Frage von herzneun, 20

Ist eine Nebenkostennachzahlung mit gleichzeitiger Mieterhöhung um jährlich 10,-- Euro gerechtfertigt?

Seit 9 Jahren habe ich das Problem, dass ich jedes Jahr mit der Nebenkostenabrechnung die gleichzeitige Anweisung des Vermieters bekomme, die Nebenkosten um 10,-- zu erhöhen, so dass ich nunmehr seit genau dieser Zeit jedes Jahr 10,-- Euro mehr an Miete zahlen muss, ganz egal, ob die Endabrechnung nur 20,-- Euro Nachzahlung oder jede andere Summe beträgt. Es ist jeweils eine Betriebskostenerhöhung, da ich eigentlich auch im Winter nur ganz wenig heize. Ich bin jetzt an den Punkt gekommen, wo ich das nicht mehr weiter bezahlen kann und will, zumal ich inzwischen auch weiß, dass andere Mieter im Haus dieses Problem nicht haben. Viele klagen gegen den Vermieter bzw. haben schon geklagt, mir wurde von Nachbarn gesagt, dass es sich hier ja wohl nicht um eine Mieterhöhung handele, da ja die Grundmiete nicht erhöht wird. Egal ob Grundmiete oder Betriebskosten, zahlen muss ich doch sowieso! Wir sind seit 2 Jahren 1 Person weniger, trotzdem hört das nicht auf und ich muss nachzahlen bzw. mehr Miete bezahlen, obwohl unsere Heizgewohnheiten und Sonstiges sich nicht geändert haben. Mieterschutzbund kann ich nicht bezahlen und klagen will ich auch nicht unbedingt. Die nächste Abrechnung müsste in den nächsten Tagen kommen. Umziehen kann ich auch nicht, das kann ich zur Zeit einfach nicht bezahlen und Hilfe bekomme ich sowieso nicht. Was soll ich denn bloß tun? Ich kann doch nicht einfach die Zahlung verweigern, und wenn ich dem Vermieter einen Brief schreibe, dass ich das anzweifle und nicht bezahle, reagiert der sicher nicht!

Antwort
von Luscinia, 15

Der erste Rat ist: Wende Dich an einen Mieterverein.

Wenn Du das nicht kannst, bleibt Dir doch nur übrig, selbst analytisch ran zu gehen.

Du hast vom Vermieter eine Nebenkostenabrechnung bekommen, aus der hervorgeht, dass Du im Lauf des vergangenen Jahres zu wenig bezahlt hast. Der Betrag dieser Nachzahlung wird durch 12 Monate geteilt und auf den zukünftigen Nebenkostenabschlag aufgeschlagen, damit es im kommenden Jahr nicht wieder zu solch einer hohen Nachzahlung kommt. Im Jahr drauf bekommst du wieder eine Nebenkostenabrechnung, wieder steht drin, dass Du zu wenig bezahlt hast und nachzahlen musst und sich deshalb zukünftig die Nebenkostenabschläge erhöhen.

Jetzt bist Du dran:

Welche Posten haben sich wie verändert im Vergleich zum Vorjahr? Gibt es Posten, die im Vergleich zum Vorjahr außergewöhnlich stark gestiegen sind? Steht irgendwo eine Erklärung dafür? Frag ggf. den Vermieter nach den Belegen oder Gründen für diesen Anstieg.

Welche Posten sind überhaupt so alles in der Abrechnung angegeben? Gehe jeden einzelnen Posten durch und ergoogle, ob dieser Posten überhaupt in den Nebenkosten abgerechnet werden darf. Wenn Dir irgendein Posten nicht richtig erscheint, dann wird's knifflig... dann solltest Du Dich wirklich an jemand Versierten wenden (Anwalt/Mieterveren), oder notfalls selbst nach Musterbriefen suchen und Deinem Vermieter schreiben.

Antwort
von Kevin1905, 12

Ich nehme an die Nebenkosten werden als Vorauszahlung geleistet?

Dann sind diese für den Vermieter ein durchgehender Posten und wenn du jedes Jahr aufgrund deines Verbrauchst eine Nachzahlung zu leisten hast, ist die Forderung die Vorauszahlungen zu erhöhen seitens des Vermieters durchaus gerechtfertigt.

Mieterschutzbund kann ich nicht bezahlen und klagen will ich auch nicht unbedingt.

