Frage von Herbert1234, 23

Ist ein Tausch Eurorent gegen Immobilienfonds zu empfehlen?

Hallo,

wir haben vor 6 Jahren einen sechsstelligen Betrag auf Empfehlung unseres Beraters hier angelegt:

DEOOODK1CJF6 (EuroRent 2y TF).

Ein Berater sagte uns nun, daß wir das unbedingt verkaufen sollten, da wir wahrscheinlich in Zukunft damit Verluste machen werden. Er rät uns hierzu:

  1. WKN/ISIN: 980956 / DE0009809566 (Immobilienfonds Europa) (30%)
  2. WKN/ISIN: 748361 / DE0007483612 (Immobilienfonds Welt) (30%)

Die restlichen 40% weiß ich im Moment leider nicht, wo er die anlegen möchte, habe davon kein Prospekt mitbekommen. Ein Beratungsprotokoll bekomme ich erst bei meinem nächsten Termin nächste Woche, wenn er dann alles vorbereitet hat. Per Post wollte er uns das komischerweise nicht zuschicken.

Frage: Ist das ein guter Tausch? Wir sind leider absolute Laien und etwas weniger risikofreudig.

Dankeschön

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gandalf94305, Community-Experte für Fonds, 23

Das ist die typische Sparkassen-Unsinn-Pseudo-Beratung, die eigentlich nur das Ziel hat, den Kunden irgendwelche pseudo-konservativen Fonds zu verkaufen, die dann unterirdisch performen.

Der EuroRent-Fonds hat in sechs Jahren 8% Ergebnis erbracht. Nicht pro Jahr, sondern insgesamt. Das bedeutet nach Inflation einen deutlichen Verlust, der außerdem aufgrund von positiven thesaurierten Erträgen ja noch ca. 3% zu versteuern hatte. All das führt zu einem deutlichen Kaufkraftverlust. In diesen Fonds hättest Du niemals einen sechsstelligen Betrag investieren sollen. Und es hat Dich nie gewundert, daß der Fonds nicht vom Fleck kommt? Uff...

Vergleiche mal die Immobilienfonds mit hausinvest (DE0009807016) oder dem RREEF grundbesitz Europa (DE0009807008). Finger weg von diesen Immobilienfonds. Abgesehen davon wirst Du Probleme haben, diese Fonds rasch wieder zu verkaufen, da es hier ja deutliche Beschränkungen gibt.

Vergleiche den EuroRent-Fonds mit einem Templeton Global Bond (LU0152981543), Kepler Europa Rentenfonds (AT0000722673), ISI International Bonds (DK0016258536) oder einem Kapital Plus (DE0008476250), Ethna Aktiv A (LU0136412771), MEAG EuroErtrag (DE0009782730) oder einigen anderen aus diesen Kategorien.

Deka ist unterirdisch. In Worten: SUBOPTIMAL. Du fütterst die Bank, mehrst nicht Dein Vermögen, mehrst das Vermögen der Spaßkasse.

Vergiß es einfach und wechsle zu einem wirklichen Berater. Dererlei gibt es viele und wenn Du einen sechsstelligen Betrag anzulegen hast, wirst Du gute Hilfe finden. Geiz ist nicht geil, sondern schadet, wenn Du selbst wenig Ahnung von der Geldanlage hast (was ich Dir nicht anlasten kann). Die schlechte Performance muß man Dir allerdings schon zum Teil anlasten, denn irgendwann in den letzten sechs Jahren hättest Du die Bremse ziehen müssen. Das Ergebnis ist einfach grottenschlecht.

Ach ja: ein Beratungsprotokoll bekommt man direkt nach der Beratung - also, bevor man das Gebäude verläßt. Auch die Empfehlungen bekommt man vollständig - nicht nur 60% und den Rest später. Das ist dafür nämlich gut, daß Du auch am nächsten Tag noch die Empfehlungen selbst anschauen kannst und anhand von Fondsvergleichen oder Foren wie diesem die Qualität überprüfen kannst.

PS: Und für diese Wahnsinnsempfehlung sollst Du dann noch mind. 5% Ausgabeaufschlag zahlen? Puh....

Kommentar von Herbert1234 ,

Dankeschön :-)

Wie findet man solche Berater? Sind andere Banken denn besser?

Sind die Fonds, die du oben erwähnt hast, für Rentner geeignet?

Kommentar von gandalf94305 ,

1. Auch Rentner haben das primäre Ziel, nicht irgendwelche magischen Investments zum Wohl der Bank, einer Fondsgesellschaft oder irgendwelcher Berater zu tätigen, sondern auf jeden Fall nach Steuern und Inflation einen Kaufkrafterhalt zu erreichen. Das bedeutet mind. ca. 2,8% Rendite pro Jahr. "Sichere" Anlagen in Sparguthaben (lohnt sich nicht), Tagesgeld (ist für mich keine Geldanlage, sondern einfach Liquiditätsparkplatz), Inhaberschuldverschreibungen (zu gering verzinst), Staatsanleihen guter Bonität (hier sind durch die Zentralbankaktionen nur Minizinsen drin) oder Fonds solcher Anleihen (können ja auch nicht mehr gewinnen als die Bonds selbst) gewinnen zwar numerisch an Wert, verlieren jedoch im Vergleich zur Kaufkraft. Auf die Jahre kann das deutlich sein. Zahlst Du noch einen Ausgabeaufschlag auf Wertpapiere, wird das noch deutlicher.

