Frage von daboeng,

Hilfe, was tun im Erbfall?

Hallo zusammen,

vor einiger Zeit ist mein Vater gestorben. Ihm gehörte die Hälfte einer Eigentumswohnung. Die andere Hälfte gehört seiner Frau (nicht meine Mutter). Ich habe kein gutes Verhältniss zu Ihr, aber wir haben auch keinen Streit. Soweit ich weiß, läuft noch ein Kredit auf seinen Namen über knapp 10.000 und ein nicht beendeter Rechtsstreit über einen Anwalt, der noch nicht bezahlt wurde. Jetzt bin ich mir nicht sicher, welche Schritte ich unternehmen sollte. Wenn ich richtig informiert bin, steht mir als Pflichtteil (es besteht kein Testament) die Hälfte seines Vermögens zu, also ein Viertel der Wohnung. Auf der anderen Seite können aber doch auch Schulden veerebt werden? Hat jemand einen Rat, was ich tun sollte? Wo muß ich was in welcher Frist melden?

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Antwort
von imager761,

Zunächst wärst du als Erbe in Erbengemeinschaft mit der Ehefrau berufen, sofern dein Vater ohne anderslautendes Testaement verstarb. Ein Pflichtteilsrecht statt Schuldenübernahme gibt es nicht :-(

6 Wochen nach dem Erbfall ist es für die Ermittlung der Schulden und Handeln als Erbe zu spät: Du trägst seit dem unwiderruflich (als einziges) Kind zur Hälfte seine Schulden, also Kreditverpflichtung, offenes Anwaltshonorar, Bestattungskosten usw. mit - auch gesamtschuldnerisch, also allein und in voller Höhe können sich Gläubiger an dir schadlos halten :-(

Aber eben auch zu 1/2 Vermögenswerte deiens vaters sowie zu 1/4 Lasten (Steuern, kommunale Abgaben, Versicherungen usw.) aus Miteigentumsanteil der ETW, die du gegen anteilige fiktive Mieteinnahmen gegenrechnen kannst.

Oder du bietest dein Wohnungsviertel der Witwe zum Kauf an.

Sind die 6 Wochen seit dem Tod deines Vaters noch nicht verstrichen, kannst du Erbausschlagung erklären und hättest nichts, oder Nachlassverwaltung beantragen und wenisgtens keine Schulden privat zu tragen.

Eine Unkenntnis des Nachlasses berechtigt dich nicht zu Anfechtung der Annahme, die auch durch Erbscheinsantrag wirksam wäre.

G imager761

Kommentar von daboeng ,

Sind die 6 Wochen seit dem Tod deines Vaters noch nicht verstrichen, kannst du Erbausschlagung erklären und hättest nichts...

Ok, ich liege noch gut in der Zeit, sechs Wochen sind noch nicht um. Erbausschlagung erklären und nichts haben ist für mich keine Alternative, da die Schulden mit max 20.000 überschaubar sind.

oder Nachlassverwaltung beantragen und wenisgtens keine Schulden privat zu tragen.

Nachlassverwaltung beantragen -klingt als würde mir dann jemand unter die Arme greifen- also gut. An wen wende ich mich in so einem Fall?

Antwort
von daboeng,

Ich sollte noch erwähnen, das mein Erbteil erst bei Verkauf der Wohnung ausgezahlt werden kann. Das könnte sich allerdings noch 4-5 Jahre hinziehen!

Antwort
von Privatier59,

Hat jemand einen Rat, was ich tun sollte?

Wenn kein Testament besteht, dann bist Du nicht Pflichtteilsberechtigter, sondern Erbe, genauer gesagt: Miterbe. Das hast Du Deinen Anteil am Vermögen, aber auch an den Lasten. Die Stiefmutter ist ja Erbschaftsbesitzerin und Dir zur Auskunft über den Bestand des Erbes verpflichtet. Auch wenn Du sie nicht magst: An (Stief-)Mütterlein führt kein Weg vorbei. Fordere sie zur Rechnungslegung auf oder, wenn Du Dich nicht traust, schick einen Anwalt vor.

Antwort
von Heidi777,

Du wirst vom Nachlaßgericht angeschrieben, bzgl etwaiger Schulden lies das http://www.focus.de/finanzen/recht/tid-7202/testamente_aid_130374.html

Kommentar von daboeng ,

Ich werde vom Nachlaßgericht angeschrieben? D.h. ich brauch mich erst mal um nichts zu kümmern? Keine Fristen, etc? das wäre ja mal was positives!

