Frage von Par11, 218

Immobilienerwerb durch ausländische Kapitalgesellschaft.

Ich bin deutscher Staatsangehöriger mit Wohnsitz in Nicht-EU-Ausland (Niedrigsteuerland) und habe keinerlei steuerliche Bezugspunkte zu Deutschland (kein in Deutschland belegener Grundbesitz, kein Einkommen in Deutschland etc.) Ich habe vor, Anlage-Immobilien in Deutschland zum Zwecke der Weiterverkauf zu erwerben. Dafür möchte ich eine Zweckgesellschaft (mit mir als Geschäftsführer) gründen, die diese Immobilien erwirbt und verkauft. Meine Fragen hierzu (der Einfachheit halber nehmen wir an es wird eine Ltd. In Hong Kong oder Dubai gegründet) 1. Gewerbesteuer fällt nicht an, da kein in Deutschland belegener Geschäftsbetrieb existiert. Ist dies korrekt? 2. Gelten bei einem Verkauf der Immobilie durch die Ltd. dieselben Fristen wie für natürliche Personen, d.h. ist der etwaiige Gewinn beim Verkauf steuerfrei, wenn die Immobilie länger als 10 Jahre behalten wird? 3. Gibt es bei diesem Konstrukt etwaiige Fallstricke, die ich nicht erkannt habe? Z.B. würde es sich ja um eine Briefkastenfirma in Hong Kong handeln. Was wird das deutsche Finanzamt machen, wenn es dies nicht akzeptiert?

Antwort
von wfwbinder, 218

Du gehst von völlig falschen Voraussetzungen aus.

Eine Gesellschaft, wo auf der Welt auch gelegen, wird die Gewinne aus dem Handel mit Immobilien in Deutschland versteuern müssen.

Körperschaftsteuer fällt an. Gewerbesteuer nicht.

Ein privates Veräußerungsgeschäft (§ 23 EStG mit der 10 Jahresfrist) gilt hier nicht.

§ 49 Abs. 1 Nr. 2 f EStG ist entscheidend.

Antwort
von EnnoBecker, 148
  1. Gewerbesteuer fällt nicht an, da kein in Deutschland belegener Geschäftsbetrieb existiert. Ist dies korrekt?

Das ist richtig.

  1. Gelten bei einem Verkauf der Immobilie durch die Ltd. dieselben Fristen wie für natürliche Personen, d.h. ist der etwaiige Gewinn beim Verkauf steuerfrei, wenn die Immobilie länger als 10 Jahre behalten wird?

Nein. Wenn du ...

zum Zwecke der Weiterverkauf

... erwirbst, handelst du stets gewerblich. Da brauchen wir an dieser Stelle auch keine Gedanken an die Rechtsform verschwenden.

Was anderes wäre es, wenn du vermieten möchtest. Da müsste man anders planen, da der Verkauf nach 10 Jahren bei einer Einzelperson oder einer (nicht gewerblich geprägten) Personengesellschaft nicht mehr steuerverstrickt wäre. Bei einer Kapitalgesellschaft greift dies nicht, da wir ja stets gewerbliche Einkünfte haben.

  1. Gibt es bei diesem Konstrukt etwaiige Fallstricke, die ich nicht erkannt habe?

Ja, falls du nämlich nicht mit einer Kapitalgesellschaft, sondern als Einzelunternehmer oder Mitunternehmer einer Personengesellschaft auftrittst. Die Kapitalgesellschaft versteuert ihren Gewinn mit linear 15,825%. Als Person würdest du wegen der beschränkten Steuerpflicht deutlich mehr zahlen.

Was wird das deutsche Finanzamt machen, wenn es dies nicht akzeptiert?

Wenn es was nicht akzeptiert?

Zuständig wäre bei einer KapGes das Finanzamt, in dessen Bezirk sich der wertvollste Vermögensbestand befindet. Bei einer PersGes grundsätzlich auch, aber einige Finanzämter haben sich das anders aufegteilt. In Berlin beispielsweise macht dies das FA Neukölln.

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