Den Mieterbund kannst du nicht bezahlen? Der kostet doch keine 100,- € Jahresbeitrag...

und wenn ich dem Vermieter einen Brief schreibe, dass ich das anzweifle und nicht bezahle, reagiert der sicher nicht!

Du hast Anspruch auf Einsicht in die Originalbelege. Wenn du den Mieterbund nicht einschalten willst, oder kannst bleibt dir nur dich selbst in die Materie einzulesen und entsprechende Kenntnis zu erlangen ob die NK-Abrechnung korrekt ist.

Hast du über all die Jahre vielleicht mal von deinem Recht gebrauch gemacht?

Kommentar von herzneun ,

Du kannst Dir wohl nicht vorstellen, dass es hier in Deutschland tatsächlich haufenweise Menschen gibt, die zu Zweit von ca. 140,-- Euro einen ganzen Monat leben und davon ALLES bezahlen müssen!!! Wohl noch nie davon gehört - sowas nennt man Armut..... geht vielen Rentnern so.......

Kommentar von Kevin1905 ,

Du kannst Dir wohl nicht vorstellen, dass es hier in Deutschland tatsächlich haufenweise Menschen gibt, die zu Zweit von ca. 140,-- Euro einen ganzen Monat leben und davon ALLES bezahlen müssen!!!

Doch, berufsbedingt treffe ich solche manchmal. Aber was tut das zur Sache? Wenn du ein Problem hast solltest du über Lösungen nachdenken und nicht über mögliche weitere Probleme.

Wie z.B.:

Ich kann doch nicht einfach die Zahlung verweigern, und wenn ich dem Vermieter einen Brief schreibe, dass ich das anzweifle und nicht bezahle, reagiert der sicher nicht!

Pures Problemdenken und kein Lösungsdenken! Du hast den Vermieter ja nicht mal angeschrieben. Von nichts kommt eben auch nichts.

Übrigens wenn du so arm bist, wirst du bestimmt Leistungen nach SGB XII beziehen, oder hättest Anspruch auf solche. Bezieher von Sozialleistungen kriegen eigentlich immer einen Beratungshilfeschein beim Amtsgericht zwecks Erstberatung beim Anwalt.

Mir stellt sich dann aber die Frage, wenn du Sozialleistungen bezögest, warum das Sozialamt nicht mal von sich aus hellhörig wird bzgl. der Mietnebenkosten...

Es gibt für jedes Problem eine Lösung, oft sogar mehrere. Jammern, rechtfertigen und Schuld zuweisen helfen einem da aber nicht weiter. Es ist gut, dass du dein Problem beschreibst, aber du hast mittlerweile eine ganze handvoll Lösungsvorschlägen präsentiert bekommen. Jetzt bist du gefragt. Viel Erfolg dabei! =)

Antwort
von Primus, 6

Der Vermieter ist dem Mieter gegenüber verpflichtet, eine Erhöhung der Nebenkosten genau zu erklären und zu begründen.

Einfach unbegründet 10 € aufschlagen geht also nicht.

Ob die Erhöhung gerechtfertigt ist, müsste Dir allerdings die Nebenkostenabrechnung sagen.

Antwort
von LittleArrow, 7

Wer kein Geld für den Mieterbund hat, muß entweder selber sich mit dem Mietrecht gründlich auskennen (lernen) und/oder letztlich auch eine gerichtliche Auseinandersetzung in Kauf nehmen und dafür zahlen. Da der Mieter zahlt bzw. (gerechtfertigte oder ungerechtfertigte) Einbehalte vornimmt, wird letztlich der Vermieter klagen müssen (Du müßtest Dich allenfalls mit einer Kündigungsschutzklage wehren).

Zu Deinem Fall kann ich mangels genauerer Aussagen wenig beitragen: Schon "€ 10 mehr an Miete" läßt offen, ob es sich um die Jahres- oder Monatsmiete handelt. Denn die Nebenkostenabrechnung ist immer eine Jahresabrechnung (genauer eine 12-Monatsabrechnung). Ob "eine Person weniger" sich überhaupt in Deiner Abrechnung bemerkbar macht, hängt davon ab, ob für bestimmte Betriebskostenarten auch ein Personenschlüssel vereinbart wurde. Bei einem Qm-Schlüssel merkst Du das nicht! Jedes Beanstanden der Abrechnung setzt die Einsichtnahme und Prüfung der Belege voraus. Wer da nicht hin guckt, kann nur Additions- und Formfehler bemängeln. Und mehrfaches Nichtrügen einer fehlerhaften Abrechnung kann die Zustimmung zu einer Änderung der mietvertraglich vereinbarten Abrechnungsschlüssel bedeuten.