2. Auch Rentner wollen nicht mit Renteneintritt plötzlich alles Vermögen nur noch auf dem Sparbuch oder unter der Matratze haben. Auch Rentner können Aktienfonds haben, denn schließlich liegen Dividenden in Deutschland so im Mittel bei 2,5%, in Europa sogar bei über 3%. Dividendenfonds liefern also eine bessere Ausschüttungsrendite als Anleihen :-) Dazu kommen noch potentielle Kurssteigerungen. Und was die Sicherheit anbelangt: hast Du Kinder, werden diese auch noch etwas von einem langfristig angelegten Portfolio haben. Der Teil, den man sicher zum Leben benötigt, sollte auf eine gewisse Perspektive auf Tagesgeld liegen. Ein anderer wird in schwankungsarmen Fonds angelegt sein, um ohne große Risiken liquidiert werden zu können, und der Rest kann durchaus in ausgewogenen oder aktienlastigen Mischfonds angelegt werden. Der Renteneintritt ist doch nicht das Ende des aktiven Daseins.

3. Reine Rentenfonds würde ich aktuell mit drohenden Zinserhöhungen nicht verwenden, da diese mit steigenden Marktzinsen im Kurs fallen werden. Das liegt daran, daß Rentenkupons ja ein Risikoaufschlag zu risikolosen Zinsen sind. Steigen letztere, müssen auch die Kupons steigen - können sie aber nicht, da sie ja festgelegt wurden, also muß der Kurs fallen. Renten können jedoch in Verbindung mit Aktien und anderen Anlageklassen Volatilitäten puffern, d.h. wären als Bestandteil schon sinnvoll.

4. Immobilien werden unter einer Zinserhöhung auch leiden, da die Erträge relativ konstant sind und sich ein ähnlicher Effekt wie bei Renten einstellt. Außerdem bedeuten erhöhte Marktzinsen natürlich auch höhere Finanzierungskosten, d.h. der Ertrag aus Immobilien wird geringer. Einen derart hohen Anteil an offenen Immobilienfonds würde ich daher nicht für sinnvoll halten.

Berater gibt es viele. Wichtig ist, daß Dir Deine Anlageziele klar sind und Du das Ergebnis einer Beratung auch am nächsten Tag noch selbst nachvollziehen kannst. Wichtig ist, daß man sich nicht nur auf die wundervollen Produkte einer Deka oder Union Investment beschränkt, sondern das Fondsuniversum in Deutschland nutzt, um robuste, gute Fonds zu finden. Es gibt Fondsbanken wie ebase oder die FFB, die für unabhängige Berater eine günstige Plattform für Fonds anbieten, so daß für Kunden auch effiziente Angebote herauskommen.

Die von mir genannten Fonds sind nur Beispiele. Einige davon sind natürlich auch zinssensitiv und daher jetzt nicht geeignet, aber sie sollten illustrieren, daß man bei Wahl "handelsüblicher" Fonds (und das waren diese auch schon damals) alles viel besser hätte machen können. Anstelle von 8% wären dann auf die Zeit vielleicht 50% drin gewesen. Legst Du 150.000 EUR an, sind das anstelle von 1.200 EUR Ertrag über die Zeit doch immerhin knapp 60.000 EUR Gewinn nach Steuern.

Antwort
von Niklaus, 21

Ich finde die Investition schon sehr fragwürdig aber erst recht  den neuen Rat. Du solltest dich unabhängig beraten lassen. Von einem Berater der nicht nur seine eigene Fonds im Portfolio hat sondern das komplette Fondsuniversum. Aber das ist halt eine Sparkassenberatung. Ich als Fondsberater würde mir nie selbst einen DEKA-Fonds kaufen.

Kommentar von Herbert1234 ,

Hallo, vielen Dank für deine Antwort.

Antwort
von Hanseat, 18

Ich erlaube mir, der ausführliche Stellungnahme und m.E. sehr guten von gandalf94305 noch etwas hinzuzufügen.

Wenn schon offene Immo-Fonds, dann doch nicht Alles darein. Das ist doch ein ausgewachsener Schwachsinn des "Beraters", und das die Verlustwarnung erst jetzt kommt, na ja dazu hat ja auch gandalf.... schon genug gesagt.

Wenn schon, dann nicht diese Deka-Fonds, sondern bessere Alternativen (z.B. hausinvest), und auch nur als Beimischung.

Kommentar von Herbert1234 ,

Vielen Dank für deine Antwort.

Antwort
von LittleArrow, 17

Der Strategietext bei Comdirect zum bisherigen Fonds sagt z. B. "Anlageziel ist es eine attraktive, laufzeitadäquate Rendite für den Zeitraum vom Tag der Auflegung bis Anfang des Jahres 2011 zu erzielen. In der Folgezeit soll für rollierende 2-Jahres-Zeiträume jeweils eine attraktive, mit einer zweijährigen Rentenanlage vergleichbare Rendite erzielt werden."

