Frage von Bucco, 184

Hohe Nachzahlung statt Rückerstattung aufgrund Nichtanerkennung der doppelten Haushaltsführung

Hallo, ich bin Frühpensionär und arbeite seit 2007 Teilzeit bei DHL. Nahe des Arbeitsplatzes habe ich seit 20 Jahren eine Wohnung habe mich aber vor Jahren entschieden, bei meinem Bruder, knapp 600 km entfernt, meinen Lebensmittelpkt zu begründen und bin dort auch mit Hauptwohnsitz gemeldet. Lange Zeit dachte ich, nicht Einkommenssteuererklärungspflichtig zu sein, was genährt wurde, da das FA mir auch nie eine persönliche Steuernummer mitgeteilt hat. Aus gesundheitlichen Gründen kam mir das damals sehr entgegen, weil mich die Steuererklärungen immer extrem belastet haben. Nun erhielt ich Post vom FA am Hauptwohnsitz, ich sollte die St-Erklärungen für 07, 08, 09, 10, 11, 12 und 13 einreichen in einer Frist von 10 Tagen. Aufgrund meines Anrufes stellte man dort die Unzuständigkeit fest und leitete mich an das FA Kempen, was mich kurz darauf in gleicher Weise anschrieb. Mit der Mitarbeiterin vereinbarte ich, kurzfristig 2 Erklärungen zu erstellen und die anderen sukzessive kurzfristig abzuarbeiten, was ich auch gemacht habe. Durch die doppelte Haushaltsführung habe ich erhebliche Kosten, die ich geltend gemacht habe. Außerdem habe ich ein Navigationsgerät abgesetzt, da ich für die berufliche Tätigkeit tägich ca 150 verschiedene mir unbekannte Anschriften anfahren muß. Für alle Anschriften aus dem privaten Bereich benötige ich keinerlei Navigationshilfe.

Nun erhielt ich die Steuerbescheide für alle Jahre.

Das Navi wurde abgelehnt, weil es Kosten der privaten Lebensführung seien.

Abgelehnt wurde auch die Anerkennung der doppelten Haushaltsführung weil meine Mutter (zu der ich seit Jahrzehnten ein gestörtes Verhältnis habe) in der Nähe des Zweitwohnsitzes lebt und die Whg dort eine 100 qm Eigentumswohnung sei.

Dies trifft zu. Von 06-09 versuchte ich allerdings die Wohnung zu veräußern, was marktbedingt nicht gelang. In der Zeit habe ich nicht dort gewohnt und bin dann wieder eingezogen, da die Kosten für die Wohnung auch ohne Nutzung weiterliefen und sogar niedriger liegen, als eine diesem Zweck genügende kleinere Wohnung. Am Hauptwohnsitz nutze ich (kostenfrei) eine Wohnung im Haus meines Bruders, dort wohnen auch meine Neffen und Nichten, von denen ein Neffe mein Patenkind ist, sowie meine Freundin. Ich habe eine Heimreise pro Woche abgesetzt, die Urlaubswochen ausgenommen.

Für 07 - 09 hat das FA angemerkt, dass die Erklärungen verspätet eingingen, aber keinen Verspätungszuschlag erhoben, einen solchen jedoch für die Jahre 10, 11 und 12 festgesetzt. Dies ist ebenfalls nicht nachvollziehbar.

Aufgrund der nicht Anerkennung der Kosten, soll ich nun insgesamt ca 5,500 Euro nachzahlen für 5 Jahre, davon sind insgesamt 1.000 Euro Verspätungszuschlag.

Ich will sowohl die Verspätungszuschläge anfechten, als auch die Nichtanerkennung der Kosten. Ist dies sinnvoll und wie gehe ich am besten vor? Kann ich das selbst machen oder ist dafür eher ein Steuerberater oder ein Fachanwalt ratsam? Muß ich die Nachzahlung dennoch jetzt schon leisten? MfG Bucco

Antwort
von klPrinz, 164

Ihr habt ja alle keine Ahnung (bitte mit Humor lesen), was geht die (Ober-)Bayern ein Preuße an ?!. Es lebe König Ludwig !, insbesondere der II.

Kommentar von EnnoBecker ,

Der Starnberger See ist ja noch groß genug.

Also belebt ihn ruhig wieder, da kann er sich das Ersaufen zum Hobby machen.