Letztlich zeigt Deine Überschriftsfrage, dass Du im Mietvertragsrecht noch Nachschulungsbedarf hast, denn Nebenkostenvorauszahlungserhöhungen sind keine Mieterhöhungen. Wie soll man Dir also helfen?

Kommentar von herzneun ,

Nebenkostenvorauszahlungserhöhungen sind keine Mieterhöhungen. Wie soll man Dir also helfen?

Verstehe ich nicht - wenn ich mit der Nebenkostenabrechnung bzw. Nachforderung einen Hinweis darauf bekomme, dass ich die Nebenkostenvorauszahlungen zukünftig um 10 Euro von z.B. 190 Euro auf 200 Euro erhöhen soll, dann heißt das doch wohl, dass ich monatlich 10 Euro mehr an Miete überweisen muss, denn die Miete setzt sich ja zusammen aus Grundmiete und Nebenkosten.  So habe ich es zumindest die letzten 9 Jahre gehalten. Was soll denn daran falsch sein?

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Kommentar von herzneun ,

Beim nochmaligen Durchlesen meiner Überschrift fiel mir auf, dass ich mich leider etwas missverständlich ausgedrückt habe. Der Hinweis "Mieterhöhung um jährlich 10 Euro" kann falsch verstanden werden. Aber eigentlich geht mein Anliegen aus dem Text klar hervor. Der Vermieter verlangt eine Nachforderung und gleichzeitig jeweils eine Erhöhung der MONATLICHEN Nebenkostenvorauszahlungen um 10 Euro auf z.B. 200 Euro (vorher 190 Euro)! Und ob sich das Mieterhöhung schimpft oder nicht, ist mir in dem Fall völlig wurscht, denn bezahlen muss ich es ja trotzdem (Grundmiete + Nebenkosten = Gesamtmiete). Wo sind dann Nebenkostenvorauszahlungserhöhungen keine Mieterhöhungen und wo habe ich noch Nachschulungsbedarf???? Das ist doch wohl absolut nicht misszuverstehen!

Kommentar von LittleArrow ,

wo habe ich noch Nachschulungsbedarf????

Nun trag mal nicht so dick auf, denn Deine Fragestellung war - wie Du selber erkannt hast - missverständlich und wurde auch durch Deine Frageerläuterung nicht besser.

Nachschulungsbedarf ist aber nicht nur im Umgangston mit den Foristen hier nötig, sondern auch in der Materie. Eine Nebenkostenvorauszahlungserhöhung ist keine Mieterhöhung! Ob sich die monatlich höheren Vorauszahlungen nach der betreffenden Abrechnungsperiode als Mehrkosten niederschlagen, zeigt Dir erst die NK-Abrechnung. Es könnte sich ja auch eine NK-Erstattung ergeben. Du würdest das dann sicherlich als Mietsenkung verstehen oder? Spaß beiseite, denn über die mietrechtliche Unterscheidung zwischen Mieterhöhung und Nebenkostenvorauszahlungserhöhung solltest Du Dir klar sein, sonst brauchst Du nicht nur Nachschulung, sondern vorallem auch rechtlichen Beistand. Ohne diesen wirst Du bei Deinem derzeitigem Kenntnisstand leider nicht erfolgreich sein, sondern draufzahlen. Wie kompliziert die Materie ist, kannst Du auch der guten Antwort von Luscinia entnehmen. Überlege Dir bitte dringend, wie Du künftig Deinen Beitrag für einen lokalen Mieterverein aufbringst!

Antwort
von TOPWISSENinfo, 7

Ich empfehle dir die Antwort von Luscinia durchzulesen, dem stimme ich ebenfalls zu. Ich möchte noch darauf hinweisen, dass allein schon durch die Verbindung mit der üblichen Inflation im Durchschnitt die regelmäßige Erhöhung der Gesamtmiete zu erwarten ist... Und knapp über 5% p.a. (nur an Nebenkosten) wie du schreibst, sind nicht zu viel aber auch nicht zu wenig bei derzeit niedrigen Inflation.. Daher wie Luscinia schreibt, alles prüfen... Besser kann auch ich nicht helfen :)

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