Frage von Rat2010, 5

Haftet Makler bei zu geringer Miete?

Auch ein Mietfall aus der Praxis, genau gesagt von gestern. Ich sondiere einen Wohnungsmarkt und sehe die Anzeige eines Maklers, der eine Wohnung in einem Haus vermietet, in dem ich gerade zwei Wohnungen verkaufe.

Laut Mietspiegel ist auf 9,80 €/qm erhöhbar. Derzeit üblich sind für Wohnungen ohne Balkon bei der Neuvermietung 10 €, mit Balkon oder renoviert werden gut 10,50 € aufgerufen. Ich kenne die Zahlen, weil ich in dem Objekt schon Mieten erhöht habe.

In der Anzeige werden für eine frisch renovierte Wohnung mit Balkon und moderner Einbauküche 7,0 €/qm verlangt. Weil ich in dem Jahr die Wohnung direkt darüber verkauft habe, kann ich auch die eine Etage darunter einschätzen. Sie ist wenigstens 10,50 €/qm wert.

Ich maile den mir bekannten Eigentümer (der 300 Km weit weg wohnt und sich nicht darum kümmert) an und teile ihm das mit. Der mailt mir zurück, dass das Mail einen Tag zu spät kommt. Der Vertrag ist schon abgeschlossen. Es hätte ihn auch gewundert, wie schnell es ging aber er hätte sich auf den Makler verlassen.

Es geht um monatlich exakt 200 € Kaltmiete. Auch wenn er bis an die Grenzen erhöht, dauert es wenigsten sechs Jahre, bis er eine ortsübliche Miete bekommt. Dazu verschlechtert die niedrige Miete die Verhandlungsbasis bei einem eventuell beabsichtigten Verkauf. Ein Blick in Immoscout oder Immowelt hätte sowohl dem Eigentümer als auch dem Makler gezeigt, dass er wenigstens 3 €/qm zu niedrig liegt.

Kann der um ca. 5.000 € - vor Steuer - geschädigte Eigentümer etwas machen? Gibt es eine Haftung für Schlechtleistung bei einem Makler? Der Schaden ist sicher entstanden. Wie sollte man es angehen, dass er auch ersetzt wird? Ich gehe aufgrund der Anzeige davon aus, dass er im Alleinauftrag gehandelt hat.

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von Mikkey, 5

Ich vermute, den Wortlauf der Maklerbeauftragung ist Dir nicht bekannt?

Ich frage deshalb, weil die Zielmiete zu Beginn irgendwie definiert werden musste, niemand bauftragt einen Makler und sagt ihm: "wieviel Miete Du erzielst, ist mir egal".

Ich stelle mir das hier halbwegs so vor, dass der Makler sich die Wohnung angesehen hat und dann den Eigentümer über die von ihm geschätzte erzielbare Miete informiert hat.

Insoweit schätze ich, dass es sich hier um eine falsche Beratung gegeben hat, die zu Schadensersatzansprüchen führen können - zumindest, wenn der Fall so klar und so eklatant ist, wie Du ihn schilderst.

Kommentar von Rat2010 ,

Genau so stelle ich mir das zustandekommen der Miete auch vor. Es ist auch der übliche Weg, wenn man nicht vor Ort ist und keine Ahnung hat.

Eklatant ist der Fall sicher und vermutlich könnte man mit den 9,60 €/qm vom Mietspiegel auch argumentieren.

Sieht nur nach "drei Experten, vier Meinungen" aus. Schon wieder so eine Frage, auf die es keine Antwort gibt.

Kommentar von Mikkey ,

Vielleicht sollteder Eigentümer, bevor er die juristische Keule schwingt, erstmal den Makler selbst zur Rede stellen, um dessen Sichtweise kennenzulernen.

Vielleicht ist da ein Neuling am Werk gewesen?

Auf jeden Fall ist die Beauftragung eines Maklers auch ohne Bezahlung durch den Vermieter ein gültiger Vertrag, die Erlaubnis, die Immobilie ins Portfolio stellen zu dürfen, ist dabei die vertraglich Leistung des Vermieters.

Kommentar von Rat2010 ,

"erstmal den Makler selbst zur Rede stellen, um dessen Sichtweise kennenzulernen."

So wird und so soll es kommen! Es wird zwar auf eine Lehrstunde für den Makler rauslaufen, die der Eigentümer bezahlt (vielleicht gibt er auch seine Provision weiter), aber etwas anderes ist nicht sinnvoll.

Antwort
von Snooopy155, 3

Wenn ein Eigentümer einen Makler mit der Vermietung beauftragt, hat er sicher einen Vertrag dazu geschlossen. Die Vertragsdetails kennst Du nicht, machst Dir aber darüber Gedanken, wie man den Makler schadensersatzpflichtig machen kann. Es ist aber davon auszugehen, dass es in solchen Verträgen sicher eine Klausel gibt, die Makler vor Sachdensersatzsprüchen schützen.

Zudem muß sich der Eigentümer auch vorhalten lassen, dass es bei Vermietung kein Rundumsorglospaket gibt.

