Frage von JohnSteam, 93

Hartz und Eigentumswohnung

Hallo,

ich bin neu in diesem Forum und habe eine Frage: ich komme vermutlich in Kürze in die unglückliche Lage, Hartz IV beantragen zu müssen. Als Altersvorsorge besitze ich eine Eigentumswohnung, in der im Moment mein alter Vater mietfrei wohnt.

Was passiert jetzt wenn ich Hartz bekomme: muss ich die Wohnung verkaufen oder muss mein Vater Miete zahlen oder passiert nix?

Antwort
von Primus, 83

Du wirst Probleme bekommen, wenn Du beim Jobcenter sagst, dass Dein Vater kostenlos in Deiner Wohnung wohnt und Deine Miete durch Steuergelder gezahlt werden soll.

Verkaufen brauchst Du die Wohnung nicht, aber entweder selbst nutzen, sodass die Mietzahlung durch das Jobcenter an Dich entfällt, oder aber Dein Vater beantragt ALG II oder Grundsicherung und zahlt Dir die ortsübliche Miete.

Dabei kann es allerdings passieren, dass Du den Anspruch auf ALGII verlierst.

Antwort
von Snooopy155, 81

Wenn der Nachweis, dass diese Wohnung ein wesentlicher Bestandteil Deiner Altersvorsorge ist, kann es möglich sein, eine Verwertung - einen Verkauf - zu verhindern. Aber dass aus dieser Wohnung keine Mieteinnahmen erzielt werden - das wirkt sich schädlich auf deinen Hartz IV Antrag aus. Fordere von Deinem alten Herrn eine ortübliche Miete - dann entfällt möglicherweise Deine Bedürftigkeit. Dein Vater kann im Zweifelsfall ja Antrag auf Grundsicherung stellen - diese wird ihm sicher gewährt.

Antwort
von Primus, 61

Liebe pauline69,

Diese Frage wurde vor 4 Wochen ausführlich und korrekt beantwortet. In dieser kurzen zeit hat sich auch gesetzlich nichts Neues ergeben, was eine Wiedereinstellung der Frage rechtfertigen würde.

Ist Dein Problem der Frage nur ähnlich und bei Dir liegen andere Voraussetzungen vor, rate ich Dir, einen eigenformulierte Frage einzustellen, der wir uns dann gerne annehmen werden.

Also: Stellst Du uns vor eine neue Aufgabe?

Antwort
von Rentenfrau, 66

Hallo JohnSteam, eine eigengenutzte (= selbstbewohnte ) Wohnung wäre KEIN Problem, wenn Du die aber nicht selber bewohnst, stellst es Vermögen dar und wenn Du damit über den Grenzen liegst, wird normalerweise Dein Alg-II-Antrag abgelehnt, sollte die Verwertung (= Verkauf) nicht möglich oder nur mit großem Verlust möglich sein, bekämst Du Alg II allerdings nur auf Darlehensbasis und Du mußt alles zurückzahlen, hoffentlich bekommst Du bald einen Job. Dein Vater sollte Miete zahlen, denn schau mal, es ist nicht ok, daß Du Geld vom Staat willst und Dein Vater zeitgleich mietfrei bei Dir wohnt.

Antwort
von HartzEngel, 54

Eine selbst bewohnte Eigentumswohnung wäre kein Problem, so aber ist es Vermögen und wird natürlich (./.mom. Schulden für die Wohnung, falls vorhanden) angerechnet. Mein Tipp: zieh ein oder vermiete gegen Geld , vielleicht kommst dann ohne Alg II aus. Hoffe, Du findest bald Arbeit.

Antwort
von billy, 45

Zieh selbst in Deine Wohnung, damit vermeidest Du eine Menge Frust.

Antwort
von cyracus, 49

Diese Frage kannst Du sicher besser telefonisch klären, weil da Nachfragen möglich sind und ruhig eventuelle Möglichkeiten gemeinsam durchdacht werden können.

Hole Dir deshalb unbedingt auch Rat bei einer guten behördenunabhängigen (!!!) Beratungsstelle wie dieser Hamburger

Arbeitslosen Telefonhilfe

0800 111 0 444 - wenn Du in Hamburg / Umgebung wohnst oder

040 22 75 74 73 - wenn Du in einem anderen Bundesland wohnst.

Dort ist man zum Thema Arbeitslosigkeit (ALG I + ALG II / Hartz IV) sehr erfahren.

Kommentar von cyracus ,

Vorsorglich auch diese Hinweise von mir:

Umgang mit Sozialbehörden

Mit dem Amt nichts telefonisch klären (das kann man später nie beweisen). Alles schriftlich machen. Am besten Schreiben, Belege und Anträge persönlich abgeben. - Den Erhalt des Schreibens lässt man sich auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel, Datum und Unterschrift bestätigen. (Dies verlangt man mit ruhigem, freundlichem Ton und reicht das Schreiben rüber, „und hier brauche ich noch Stempel mit Datum und Unterschrift“).

