Frage von LinusS, 11

Indexfonds als langfristige Sparanlageform für ratierliches Sparen?

Sind aus Eurer Sicht Indexfonds z.B. auf Dax oder MSCI World eine gute Anlageform, wenn man monatlich auf lange Zeit ansparen will?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gandalf94305, Community-Experte für Aktienfonds, 6

Zunächst solltest Du Dich fragen, welche Eigenschaften ein Instrument haben muß, damit es sich für eine langfristige Ansparung in kleinen Raten eignet, um nach Steuern die Inflation auszugleichen und idealerweise noch eine Überrendite zu erreichen?

[1] Aktien erfüllen diese Anforderung prinzipiell, da sie als Partizipation an der Wirtschaft auch von der Inflation getrieben werden, d.h. die Entwicklung von Unternehmensgewinnen und -werten stellt ganz grob einen langfristigen Aufwärtstrend dar, der durch die Inflation gefüttert wird. Damit ist gewährleistet, daß ein Cost-Averaging-Effekt tatsächlich zu einem positiven Anstieg der Wertentwickung führen kann.

[2] Zur Reduktion des Risikos würde man als harmloser Privatanleger nicht einzelne Aktien, sondern einen Aktienfonds verwenden, um die Auswirkung unternehmens-, landes- oder branchenbedingter Turbulenzen zu reduzieren. Diversifikation hilft, statistische Effekte zu verstärken (langfristigen Aufwärtstrend) und Einzelentwicklungen zu dämpfen. Vermutet mal also besondere Risiken in bestimmten Branchen, Ländern oder Währungsräumen, würde man Aktien aus diesen Bereichen vermeiden oder untergewichten - dies ist eine mit der Zeit zu treffende Entscheidung.

[3] Die zweite Größe neben Rendite ist die Volatilität. Wenn Du in ein Instrument investierst, das über 20 Jahre jeweils 4% steigt, dann jedoch gerade, wenn Du einen wesentlichen Teil davon liquidieren willst, um 50% einbricht, hast Du ein Problem. Volatilität ist die Antwort auf Risiko und die Frage wie ein Investment damit umgeht. Eine fixe Strategie, die einfach Werte aus einem Markt (z.B. Deutschland, Europa, Emerging Markets, Welt) heraussucht, wird nicht in allen Marktphasen gut laufen. Zu jeder fest definierten Strategie gibt es Marktphasen mit Fehlsignalen, erheblich negativen Effekten auf Kurse und mit steigender Volatilität.

Ein Marktindex ist eine solche, feste Strategie. Wenn nun mal Banken große Unternehmen sind, der Index nach Marktkapitalisierung Banken sehr hoch gewichtet, und durch eine Krise gerade Banken wesentliche Kurseinbrüche verzeichnen, von denen sie sich nicht mehr oder nur sehr langsam wieder erholen, dann ist ein Index nach Marktkapitalisierung nicht gut. Vergleiche mal den Eurostoxx 50 mit dem Stoxx Europe 600: http://www.ariva.de/eurostoxx-50-index/chart?t=all&compare=203251

Vergleiche gerne auch mal DAX mit MDAX. Der DAX hat ebenso ein Ungleichgewicht in Bezug auf Branchen, da er nur 30 große Werte abbildet. Ein MDAX ist indikativer für die deutsche Wirtschaft und deren Exportstärke.

Zurück zum Eurostoxx 50 und Stoxx Europe 600. Vergleiche nun diese Indexentwicklungen mit dem Fonds IE00B0XJXQ01. Du wirst feststellen, daß der Fonds in 2009 nur etwa halb so tief fällt wie die Indices. Das liegt daran, daß der Fonds sich nicht sklavisch an eine feste Aufteilung eines Index halten muß, sondern Branchen und Länder so gewichten kann, daß Risiken vermieden und Chancen mitgenommen werden. Insbesondere war die Umschichtung in Pharma/Health-Werte für den Fonds hier positiv. Schauen wir die Entwicklung des Fonds ab dem jeweiligen Tiefpunkt 2009 an, so läuft der Fonds zunächst mit dem Stoxx Europe 600. In 2011 wird mit dem Aktienmarkteinbruch dann zwar auch ein Schritt in die Tiefe übernommen, bei weitem jedoch nicht so sehr wie Eurostoxx 50 und Stoxx Europe 600. Die Gewichtung defensiver Werte und nicht-zyklischer Konsumwerte hilft dem Fonds. Das setzt sich so fort.

Mit anderen Worten: ein Instrument, das weniger volatil ist, ermöglicht nicht nur ein gleichmäßigeres Investieren in kleinen Schritten, sondern verringert auch das Risiko eines hohen Wertverlusts, der durch Volatilität und blindes Folgen einer fixen Strategie entsteht. Kursrutsche sollte man begrenzt mitnehmen, an Aufwärtsbewegungen jedoch partizipieren. So ergibt sich eine Überrendite.

Dieser Punkt spricht aus meiner Sicht gegen Indexfonds als langfristiges Investment und für aktiv verwaltete Fonds mit einer flexiblen Strategie. Marktindices sind dafür nicht gemacht. Eine ETF-Strategie muß deutlich aktiver handeln.

