Frage von althaus, 77

In welchen Fällen bestellt man einen Nachlaßverwalter?

Habe einen Fall in meiner Verwandschaft. Die Eltern sind Mitte 70. Noch geht es denen gut, daher stellt sich die Frage im Moment nicht. Jedoch kann sich das auch sehr schnell ändern. Die Eltern haben etwas Barvermögen, ein Dreifamilienhaus und eine Eigentumswohnung. Insgesamt 2 Mieter. Einer wohnt in der Eigentumswohnung und einer im Dreifamilienhaus.
Nehmen wir an sie würden versterben und die erben wären 4 Kinder. Leider verstehn die sich übehaupt nicht gut und reden auch kaum miteinander. Der älterste der 4 Kinder ist psychisch Krank und wohnt noch im Haus der Eltern im Dachgeschoß. Miete zahlt er keine, dafür aber etwas an pauschale Nebenkosten. Zu Lebzeiten hat der Vater dem einem Kind 30.000€ geliehen, ohne Zinsen. Schriftlich festgehalten wurde das nicht. Dem anderen Kind hat er 40.000€ geliehen, hierfür wurde eine Grundschuld eingetragen. Zuständig wären im Todesfall nun die Erben. Da die sich aber nicht einig sind und nicht miteinander reden muss eine andere Lösung her. Wäre das nicht der Nachlaßverwalter? Wer kümmert sich um die Mieter und macht die Nebenkostenabrechnungen? Wer kümmert sich um das Barvermögen der Eltern? Wie erfolgt die Aufteilung der Erbmasse? Wie kann das geliehene Geld an die Kinder berücksichtigt werden? Der älterste der Geschwister will nicht ausziehen. Wo soll der hin, daher sollte das Haus auch nicht verkauft werden, damit der älteste der Geschwister drin wohnen bleiben kann. Wer verteilt die Mieteinkünfte der beiden Wohnungen an die Erben? Wie kann das Problem gelöst werden, damit alle einig und zufrieden sind?

Antwort vom Anwalt erhalten
Anzeige

Schneller und günstiger Rat zum Erbrecht. Kompetent, von geprüften Rechtsanwälten.

Experten fragen

Antwort
von imager761, 76

Offenbar verwechselst du hier Nachlassverwalter und Testamentsvollstrecker.

Einen Vollstrecker setzt man ein, wenn man Erbauseinandersetzung befürchtete und seinen Willen als künftiger Erblasser moderiert umgesetzt haben möchte: Wer erbt genau welchen Nachlassgegenstand und mit welchen Auflagen, um eine Versteigerung des selbst errichteten Hauses an Dritte zu vermeiden, wer pflegt den hinterbliebenen Lebensgefährten und bekommt dafür wieviel extra, wer kümmert sich um die selbst gewählte Bestattungsfom und Ausrichtung der Beisetzungsfeier usw.

Ein Nachlassverwalter wird vom Nachlassgericht auf Antrag eines Erben bestimnmt, wenn der Nachlass unübersichtlich zur Kostenfalle zu werden droht, dessen gesamtschuldnerische Haftung man sich vom Hals halten will.

G imager761

Kommentar von althaus ,

Danke. Anscheinend hast Du Recht. Dann meinte ich den Testamentvollstrecker.

Antwort
von Snooopy155, 54

Wenn wie hier alle zerstritten oder zumindest sich nicht grün sind, dann hilft auch die Einsetzung eines Nachlassverwalters nicht weiter, denn jeder Erbe kann ja die Ebauseinandersetzung durch Zwangsvollstreckung erzwingen. Da ist es allemal besser zu Lebzeiten ein Testament zu machen - koste es auch einem Dolmetscher viel Zeit und Mühe den Eltrn die Reichweite der einzelnen Anordnungen im Testament verständlich zu machen. Dem behinderten Sohn kann man ja in jedem Fall ein lebenslanges Wohnrecht eintragen lassen und die zu Lebzeiten gewährten Darlehen können in der Aufteilung entsprechend berücksichtigt werden. Das Mehrfamilienhaus sollte in jedem Fall einem Erben klar zugeordnet werden, ebenso die Eigentumswohnung. Nur so ist sichergestellt, dass eine spätere Zwangsversteigerung zur Erbauseinandersetzung vermieden werden kann und dass auflaufende Instandhaltungsmaßnahmen auch durchgeführt werden können.

