Frage von Konrad92, 124

Gibt es ein Gesetz oder Vorschrift, daß Banken Kundengelder bei der EZB zwischenparken müssen?

Hallo, die europäische Zentralbank hat ja kürzlich den Leitzins auf 0 gesenkt und den Strafzins erhöht, den Banken zahlen müssen, wenn sie Gelder bei der Zentralbank parken. Jetzt wird überall in den Medien geschrieben, daß die Banken diesen Strafzins an die Kunden weitergeben könnten (Quelle: http://www.geld-anlegen.eu/wird-man-bald-auf-guthaben-strafzinsen-zahlen-muessen... ). Aber diese Logik erschließt sich mir nicht, denn entscheidend ist doch dieser Strafzins nur, wenn die Banken Kundengelder bei der EZB parken.

Und hier setzt meine Frage an, denn warum sollten die Banken die Kundengelder bei der EZB parken? Die könnten das Geld doch einfach auf den eigenen Konten lassen, oder? Das würde zwar keine Zinsen bringen, würde aber auch keinen Strafzins kosten. Gibt es also eine Vorschrift oder ein Gesetz, daß die Banken Gelder zur EZB überweisen müssen?

Antwort
von Finanzschlumpf, 70

Ganz wichtig, den Unterschied anerkennen zwischen "Geld" und "Zentralbankgeld".

Banken verleihen an Kunden "Geld". Das tangiert aber den Bestand an Zentralbankgeld nicht im Geringsten. Eine Bank kann soviel Kredite gewähren wie sie will, ihr Zentralbankgeld wird sie dadurch nicht los. Es ist also ein großer Irrtum anzunehmen, die Mrd. auf den Konten der EZB wären eine Alternative zu möglichen Kundenkrediten. Ist nicht so !!!

Das Zentralbankgeld wird von der EZB geschaffen ( z.B. durch den Ankauf von Anleihen ). Der Gegenwert kann logischer Weise nur auf Konten der Zentralbank gutgeschrieben werden. Wenn es einen Überschuss an Zentralbankgeld gibt, kann die Summe aller Banken diesen Überschuss nicht loswerden. Nur die einzelne Bank könnte, wenn Sie eine Bank findet, die ihr das Zentralbankgeld abnimmt. Da aber insgesamt viel zu viel Zentralbankgeld unterwegs ist, ist auch das ein hilfloses unterfangen.

Das "Gesetz" welches das "vorschreibt" sind die Grundsätze der doppelten Buchführung wenn man es so sehen will. Es geht rein buchalterisch nicht anders.

Antwort
von Tritur, 73

Eigene Konten hat eine Bank bei der Zentralbank oder bei anderen Banken. Es gibt keine Vorschrift, dass eine Bank die Einlagen ihrer Kunden an die EZB weiterreichen muss.

Wenn eine Bank keine hinreichend solvente Kreditnehmer findet, was soll sie machen? Da ihre Korrespondenzbanken das gleiche Problem haben und daher Negativzinsen berechnen, bleibt nur der Tresor oder die EZB mit ihren Negativzinsen. Bargeld im Tresor verursacht aber Handhabungs- und Versicherungskosten, die derzeit noch höher sind als der negative EZB-Habenzins.

Die Banken (sie sind keine Wohltätigkeitsinstitute, sondern auf Gewinn ausgerichtete Unternehmen) werden deshalb früher oder später die Negativzinsen an ihre Kunden weitergeben.

Es hilft alles nichts, wer sein Geld sicher anlegen will (auskömmliche Zinsen zahlen nur noch Institute geringer Bonität), der muss demnächst bei allen Banken Negativzinsen akzeptieren, oder sein Geld windigen Schuldner leihen, in Aktien, eigene Wohnung oder Gold anlegen oder es mehr oder weniger sinnlos verkonsumieren.

Wenn dabei die Altersvorsorge draufgeht, macht das unseren gut und sicher versorgten Politikern nichts. Altersarmut wird nur für die normalen Bürger eine interessante Erfahrung werden.     

Antwort
von wfwbinder, 61

Trenne Dich erstmal von dem Gedanken, dass die Banken "kundengeld" parken. Es ist Geld der Bank.

Wenn DEr Kunde Geld auf sein Konto einzahlt, geht das Geld in das Eigentum der Bank über und der Kunde hat einen Anspruch auf Auszahlung gegenüber der Bank auf Auszahlung dieser Summe.

Die Bank müssen nur die gesetzliche Mindestreserve bei der EZB hinterlegen. Im Übrigen können sie Geld bei der EZB hinterlegen, auf Konten bei anderen Bank legen.