Wenn man nur etwas abgeben will, dann wie üblich ein Schreiben aufsetzen, in dem erklärt wird, was "als Anlage" überreicht wird. - Wiederum dieses Anschreiben auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel und Unterschrift bestätigen lassen.

Diese Bestätigungen sind Gold wert, sie sind mehr wert als ein Einschreibebeleg (mit dem ja nur der Eingang eines Umschlags bestätigt wird).

Mit einer solchen Bestätigung kann von Seiten der Behörde nicht behauptet werden, Schreiben und Belege seien nicht eingegangen. Und wenn doch, eine Fotokopie von deren Bestätigung vorlegen (das Original unbedingt wie eine Kostbarkeit hüten). - Werden so die Unterlagen / Belege abgegeben, wird erfahrungsgemäß allgemein die Sache sogar zügiger behandelt.

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Im Gespräch mit den Mitarbeitern immer korrekt und konzentriert sein. Wenn die Mitarbeiter freundlich und zugewandt sind: Auch Infos im Vertrauen landen in der Akte und können später gegen den „Kunden“ verwendet werden.

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Oft ist es ratsam, zum Amt einen Beistand als Begleitung mitzunehmen. Dieser muss nur zuhören und kann dabei Protokoll führen, oder hinterher macht man gemeinsam ein Erinnerungsprotokoll. Die Begleitung kann aber auch für Dich Erklärungen abgeben, dazu § 13, Absatz 4 SGB X (google mit 13 sgb 10):

  • (4) Ein Beteiligter kann zu Verhandlungen und Besprechungen mit einem Beistand erscheinen. Das von dem Beistand Vorgetragene gilt als von dem Beteiligten vorgebracht, soweit dieser nicht unverzüglich widerspricht.

Es gibt auch ehrenamtliche Behördenbegleiter. - Google jeweils mit Deinem Wohnort (oder dem nächstgrößeren, wenn Deiner klein ist) mit

Ämterlotsen

Behördenlotsen

Behördenbegleiter

Hartz IV Mitläufer

Hartz IV Gegenwind e.V.

Wir gehen mit org

Diese Ämterbegleiter sind wertvolle Hilfen und notfalls auch Zeugen, und (die meisten? alle?) haben für diesen ehrenamtlichen Dienst eine kleine Ausbildung genossen und kennen sich bestenfalls mit den Gesetzen aus.

Lebst Du in einer Bedarfsgemeinschaft (oder Haushaltsgemeinschaft): Andere Mitglieder solch einer Gemeinschaft können für Dich kein Beistand sein, denn sie sind nicht neutral, sondern automatisch selbst Betroffene.

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Und google mit

legitimation eines beistands pdf

und lade Dir die Datei vom elo-forum runter. Darin erfährst Du die gesetzliche Grundlage für Beistände und dass jeder Bürger ein Recht darauf hat, sich bei Behördengängen von einem Beistand begleiten zu lassen.

Auch erfährst Du so, dass wenn Dein Beistand für Dich etwas sagt, und Du widersprichst nicht, gilt es so, als hättest Du selbst es gesagt.

Zum Amt mit einer erfahrenen Begleitpersonen zu gehen ist in diesem Fall sehr empfehlenswert.

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Dies gilt auch für Deinen Vater, falls auch er Hartz IV oder Grundsicherung im Alter (weiß ja nicht, wie alt er ist) oder bei Erwerbsunfähigkeit beantragen muss.

Falls Dein Vater Beratungsbedarf außerhalb von Hartz IV hat, google mit sozialberatung. Dir werden dann gemeinnützige Beratungsstellen gezeigt wie z.B. die AWO, Caritas, Diakonisches Werk, Paritätischer Wohlfahrtsverband u.a.

Antwort
von TopJob, 48

Also grundsätzlich muss die Eigentumswohnung (wenn sie nicht selbst bewohnt wird) verwertet werden. In der Regel heißt dieses einen Verkauf. Hierbei handelt es sich schließlich um einen Vermögenswert. Jedoch kann dieses nur dann erfolgen, wenn eine Verwertung ohne große Verluste möglich ist. Dies ist bei Immobilien immer etwas schwer zu bewerten.

Jedoch ist es bei dir zusätzlich noch so, dass die Wohnung mietfrei von deinem Vater in Anspruch genommen wird. Spätestens hier wird vermutlich das Amt eingreifen. Wenn also ein Verkauf nicht möglich scheint, wird zumindest hier geprüft werden, inwiefern eine Mietzahlung durch deinen Vater zu leisten ist.

