Frage von Janaaus, 197

Guten Morgen, ich möchte mich gerne selbstständig machen und suche noch nach einer Krankenversicherung, habt Ihr einen TIpp für mich?

Bei der privaten Krankenversicherung wird im Vergleich zur gesetzlichen der Beitrag anders kalkuliert. Nun würde mich aber interessieren, weil der Preis für mich wichtiger ist, was eine private Krankenversicherung mindestens kosten kann. Eine Chefarztbehandlung im Krankenhaus und solche Leistungen brauche ich nicht. Vielleicht hat das Forum ja ein paar Tipps für mich, was die Krankenkasse angeht.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Patrizia425, 197

Hallo Janaaus,

es stimmt, dass die gesetzliche Krankenversicherung anderes berechnet wird. Denn hier wird das Einkommen zur Berechnung des Beitrags herangezogen. Auch besteht in den meisten Fällen kein Anspruch auf ein Krankengeld. 

Bei der privaten Krankenversicherung spielt das Einkommen keine Rolle. Doch hier kommt es auf den Gesundheitszustand und das Alter des Antragstellers an. Je weniger Extraleistungen du beim Tarif auswählst, desto preiswerter wird sie. Weitere interessanter Fakten zur PKV für Selbstständige gibt es auch auf http://pkv-testsieger.org/selbstaendige. 

Kommentar von Janaaus ,

Wenn die Gesundheit nicht mehr ganz so gut sein sollte, dann bedeutet das also, dass ich mehr zahlen muss. Gilt das nur für die private Krankenversicherung? 

Kommentar von Patrizia425 ,

Hallo,

ja bei der privaten Krankenversicherung spielt leider der Gesundheitszustand eine sehr große Rolle. Bei der gesetzlichen Krankenkasse ( GKV) hingegen gibt es keinen Aufschlag, wenn die Gesundheit nicht so ganz in Ordnung ist. Dafür gibt es hier für alle nur die gleichen Leistungen....mehr nicht. Egal wie viel Du einzahlst...

Kommentar von Hanseat ,

Nein !

Was Patrizia425 schreibt, ist größtenteils Unsinn und wenig hilfreich.

Erstens, in der gesetzlichen Krankenkasse besteht, auch als Selbständiger, Anspruch auf Krankengeld, nur muss man dieses, im Gegensatz zu Angestellten, extra beantragen.

Zweitens, das Alter und der Gesundheitszustand spielen in der PKV nur bei Antragsstellung eine Rolle. Ersterer entscheidet grundsätzlich über die höhe des Beitrages und Zweiterer entscheidet u.U. über Zuschläge oder sogar darüber ob Dich eine PKV überhaupt nimmt.

Wenn Du dann mal versichert bist, zahltst Du denselben Beitrag, egal ob Du gar nicht oder häufig krank bist.

Der Link geht auf eine überhaupt nicht weiterführende Webseite eines Maklers und dort sollst Du nur Deine Adresse und Einwilligung hinterlassen damit Du dann mit Telefonanrufen bombardiert werden kannst.

Kommentar von Patrizia425 ,

Hallo Hanseat,

das Krankengeld wird den Selbstständigen nur nicht angeboten. Der Antragsteller muss es expliziet erwähnen.

Da noch keine PKV besteht, wird er/sie wohl die Gesundheitsprüfung über sich ergehen lassen müssen. Daher ist meine Darstellung der Fakten richtig. 

Das mit den Beiträgen stimmt so auch nicht. Denn statistisch gesehen, steigen die Beiträge der PKV mit den Jahren an. Grund dafür sind meist die steigenden Kosten für laufende oder neue medizinische Verfahren. 

Die Adresse ist ausschließlich zur Information gedacht

Bitte immer höflich und sachlich bleiben. 

Kommentar von Hanseat ,

Krankenged kann jeder Selbständige formlos gegen 0,6 % Beitragszuschlag bei seiner GKV beantragen.

Die Adresse bietet nun mal keine sinnvolle Information.

Die beiträge in der PKV steigen wegen der stiegenden Gesundheitskosten, richtig. Aber das tun sie in der GKV auch, durch den Beitragssatz bzw. den kassenindividuellen Zusatzbeitrag, zusätzlich für Gutverdiener durch die jährliche Anhebung der Bemessungsgrenze. Insgesamt sind dadurch die Beiträge in der GKV in den letzten Jahrzehnten sogar mehr gestiegen als beim Durchschnitt der PKVs.

Antwort
von RHWWW, 80

Hallo,

die Kosten für eine Privatversicherung hängen vom Alter bei Versicherungsabschluss, dem Gesunheitszustand bei Versicherungsbeginn und den ausgewählten Leistungen ab.

Der Preis einer Versicherung besteht immer aus den Beiträgen und den nicht versicherten Leistungen.

Wenn man sich für die PKV entschieden hat, kann man als Selbständiger nie mehr in die GKV zurückkehren. In der GKV liegt der Mindesbeitrag bei ca. 370 Euro (in besonderen Fällen z.B. Bezug von Gründungszuschuss bei ca. 250 Euro) monatlich. Bei höheren Einnahmen werden ca. 14,9% zur Kranken- und ca. 2% zur Pflegeversicherung fällig.

