Frage von aigredouce, 93

Ich habe durch Insolvenz von Joyou AG - chin. Tochter von Grohe - 5000 € in Aktien verloren, soll ich auf Grohe vertrauen oder alles verkaufen?

Aktie fiel von ca. 12€ auf 0,30€.

1)Werden die Mehrheits-Anteilseigner, (deut.) Grohe und (japan.) Lixil, nichts zur Rettung unternehmen müssen? Sprich, kann ich mir noch Hoffnungen machen? Wo findet man geschrieben, was die hierzu unternehmen werden?

2)Wenn sich bewahrheitet, dass Betrug vorliegt (davon wird ausgegangen), wie/über welche Institution kann man seinen Schadenersatzanspruch geltend machen? Einzelklage halte ich wg. Kosten und Aufwand für aussichtslos. Sammelklage möglich? Wenn ja, an wen wendet man sich hier?

Besten Dank im voraus! -aigredouce

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gandalf94305, Community-Experte für Aktienfonds, 93

1. Glaube ich nicht. Der Wert fiel von 16 EUR auf 4 EUR und dann unter 1 EUR. Irgendwo auf diesem Wege hätte Dir klar werden müssen, daß man nicht an Aktien als Unternehmensanteile hängen soll, sondern radikal verkauft, wenn ein Wert sich mal halbiert. Hast Du etwa keine Stop-Loss-Marken gesetzt? Und das bei einem chinesischen Wert? Puh! Es ist egal, was das Management unternimmt, auf die 16 EUR kommst Du nicht mehr so schnell wieder.... und daher hätte schon längst verkauft werden müssen.

2. Der Ruf nach Betrug und was auch immer wird nicht viel helfen, denn in China wird doch keiner ernsthaft versuchen wollen, ein derartiges Verfahren durchzusetzen. Das hat man bei Sino Forest und vielen anderen doch auch schon gesehen. Im schlimmsten Fall wird der Wert von der Börse verbannt.

Da Du jedoch hoffentlich der Regel gefolgt bist, nicht mehr als 1-2% Deines Portfolios pro riskanterem Wert zu setzen (und bei dieser geringen Marktkapitalisierung und dem Standort China ist das definitiv einer), d.h. Dein Portfolio so um die 250-500 kEUR groß ist, stört Dich das alles relativ wenig und Du verkaufst jetzt einfach, um den steuerlichen Verlust zu realisieren. Dann auf in neue Werte, die vielversprechender sind.

Falls Du diesen Grundsatz der Diversifikation nicht befolgt haben solltest, dürfte das in Zukunft angebracht sein, um derartige Verluste zu vermeiden. Überprüfe Dein Portfolio darauf, daß nicht zu hohe Anteile in einzelnen Werten konzentriert sind, die zudem noch Risikopositionen sind.

Hoffnung war noch nie ein guter Investmentratgeber. Du solltest Dir daher in Zukunft vornehmen, für alle Aktien Stop-Loss-Marken zu setzen. Die können mit Einstandskurs -20% angelegt werden, aber dann wäre zumindest eine Grenze für Verluste gesetzt.

Kommentar von aigredouce ,

Hi, erstmal vielen Dank! Furchtbar einfach: ich habe von Aktien keinen Blassen, und habe daher einen Bekannten, der sich bestens auskennt, allerdings auch viel mehr Geld hat, um Anlagetipps gebeten. Mein Freund sagte mir dann beim Kauf, am besten ruhen lassen und nicht drum kümmern. Da die ersten Jahre gut liefen, und ich im normalen Leben genug andere Herde zum Kümmern hatte, habe ich nur noch alle paar Monate ins Depot geschaut. Keinerlei Alarme wie Stop-Loss-Marken gesetzt, da ich gar nicht wusste, dass das geht. Ich habe vorher immer mal gefragt, wie ich mich absichern kann. Aber der Tipp kam leider nicht. Den Kursverfall habe ich tragischerweise genau ein paar Tage nach dem 20. Mai festgestellt, als es zu spät war. Natürlich liegt mein Depot nicht bei 250-500K. Insgesamt habe ich aktuell einen Verlust von ca 28% (ist aber nur ein Teil meines Kapitals). Die VALE liefen auch extrem schlecht, ebenso wie vtion. Kann man halt vorher alles nicht wissen. Natürlich bin ich selber dran schuld - bitte keine Kommentare in dieser Richtung...