Kommentar von JohnSteam ,

Erstmal danke für die schnelle Antwort.

D.h. im Klartext: ich verkaufe die Wohnung, verjuxe das Geld und lebe dann bis zum Tode auf Kosten des Staates, denn meine spätere Rente ist unter Hartz-Niveau und sonst ist nichts zu holen. Mein Vater kann keine Miete zahlen, also gibt es keine Alternative zum Verkauf...

Was ist denn das für ein Gesetz?

Kommentar von TopJob ,

Wenn du es so sehen willst, ja. Ich weiß, dass es für den Betroffenen hart ist, aber andererseits ist natürlich die Frage, wo man hier die Grenze ziehen will. Selbst bewohnte Eigentumswohnungen sind ja auch grundsätzlich geschützt. Nur wenn du sie halt vermietest nicht. Und wenn du dann auch nicht einmal einen Mietzins nimmst, finanzierst du indirekt deinen Vater. Und das ALG II wird nunmal so berechnet, dass du dich auf einem niedrigen Niveau finanzieren kannst und nicht gleichzeitig auch noch eine andere Person.

Jedoch verstehe ich die Situation sowieso nicht. Wenn dein Vater die Mieter nicht zahlen kann, weshalb beantragt nicht er ALG II? Dann wird ihm schließlich die Miete einer angemessenen Wohnung gezahlt. Und wenn er nicht einmal Miete zahlen kann, dann wird er vermutlich auch nicht große Vermögen oder Einkünfte besitzen oder?

Kommentar von Angelsiep ,

Das Gesetz soll Vermögende davon abhalten, auf Kosten der Steuerzahler zu leben.

Kommentar von Larkolas ,

Warum ziehst du nicht selber in diese Wohnung? Dann kannst du auch von einer geringen Rente sehr gut leben.

Und ja, man kann nunmal niemand von der "schlauen" Entscheidung abhalten, all sein Geld auf den Kopf zu hauen und dann Sozialhilfe zu beantragen.

Dass es nicht sehr schlau ist, als Altersvorsorge nur eine Wohnung zu haben ist nochmal ein anderer Aspekt, Stichwort "Klumpenrisiko".

Kommentar von VirtualSelf ,

Mein Vater kann keine Miete zahlen, also gibt es keine Alternative zum Verkauf...

Ist er hilfebedürftig, kann er Alg2 oder - nach Überschreiten der Altersgrenze - Sozialhilfe beantragen; bei deinen sind Kosten der Unterkunft Leistungsbestandteil; fadenscheiiges Argument.

Kommentar von Candlejack ,
Was ist denn das für ein Gesetz?

Ein recht logisches Gesetz, wie ich finde. HartzIV erhalten Bedürftige, die nicht selbst für Ihren Unterhalt aufkommen können. Wer eine Eigentumswohnung hat, die er selbst nutzt und fürs Alter hat, kann diese behalten, es sei denn, sie hat eine überdurchschnittliche Größe. Wer eine nicht selbst genutzte Wohnung hat (also quasi ein Kapitalobjekt) hat Vermögen und sollte das veräußern, bevor er der Allgemeinheit Geld kostet.

Es soll Länder geben, gar nicht so weit weg, da heißt es nicht: egal was passiert, HartzIV, Wohnung, Heizung etc. haste immer. Da heißt es: kümmer Dich um Einkommen oder sie, wie Du zurecht kommst.

Das ist natürlich nicht mit Eurer Situation zu vergleichen, die hart zu sein scheint, ist aber mal ein anderer Blick auf die Dinge.

Antwort
von klautke, 35

hallo!

das ist in der tat ein problem, wenn du nicht selbst in der eigentums-wohnung wohnst, und hartz 4 beziehen musst/willst.

d.h. du selbst wohnst in einer mietwohnung?

ist die etw lastenfrei?

man kann eine unbelastete immobilie bei lebenslangem wohnrecht verrenten, dann würde sich das hartz4-problem vielleicht erübrigen.

wenn wirklich nur der hartz4 bezug bleibt, gibt es auch eine möglichkeit, die wohnung vor einem verlustreichen verkauf zu retten.

wenn sie mich mal kontaktieren und mir ein paar details zu ihrer situation und der immobilie nennen, kann ich sicher einen vorschlag machen, wie das problem zu lösen ist.

grüsse aus dem neckartal

a. klautke


Hallo,

ich bin neu in diesem Forum und habe eine Frage: ich komme vermutlich in Kürze in die unglückliche Lage, Hartz IV beantragen zu müssen. Als Altersvorsorge besitze ich eine Eigentumswohnung, in der im Moment mein alter Vater mietfrei wohnt.

Was passiert jetzt wenn ich Hartz bekomme: muss ich die Wohnung verkaufen oder muss mein Vater Miete zahlen oder passiert nix?

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