Entscheidend ist daher nicht, wo es im Moment am günstigsten ist, sondern wie man am besten lebenslang versichert ist. Das heißt, es ist erforderlich alle späteren möglichen Veränderungen mit in den Vergleich einzubeziehen, z.B. "Gründung einer Familie" und Verringerung/Wegfall der Einnahmen.

Auch bei folgenden Änderungen bleibt man in der PKV:

Insolvenz, Arbeitslosigkeit, späteres Studium, Frührente wegen Erwerbsminderung, Altersrentner, Elternzeit/Hausmann, Auszeit wegen Kindererziehung -> in diesen Fällen sind die PKV-Beiträge in unveränderter Höhe weiterzuzahlen.

Ggf. sind zusätzliche Beiträge für Kinder oder den nichtberufstätigen Ehegatten zu zahlen.

Die Beiträge für den nichtberufstätigen Ehegatten werden in der GKV nach der Elternzeit (manchmal auch in der Elternzeit) immer nach der Hälfte der Einnahmen des PKV-Ehegatten berechnet (§ 240 SGB V letzter Absatz).

Für Kinder sind pro Kopf Beiträge zu zahlen (Höhe ist abhängig vom Gesundheitszustand/behindertes Kind?) Die Leistungen für die Kinder sind dann oft auf die Tarife für die Eltern begrenzt. Hier sind unter dem Suchbegriff "PKV" viele Erfahrungen betroffener Eltern vermerkt:

rehakids.de/phpBB2/forum21.html

Bei den Leistungen sollte man neben vielen anderen besonders auf folgende Punkte achten:

• Reha/Kur (z.B. nach Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs, Unfällen ...)

• Hilfsmittel: Katalog der GKV:

.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/hilfsmittel/hilfsmittelverzeichnis/hilfsmittelverzeichnis.jsp

Hilfsmittel erreichen schnell 4- und teilweise 5-stellige Beträge.

• Psychotherapie (Anzahl und Erstattungshöhe)

• Heilmittel (z.B. Krankengymnastik, Sprachtherapie, Ergotherapie), z.B. nach Schlaganfall

-> Heilmittelarten und Erstattungshöhe

In der PKV werden Leistungen, soweit sie das Maß des medizinisch Notwendige nicht übersteigen, erstattet. Was notwendig ist, prüft die Versicherung, wenn man Rechnungen einreicht. Der Leistungserbringer hat aber trotzdem einen Anspruch auf Vergütung. Im Übrigen werden - je nach Tarif - oft nur anerkannte Methoden erstattet.

§5 Absatz 2 und § 4 Absatz 6 PKV-Musterbedingungen:

.pkv.de/recht/musterbedingungen/mbkk2009.pdf

Die Gesundheitsfragen im Versicherungsantrag sind zu 100% korrekt zu beantworten (sonst riskiert man den kompletten Versicherungsschutz). Wer seit Jahren ein "Gesundheitstagebuch" führt, ist im Vorteil. Vergessene Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Husten etc. können fatal sein:

.test.de/versicherungen/tests/Formulare-der-Privaten-Krankenversicherer-Diagnose-unklar-1669604-1669862/

Wenn man im Krankheitsfall Probleme mit einem PKV-Unternehmen hat, kann man praktisch nicht mehr wechseln. Jede andere Versicherung wird einen voraussichtlich wegen der Erkrankung ablehnen (oder gravierende Risikozuschläge erheben). In der GKV sind die anderen Krankenkassen verpflichtet, einen aufzunehmen, und man hat ab dem 1. Tag den vollen Leistungsanspruch (ohne Zuschläge).

Vielleicht interessante Links (3x "w" ergänzen"):

focus.de/finanzen/versicherungen/krankenversicherung/tid-5429/krankenversicherung-zehn-irrtuemer-ueber-die-privatenaid52165.html

bundderversicherten.de/app/download/BdV-PKV-Broschuere.pdf

.wdr.de/tv/markt/sendungsbeitraege/2011/1114/00_pkv.jsp

pkv-ombudsmann.de/

(unter Tätigkeitsberichte sind häufige Beschwerden von PKV-Versicherten aufgelistet)

Man kann PKV-Experten auch eine Testfrage stellen: "Kann man nach der Selbständigkeit, wenn man keine Arbeitslosenversicherungsbeiträge gezahlt hat, als Arbeitsloser wieder in die GKV zurück?" Wenn die Antwort "ja" lautet, hat der "Experte" noch den Stand von 2008. Seit 1.1.2009 gilt folgende Regelung:

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__5.html-> Absatz 5a

Die Entscheidung hat vermutlich lebenslange Auswirkungen und sollte daher genauso gründlich wie z.B. ein Hauskauf angegangen werden.

Viel Erfolg bei der richtigen Entscheidung!

Gruß

RHW

Kommentar von RHWWW ,

Freie Solidargemeinschaften (z.B. ARTABANA) haben einen großen Haken: Sie sind nicht als Krankenversicherung anerkannt. Man muss also (zusätzlich) eine Krankenversicherung haben.