Dann auf in neue Werte, die vielversprechender sind.

Welche neuen Werte meinst du denn? Da ich diese Verluste schon ausgleichen möchte (an Gewinne glaub ich nicht mehr so recht bei meinem Glück). Keine Sorge, vorher analysieren, und mich mit Stop-Loss-Marken absichern. Lieben Dank!

-aigredouce

Kommentar von Kevin1905 ,

Du hast also die 3 absolut wichtigesten Regeln der Geldanlage (laut Warren Buffett) mutwillig missachtet:

  1. Niemals Geld verlieren
  2. Regel 1 hat keine Ausnahme
  3. Niemals auch nur 1 Cent in etwas zu investieren, dass du nicht verstehst.

Wenn du also von Aktien keinen Schimmer hast, solltest du nicht in Aktien investieren. Gib dein Geld lieber für Literarur und Weiterbildung aus, bevor dein nächstes "Investment" wieder im Renditeklo landet (Kostolany, Otte, D. Müller, Kommer, Graham, Buffett, Zweig, Hörhan, Barghoorn, etc.).

Du hast dir die Zeit und die Mühe einer Fundamentalanalyse gespart und das kostet dich jetzt 5.000,- €. Verbuch es als Lehrgeld.

Kommentar von gandalf94305 ,

1. Investiere nicht in etwas, das Du nicht verstehst.

2. Verlustrisiken müssen begrenzt werden. Gewinnchancen kann man laufen lassen.

3. Niemals nur auf ein Pferd setzen - immer diversifizieren.

Das ist nicht einfach und auch erfahrene Vermögensmanager tun sich hier schwer. Daher sind aus meiner Sicht Einzelaktien überhaupt nicht das Instrument, mit dem Du beginnen solltest, sondern Aktienfonds. Diese enthalten ja einige Aktien, so daß Punkt 1 durch das Fondsmanagement zum großen Teil abgedeckt ist, Punkt 2 wäre Deiner Auswahl robuster Fonds zuzuschreiben (und einer Verkaufsreaktion, wenn ein Fonds die Erwartungen nicht erfüllt), Punkt 3 ist durch einen Fonds bereits erfüllt, denn ein Fonds investiert in zahlreiche Werte, an denen Du gesamtheitlich dann Anteile erwirbst.

Antwort
von Kevin1905, 63

Aktie fiel von ca. 12€ auf 0,30€.

Und das innerhalb von wenigen Stunden und du hast nicht verkaufen können?

Wenn sich bewahrheitet, dass Betrug vorliegt (davon wird ausgegangen), wie/über welche Institution kann man seinen Schadenersatzanspruch geltend machen?

Die Mühe würde ich mir nicht machen. Viel Aufwand, viel Ärger, wenig Ertrag. Wer erfolgreich sein will muss sich innerlich von dem Bedürfnis lösen im Recht sein zu wollen.

Realisier den Verlust und gestehe dir ein, dass dein Investment nicht gut war. Passiert jedem mal. 5.000,- € gleiche ich locker in einem Kalenderjahr aus. Leer ausgehen würde dann nur der Fiskus, dass ist mir aber egal.

Kommentar von aigredouce ,

Hallo Kevin, auch Dir für deine Antwort und Kommentare oben vielen Dank. Ja, teures Lehrgeld...Hätte ich mir und Partner eine wunderschöne Reise von sponsern können. Lieben Dank und Gruß. Diversifiziert habe ich ja, zum Glück. Aber mit Joyou war schon mit der größte Batzen.

-aigredouce

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