Nimm den DWS Eurovesta (DE0008490848) mal als quasi Indexfonds, denn er folgt dem Stoxx Europe 600 ziemlich genau. Dann hätte ein Investment von 100 EUR monatlich in den Index seit Januar 2006 bis heute knapp 50% Plus ergeben, während ein Investment in den oben genannten Comgest Growth Europe bei +132% liegen würde. Das sind +4,8% p.a. gegenüber +10,4% p.a.

Du kannst Dir vorstellen, daß Ausgabeaufschläge, Managementgebühren und Performancegebühren an diesen Renditen weiter nagen, d.h. wenn es die Strategie eines Fonds nicht wert ist, wäre man mit einem Indexfonds deutlich besser bedient. Wenn es jedoch einen guten Fonds gibt, der durch seine flexible Strategie sehr gut (und besser als relevante Indices) läuft, dann sollte man diesen nehmen. Man kommt mit Indexfonds und fester Sparstrategie auch irgendwie ans Ziel, aber mit geringerer Rendite und höherer Volatilität als mit klassischen Fonds.

Kommentar von gandalf94305 ,

PS: Und nicht daß Du nun denkst, daß ETFs schlecht seien. Das sind sie nicht. Ich habe selbst knapp die Hälfte meines Portfolios in ETFs angelegt. Nur sind die Umschlaghäufigkeit und das Handeln auf Ereignisse und mögliche Entwicklungen in meinem ETF-Portfolio deutlich aktiver als im gewöhnlichen Fondsportfolio, wo sich die Aufgaben im wesentlichen auf Rebalancing beschränken.

ETFs sind Marktstücke, die man kaufen kann und die bereits die ersten beiden Punkte meiner Liste oben adressieren. Volatilität und Branchen- oder Länderrisiken bekommt man damit jedoch nicht in den Griff. Da die bei weitem meisten harmlosen Privatanleger eine "buy & hold" Strategie haben, sind ETFs eben nicht das Mittel der Wahl. Die erforderlichen Umschichtungen und Refokussierungen müssen dann nämlich im investierten Fonds erfolgen, da der Anleger dies selbst nicht tut.

Aus genau diesem Grund entstehen seit einiger Zeit neue ETFs, die versuchen durch "minimum variance" oder andere "smart beta" Strategien ihre Performance und Volatilität zu optimieren. Manche investieren sogar "ex financials". Das geht begrenzt gut und man kann warten, was als nächstes passiert, das diese fixen Strategien wieder über den Haufen wirft.

Kommentar von gandalf94305 ,
Antwort
von Niklaus, 2

Indexfonds haben die gleichen Schwankungen wie die Indices in die sie investieren. Einen Mehrwert bieten sie nicht. Geht der Dax um 60 % nach unten wie in 2000-2003, dann machen deinen Fonds die auf den Dax setzen diese Verlust ebenfalls mit. Ebenso geht es mit Fonds die in andere Indices investieren. Ich setze nur auf gemangte Fonds, zu mal auch hier die Auswahl größer ist, die Investmentansätze vielschichtiger sind u.s.w.

Hast du mal überlegt, was mit dem angesparten Kapital passiert, wenn ein Fonds fällt?

Bei der Fondsauswahl kann man viel falsch machen. Es gibt in Deutschland über 10.000 möglichen Fonds und die Wahrscheinlichkeit hier auf die falschen Fonds zu setzen ist groß. Es gibt:

  • Geldmarkt-, Renten-, Aktien-, Absolut-Return-, Misch-, Multi-Asset-, Dach- und Immobilienfonds
  • Branchenfonds, Länderfonds
  • Fonds unterschiedlicher Risikoklasse
  • geografische Region
  • Fonds die in der Kapitalisierung der Unternehmen unterscheiden Small-, Mid.- Largecap-Fonds
  • Fonds mit unterschiedlichen Anlagestilen (Value, Growth, Blend, Momentum, Top-Down, Bottum Up)
  • Vermögensverwaltende Fonds

Man kann Investmentfonds mit einem dynamischen Trailinglimit absichern. Trailinglimit bedeutet in diesem Fall, dass das Limit immer dem Kurs folgt. Wenn die Märkte fallen geht es raus aus den Aktien und bei steigenden Märkten wieder rein in die Aktien. Durch die intelligente Kombination von der Stop-Loss-Order und der Start-Buy-Order ist es möglich mehr Rendite aus dem Aktienfonds-Depots zu erwirtschaften. Geht der Fonds nach der Kursumkehr um einen bestimmten Prozentsatz nach unten, wird der komplette Bestand in einen Geldmarktfonds geswitcht. Steigt der Kurs des Fonds wiederum einen bestimmten Prozentsatz, wird das Kapital wieder vom Geldmarktfonds in den ursprünglichen Fonds geswitcht. Es ist auch der Erwerb eines anderer Fonds möglich. Diese alles erfolgt natürlich ohne Ausgabeaufschlag.

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