Quelle:

http://www.aok-business.de/fileadmin/user_upload/global/Fachthemen/Besprechungse...

-> Punkt 5

Antwort
von Inline, 32

Du solltest bei der Anfrage einer Krankenkasse erst einmal geklärt haben wo Du bisher versichert gewesen bist. Das heißt gesetzlich Versicherte müssen sich auch weiterhin gesetzlich freiwillig weiter versichern und privat Versicherte bleiben bei der privaten Versicherung! Und als Tipp kann ich Dir dringend raten das Du der Versicherung mitteilst das Du erst am Beginn Deiner Selbstständigkeit stehst und dafür gibt es sogenannte "Härtefall-Tarife". Auf jeden Fall ist es in jedem Jahr neu geregelt ab wie viel Einkommen Du überhaupt in eine private Krankenversicherung aufgenommen wirst. Reicht Dein Einkommen nicht aus um eine PKV zu bezahlen ohne das Du in eine finanzielle Notlage gerätst, rate ich Dir beim Jobcenter Deiner Stadt eine Aufstockung und/oder die Übernahme Deiner PKV-Beiträge zu beantragen!

Super hilfreich war für mich immer die Internetseite des Verbraucherschutzes und die Tipps für Selbstständige des Jobcenters.

Viel Glück!

Antwort
von Hanseat, 82

Daie Frage nach dem Preis ist hundertprozentig die absolut falsche Frage zu Anfang.

Zuerst, verschaffe Dir umfangreiche Kenntnisse über die beiden, völlig unterschiedlichen Systeme (GKV & PKV). Wie funktionieren diese (vor allem wenn Familie und auch im Alter), welche Wechselmöglichkeiten (oder auch nicht) gibt es ggf., wie werden die Beiträge berechnet, welche grundsätzlichen Leistungsunterschiede gibt es.

Wenn Du keine Leistungen überhalb des Niveaus der gesetzlichen Krankenkasse willst, dann wechsele nicht in die PKV. Aus vielfacher Erfahrung, ein Wechsel in die PKV nur aus monetären Gründen geht schief, mit Ansagen. Eine PKV muss man sich leisten wollen und können, diese Aussage ist grundsätzlich wahr.

Billigtarife in der PKV weisen zwei wichtige Merkmale auf. Erstens, die Liestungen sind nicht besser als in der GKV sondern in einzelnen Bereichen höchstens schlechter. Zweitens, diese Tarife werden zukünftig deutlich überdurchschnittliche Beitragssteigerungen haben, u.a. weil sie meist nicht solide kalkuliert sind. Es gibt Ausnahmen, aber die sind dann eben auch nicht mehr einfach "billig".

Antwort
von WERNERHANS, 48

Wer in keiner Krankenkasse ist, kann sich auch einer freien Solidargemeinschaft anschließen. Dort erhält man optimale Leistungen bei niedrigen Beiträgen. Alles wird ehrenamtlich gemacht, es müssen keine Gewinne erwirtschaftet werden. Wer bereits Mitglied in einer Krankenversicherung ist, kann leider nicht dorthin wechseln. Näheres im Internet unter "solidago-bund"

Antwort
von gammonwarmal, 72

Die Frage nach den "Kosten" wirde Dir niemand beantworten können. Es ist schon ein maßgeblicher Unterschied, ob Du 25 oder 60 Jahre alt bist.

Am besten suchst Du Dir erst einmal einen Vergleichsrechner im Internet, z. B. hier:

http://www.check24.de/private-krankenversicherung/

Was heute wohl jeder weiß: Ist man jung, lässt sich mit der PKV viel Geld sparen, im Alter sieht es genau umgekehrt aus. Deswegen ist die preisliche Ausrichtung nicht unbedingt richtig.

Wenn Du auf Leistungen wenig Wert legst, solltest Du in der GKV bleiben.

Antwort
von RobinBanks, 78

Du kannst dich gesetzlich oder privat versichern. Gesetzlich ist zwar teurer, hat aber gerade im Alter Vorteile für dich. Da wird die private Versicherung dann plötzlich extrem teuer.

Kommentar von Janaaus ,

Ja, das habe ich auch schon sehr oft gehört. Vielen Dank. 

Kommentar von Hanseat ,

Eine PKv wird nicht zwangsläufig im Alter "extrem teuer". Das kann man als privta Versicherter durch mehrere Maßnahmen verhindern.

Kommentar von gammonwarmal ,

Das sind aber Maßnahmen, die den Leistungsumfang betreffen. Will also jemand im jungen Alter einen bestimmten Leistungsumfang haben, ist seine Vorstellung auch sicherlich, diesen im Alter zu haben. Das ist nämlich gerade der Punkt, an dem die Wehwehchen größer werden und der Leistungsumfang umso wichtiger ist.

Antwort
von Gaenseliesel, 50

Hallo, auch hier sind wertvolle Antworten zum Thema:

https://www.finanzfrage.net/frage/wie-funktioniert-die-pkv

Wissen kann nicht schaden ! :-))

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