Frage von Oz123, 129

Hallo, kann ich für 2009 + 2010 einen Verlustvortrag geltend machen, obwohl für 2011 bereits eine bestandskräftige Einkommensteuererklärung beschieden wurde?

Ich möchte gerne die Kosten für mein Zweitstudium als Werbungskosten geltend machen. Studiert habe ich von 2008 bis 2014. Wie ich gelernt habe, gilt für einen Verlustvortrag eine siebenjährige Feststellungsfrist, weshalb ich für die Jahre ab 2009 noch eine Feststellungserklärung bzw. Einkommensteuererklärungen abgeben kann. Nun habe ich für 2011 dummerweise schon eine Einkommensteuererklärung abgegeben. Damals über den Steuerberater meiner Eltern, um ein paar Euro gezahlte Lohnsteuer zurückzubekommen. Leider ohne Ansatz der ganzen Studienkosten als Werbungskosten. Okay, Fehler, Pech gehabt, für 2011 ist nichts mehr drin. Nun aber zur eigentlichen Frage: Für 2009 und 2010 könnte ich nicht unerhebliche Verlustvorträge geltend machen (doppelter Haushalt, Fahrtkosten etc.). Die würden dann ja von 2009 auf 2010 und dann auf 2011. Geht das denn, wenn der Bescheid für 2011 schon rechtskräftig ist? Oder werden die dann einfach direkt nach 2012 übertragen? Da wäre dann noch die Frage, ob ich den Verlustvortrag 2009 und 2010 in 2012 einfach unter "Verbleibender Verlustvortrag laut Feststellungsbescheid zum 31.12.2011" eintragen kann? Denn 2011 wurde er ja nicht festgestellt, sondern 2010. Es würde mich sehr freuen, wenn mir bei dieser recht speziellen Frage jemand helfen könnte. Vielen Dank!

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Antwort
von EnnoWarMal, 117

Ja, das ist möglich, aber du musst aufpassen, dass du es richtig machst: Der Haken im Mantelbogen darf nicht bei Einkommensteuererklärung gesetzt werden. Die nämlich wäre eine Antragsveranlagung und dafür ist die Festsetzungsfrist verstrichen.

Wenn das Finanzamt meint, den VV wegen Festsetzungsverjährung nicht festsetzen zu wollen, liegt es falsch (aber ist gängiges Praxiswissen in vielen Finanzämtern) und es muss Einspruch eingelegt werden.

Ob die Veranlagung 2011 noch änderbar ist, muss an den vorliegenden Bescheiden und nachfolgendem Schriftwechsel geprüft werden.

Die Zeit ab 2012 ist auf jeden Fall noch innerhalb der Festsetzungsfrist.

Kommentar von wfwbinder ,

Volle Zustimmung.

Ich sehe die Lösung für 2011 in der Steuerveranlagung 2012, oder später.

Vermutlich wird ja das Finanzamt nach den Verlustfestellungen 2009 + 2010 den Abzug dieser Verluste in späteren Jahren verweigern, soweit sie in 2011 abzugsfähig gewesen wären. In dem Jahr müsste dann ggf. 2011 aufgerollt werden, um dann die Werbungskosten des Jahres abzuziehen.

Wird auf jeden Fall sehr spannend.

Kommentar von Oz123 ,

Mein erster Kommentar bezog sich auf EnnoWarMal, sorry.

Nun @wfwbinder: Auch Ihnen vielen Dank für die kompetente Antwort. Meine Verlustvorträge 2009 und 2010 sind niedrig fünfstellig. In 2011 war das zu versteuernde Einkommen 755 EUR und die erstattete Lohnsteuer 27 EUR. Insofern wären die Verluste 2011 nicht abzugsfähig gewesen, oder? 

Wie sollte ich also 2012 mit den Verlusten umgehen? In Zeile 92 "Verbleibender Verlustvortrag laut Feststellungsbescheid zum 31.12.2011" eintragen? 

Das mit den Werbungskosten habe ich nicht verstanden? Besteht irgendwie die Möglichkeit, die Werbungskosten aus 2011 in 2012 noch zu veranlagen?

Kommentar von Oz123 ,

@wfwbinder: Vielen Dank für die kompetente Antwort. Das mit dem Einspruch habe ich jetzt auf dem Schirm, falls sich das FA querstellt. Ich würde nun folgendermaßen vorgehen. Für 2009 und 2010 würde ich die Erklärungen zusammen einreichen mit einem Haken bei "Antrag auf Verlustfeststellung" auf dem Mantelbogen (NICHT bei Einkommensteuererklärung). Soweit richtig?

Für 2010 würde ich in Zeile 92 "Verbleibender Verlustvortrag laut Feststellungsbescheid zum 31.12.2009" den von mir berechneten Verlustvortrag eintragen. Oder lasse ich das, da es ja für 2009 noch keinen festgestellten Verlustvortrag gibt, wenn ich die Erklärungen gemeinsam abgebe? 

Danach würde ich zunächst einmal die Feststellungsbescheide abwarten. Da wäre dann die Frage, wie es mit den festgestellten Verlusten 2012 weiter geht?

Für 2011 wurde die Steuer 08.2012 festgesetzt und ich habe keinen Einspruch eingelegt (teilweise vorläufig nach $ 165 Abs. 1 Satz 2 AO -> aber aus keinen Gründen, die ich so verstehe, dass ich nachträglich Werbungskosten geltend machen könnte). 

Kommentar von wfwbinder ,

Das ist alles soweit in Ordnung. Nur die Verlustvorträge brauchen nicht eingetragen zu werden, das macht das Finanzamt.

Für 2011 kommt ggf. ein neuer Bescheid, wo die Verlustvorträge aus den Vorjahren eingesetzt werden (Änderung gem. § 175 AO für das Jahr 2011.

im ersten Jahr, wo dann Steuern gezahlt werden, ggf. die Festsetzung rügen, weil in 2011 noch Werbungskosten abzugsfähig wären und deshalb zuviel Verlustvortrag verbraucht wurde.

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