Antwort
von Privatier59, 2

Das ist ein deshalb eher ungewöhnlicher Fall weil Makler an sich ja nur Vermittler sind und die Angaben des Vermieters weitergeben. Erster Schritt wäre hier die Sichtung der vertraglichen Grundlagen. So wie mir das da geschildert wird fällt es mir schwer zu glauben, dass ein reiner Maklervertrag abgeschlossen wurde. Das klingt mir eher nach einer Hausverwaltung und da ist dann die Anspruchslage klar.

Beim Maklervertrag ergäbe sich im übrigen noch ein ganz besonderes Problem: Der Makler wird fast nie vom Vermieter oder von Vermieter und Mieter gemeinsam bezahlt. Grund dafür ist, dass man immer davon ausgeht, dass der Vermieter nur quasi der Hinweisgeber des Maklers sei, der wirkliche Vertragspartner aber der Mieter. Wenn das hier auch so war, dann muß man sich doch fragen, wie denn nebenvertragliche Pflichten verletzt werden könnten ohne dass es einen Hauptvertrag (zwischen Vermieter und Makler) gibt.

Ob sich da aus dem "Alleinvertrag" nun etwas anderes ergeben könnte, kann man in Zweifel ziehen. Das ist doch nur die Pflicht, keinem anderen Makler die Vermittlung zu überlassen.

Abschließend äußern möchte ich mich in der Sache nicht, denn wie gesagt sind die Vertragsgrundlagen nicht bekannt und der gesamte Aufgabenkreis des Maklers daher nicht genau abzustecken.

Kommentar von Rat2010 ,

Keine Hausverwaltung. Auch keine Ahnung, woher der Eigentümer den Makler hat.

Der üblichste Fall wird sein, dass der Eigentümer beim Makler anruft und fragt, zu welchem Preis er bis zum nächsten oder überrnächsten ersten einen Mieter hat. Das verändert den Fall vielleicht aber in der Konsequenz war auch hier die Auskunft falsch. Nur dann war sicher der Eigentümer dumm und nicht der Makler betrügerisch.

Wäre es aus deiner Sicht strafbar, wenn ein Makler einem Eigentümer wissentlich einen zu geringen Preis nennt und er sich damit einen Vorteil verschafft:

a) wenn der Makler nur möglichst schnell seine Provision will oder

b) der Makler eine Warteliste von Leuten hat, von denen er manchen etwas gutes tun will oder

c) die Frau, Freundin oder Tochter des Maklers weniger zahlen soll, als ortsüblich oder

d) der Makler eine Warteliste von Leuten hat, die die dreifache Provision zahlen, wenn sie eine billige wohnung bekommen?

Der Nachweis ist immer sehr schwierig. Ich denke nur, wenn man so einen Fall sieht, tun sich diese Fragen auf.

Kommentar von Privatier59 ,

betrügerisch.

"Vorspiegelung falscher Tatsachen" ist ein Tatbestandselement des § 263 StGB und ich grübele wo denn die falschen Tatsachen sind: Der Makler wird um eine Einschätzung der Marktlage gebeten und gibt eine wissentlich unrichtige Einschätzung ab. Dennoch ist es eine "Einschätzung" und das weiß der Auftraggeber auch. Ob das als Tatsache reicht, müßte man mal in der Kommentierung überprüfen. Allerdings könnte man diese Arbeit auch dem Staatsanwalt überlassen. Jeder Bürger kann gegen jeden anderen Bürger Strafanzeige erstatten. Das kostet nichts und -wenn der Anzeigeerstatter tatsachenmäßig bei der Wahrheit bleibt- schadet auch nichts.

Antwort
von qtbasket, 3

Alles nur gefühltes Recht !!!

  • Kann der um ca. 5.000 € - vor Steuer - geschädigte Eigentümer etwas machen?

Es ist kein Schaden entstanden !!! Es gibt Vertragsfreiheit in Deutschland und ein Objekt preiswert zu vermieten bzw. zu verkaufen ist definitiv nicht verboten und schon gar nicht ein Vermögensschaden per se.

Kommentar von Rat2010 ,

Wo liegt die Grenze zu Betrug? Wenn er entweder vom Mieter mehr bekommen hätte oder ihm der Mieter bekannt ist, wäre es Betrug.

Ich bin nicht der Betroffene, weshalb Fragen in der Richtung vermutlich nicht gestellt werden. Als Makler (mein Hobby!) hätte ich aber ein extrem schlechtes Gefühl, wenn ich etwas 30 % unter Wert vermiete oder verkaufe. Es ist attraktiv, günstig zu vermieten oder zu verkaufen, weil die Objekte dadurch natürlich extrem kurz im Bestand sind. Diskussionen um die Provision gibt es auch nicht. Ich würde mich nur so fühlen, als hätte ich den Verkäufer betrogen. Jedenfalls dann, wenn ich irgendwas davon habe (und da reicht es (mir) eigentlich, dass innerhalb eines Tages meine Provision verdiene). Das sagt mein Rechtsempfinden.

Wie würdest du dne Fall sehen, wenn der Makler vom Mieter doppelt so viel bekommt oder die Wohnung an die Tochter des Maklers ging? Auch dann nur "gefühltes Recht"?

Dass ein Makler den Markt weder kennt noch situativ scannt, ist erst mal eine Annahme, die nicht weniger wahrscheinlich ist, als dass die Wohnung an seine Tochter ging.

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