Frage von wuschelkopf, 199

Grunderwerbssteuer fällig bei Sohn eines Mitglieds der Erbengemeinschaft

Hallo @ all,

ich selbst bin mit meinen fünf Geschwistern in einer Erbengemeinschaft. Da mein Vater gestorben ist und Haus und Grundstück vorhanden ist, möchte meine Tochter das Haus gerne übernehmen bzw. kaufen. Da meine Tochter in erster Linie mit ihrem Großvater verwandt ist, dürfte doch eigentlich dann keine Grunderwerbssteuer anfallen, oder sehe ich das falsch? Oder ist es so, dass er nur auf meinen Anteil des Hauses keine Grunderwerbssteuer zahlen muss?

Gibt es eine Möglichkeit, in diesem Fall, die Grunderwerbssteuer zu umgehen? Vielen Dank.

Gruß Wuschelkopf

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Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Erbe & erbrecht, 199

Ich bin etwas verwirrt.

Was will Deine Tochter übernehmen? Ein Grundstück aus Eurer Erbengemeinschaft?

Oder ein Grundstück von eurem verstorbenen Vater, was Du allein bekommen hast?

Oder soll die Erbengemeinschaft aufgelöst werden?

Wenn Deine Tochter von den übrigen Beteiligten an der Ebengemeinschaft etwas kaufen soll, wäre das schlecht, das würde Steuer kosten.

Vorschlag, Du übernimmst von den Miterben (Erwerb zur Auseinandersetzung unter Miterben ist befreit.

Dann überträgst Du auf Deine Tochter.

Kommentar von EnnoBecker ,
Vorschlag, Du übernimmst von den Miterben (Erwerb zur Auseinandersetzung unter Miterben ist befreit.

Eine Schenkung der fünf anderen an den Fragesteller?

Kommentar von wfwbinder ,

Über die Art der Übertragung wäre zu reden, wenn alle Fakten auf dm Tisch liegen.

Wir haben ausser dem genannten Haus keine Angaben, das reizt mich zur Vorsicht.

Ich denke an § 3 Nr. 3 Von der Besteuerung sind ausgenommen:

der Erwerb eines zum Nachlaß gehörigen Grundstücks durch Miterben zur Teilung des Nachlasses. Den Miterben steht der überlebende Ehegatte oder Lebenspartner gleich, wenn er mit den Erben des verstorbenen Ehegatten oder Lebenspartners gütergemeinschaftliches Vermögen zu teilen hat oder wenn ihm in Anrechnung auf eine Ausgleichsforderung am Zugewinn des verstorbenen Ehegatten oder Lebenspartners ein zum Nachlass gehöriges Grundstück übertragen wird. Den Miterben stehen außerdem ihre Ehegatten oder ihre Lebenspartner gleich;

Kommentar von EnnoBecker ,
Wir haben ausser dem genannten Haus keine Angaben, das reizt mich zur Vorsicht.

Richtig, es könne ja auch noch anderweitiges Vermögen in fünffacher Höhe vorhanden gewesen sein, so dass jeder quasi den (Gegen-)Wert des ganzen Hauses geerbt hat. Da könnte man locker tauschen und der Vater könnte dann das Haus an die Tocher veräußern oder verschenken oder etwas dazwischen.

Das Zitat des § 3 Nr. 3 war jetzt nicht nötig.

Problematisch wird es nur, wenn NUR das Haus vorhanden ist - die Brüder und Schwestern werden ja nicht auf ihren Anteil verzichten wollen.

Kommentar von wuschelkopf ,

Also, sorry, das Haus steht natürlich auf einem Grundstück, was praktisch dann sowie so mit dem Haus vererbt wird. Die Erbengemeinschaft erhält dies komplett als Nachlass. Meine Tochter möchte das Haus/Grundstück "erwerben".

Dies nur zur Vereinfachung meiner Frage.

Gruß

Kommentar von wuschelkopf ,

Es ist auch noch etwas an Barvermögen da, im unteren 5-stelligen Bereich, das habe ich nicht bedacht ... aber meine Tochter will nur das Haus, somit bleibt es auch in der Familie. Wenn ich das richtig verstanden habe, bleibt eigentlich nur die Schenkung von den anderen Geschwistern.

Oder aber meine Geschwister "verzichten" (das müsste ich dann intern regeln und jedem einen Anteil zahlen), was wohl aber nur wieder über eine Erbenauseinandersetzung ginge??? Das Haus hat einen ca. Wert von 180.000 €. Und dann muss ja noch ca. 70.000 € zur Sanierung "hinein gesteckt werden".

Kommentar von wfwbinder ,

Mach es doch ganz einfach, Du kaufst von DEinen Geschwistern die 5/6 für 150.000,-.

Das ist völlig steuerfrei.

Dann könnt ihr Euch (Du und Deine Tochter) Euch entscheiden wie ihr weiter macht, abenfalls völlig steuerfrei.

Das einzige ist eben, dass ihr einmal mehr Notarkosten habt, aber die Grunderwerbsteuer (5* 30.000 = 150.000,- * 6 % GrdESt = 9.000,-) ist garantiert teurer.

Antwort
von EnnoBecker, 156

Die Verwandtschaft deiner Tochter mit dem Großvater ist irrelevant, da ihm das Grundstück nicht mehr gehört - er hat es ja vererbt.

Wenn sie das ganze Haus kauft, fällt zu 5/6 Grunderwerbsteuer an, da sie nur mit dir, nicht aber mit deinen 5 Geschwistern in gerader Linie verwandt ist. Das Haus gehört der EG.

Wenn sie es "übernimmt" - was wohl "geschenkt bekommen" bedeutet, fällt Schenkungsteuer im Rahmen dessen an, was die Freibeträge so übriglassen. Hinsichtlich eines Sechstels (Schenkung von dir an die Tochter) ist der Freibetrag 400.000,00. Und hinsichtlich der Schenkung durch die Onkel und Tanten sind es jeweils 20.000,00. Der jeweils darüberliegende Betrag führt zu einer Schenkungsteuer. Grunderwerbsteuer fällt in diesem Fall nicht an.

Kommentar von wuschelkopf ,

Also wenn das Haus einen Verkehrswert von 180.000 Euro hat, was für jeden der Erben einen Anteil von 30.000 € bedeutet, müsste meine Tochter von jedem meiner 5 Geschwister 10.000 Euro = 50.000 Euro versteuern (Schenkungssteuer).

Wenn die Erbengemeinschaft aber sagt, wir veräußern das Haus für 120.000 Euro, dann wäre der Anteil für jeden Erben ja nur 20.000 Euro und somit fällt dann keine Schenkungssteuer an ... sag ich mal. Nur denke ich, wer setzt den Preis fest? Ist das immer der Verkehrswert, den das Finanzamt festlegt für die Schenkungssteuer bzw. auch für die Grunderwerbssteuer?

Sorry, bin halt nicht vom Fach. Aber vielen Dank für die Antworten, die bisher schon sehr weiter geholfen haben.

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