Kommentar von imager761 ,

Ist aber falsch: Gesetzlichen Erben wie Kindern, Eltern, Ehegatten fällt der Nachlass anteilig automatisch zu: "Vonselbsterwerb", vgl. §§ 1922, 1942 BGB. Der Erbe erbt also ohne sein Wissen oder Zutun..

Irgendwie ging der Gesetzgber hier wohl davon aus, dass man als Kind den Tod seines Vaters mitbekommt, ohne amtlich darauf hingewiesen zu werden :-)

G imager761

Antwort
von Mikkey,

Eine Ergänzung zu den Schulden:

Soweit eine Zugewinngemeinschaft bestand, enthält der Nachlass auch die Hälfte der Schulden und noch zu erwartenden Kosten aus dem Rechtsstreit. Die jeweils andere Hälfte "gehört" der Stiefmutter.

Die Berechnung des Zugewinns und daraus und aus den vor der Ehe vorhandenen Vermögen zu berechnenden Vermögen der Eheleute sind Dir klar?

Kommentar von daboeng ,

Die Berechnung des Zugewinns und daraus und aus den vor der Ehe vorhandenen Vermögen zu berechnenden Vermögen der Eheleute sind Dir klar?

Soll heißen?

Kommentar von Mikkey ,

Du schreibst so pauschal von einem Viertel der Eigentumswohnung. Dies kann abhängig von verschieden hohen Eigenkapitalanteilen der Eheleute in der einen oder anderen Richtung abweichen.

Zugewinnausgleich heißt nicht, dass das ganze vorhandene Vermögen durch zwei geteilt wird und jeder bekommt die Hälfte. Es hängt vielmehr von den beiden Einzelvermögen (oder Schulden) ab, die in die >Ehe eingebracht wurden.

Kommentar von daboeng ,

Ok, wie das ohne Abitur meistens ist, brauch ich da wohl Hilfe. An wen kann ich mich vor Ort am besten wenden? Wer ist für solche Angelegnheiten zuständig? Erschwerend kommt hinzu, das seine Frau nur sehr schlecht deutsch spricht und wenn ich selbst Schwierigkeiten habe die Sache zu verstehen, wird es schwierig werden ihr das begreiflich zu machen.

Kommentar von Mikkey ,

Mir fällt da auf Anhieb nur ein Notar ein (ein Rechtsanwalt für Erbrecht tut's vielleicht auch) - vorher Kostenfrage klären!

Tragt alles zusammen, was Ihr über die Vermögensverteilung (inkl. Schulden) zum Zeitpunkt der Eheschließung und jetzt habt und nehmt das dorthin mit.

Wenn Ihr beide damit einverstanden seid, könnt Ihr auch das Viertel der ETW schätzen, ein Viertel der Verbindlichkeiten davon abziehen, ein Viertel von vielleicht vorhandenem Barvermögen wieder zurechnen. Das wäre Dein Teil, der Rest der Deiner Stiefmutter.

Kommentar von daboeng ,

könnt Ihr auch das Viertel der ETW schätzen, ein Viertel der Verbindlichkeiten davon abziehen, ein Viertel von vielleicht vorhandenem Barvermögen wieder zurechnen

Wir werden uns schon irgendwie einig, allein schon aus Kostengründen, denn Barvermögen ist keins da. Das mit den Verbindlichkeiten hab ich nich so ganz geschnallt, was stellen die jetzt da und wieso abziehen? Meine Herren, is das kompliziert....

Kommentar von Mikkey ,

Beispiel:

  • ETW hat 160.000 € Wert
  • Schulden: 10.000
  • Anfallende Kosten wg. Rechtsstreit: 6.000

Ergibt Vermögen von 144.000

Davon ein Viertel: 36.000 (Dein Anteil)

Wenn es Einigungspotential gibt, gibt es vielleicht auch einen anderen Weg:

  • Du verzichtest (vorerst) auf Deinen Anteil
  • Stiefmutter bleibt dort wohnen
  • Stiefmutter setzt Dich als Alleinerben ein (oder vermacht Dir die Wohnung)

Dann musst Du zwar auf Dein Erbe warten, aber, wie Du schreibst, musst Du das ohnehin. Dafür fällt Dir nach dem Tod der Stiefmutter die ganze Wohnung zu. Dafür ist dann nur relativ viel Erbschaftssteuer fällig.

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