unterstützungskasse, Pensionszusage: 302 €
  • Riesterrente: 210 € (damit wird aber nicht die komplette Versorgungslücke gedeckt)
  • Private Leibrente: 110 €
  • Investmentfonds-Auszahlungsplan: 116 €

Die Differenz zwischen Bruttorente und Nettorente sind Steuern und Beiträge für die Krankenversicherung. Ausgehend von den unterschiedlichen Bruttorenten, ist die Höhe des monatlichen Aufwands natürlich auch unterschiedlich. Bei der Ermittlung des Nettoaufwandes müssen nämlich noch die unterschiedlichen staatlichen Förderungen und die unterschiedlichen Renditen der Vorsorgeformen eingerechnet werden.

Kommentar von LittleArrow ,

Hinweiswürdig bei Deinen Zahlenangaben finde ich u.a., dass der junge Mann über 33 Jahre € 1.250 monatlich aus seinem Einkommen für das zusätzliche Netto-Sparziel von € 540/Monat abzweigen muss (zumindest habe ich das so verstanden). Dabei erfolgen Einzahlungen über € 1.134/Monat (=91%) in feste, nahezu unauflösliche Kapitalsammeltöpfe, an die er in schwierigen finanziellen Situationen nicht mehr herankommt.

Lediglich mit dem Investmentfonds-Sparplan über € 116/Monat (= 9 %) hat er eine jederzeit verfügbare finanzielle Reserve.

Erstes Fazit: Hoffentlich hat er zusätzlich noch weitere Reserven für die Wechselfälle bis zur Rente angespart.

Ferner fällt mir auf, dass bei den ersten 4 "Spar"formen ein "Ertrags"-Verhältnis zwischen Bruttorente und Beitragsaufwand von ca. 3,x : 1 nötig ist und bei den letzten beiden ein Verhältnis von 5 (bis 6) : 1. Da liegt doch die Frage nahe: "Warum erhöht man nicht den Einsatz bei den letzten beiden Sparformen?"

Zweites Fazit: Nimmt man noch die Ungewissheit hinzu, dass der Staat in den geplanten nächsten 33 Jahren bis zur Rente an allen 6 genannten Sparformen "herumschrauben" wird, um zusätzliche Steuern, KV- und PV-Beiträge zu erheben, dann bleibt doch relativ wenig Entscheidungsspielraum, um sich bei den ersten 4 festen Sparformen flexibel anzupassen.

Drittes Fazit: Und es bedarf noch eines erheblichen weiteren Nettoeinkommens für Zwecke der Immobilienfinanzierung.

Gretchenfrage: "Wie hoch muss das heutige monatliche Bruttoeinkommen sein, um diese finanziellen Aufgaben stemmen zu können?"

Kommentar von Niklaus ,

Hinweiswürdig bei Deinen Zahlenangaben finde ich u.a., dass der junge Mann über 33 Jahre € 1.250 monatlich aus seinem Einkommen für das zusätzliche Netto-Sparziel von € 540/Monat abzweigen muss (zumindest habe ich das so verstanden).

Das hast du natürlich komplett mißverstanden. Der Beitragsaufwand für eine Basisrente wären 210 € um damit ein Bruttorente von 779 € zu erzielen. Nach Abzug von Steuer wäre somit 540 € Netto übrig. So musst du auch alle anderen Positionen sehen.

Die eingesetzten Renditen sind statistische Werte der letzten Jahre. Der Schichtenvergleich ermittelt unter Berücksichtigung der persönlichen Situation, Familienstand, Anzahl Kinder, dem zu versteuernden Einkommen, bereits bestehende Vorsorgen, Art der Krankenversicherung und Inflation vor und nach Renteneintritt, den Vorsorgeweg, der den geringsten Nettoaufwand hat, um die 540 € Netto zu generieren.

Welche Form letztendlich gewählt wird, hängt natürlich von den Präferenzen des Kunden ab. Außerdem findet man in der Praxis fast niemand , der noch keine Vorsorge irgendwelcher Art hat. Meistens ergeben sich verscheiden Kombinationen der Vorsorgewege.

Zweites Fazit: Nimmt man noch die Ungewissheit hinzu, dass der Staat in den geplanten nächsten 33 Jahren bis zur Rente an allen 6 genannten Sparformen "herumschrauben" wird, um zusätzliche Steuern, KV- und PV-Beiträge zu erheben,

Das ist durchaus möglich, aber auch nur Spekulation. man kann nur von dem ausgehen, wie der aktuelle stand der Gesetzgebung ist. Aber auch hier lässt sich flexibel vorsorgen.

Kommentar von LittleArrow ,

natürlich komplett mißverstanden

Dann fehlte offenbar in der Antwort der Zusatz, dass diese 6 Sparformen jeweils alternativ zu sehen sind, um zum Sparziel € 540 nach Steuern zu kommen. Wobei es natürlich auch zu Kombinationen kommen kann.

Beitragsaufwand für eine Basisrente wären 210 € ...

Aber der für die 6 Varianten genannte Beitragsaufwand ist brutto, also vor steuerlichen Wirkungen oder?

Kommentar von Niklaus ,

Aber der für die 6 Varianten genannte Beitragsaufwand ist brutto, also vor steuerlichen Wirkungen oder?

Der Beitrag muss ja gezahlt werden pro Monat. Ist somit natürlich aus versteuertem Geld zu zahlen.

Die Software berücksichtigt alle steuerlichen Belange in der Einzahlungsphase und auch in der Rentenphase.

Kommentar von Niklaus ,

Natürlich außer dem Beitrag für die betriebliche Altersvorsorge, der wird ja nicht versteuert.

Antwort
von Candlejack,

Die bisherigen Antworten könnte ich nur wiederholen, die sind gut. Aber wieso fehlt hier unser grundsätzlicher bAV-Kritiker, der sonst doch alles schlecht redet und regelmäßig Anti-Tipps schreibt ;-) ?

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