Antwort
von Primus, 37
In welchen Fällen bestellt man einen Nachlaßverwalter?

In solchen Fällen, wie Du sie beschreibst.

Als Alternative dazu empfehlen Notare einen Erbvertrag.

Wegen der besonderen Gestaltungsmöglichkeiten in einem Erbvertrag ist die Beratung und Beurkundung durch einen Notar vorgeschrieben. Von diesem wird der Vertrag richtig ausgestaltet und mit klar definierten bindenden Regelungen und ebenso klar dargestellten einseitig abänderbaren Verfügungen sowie eventuellen Rücktrittsrechten, ist der Erbvertrag ein sehr gutes Rechtsinstrument.

Kommentar von althaus ,

Ich dachte auch an ein Testament oder Erbvertrag. Aber das ist nicht realisierbar. Die Erblasser sind Ausl. Abstammung, zugewandert. Verstehen und sprechen zwar Deutsch, aber nicht alles. Ein Testament würden die nicht verstehen. Zudem können sich beide Erblasser auch nicht einigen. Keiner möchte gerne Entscheidungen treffen oder sich irgendwie festlegen. Sie können auch kaum schreiben und lesen. Schwieriger Fall.

Kommentar von Primus ,
Zudem können sich beide Erblasser auch nicht einigen.

Wenn unter den Beiden keine Einigung zu erzielen ist, wie soll es dann erst unter dem zerstrittenen Nachwuchs möglich sein?

Vielleicht sollte ein Dolmetscher dem Ehepaar in der Muttersprache versuchen klar zu machen, wie wichtig die Verfassung eines Testamentes in ihrem Fall ist.

Kommentar von wfwbinder ,

Ein schöner Beweis dafür, dass Menschen mit Migrationshintergrund keine Nachteile haben, denn wer mit nicht perfekten Deutschkenntnissen zwei Immobilien schuldenfrei bekommt, der muss ja ganz erfolgreich sein.

Kommentar von althaus ,

Nicht erfolgreich, sondern äußerst sparsam. Nie Urlaub, nie ein Auto besessen und immer nur das günstigste kaufen. Mach das mal 60 Jahre lang und Du wirst sehen was da zusammenkommt.

Antwort
von wfwbinder, 27

Der arme Nachlassverwalter bei den Verhältnissen.

Ich würde versuchen einen anderen Weg zu gehen.

4 Kinder, 4 Wohneinheiten.

Ich würde sehen, ob man das 3 Familienhaus einfach in Eigentumswohnungen aufteilen kann.

Dann den Kindern jedem eine WE vererben, so wohnt der mit dem Gesundheitsproblem in der, die er behalten kann.

Mit dem Bargeld und den Rückzahlungsverpflichtungen aus den Darlehen kann man den Wertausgleich machen.

Es bleiben dann zwar noch 3 Leute, die sich in Form einer Eigentümergemeinschaft über die Sachen an Dach und Fach des Dreifamilienhauses einigen müssen, aber es bleiben die Kosten und die Nerven des Nachlassverwalters gespart.

Kommentar von althaus ,

Das Haus hat zwar 3 Wohnungen aber ist als Zweifamilienhaus geführt. Das Dachgeschoss zählt zum Erdgeschoss. So einfach ist das nicht. Die Wohnungen haben alle einen anderen Wert. Wer soll welche bekommen? Schulden gibt es keine mehr. Meiner Ansicht kommt man an einem Verwalter nicht vorbei.

Kommentar von wfwbinder ,

Man kann das Dachgeschoss ja zur Wohneinheit machen. Ausserdrem gibt es keine Schulden, aber die Forderungen gegen die Beiden die Darlehen bekommen haben. Die meinte ich. Diese Darlehen können ja zum Wertausgleich gereichen.

Ich bin mir sicher, wenn man die Werte der Wohnungen kennt und weiss, welche der Erben das Gelb bekamen, wer schon in welcher Wohnugen lebt usw. wird man eine Lösung finden.

Aber wenn man das Geld für den Verwalter ausgeben möchte, bitte.

Kommentar von althaus ,

Wie teuer kommt denn ein Verwalter?

Kommentar von wfwbinder ,

Nach § 2221 BGB ist der Verwalter, bzw. Testamentsvollstrecker angemessen zu vergüten.

Daher hat der Notarverein die "neue Rheinische Tabelle" entwickelt.

http://www.finanztip.de/testamentsvollstrecker-verguetung/

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community