Ich habe Dir den zugehörigen Kursverlauf (unten gelb und den des Europa-Immobilienfonds, blaue Linie) als Bild eingestellt. Euer Absprung spätestens im Jahr 2011 wurde sichtlich verpaßt, denn die darauffolgenden Jahre waren wenig erfolgreich - nicht Eure Schuld. Rückblickend wäre die Anlage im Vergleichsfonds besser gewesen. Aber dieses Bild wird teilweise durch den hohen anfallenden Ausgabeausschlag von 5,26 % verschlechtert.

Ob ein Investment in diese Fonds für Euch sinnvoll ist, kann man so gar nicht sagen, weil hierzu über Eure Vermögens, - Einkommenslage, genauere Risikoeinschätzung und Zukunftspläne zu wenig bekannt ist.

Mir fällt allerdings auf, dass Ihr offenbar von einem Berater betreut werdet, der eine Vorliebe für DEKA-Fonds hat und er möglicherweise sehr gut daran mitverdient. Dies gilt übrigens auch für den weiteren empfohlenen Fonds.

Angesichts des hohen Investments in jeden einzelnen Immofonds solltet Ihr für Eure Planung die anzuwendenden Veräußerungsrestriktionen bei Immofonds innerhalb von zwei Jahren Gedanken machen. 

Habt Ihr noch andere, vertrauenswürdige Personen, die Ihr wegen der Geldanlage fragen könntet?

Kommentar von LittleArrow ,

Ein Beratungsprotokoll bekomme ich erst bei meinem nächsten Termin nächste Woche, wenn er dann alles vorbereitet hat. Per Post wollte er uns das komischerweise nicht zuschicken.

Diese Aussage zum Berater legt nahe, dass er sich nicht sonderlich seriös Euch gegenüber verhält. Das sollte Euch zu denken geben!

Kommentar von Herbert1234 ,

Dankeschön für die Antwort :-)

Antwort
von TBergmann, 13

In den meisten Fällen suchen die Menschen nach dem ultimativen, sicheren Finanzprodukt, welches hohe Renditen erwirtschaftet. Ein Produkt bei dem ein kostengünstiger Einstieg und ein jederzeitiger Ausstieg möglich ist. Es werden Vergangenheitswerte in die Zukunft prognostiziert um aufzuzeigen wie es sich in der Zukunft entwickeln wird oder soll.

Aus folgendem Grund ist dies aus meiner Sicht der vollkommen verkehrte Weg. Unser gesamtes Finanzsystem befindet sich in einem Wandel hin zu einem Niedrigzins-,bzw. einem Negativzins-System. Das bedeutet, das alle Zins- und Zinseszinsprodukte über kurz oder lang vom Markt verschwinden werden.

Der Grund der aktuellen Verwerfungen im Finanzsystem ist der Fakt, das in den letzten Jahrzehnten Geldvermögen bei der Bank auf Grund des Zinseszinses enorm stak gestiegen sind. 

Ein Beispiel: Aus 100.000€, bei einer Bank zu 6% angelegt, ist in den letzten 60 Jahren ein Kapitalbetrag von 3.298.760€ entstanden. Der kumulierte Zinsbetrag in Höhe von 3.198.760€ ist lediglich eine Zahl auf dem Kontoauszug und nicht reell  vorhanden.

Wenn die Menschen beginnen ihre Geldvermögen im großen Stil in echte Werte umzuschichten oder in Bar abheben, stehen die Banken vor einem unlösbaren Problem. Eine mögliche Erklärung für die viel diskutierte, schon länger geplante Bargeldabschaffung.

Aus diesem Grunde ist der einzige mögliche Weg, die kontinuierliche Investition in "echte Werte" mit dem Nachteil der schlechteren Verfügbarkeit, aber dem Vorteil einen echten Wert zu besitzen.

Da echte Werte nur begrenzt verfügbar sind, können keine allgemein gültigen Empfehlungen gegeben werden, denn wenn ich eine konkrete Immobilie in Dresden empfehle ist diese ja nach dem ersten Kunden verkauft und steht nicht mehr zur Verfügung.

Aus genau diesen Gründen ist in Zusammenarbeit mit unzähligen Mandanten und Experten eine Strategie entstanden, welche seit über 30 Jahren funktioniert und welche von jedem einzelnen Menschen selbst umgesetzt werden kann. 

Solange Menschen die Geldanlage einem anderen Menschen komplett anvertrauen, werden diese immer wieder von den Ergebnissen enttäuscht sein. Der erste Schritt ist es also sich selbst zu informieren und nicht nach sicheren Produkten zu suchen, sondern nach einer Strategie vorzugehen, welche funktioniert und welche sich mit eigenen Mitteln umsetzen lässt.

Googelt nach Sachwertstrategie nach dem Yale Modell und ihr werdet viele Hinweise dazu finden.

Herzliche Grüße aus Dresden, Thomas Bergmann

 

Kommentar von Herbert1234 ,

Vielen Dank für deine Antwort

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