Frage von Jacky1, 61

Ich möchte ein Fertighaus auf einem Erbpachtgrundstück bauen, komplett mit Eigenkapital. Die Bank lehnt Bürgschaft ab - was tun?

Die Bank bestätigt mir nur den Kontostand, bürgt aber nicht für die Bausumme. Die Baufirma will aber die Sicherheit dass das Geld auch dann noch verfügbar ist wenn die Zahlungen zu leisten sind. Habe diverse Notare angefragt nach einem Aderkonto, alle lehnten ab da der Kauf des Hauses oder des Gründstückes nicht über Sie läuft. Habe auch keine Bank gefunden die ein Bürgschaftskonto einrichten will. Den Vorschlag der Baufirma das Geld einfach per Vorabüberweisung zu zahlen lehne ich strickt ab. Hat jemand eine Idee, oder so was schon selbst erlebt und eine Lösung gefunden? Wäre sehr froh wenn jemand Rat hat.

Antwort
von LittleArrow, 46

Irgendwie eine sehr schwache Performance Deiner Bank.!

Man kann das ganze auch umdrehen: Du verlangst vom Hersteller seiner Bank eine Anzahlungs- und Erfüllungsbürgschaft über 110 % der Zahlsumme.

Für die Vorauszahlungsweise von 100 % verlangst Du einen Preisnachlass von - sagen wir - 5 % (orientieren kann man sich da an den vorgesehenen Zahlungsbedingungen und einem moderaten Kontokorrentzins der Bank Deines Herstellers. Zur Textierung der Bürgschaft und Deiner Vertragsrechte (einschl. Vertragsstrafe) bei vollständiger bzw. teilweiser Nichterfüllung brauchst Du allerdings wirklich fachliche Expertise und kannst Dich da nicht auf den Textvorschlag des Herstellers und seiner Bank verlassen.

Kommentar von Privatier59 ,

Zeitgleich denselben Vorschlag gehabt!

Kommentar von Jacky1 ,

Danke für die Antwort. Der Hersteller hat mir wohl eine Bürgschaft seiner Bank zugesagt dass im Falle z.B. einer Insolvenz das Geld an mich zurück geht aber das sichert mich nicht ab gegen Baumängel, da macht man ja üblicherweise einen Einbehalt. Ist das gemeint mit Erfüllungsbürgschaft? Ist absolutes Neuland für mich. Zu meiner Bank, ich könnte das Geld ja jeder Zeit abheben uns so was wie ein Sperrkonto bieten Sie nicht an. Habe aber auch bei zwei anderen Nahmhaften Banken erfolglos angefragt. Ich werde mal das von Dir vorschlagen und einen RA einschalten. Tausend Dank für die Hilfe

Kommentar von Privatier59 ,

Das ist genau das Thema: Die Bürgschaft muß vor dem Insolvenzfall schützen, muß die Fertigstellung garantieren und außerdem auch die Sachmängelgewährleistung absichern. Das bedarf einer ausgefeilten Formulierung.

Kommentar von LittleArrow ,

Insolvenz ist ja nur ein denkbarer, aber wirklich sehr krasser Fall. Vertragserfüllung kann sehr vielseitig sein, ebenso die Vertragsnichterfüllung (was immer dort geregelt sein mag; z. B. verzögerter Baufortschritt, mangelhafte Durchführung/Mitwirkung/Nachweise, fehlerhafte bzw. mangelnde Nachbesserung und Gewährleistung).

Nach mängelfreier Abnahme kann der Wert der Bürgschaft auf einen üblichen Gewährleistungsbetrag reduziert werden.

Der RA muss auch den Vertrag prüfen, nicht nur die Bürgschaft, denn letztere deckt nur das ab, was im Vertrag als Erfüllung festgelegt ist.

Vielleicht noch ein weiterer Hinweis: Üblicherweise liegen bei Abschluss des Vertrages noch nicht alle Lieferdetails fest, z. B. die Anzahl der elektrischen Anschlüsse pro Raum, die Ausstattung mit Sanitärgegenständen, Fliesen, Tapeten und Dekor etc. Diese Details werden bei Fertighausverträgen erst in einem Bemusterungsgespräch vereinbart. Du mußt nur wissen, dass Du dann keine Preisverhandlung mehr führen kannst, sondern bei Deinen Wünschen die Herstellerpreise akzeptieren oder auf Deinen Wunsch verzichten mußt. M.a.W. vor Vertragsunterzeichnung mußt Du im Prinzip auch die Bemusterung und die genaue Baubeschreibung endverhandeln. Auch bei der Baubeschreibung findet der Vertragsprofi viele mehrdeutige Formulierungen zu Wohle des Herstellers.

Lies unbedingt z. B. mal hier: 
http://www.ratgeber-verbraucherzentrale.de/DE-NW/kauf-und-bau-eines-fertighauses

http://www.ratgeber-verbraucherzentrale.de/DE-NW/die-muster-baubeschreibung

Kommentar von wfwbinder ,

Top, Zahlung gegen Fertigstellungsbürgschaft wäre auch mein Rat.

Antwort
von Privatier59, 34

Stimmt das Guthaben in der Höhe mit der gewünschten Bürgschaftssumme überein? Bist Du bereit, das Guthaben an die Bank zu verpfänden? Wenn beide Fragen bejaht werden, kann ich Deine Probleme nicht nachvollziehen. Bürgschaften sind doch ein übliches Bankgeschäft.

Mein Vorschlag ist, den Kaufpreis als Vorauszahlung zu erbringen, aber nur dann und wirklich nur dann, wenn die Baufirma zuvor eine Fertigstellungsbürgschaft stellt. Darin muß natürlich auch für den Insolvenzfall Vorkehrung getroffen werden. Am besten überläßt man die Formulierung einem Rechtsanwalt.

Kommentar von Jacky1 ,

Die komplette Summe ist vorhanden. ich verstehe es auch nicht warum ich über und auch andere Banken nicht weiterkomme. Aber ich werde das wie vorgeschlagen versuchen über einen Anwalt zu regeln. Auch dir tausend Dank

Kommentar von wfwbinder ,

Top, Zahlung gegen Fertigstellungsbürgschaft wäre auch mein Rat.

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