Antwort
von Rat2010, 60

Mir ist kein solches Gesetz bekannt.
Es geht dabei aber auch nicht darum, die EZB reich zu machen. Geld soll ausgeliehen werden, statt es irgendwo (für die Konjunktur nutzlos) zu parken.

Wenn die EZB als sichere Parkmöglichkeit wegfällt, müssen die Banken (mit dem Geld) arbeiten und genau das steht als Absicht dahinter.

Es "einfach" stehen zu lassen ist nicht gut für die Bilanz der Bank. Es erhöht die Bilanzsumme, mindert die Eigenkapitalquote und macht sie längerfristig (durch andere Regeln) handlungsunfähig. Dazu kommt, dass schon die (aus der Sicht der EZB durch die Politik sicher) ansteigende Inflation dafür sorgt, dass diese Banken die Verlierer sein werden.

Eine Bank, die gut geführt ist, wird genötigt, entweder Geld zu attraktiveren Konditionen zu verleihen oder ihre Kunden zu nötigen, ihr Geld direkt oder auf Umwege am Aktienmarkt oder in Investitionen/Konsum zu investieren, was wiederum die Refinanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen oder deren Ertragslage verbessert. Es gibt noch einige andere Effekte aber das sind die wesentlichen.

Antwort
von hildefeuer, 58

"daß die Banken diesen Strafzins an die Kunden weitergeben könnten"

ja sie können es, aber welcher Kunde wird das mitmachen? Wenn das geschieht wie jetzt z. B. bei einem Teil der Sparkassen in anderer Form. Die wollen die Kostenlosen Girokonten streichen. Dann wird man als betroffener Kunde woanders hin gehen.

Gerade dieses Institut überlegt nun, ungenutzte Gelder nicht mehr bei der EZB zu parken. Damit wäre das vom Tisch.

Antwort
von billy, 56

Nein ein derartiges Gesetz gibt es nicht. Nach den Vorstellungen der EZB sollen die Banken lieber Darlehen an Kunden vergeben als das Kapital nutzlos auf irgendwelchen Konten liegen zu lassen. Mit dem Begriff Strafzins ist ein Negativzins gemeint, d.h. nicht nur 0,0 % Zins, sondern für geparktes Geld ( totes Kapital ) müssen die Anleger den Zins an die Bank bezahlen das das Geld da so nutzlos herumliegen darf. 

Kommentar von Tritur ,

Fragt sich nur, woher die Banken genügend gute Kreditnehmer findet. Lieber legt sie ihre Gelder zu Minuszinsen bei der Zentralbank an und verliert den Bruchteil eines Prozents pro Jahr, als dass sie es als Kredit an einen windigen Kreditnehmer herauslegt, wo sie innerhalb eines Jahres alles verlieren kann.

Kommentar von billy ,

Hallo Tritur, 

Kann Deine Bedenken, nicht aber die Nachsicht (Mitleid) für die Geschäftsbanken nachvollziehen, wie immer im Leben hat jede Medaille zwei Seiten. 

Weder die EZB noch sonst irgend jemand fordert von den Geschäftsbanken Kreditvergaben um jeden Preis. Offensichtlich aber tun sich viele Banken sehr schwer sich dem Wettbewerb zu stellen, vergeben aus diesem Grund lieber keine Kredite und wollen ihre Einlagen am liebsten noch kostenlos bei der EZB parken, statt das Geld mittelständischen Firmen in Form von Darlehen zu halbwegs vernünftigen Konditionen zu gewähren. 

Wie sonst ist zu erklären das viele kleine und mittelständische Betriebe darüber klagen sie müssten wichtige Investitionen in die Substanz und das Know How ihrer Unternehmen vertagen weil sie von ihren Partnerbanken entweder keine oder nur Darlehen mit schlechten Konditionen angeboten bekämen. 

Ähnlich verhält es sich bei Verbraucherdarlehen (Hypotheken- und Konsumentenkredite). Wer ist schon bereit für Allzweckdarlehen Effektivzinsen von 6 -10 %, bei Dispo - und Überziehung auch noch weit darüber zu zahlen, in dem Wissen das die Geschäftsbanken das Geld zu 0,0 % erhalten. 

Wäre es nicht besser Darlehen zu vergeben und damit die Konjunktur anzukurbeln, natürlich zu Grundsätzen wie sie schon seit Jahrzehnten gelten und seit der Finanzkrise noch einmal verschärft wurden um das Ausfallrisiko zu minimieren. 

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