Frage von flash123, 55

Handy nach zweiter Reparatur beim Hersteller immer noch defekt (innerhalb Gewährleistungszeitraum)

Vor 3 Monaten habe ich mir ein HTC One (mit Vertrag) gekauft. Einen Monat später war es defekt (Mikrofon defekt). Der Händler hat mir gesagt, ich solle es beim Hersteller einschicken, da es ein Garantiefall ist. Das habe ich getan und nach 4 Wochen das Handy wieder bekommen. Mit tiefen Kratzern auf der Front und auf der Kamera, aber das Mikrofon ging wieder. Zumindest für 2 Tage, dann war das Mikrofon erneut defekt. Habe das Gerät also wieder eingeschickt und auch die entstanden Kratzer beanstandet. Nach wieder 4 Wochen bekomme ich das Handy erneut zurück. Diesmal ohne Kratzer und so ziemlich alles wurde getauscht: Front-Cover, Back-Cover, Display, Kamera, Mikrofon, Simschacht. Dafür scheint nun der SIM-Schacht zu klemmen. Ich habe 2 Stunden versucht den SIM-Schacht herauszubekommen um meine Sim-Karte einzulegen. Leider vergeblich.

Da ich nun schon 2 Monate ohne Handy da stehe (die monatlichen aber Beiträge natürlich trotzdem bezahle): Was habe ich für Möglichkeiten.

  1. Kann ich einen Austausch beim Händler verlangen? Wahrscheinlich nicht weil ich erst 2 mal dem Händler die Chance auf Nachbesserung geben muss, ich aber bisher immer direkt an den Hersteller gewandt habe?
  2. Kann ich den Tausch auch auf ein anderes Modell anwenden? Habe mein Vertrauen in HTC irgendwie verloren :(
  3. Wenn ich weitere Reparaturen hinnehmen muss: Kann ich Entschädigung für die Zeit verlangen, in der ich kein Handy habe? Zumindest die Gebühren die ich zahle und den Tarif nicht nutzen kann.
Antwort
von Primus, 55

Mit dem Hersteller (= Garantie) hat das nichts zu tun.

Im Rahmen der Gewährleistung kannst du vom VK nach § 439 BGB ein mangelfreies Ersatzgerät fordern: Der Käufer kann als Nacherfüllung nach seiner Wahl die Beseitigung des Mangels oder die Lieferung einer mangelfreien Sache verlangen

Das wäre auch schon beim 1. Defekt dein gutes Recht gewesen. Das gilt faktisch 6 Monate lang, siehe § 476 BGB.

Kommentar von Juergen010 ,

DH - Absolut korrekt!

Mich verwundert immer wieder, wie leichtfertig sich Käufer vom Händler um ihr gutes Recht bringen lassen.

Kommentar von Primus ,

Zumal es sich herum gesprochen haben sollte, dass Händler es immer wieder gerne versuchen!

Kommentar von flash123 ,

Es gibt doch da aber noch ne Sonderregelung, die besagt, dass das nur greift, wenn für den Händler keine zu hohen Kosten entstehen. Und das wiederrum befreit den Händler vom Umtauch und er kann es auch zur Reparatur einschicken?

Kommentar von Juergen010 ,

Eine solche "Sonderregelung" solltest Du Dir mal vom Händler im Gesetzestext (nicht in seinen AGB´s) zeigen lassen - würde mich wirklich wundern wenn er das könnte.

Gäbe es nämlich tatsächlich eine solche Regel, wären die gesetzlichen Regelungen dbzgl. nur Schall und Rauch - jeder Händler würde diese dann unterlaufen.

In deinem speziellen Fall war das Handy wegen des kaputten Micros nach einem Monat defekt, also unbenutzbar. Dies hast Du beim Händler reklamiert.

Nun kann der Händler wie folgt vorgehen:

Variante 1: Er nimmt das defekte Handy ohne Diskussion zurück und händigt Dir ein Ersatzgerät gleicher Beschaffenheit aus. Er tauscht also die Geräte, idealerweise kaputt gegen neu. Was er dann mit dem defekten Gerät macht - ob er es z.B. gegen Kostenerstz an seinen Vorlieferanten zurück gibt oder gar wegwirft ist ihm überlassen und braucht dich nicht mehr zu interessieren. Vorteil dieser Variante: Er behält einen positiven Kunden.

Variante 2: Er nimmt das defekte Gerät in Empfang und wickelt die notwendige Reparatur - auf seine Kosten und Mühen - ab. Zusätzlich muss er Dir aber ein gleichwertiges Ersatzgerät für die Dauer der Reparatur aushändigen. Dieses Vorgehen ist für den Händler sehr mühsam, da er den Austausch mehrfach durchführen, zudem Ersatzgeräte vorhalten und die Abwicklung mit dem Reparaturbetrieb aufrecht erhalten muss. All dies ohne dass Dir als Kunden Kosten entstehen dürfen, versteht sich.

Kundenfreundliche Händler und Kaufleute werden sich wohl für die erste Variante entscheiden.

Dies vor allem aber auch deswegen, weil Sie mit dem Vorlieferanten i.d.R. eine Regelung getroffen haben, wie mit defekter Garantie-Retourenware verfahren wird. In der Regel erhält der Händler bei Rücksendung eine Waren- oder Kontogutschrift oder eben ein neues Gerät.

Kein Hersteller von Massenware - ein Handy ist mittlerweile Massenware - verschwendet teure Ressourcen um ein Gerät in Eigenregie zu reparieren. Defekte Geräte innerhalb der Garantie sind dort in den Produktionskosten und Verkaufsmargen bereits eingepreist.

Kommentar von Primus ,

Absolut richtig!!

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