Frage von rigoros, 6

Ist die Leitzinssenkung für die Deutschen nicht eher nachteilig?

Wir müssen doch nun für die spätere Altersvorsorge noch mehr tun bei niedriger Verzinsung. Wer ist wirklich Nutznießer der Zinssenkung-hilft das den Ländern im Süden, ihre finanziellen Probleme zu lösen und dann letztlich doch allen-wie denkt ihr hierüber?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wfwbinder, 2

Bei den Staatsschulden, die auch die Bundesrepublik hat, hilft es DEutschland (als Nation) sehr. Der relativ gute Haushaltsverlauf ist auch dem geringen Zinsniveau geschuldet.

DEm Bereich der Sparer, Lebensversicherungskunden (Kapitallebensversicherung), Bundesanleihenkäufer usw. hilft es natürlich nciht, weil die Erträge sehr gering sind.

Der Wirtschaft wiederum hilft es bei Investitionen, weil die Finanzierungskosten günstiger sind und den Haus-/Wohnungskäufern ebenso, durch die günstigen Kreidtraten.

Damit dem Maklergewerbe, den Bauträgern und den Hausverkäufern durch die höheren Verkaufspreise wegen der größeren Nachfrage.

Weil es sich durch die höheren Verkaufspreise lohnt zu bauen, geht es auch der Bauindustrie relativ gut.

Ich denke, nachteilig ist diese Zinspolitik überwiegend für konservative Anleger.

Positiv für Teilnehmer am Wirtschaftsleben.

Eine Gefahr ist gegeben für Leute die sich Eigentum wegen der geringen Zinsen für relativ hohe Preise erwerben und nicht bedenken, wie die Raten steigen können, wenn in 10 Jahren (oder bis wann die Festschreibung abläuft), die Finanzierung neu abgeschlossen werden muss.

Kommentar von weinfreund ,

top beantwortet

Kommentar von wfwbinder ,

Merci

Kommentar von Finanzschlumpf ,

Der Gedankengang setzt allerdings voraus, dass die Marktzinsen der Zinssenkung folgen.

Die ersten Reaktionen waren -wie so oft - natürlich so, dass die Marktzinsen nicht dem Leitzins folgen. Wenn das so bleibt - wovon ich ausgehe - gibt es mangels Änderung bei den "Massezinsen" praktisch keine Gewinner und Verlierer.

Dann bleibt als Verlierer nur die EZB, die jetzt für ihre Kredite an die Banken weniger Zins bekommt, und als Gewinner die Banken, die im Moment Kredite bei der EZB aufnehmen.

Antwort
von gandalf94305, 1

Das ist nicht so einfach zu beantworten, denn es gibt ein paar kausal abhängige Effekte und andere hängen von der Markteinschätzung ab.

Für Deutschland ist die Zinssenkung gut

Die Zinssenkung liefert Banken noch mehr günstige LIquidität, die sie selbst für ihre eigene Stabilisierung verwenden können, aber auch profitabel für Darlehen vor allem in der Wirtschaft anbringen können. Damit können sich Unternehmen in Deutschland und im EUR-Raum günstig finanzieren bzw. refinanzieren.

Die Zinssenkung macht den EUR-Raum weniger attraktiv für Einlagensparer, d.h. der EUR als Währung wertet gegenüber anderen Währungen etwas ab. Man hat diesen Effekt ja auch sehr schön gesehen. Damit werden deutsche Exportgüter relativ billiger in nicht-EUR-Wirtschaftsräumen, was vor allem den Exportbereichen hilft, die nur zu einem geringen Teil von Importen von außerhalb der EUR-Zone abhängen.

Die Zinssenkung erhöht den Spread zwischen Aktien und risikolosen Zinsen, d.h. Aktienanlagen werden noch attraktiver.

Ebenso werden Finanzierungen von Immobilien noch etwas günstiger, da die Gefahr einer Zinssteigerung am langen Ende geringer wurde.

Nutznießer sind natürlich damit alle Privatpersonen, Unternehmen und Staaten, die sich neu finanzieren müssen. Dies wird nun günstiger.

Weiterhin ist zu beobachten, daß die niedrigen Zinsen natürlich auch den Export in anderen EUR-Ländern beflügeln, d.h. die TARGET2-Salden zugunsten Deutschlands langsam geringer werden. Das deutet darauf hin, daß die Leistungsbilanzdefizite sich innerhalb des EUR-Raums abbauen, was generell für Deutschland mit über einer halben Billion EUR Außenständen positiv ist.

Für Deutschland ist die Zinssenkung schlecht

Der Urlaub außerhalb des EUR-Raums wird teurer. Produkte aus USA und Asien werden ebenfalls teurer.

Die sinkenden Zinsen für darlehensfinanzierte Anlagen können natürlich auch eine Blasenbildung z.B. im Immobiliensektor bewirken. Ebenso können die vermehrten Anlagen in Aktien zu einem Run auf Aktien und damit einer deutlich höheren Bewertung von Aktien führen. Das ist potentiell riskant, da irgendwann mit dem Platzen der Blase bzw. einer Korrektur erhöhter Bewertungen zu rechnen ist.

