Frage von Luzy3893, 73

Ist die Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung als Freiberufler unabhängig von Kapitalvermögen?

Guten Tag,

ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand weiterhelfen kann. Ich möchte mich als Freiberufler anmelden und die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, da mein auf das Kalenderjahr hochgerechnete Gesamtumsatz aus meiner freiberuflichen Arbeit die Grenze von 17.500 Euro nicht überschreiten wird. Unter Punkt 3 des Fragebogens zur steuerlichen Erfassung sind die 'Angaben zur Festsetzung der Vorauszahlungen' zu machen. Dort trage ich meine voraussichtlichen Einkünfte aus selbstständiger Arbeit im Jahr der Betriebseröffnung und im Folgejahr ein, aus denen sich ja dann auch die Angaben zur Anmeldung und Abführung der Umsatzsteuer ergeben.

Dies als Hintergrundinformation, nun zu meiner eigentlichen Frage: Wenn ich es richtig verstanden haben, gelten Zinsen als Kapitalvermögen und müssen egal wie gering eingetragen werden. Aber hat denn dieses Kapitalvermögen Auswirkungen darauf, ob ich die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen darf oder nicht?

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen. Luzy

Antwort
von wfwbinder, 44

Du wirfst da Dinge zusammen.

Unter Punkt 7.1 Zeile 134 trägst Du die Umsätze aus Deinem Unternehmen ein. also die Einnahmen. Danach richtet sich, ob Du Kleinunternehmer bist, oder nicht.

Unter Punkt 3.1 Zeilen 112 ff

werden Einkünfte eingetragen, also der vermutliche Gewinn aus Deinem Betrieb Zeile 113 usw.

Diese Zahlen dienen zur Festsetzung der Einkommensteuervorauszahlungen mit Umsatzsteuer hat das absolut nichts zu tun.

Ausserdem ist Umsatz die Einnahmen die im Rahmen des Unternehmens erzielt werden. Deine Kapitaleinkünfte haben aber ja vermutlich nichts mit dem Unternehmen zu tun.

Antwort
von blackleather, 44

Einkünfte aus selbstständiger Arbeit ... aus denen sich ja dann auch die Angaben zur Anmeldung und Abführung der Umsatzsteuer ergeben

Wieso dieser Zusammenhang?

gelten Zinsen als Kapitalvermögen

Nein. Zinsen sind kein Kapitalvermögen, sondern vielmehr Erträge aus Kapitalvermögen. Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Aber hat denn dieses Kapitalvermögen Auswirkungen darauf, ob ich die
Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen darf oder nicht?

Nein, hat es nicht. Weder das Kapitalvermögen noch die Erträge daraus haben irgendetwas mit der Umsatzsteuer zu tun.

Kommentar von EnnoWarMal ,


noch die Erträge daraus haben irgendetwas mit der Umsatzsteuer zu tun.

Ähm...doch. Es sind Umsätze, nur sind sie

  1. gemäß § 4 Nr. 8 UStG steuerfrei und
  2. wegen 1. nicht in den Gesamtumsatz nach § 19 (3) einbezogen.

Also im Ergebnis trotzdem richtig.

In der Praxis müssten die Kapitalerträgen bei den Unternehmen ja zu einer Vorsteuerquote § 15 (4) führen. Macht aber niemand, und das Finanzamt interessiert sich nicht dafür. Argumentativ kann man wohl die dazugehörigen Aufwendungen eindeutig zuordnen: Es gibt praktisch keine.

Kommentar von Ernsterwin ,

Unter steuerfreie Leistungen gem. § 4 Nr. 8 sind doch nicht die Anlage von Kapitalvermögen bei einer Bank, sondern die Gewährung oder Vermittlung von Krediten (sonstige Leistung) durch einen Unternehmer im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens zu verstehen.

Wer Kapital als Vermögen bei einer Bank anlegt, gewährt keinen Kredit und wird auch nicht zum Unternehmer.

Würde das Kapital dagegen im Rahmen einer selbstständigen gewerblichen Tätigkeit verliehen und dafür Zinsen eingenommen, dann würde diese Tätigkeit unter § 4 Nr. 8 fallen.

In dem Fall würden sie auch in den Gesamtumsatz nach § 19 (3) einfließen, außer, wenn es sich dabei um Hilfsumsätze handelt. Das ergibt sich aus § 19 (3) Nr. 2 - siehe auch https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__19.html

Antwort
von FreelanceMarket, 28

Hallo Luzy,

Für Freiberufler gilt:
Die Unterlagen, die zur Steuererklärung eingereicht weden muss ist die Umsatzsteuererklärung. Du kannst hier auch lediglich Angaben zum Gesamtumsatz machen.

Wenn bei dir die Kleinunternehmerreglung greift, musst du nur eine Einkommenssteuererklärung abgeben, mit Angaben zu allen Einkünften und Ausgaben aus deiner selbständigen Tätigkeit.

Daraus ermittelt sich dann der Gewinn. DAS nimmt das Finanzamt als Grundlage für deine Steuerberechnung (bei Kleinunternehmern im Hauptberuf).

Darüber hinaus:

Erträge aus Kapitalerträgen haben nichts mit der Umsatzsteuer zu tun, müssen also auch getrennt berechnet werden.

In der Regel führt deine Bank die Steuer von 25% (auf Zinsen z.B.) ans Finanzamt ab und gibt dir eine Bescheinigug darüber. Diese musst du bei deiner Steuererklärug mit einreichen.

Ausnahmen:

- Bei Fonds im Ausland muss der Anleger die Kapitalerträge selbst in der Steuererklärung angeben.

- Wenn die Bank mit der Abgeltungssteuer keine Kirchensteuer abgeführt
hat, obwohl der Anleger in der Kirche ist, muss der Anleger selbst die
Zahlungen nachholen.

- Wer Kapitalerträge bei einer Bank im Ausland erzielt, muss diese in der Steuererklärung zur Berechnung angeben.

- Wer den Sparerpauschbetrag mit Freistellungsaufträgen überschritten hat, ist dazu verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben.

- Zinserträge aus privat vergebenen Darlehen wertet der Fiskus als
Kapitaleinnahme und will sie versteuert wissen. Sie müssen in der
Steuererklärung angegeben werden.


(Anm. Support: Link wegen Eignewerbung entfernt)

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