Frage von fly1987, 592

Hartz 4-Überzahlung bei Arbeitsaufnahme zum 16. des Monats?

Schönen guten Tag! Ich habe am 16 Oktober mit dem Arbeiten angefangen und bekomme erst am 20 November ca. 1000 netto. Was muss ich denn alles zurückzahlen, wie berechnet man sowas? Vielen Dank schonmal für die Hilfe!

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo fly1987,

Schau mal bitte hier:
Recht Hartz IV

Antwort
von Rentenfrau, 592

Hallo fly1987, das Jobcenter rechnet Einkommen nach dem Zuflußprinzip an, wenn Du also im November Dein Gehalt bekommst, wird das Jobcenter Dein anzurechnendes Einkommen ermitteln (Nettoeinkommen ./. Freibetrag) und dann ausrechnen, ob Du für November noch (aufstockend) Alg-II-Leistungen bekommst oder ob sie von Dir das bereits überwiesene Alg II zurückfordern. Die Leistungen für Oktober bleiben Dir, da Du im Oktober noch kein Gehalt bekommen hast.

Antwort
von VirtualSelf, 509

Im Alg2-Bezug kommt es nicht auf das Datum der Arbeitsaufnahme an, sondern auf den Zufluss von Einkommen.

Das heißt, für den Oktober wirst du vollen Leistungsanspruch behalten und erst auf die Novemberleistung - welche Ende Oktober ausgezahlt wird - darf angerechnet werden.

1000 Netto ergeben ein maximal anrechnungsfähiges Einkommen von 700€ (1000 € ./. 100€ ./. 20% von 900 € ./. 10% von 200€; § 11 b SGB II)); d.h. es ist gut möglich das du einen Leistunganspruch behältst.

Hast du die Arbeitsaufnahme schon am 16. oder vorher mitgeteilt, kann es gut sein, dass das Jobcenter die Leistungen vorläufig eingestellt hat, um eine Überzahlung zu vermeiden; das ist zwar eigentlich rechtlich nicht zulässig, allein das Wissen darum nützt dir nichts; in dem Fall solltest du, sofern es am Monatsanfang zu einer Deckungslücke kommt, ein Darlehen beantragen; i.d.R. werden zumindest die Kosten der Unterkunft problemlos übernommen.

Endgültig werden deine Novemberleistungen dann berechnet, sobald du einen Einkommensnachweis - die Lohnabrechnung - einreichst.

Kommentar von fly1987 ,

Herzlichen Dank für die ausführlich Antwort! Nun verstehe ich nicht ganz diesen Satz: "1000 Netto ergeben ein maximal anrechnungsfähiges Einkommen von 700€ (1000 € ./. 100€ ./. 20% von 900 € ./. 10% von 200€; § 11 b SGB II)); d.h. es ist gut möglich das du einen Leistunganspruch behältst." Was sollte ich als Single bei Tausend Euro noch behalten?

Kommentar von VirtualSelf ,

Du hast gem § 11 b SGB II Absetzbeträge auf dein Erwerbseinkommen; das hat weder etwas mit deinem Familienstatus noch steuerrechtlichen Gegebenheiten zu tun.

Vereinfacht gesprochen hast du auf dein Bruttoeinkommen 100€ Grundpauschale zzgl 20% vom übersteigenden Teil bis 1000€ zzgl 10% vom übersteigenden Teil bis 1200€ /(1500€, wenn minderjähriges Kind in BG).

Dieser Frei- bzw. Absetzbetrag ist von deinem Netto-Einkommen abzuziehen.
Da man davon ausgehen kann, dass du bei 1000€ netto deutlich über 1200 € brutto hast, kann man also rechnen:

100€ Grundpauschale
+ 20% von 900€ = 180€
+ 10% von 200€ = 20€
= 300 € Frei- bzw. Absetzbetrag

Hier findest du weitere Ausführungen:
http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/A01-Allgemein-Info/A015-Oeffentli...

1000 € netto ./. 300€ Absetzbetrag = 700€ anrechnungsfähiges Einkommen

Dein Regelsatz beträgt in einer 1 Pers.-BG 382 €

700 € ./. 382 € = 318 €

Wenn also deine Miete über 318€ liegt, behätst du einen Leistunganspruch; wenn die Miete nicht sehr viel Höher liegt, kann es sein, dass dich das Jobcenter irgendwann auffordert, Wohngeld zu beantragen; bis es soweit ist, kannst du aber die Füße stillhalten ... ;)

Kommentar von fly1987 ,

Wow! Vielen vielen Dank!

Antwort
von qtbasket, 411

Guckst du hier:

http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/0344e199750917506.php

Kommentar von VirtualSelf ,

Ich liebe diese verlinkte Seite: ungenau, in vielen Artikeln auf veraltestes Recht Bezug nehmend und oft falsch.

Zitat:

so ist sie voll auf die Leistung zum Lebensunterhalt dieses Monats anzurechnen.

ist z.B. in dieser Fornulierung falsch.

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