Die Inflation wird sich durch fallende Zinsen ebenso leicht erhöhen.

Fallende Zinsen sorgen für fallende Anleihenkupons und damit ggf. für Probleme mit Altverträgen bei Versicherern (Lebensversicherungen, Rentenversicherungen). Die Jagd nach risikoarmer Rendite wird schwierig.

Energieintensive Bereiche und Industrien, die Rohstoffe in USD kaufen müssen, werden unter Druck kommen, da die Importpreise deutlich steigen werden. Wir man an den chinesischen Zahlen kürzlich sehen konnte, scheint die Wirtschaft dort mit ihrem Kurs stärker in Richtung des Binnenkonsums voranzukommen. Der Bedarf an Rohstoffen wird dort wieder höher, was die Weltmarktpreise weiter ankurbeln sollte.

Ebenso reduziert ein niedriges Zinsniveau aufgrund günstiger Refinanzierungsoptionen natürlich die Bereitschaft von Ländern, durch Einsparungen und Durchsetzung von Reformen bzw. Eintreiben von Steuern für eine Konsolidierung ihrer Haushalte zu sorgen. Das ist negativ.

Was man nicht so genau weiß

Natürlich ist die Zinssenkung eine kausale Ursache für eine Reihe von Effekten. Sie ist jedoch selbst auch in den Augen der ECB eine Konsequenz anderer Vorgänge in den Kapital- und Arbeitsmärkten in der EUR-Zone. Es scheint die Erholung der Wirtschaft in der EU nämlich nicht so recht voranzukommen, wie man sich das wünscht. Es gibt zwar keine konkrete Deflationsgefahr, aber die Zielinflation von 2% wurde deutlich unterschritten, was die Planung der Vorgehensweisen zum Schuldenabbau in vielen Staaten konterkariert.

Es wird sich daher zeigen, ob die Märkte die Zinssenkung in ihren Auswirkungen (siehe oben) stärker bewerten oder aber das Risiko, dessen Materialisierung eigentlich erst zu der Senkung geführt hat, für signifikanter halten. Im Umkehrschluß kann aber genau dies die Märkte auch wieder beflügeln, da stärkere Anleihenkäufe der Zentralbanken und Liquiditätsschwemmen weiterhin im Markt zu erwarten sind.

Antwort
von Finanzschlumpf,

Entscheidend für "die" Deutschen ist, was die Marktzinsen machen , und nicht was der Leitzins macht.

Die Marktzinsen werden sich wegen der Leitzinsänderung nicht groß verändern, bzw. unterliegen ihre Preisänderungen ganz anderen Motiven und Gründen.

Antwort
von gurusucher, 1

Es gibt nicht "die Deutschen" und "die Ausländer". Und "WIR müssen doch nun für die spätere Altersvorsorge noch mehr tun bei niedriger Verzinsung." ist Blödsinn. Es gibt diverse Anlageform als verzinste Konten, z.B. Aktien, Aktienfonds, Immobilien usw

Antwort
von Privatier59,

Also meine Aktien und Aktienfonds haben sich dank sinkender Zinsen prima entwickelt. Wer hingegen sein Geld auf dem Sparbuch läßt, hat daran wenig Freude. Das könnte man aber doch auch ändern, oder meinst Du nicht?

Kommentar von weinfreund ,

Glückspilz!

Kommentar von wfwbinder ,

Hat weniger mit Glück zu tun, als mit kühlen Überlegungen und konsequentem handeln. Wenn es nach unten geht konsequent aussteigen und nicht "tot warten." das ist das Geheimnis (meiner Ansicht nach). Alle die ich kenne, die mit Aktien Erfolg haben, handeln so.

Antwort
von Niklaus,

Ja für

  • Altersvorsorge in Versicherungen

  • Kapitalanlagen in Geldwert wie Festgeld etc.

Nein für

  • Altersvorsorge in Aktienfonds und Aktien

  • Immobilienfinanzierung

Kommentar von weinfreund ,

seh ich auch so, top!

Antwort
von obelix,

das Thema ist nicht mit einer Antwort abgetan. Es gibt Prifiteure, es gibt welche, denen es nicht hilft.

Dem Sparer hilft es nicht, da er noch geringere Zinsen bekommen wird. Wer in Anleihen geht, bekommt auch eine geringere Rendite.

Wer in Aktien geht, der wird vermutlich von steigenden Kursen profitieren.

Als Staat ist es von Vorteil, weil die Refinanzierung günstiger wird. Auch Firmen können sich billiger Geld leihen oder am Kapitalmarkt beschaffen.

Mit den Staaten im Süden kämen wir auf ein sehr komplexes Thema. Das kann man nicht alleine mit einem Leitzins beantworten.

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