Antwort
von Privatier59, 129

Jeder Steuerpflichtige ist für seine steuerlichen Angelegenheiten selber verantwortlich. Wer sich durch die Abgabe von Steuererklärungen extrem belastet fühlt, muß eben einen Steuerberater beauftragen. Das hättest Du am besten von Anfang an gemacht, dann wären Dir die Verspätungszuschläge erspart geblieben. Was die Anerkennung der Kosten der doppelten Haushaltsführung betrifft, wird Dir ein Steuerberater Auskunft geben. Allerdings sehe ich angesichts der reichlich wirren und an den Haaren herbei gezogen wirkenden Begründung dafür eher geringe Chancen für eine Anerkennung. Vielleicht solltest Du Dich der Erkenntnis beugen, dass Einkünfte nun einmal steuerpflichtig sind.

Der Einspruch gegen einen Steuerbescheid hat keine aufschiebende Wirkung. Du kannst allerdings zeitgleich Antrag auf Aussetzung der Vollziehung stellen.

Antwort
von EnnoBecker, 94

1.000 Euro Verspätungszuschlag erscheinen allerdings etwas hochgegriffen. Hier sollte durchaus etwas machbar sein. Eine Frist von 10 Tagen ist mit Sicherheit etwas kurzgegriffen, andererseits endete die normale Frist für die Abgabe ja bereits wesentlich früher. Hier muss man sich die Bescheide im Einzelnen ansehen.

Bist du sicher, dass es nicht Zinsen sind?

Wegen des Navigationsgerätes würde ich Einspruch einlegen. Der Arbeitgeber kann sicherlich bescheinigen, dass die Anschaffung für die Berufsausübung erforderlich war.

Bei der doppelten Haushaltsführung muss man aufpassen. Die Begründung "Mutter" dürfte mit Sicherheit danebenliegen. Nur weil meine Mutter im selben Ort wohnt, muss ich da ja nicht gleich einziehen.

Das Problem ist aber der "doppelte" Haushalt selbst. Wenn du in der Wohnung des Bruders kostenfrei wohnst, hast du ja bereits keine Aufwendungen aus dem ersten Haushalt und damit auch keine "doppelten" Aufwendungen.

Aber auch diesen Sachverhalt muss man anhand der Gesamtlage beurteilen.

Ein Fachanwalt für Steuerrecht ist hier sicherlich nicht die erste Wahl, den brauchst du für kompliziertere Dinge. Aber einen Steuerberater solltest du dir schon leisten. Der ist sicherlich perisgünstiger als "kein" Steuerberater.

Fürs erste solltest du gegen die Bescheide zur EInkommensteuer und gegen die Bescheide über die Verspätungszuschläge Einspruch einlegen und die Aussetzung der Vollziehung (AdV) beantragen. Die AdV wird abgelehnt werden, wenn die Einsprüche nicht begründet werden. Deshalb gleich nach Einlegung und Antragstellung den Steuerberater aufsuchen.

Antwort
von vulkanismus, 82

Nein, das kannst Du nicht selbst machen.

Einen Fachanwalt für Steuerrecht gibt es nicht - das ist nur ein selbstverliehener Titel.

Einen Steuerberater musst Du nun dringend einschalten.

Vielleicht kann der noch etwas retten.

Kommentar von EnnoBecker ,
Einen Fachanwalt für Steuerrecht gibt es nicht - das ist nur ein selbstverliehener Titel.

Was ist denn das für ein Unsinn?

Dann schau mal in die Fachanwaltsordnung.

Kommentar von vulkanismus ,

Das tue ich mit Sicherheit nicht.

Dafür habe ich mir so einige "Fachanwälte" ansehen müssen.

Sie waren stets für viele Lacher gut (und für die StPf. ein Reinfall).

Kommentar von EnnoBecker ,
Dafür habe ich mir so einige "Fachanwälte" ansehen müssen.

Dass es in jedem Berufszweig Hohlköpfe gibt, ist allbekannt. Das heißt jedoch nicht, dass es sie nicht gibt.

Kommentar von Privatier59 ,

In Oberbayern geht eben alles langsamer. Da haben die gestern erst erfahren, dass Kaiser Wilhelm verstorben ist, Kaiser Wilhelm I. Was sollen die von Fachanwälten wissen?

Kommentar von EnnoBecker ,

Ach du meine Güte, Kaiser Wilhelm I. ist tot?

Warum sagt mir niemand was?

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